Basis-Equipment

Singer Songwriter Workshop Teil 4

Singer Songwriter(Bild: Dieter Stork)

Daheim auf der Couch ist es einfach: Das Singer-Songwriter-Talent setzt sich mit seiner Gitarre hin, spielt und singt – that’s it. Zusatz-Equipment ist bei dieser einfachsten aller Spielsituationen meist der Verbesserung von Stimmung, Inspiration und Timing zugedacht und umfasst je nach Geschmack eine Dose Bier, ein Gläschen Weißwein oder eine Tasse Bio-Grüntee – in dringenderen Fällen auch mal einen Jägermeister oder andere inspirierende Substanzen.

Will man aber aus dem Wohnzimmer in die weite Welt hinaus und in etwas größerer Runde öffentlich performen, muss man sich sofort Gedanken um jede Menge Equipment machen. Und schon mal den Kontostand checken, denn je nach persönlichem Bedarf und Größe der Auftritts-Location kann da Einiges zusammenkommen.

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gitarre & mehr

Die Gitarre steht natürlich am Anfang der Bedarfsliste. Meist wird eine Stahlsaiten-Klampfe benutzt (engl.: Steelstring). Wer überwiegend Strumming-Begleitungen mit Plektrum spielt, greift oft zu einer Dreadnought oder Roundshoulder-Jumbo, wer sich alle Spieltechniken offenhalten will, bevorzugt meist eine der mittleren Größen wie Orchestra Model (OM), Grand Auditorium oder Small Jumbo. Fingerstyle-Spezialisten und Blues-Shouter der charmanten Art spielen auch gern mal eine Smallbody-Acoustic, diese Gitarrentypen nennen sich Parlor, Double-0 (00) oder Triple-0 (000).

Steelstring Acoustics werden meist mit etwas dickeren Saiten bespannt als E-Gitarren. Hier sind 011er- oder öfter noch 012er-Saiten Standard, hartgesottene Spieler mit ausreichend Kraft und Hornhaut greifen auch schon mal zu 013er-Drähten – insbesondere wenn sie auch bluesige Slide-Spielweisen im Repertoire haben. Bei der Saitenwahl entscheidet man nach Klang, Spielgefühl und Lebensdauer – es gibt unbeschichtete und beschichtete Saiten, außerdem unterscheidet man nach 80/20-Bronze- und Phosphor-Bronze-Strings.

All diese Typen und natürlich mehr noch die unterschiedlichen Fabrikate unterscheiden sich in so vielen Details, dass man kaum eine Empfehlung aussprechen kann. Hier kommt der Gitarrist nichts ums geduldige Ausprobieren herum. Auch bei den beschichteten Saiten, die aufgrund der Schutzüberzüge besser gegen Korrosion geschützt und damit langlebiger sind, gibt es immense Unterschiede. Weiterhin gibt es Saiten-Spezialitäten wie Silk&Steel, eine Art Mittelding aus Nylon- und Stahlsaiten, mit deutlich geringerem Saitenzug und hörbar weicherem Klang.

Viele Songbegleitungen werden im Strumming-Stil gespielt – dazu braucht man ein Plektrum. Je nach Spieltechnik und Klangvorstellung gibt es auch hier unzählige Typen, die sich in Form und Material unterschieden. Abgesehen davon ist die Dicke immens wichtig: Ein dünnes Plektrum erzeugt verlässlich einen nicht zu lauten höhenreichen Klangteppich ohne große Dynamik, mit einem mittelfesten Plektrum lässt sich eigentlich alles flexibel umsetzen, dicke Plektren spielt man meist solistisch, also für Single-Note-Soli oder kernige Begleitungen in Richtung Bluegrass.

Die zweite wichtige Anschlagtechnik für Singer-Songwriter ist Fingerpicking – dabei werden die Saiten einzeln mit Daumen und Fingern angezupft. Bei Liedbegleitungen, die nicht in Richtung Virtuosität gehen, benutzt man oft Picking-Patterns, also feste Bewegungsabfolgen, die eine verlässliche Begleitung liefern und es ermöglichen, sich parallel auch noch auf den Gesang zu konzentrieren. Manche Spieler benutzen Daumen-Picks, um die Basstöne besser artikulieren und Basslinien deutlicher herausstellen zu können. Es gibt sogar ähnliche Hilfsmittel für alle Finger, genannt Fingerpicks. Diese werden aber meist von virtuosen Spielern bei komplexen Instrumental-Fingerstyle-Stücken eingesetzt.

