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Treble Booster im Test
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Workshop

Hot Rod Mod: Marshall Guv’nor Mods

Das letzte Mal haben wir einen Marshall-Guv’nor-Oldie wieder bühnentauglich gemacht. Der kultige Klassiker mit dem phantastischen Marshall-in-a-Box-Sound leidet ja leider unter einigen minderwertigen Bauteilen. Insbesondere die Potis und die Buchsen gehören nicht unbedingt zum Besten, was die 80er-Jahre zu bieten hatten. Auch bei meinem Guv’nor kratzten die Potis und die Loop-Buchse war abgebrochen.

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Mit etwas Kontaktspray-Pflege und passenden Ersatzteilen kann man das Vintage-Schätzchen aber gut reparieren. Allerdings hatte ich schon letztes Mal angekündigt, dass ich auf die Instandsetzung der Loop-Buchse gerne verzichte, weil ich sie eh nie verwendet habe und nicht vermissen werde. Den Platz nutze ich lieber für den Einbau einer Mod. Also schauen wir mal, was man an dem Guv’nor so alles verändern kann.

feinere zerre: dioden-mod

Moddingmöglichkeiten bieten sich bei dem Guv’nor v. a. im Diodenclipping an. Wenn man statt der LEDs Kleinsignaldioden (1N4148), Powerdioden (1N4001) oder Germaniumdioden nimmt, ändert man den Grundklang schon recht deutlich. Wie immer bei solchen Eingriffen, ist es natürlich sinnvoll, die Änderung schaltbar zu machen, damit man nicht auf den Originalsound verzichten muss. Das erfordert dann in der Regel die Bohrung eines Lochs für den Schalter, was ich meinem Vintage-Schätzchen aber nicht antun will.

Also verzichte ich auf die für mich unnötige Loopbuchse und nehme die ehemalige Buchsenbohrung für den Schalter. Die kleine Änderung an der Platine, die durch das Auslöten der beiden roten LEDs entsteht, nehme ich in Kauf. Das ist ja schnell wieder rückgängig gemacht.

Die Demontage des Guv’nor beginnt bei den Bodenschrauben. Innen findet man zwei Platinen. Die obere Platine wird durch Entfernen der Buchsenschrauben gelöst und die untere durch Entfernen der Potikappen, der Potis und des Fußschalters. Von der unteren Platine werden die beiden Clipping-LEDs entfernt. Hierzu darf wieder die Entlötpumpe ran. Statt den LEDs kommen nun zwei Litzen an einen der beiden LED-Lötpunkte.

Die Miniplatine für das schaltbare Diodenclipping.

Die LEDs und die anderen Dioden – ich habe mich für vier 1N4148 entschieden – werden auf einer Miniplatine montiert. Dazu genügt ein Streifenraster von drei Streifen mit vier Löchern. Am mittleren Streifen werden von den beiden originalen LEDs jeweils ein Anoden- und ein Kathodenbein gelötet. Von den Kleinsignaldioden werden jeweils zwei in Reihe geschaltet – die Markierungen der Dioden zeigen also in die selbe Richtung – und auch an den mittleren Streifen der Miniplatine gelötet. Ein Pärchen mit der Anodenseite und ein Pärchen mit der Kathodenseite, wie bei den LEDs.

Die Miniplatine wird direkt am Schalter befestigt.

Die anderen Beinchen der Dioden kommen an den einen äußeren Streifen, die der LEDs an den anderen äußeren Streifen. Die äußeren Streifen werden mit den äußeren beiden Anschlüssen des Schalters, einem SPDT-Miniswitch, verbunden. Dafür habe ich zwei stabile LED-Beinchen genutzt und dadurch bereits das Befestigungsproblem der Platine im Guv’nor elegant gelöst. Die Platine ist fest mit dem Schalter verbunden und findet über ihn im Gehäuse Halt.

Zum Schluss werden Schalter samt Miniplatine noch mit der Hauptplatine verbunden. Eine der beiden Litzen von der Hauptplatine kommt an den mittleren Pin des Schalters, die andere an den mittleren Streifen der Miniplatine. Wie rum, ist egal. Ohne die Loopbuchse ist für den Schalter mitsamt der Miniplatine im Guv’nor genug Platz.

