Workshop

Slide Guitar: Standard-Tuning, Teil 2

Ich hoffe, ihr habt euch Slide-mäßig in der Standard-Stimmung akklimatisiert. Diesmal geht es um Akkord-Positionen auf dem Griffbrett, aus denen heraus man Solo-Licks entwickeln kann.

(Bild: Martin Schmidt)

>>>Hier geht es zu Teil 1<<<

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Akkord-Shapes

Während man in den offenen Stimmungen immer einen sechsstimmigen Akkord zur Verfügung hat, sobald man den Slide als Barré über alle Saiten legt, muss man sich in der Standard-Stimmung mit kompakteren Zwei- oder Dreiklängen behelfen.

In Beispiel 1 zeige ich fünf Shapes, die ich bei Dur-Akkorden einsetze. In Takt 1 siehst du einen Dur-Dreiklang in der zweiten Umkehrung auf der D-, G- und H-Saite, der sich auch in der offenen G-Stimmung wiederfindet. Takt 2 zeigt einen Double-Stop aus Quinte und Grundton, Takt 3 kombiniert Quinte und Terz im Sext-Abstand. Takt 4 und 5 bieten Quarten, die auch als verzerrte Begleitakkorde eine gute Figur machen. Den tiefen Grundton könnt ihr bei allen Voicings dem Bassisten/der Bassistin überlassen.

In Moll ist die Auswahl noch kompakter. Beispiel 2 zeigt einen kompletten Moll- Dreiklang in Takt 1 und die schon in Dur aufgetauchten Quarten in Takt 2 und 3. Als erste Übung würde ich empfehlen, mit diesen Voicings die Akkorde bekannter Stückemit dem Slide zu spielen, damit sich eine gewisse Routine im Umgang mit den Shapes einstellt. Als Studienmaterial eignen sich Lagerfeuer-Klassiker genauso wie euer Band-Repertoire. Wichtig ist, dass ihr ohne lange zu überlegen verschiedene Akkord-Varianten parat habt.

Lick-Bastelstunde

Aus den Akkord-Shapes lassen sich mithilfe von neben ihnen liegender Skalen- Töne Licks und Phrasen fürs Solospiel ableiten. Beispiel 3 kombiniert die ersten zwei Dur-Shapes mit Tönen aus D-Mixolydisch. Zum Dreiklang kommen die Quarte und kleine Septime, die das Lick nach einem D7sus4 klingen lassen. Beispiel 4 kombiniert Dur-Shape 1 und 4 mit der leeren D-Saite, was der Phrase etwas den Klang einer offenen Stimmung verleiht.

Mithilfe von unterschiedlichen Leersaiten kann man das Pattern an verschiedene Akkorde anpassen. In Beispiel 5 spiele ich das Lick über eine I-IV-V–Verbindung in D und benutze für jeden Akkord die dazugehörige Leersaite für das Ende der Phrase. Den Double-Stop am Ende des Licks kannst du auch eine Oktave höher spielen – eine einfache Methode um eine Phrase leicht zu variieren.

Open E Imitation

Beispiel 6 erinnert an die offene E-Stimmung. Den Double-Stop aus Quinte und Grundton findet ihr auch in dieser Stimmung auf E- und H-Saite. Zum Zweiklang kommen die kleine Septime und die große Terz auf E- und G-Saite hinzu. Das Lick umspielt den D-Dur-Barré-Akkord am zehnten Bund. Im Gegensatz zur offenen Stimmung musst du öfter die Lage wechseln. Wichtig ist es, alle Töne sauber abzudämpfen, denn was in der offenen Stimmung harmonisch nach dem Grund-Akkord klingt, produziert im Standard-Tuning schnell Missklänge, da sich akkordfremde Töne einschleichen. Ich habe das ganze Lick im Playback leicht Staccato mäßig gespielt, sodass die Töne nicht ineinander klingen.

Moll-Atmosphäre

Im letzten Beispiel geht es nach D-Moll. Kombiniert werden die leere D-Saite mit dem Quart-Shape am siebten und dem Moll-Dreiklang am zehnten Bund. Das ergibt einen völlig anderen Klang als den Dur-Sound der Open Tunings und eröffnet – wie ich finde – ganz neue Welten fürs Slide-Spiel. Statt nach Blues klingt es jetzt nach düsterem Roadmovie, Surf oder den atmosphärischen Sounds von Underground- Rockern wie Nick Cave, Gun Club und Konsorten.

Soundbeispiele

>>>Hier geht es zu Teil 1<<<

Viel Spaß beim Ausprobieren der Akkord-Shapes und bis zur nächsten Folge, in der wir uns dann etwas genauer mit Slide- Sounds in Moll auseinandersetzen. Anregungen, Wünsche und Kritik kannst du wie immer unter martin@the-incredible-mr-smith.com loswerden.


Aus Gitarre & Bass 04/2017

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