Ein besonders nützliches Zubehör ist der Kapodaster. Man klemmt ihn an den Hals, die Saiten werden dabei im gewünschten Bund heruntergedrückt und damit die Tonlage erhöht. Dadurch kann man mit einfachen Griffen auch in ungewohnten oder sonst sehr umständlichen Tonarten spielen. Auch sehr schön ist die Möglichkeit, dass im Zusammenspiel zweier Gitarren eine mit Capo gespielt wird und so besonders volle und klangstarke Voicings entstehen.

Singer Songwriter(Bild: Dieter Stork)

Wer auf der Bühne seine Songs performt, tut dies oft im Stehen – und braucht dann einen Gitarrengurt, meist aus Leder oder Kunststoff und erhältlich in jedem denkbaren Design. Voraussetzung zur Befestigung sind zwei Gurt-Pins am Instrument, viele Gitarristen benutzen besonders sichere Gurthalte-Systeme wie die S-Locks von Schaller.

Um die Klampfe zum Gig zu schaffen, braucht man unbedingt ein sicheres Transportbehältnis. Ein fester Gitarrenkoffer (engl. Hardcase) ist ideal, hier gibt es Typen aus Holz oder aus Kunststoff. Alternativ tut es auch ein gut gepolstertes Gigbag oder als Mittelweg ein Softcase. Diese Typen sind leichter und damit besser transportabel, speziell wenn man mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist.

Auf der Bühne platziert man die Gitarre dann auf einem Gitarrenständer, der möglichst stabil sein soll und nicht so leicht aus der Balance gebracht werden kann. Zu achten ist bei der Auswahl auf die Standsicherheit, den Schutz gegen Herausfallen sowie auf gute Polsterung an den Auflagepunkten.

gesang

Der singende Gitarrist braucht zur gelungenen Live-Performance ein Mikrofon. Hier entscheidet man sich für ein Bühnengesangsmikrofon und sollte nicht allzu sparsam sein. Kaufpreis und Klangqualität stehen hier in enger Relation. Dynamische Mikrofone brauchen keine eigene Stromversorgung und sind robust, klingen aber meist etwas weniger offen als Kondensator-Mikros, wie man sie aus Recording-Studios kennt. Das wohl berühmteste Gesangsmikrofon der Welt – das Shure SM58 – ist ein solches dynamisches Mikro. Alle großen Hersteller bieten heute auch Condenser-Mics für die Bühne an. Die benutzt man, wenn eine 48-Volt-Phantomspeisung vorhanden ist und der offenere und höhenreiche Klang des Mikros zur eigenen Stimme passt. Ergänzend benötigt man noch ein Mikrofonstativ sowie ein XLR-Kabel. Ein Halter oder eine Klemme liegt dem Mikrofon in der Regel bei.

laut gemacht

Um die Gitarre live zu verstärken, muss sie mit einem Tonabnehmer ausgestattet sein. Viele Akustik-Gitarren bieten das ab Werk, man nennt sie dann elektroakustische Gitarren oder kurz E-Acoustics. Es gibt verschiedene Pickup-Technologien. Oft ist unter der Stegeinlage ein Piezobasierter Tonabnehmer eingebaut, dessen Signal von einem Onboard-Vorverstärker aufbereitet wird und an der End-Pin-Buchse nach außen gelangt. Diese dient dann auch als hinterer Gurt-Pin.

Singer Songwriter(Bild: Dieter Stork)

Bei Steelstrings gibt es die Möglichkeit, einen Magnet-Pickup im Schallloch zu montieren, hier gibt es aktive und passive Systeme, Singlecoils und Humbucker-Modelle. Zum Nachrüsten ist dies die wohl einfachste Möglichkeit, allerdings klingen viele Magnet-Pickups ein wenig „elektrisch“ und bringen eine eigene Klangnote ins Geschehen ein. Der Markt bietet auch aufwendige Systeme, etwa eine Kombination von Undersaddle-Pickup mit Mikrofon im Korpus, weiterhin gibt es Kontakt-Tonabnehmer (Soundboard-Transducer) und andere eher exotische Klangwandler. Bei der Tonabnehmerwahl sollte man auf natürlichen Klang und saubere rauschfreie Übertragung achten, weiterhin auf gleichmäßige Lautstärke aller Saiten und auf schnellen Batteriewechsel.

Singer Songwriter(Bild: Dieter Stork)

Um Gitarre und Gesang für das Publikum hörbar zu machen, ist die einfachste Möglichkeit ein Akustik-Amp. Der sollte wenigstens zwei getrennte Kanäle mit Anschlüssen für Instrument und Mikrofon haben. Auch hier gibt es am Markt ein breites Angebot in allen Preisklassen, bewährte Modelle kommen u. a. von Schertler, Acus, AER, Marshall, Roland, Hughes&Kettner, Fishman oder Fender. Achtet bei der Auswahl auf Regel- und Anschlussmöglichkeiten, Leistung, Onboard-Effekte und natürlich Klang.

In kleinem Rahmen dient der Akustik-Amp der gemeinsamen Beschallung von Gitarrist und Publikum. Auf größeren Bühnen gibt es meist eine Haus-PA für die Gäste, der Akustik-Amp wird dann zum persönlichen Monitor für den Musiker. Man kann den Amp auch zur PA umfunktionieren und für sich selbst eine kleine externe aktive Monitorbox benutzen, z. B. das Modell FLAT-M100 von IMG Stage Line, das sich sogar direkt am Mikrofonstativ befestigen lässt.

Zwischen Gitarre und Verstärker gehört ein technisch gutes und vor allem solides Instrumentenkabel mit Klinkensteckern. Für professionellen Sound ist eine sauber gestimmte Gitarre immens wichtig. Live-taugliche Stimmgeräte gibt es zum Anklemmen an die Kopfplatte (Klemm-Tuner) oder in Form von Bodenpedalen. Moderne Tuner bieten viele Möglichkeiten, lassen sich auf verschiedene Referenztonhöhen kalibrieren, bieten Voreinstellungen für Open- oder Down-Tunings und können manchmal sogar polyphon die Tonhöhen aller Saiten gleichzeitig erkennen. Besonders wichtig auf der Bühne ist die gute Ablesbarkeit der Anzeige.

Singer Songwriter(Bild: Dieter Stork)

Kaum ein E-Gitarrist, der keine Effekte benutzt; man spricht aktuell sogar vom Zeitalter der Pedaleffekte. Auch akustische Spieler können ihren Sound mit Effekten aufpeppen. Eine Möglichkeit sind spezifische Pedale für Acoustics, die oft Preamp, Equalizer und Effekte kombinieren. Typische Sounds für Akustik-Gitarre wären Modulation (Chorus, Phaser), Delay, Hall, das vorgeschaltete Preamp-Modul samt EQ ist dann speziell für Acoustic-Pickups ausgelegt. Es gibt spezialisierte Prozessoren, die auf den Originalklang eine andere Gitarren-Charakteristik aufrechnen (quasi eine Art Modeling), andere wiederum reichern den sehr direkten Pickup-Sound mit einer Mikrofonsimulation an. Ob man solch einen All-in-One-Prozessor benutzt oder sich ein akustisches Pedalboard zusammenstellt, entscheidet der persönliche Geschmack.

Auch für die Signalkette des Gesangs gibt es Effekte in Form spezieller Vocal-Prozessoren, die das Mikrofonsignal kreativ bearbeiten und sogar die Möglichkeit bieten, ganze Chöre aus einer Stimme zu erzeugen – die sind unter Zuhilfenahme des Gitarrensignals dann sogar automatisch harmonisch richtig gesetzt.

Wer allein performt und über die puren Möglichkeiten von Gitarre plus Gesang hinausgehen möchte, sollte sich Looper-Pedale anschauen. Mit diesen lassen sich auf Fußtastendruck Live-Signale von Gitarre und/oder Gesang aufnehmen, weitere Spuren addieren und alles wiedergeben, während man weiterhin dazu spielt und singt. All das in Realtime und (hoffentlich) sauber im Song-Tempo. Künstler wir Ed Sheeran oder Tash Sultana beherrschen das auf beeindruckende Weise und haben daraus eine eigene Kunstform gemacht – das Live-Looping.

singer/songwriter-setup

Ein Basis-Live-Setup des hoffnungsvollen Singer/Songwriters könnte so aussehen: Pickup-bestückte Gitarre – Klinkenkabel – Stimmgerät – optional Preamp, EQ, Effekte – Akustik-Amp. Das Gesangs-Signal: Mikrofon – Mikrokabel – optional Vocal-FX – Amp. Dazu kommt Zubehör: Plektrum, Saiten, Kapodaster, Gurt, Gitarrenständer, Koffer/Gigbag, Mikrofonstativ. Wer die Illusion weiterer Mitspieler und Signale erzeugen möchte, arbeitet mit Looper-Pedal und spezialisiertem Gesangs-Prozessor mit intelligentem Harmoniestimmen-Generator.

Stay tuned: In der nächsten Folge geht es wieder in die Praxis. Wir schauen uns die wichtigsten Anschlagtechniken für Singer-Songwriter an.

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