Wo die Buchse Platz gemacht hat, kommt der Schalter hin. Breite Unterlegscheiben halten ihn im zu großen Loch.

Schwierig ist es allerdings, den Schalter in dem viel zu großen Loch zu befestigen. Dazu müssen zwei größere Unterlegscheiben besorgt werden. Damit der Schalter nicht im Loch wackelt, habe ich noch mit drei kleineren Unterlegscheiben die Gehäusewand ausgefüttert. Die original mitgelieferte Unterlegscheibe des Minischalters passt vom Durchmesser genau in das zu große Loch und wenn man drei Stück davon nimmt ist die Wandstärke ziemlich exakt ausgefüllt. Nach der Bastelei sitzt der Schalter nun bombenfest. Klanglich bieten die 1N4148 eine etwas leisere aber dichtere und feinere Verzerrung als die LEDs.

Die eingebaute Dioden-Mod

true bypass-mod

Eine weitere sinnvolle Mod ist der Umbau auf einen True Bypass. Der Guv’nor hat nämlich keinen echten True Bypass, sondern schaltet mit seinem 2PDT-Schalter nur den Effektausgang und die LED. Der Effekteingang wird im Bypass zwar stumm geschaltet, um ein Übersprechen im Schalter zu verhindern, aber es hängen immer einige Bauteile am Signal an denen sich empfindliche Ohren stören können.

Um auch den Eingang des Pedals zu schalten, muss der 2PDT-Schalter durch einen 3PDT-Schalter ersetzt werden. Das ist gar nicht so einfach, denn der 3PDT ist dicker als der 2PDT und passt wegen der inneren Aluwand nicht ohne weiteres. Um ihn einzubauen, muss also erst mal mechanisch gebastelt werden, indem man z. B. die Gehäusebohrung etwas vergrößert.

Deutlich einfacher ist es dagegen, das elektronische Problem zu lösen und den Eingang der Effektschaltung zu finden: Es ist das schwarze Kabel, rechts außen auf der Buchsenplatine, das zur Hauptplatine führt. Es wird von der Buchsenplatine abgelötet und kommt an linken Pin der mittleren Reihe des 3PDT-Schalters. Danach müssen nun auch die anderen Kabel identifiziert und mit dem 3PDT-Schalter verbunden werden: Das blaue Kabel von der Buchseplatine ist der Haupteingang. Es kommt an den oberen linken Pin des 3PDT-Schalters.

Fuß-Schalter: Oben der alte 2PDT-Schalter, unten die 3PDT-Version.

Das graue Kabel ist der Hauptausgang und kommt an den rechten Pin der mittleren Reihe. Der Effektausgang ist das von links kommende rote Kabel und kommt an den Pin rechts oben. Das grüne Kabel von der Buchsenplatine ist Masse. Die gehört in die Mitte des 3PDT-Schalters. Das lila Kabel von der Buchsenplatine schaltet die LED. Es kommt an den mittleren Pin vorne. Die unteren Pins links und in der Mitte des Schalters werden mit einer Drahtbrücke verbunden und vom Pin rechts unten wird noch ein Kabel zum Pin links oben gezogen. Fertig!

Zwei Kabel ist noch übrig. Ein rotes Kabel geht an eine Lötöse unter dem Schalter und stellt sicher, dass das Gehäuse auf Masse liegt. Es kann wieder mit dem grünen Massekabel verbunden werden. Das andere rote Kabel, das vom Widerstand R2 der Hauptplatine kommt, ist das Mute-Kabel, das den Effekteingang im Bypass stumm schaltet. Da es nach dem True-Bypass-Umbau nicht mehr benötigt wird, kann es durch Abisolieren stillgelegt werden.

In Internetforen wird zum Teil empfohlen, den Widerstand R16 (2M2 vom Eingang auf Masse), der zwischen Eingangsbuchse und Loopbuchse liegt, zu entfernen. Der Widerstand würde im Bypass-Weg nur stören. Andere lassen den Pull Down Widerstand aber am Platz.

mehr bass: kondensatoren-mod

Auf weitere Mods verzichte ich gerne bei meinem Guv’nor. Denn er gefällt mir klanglich so wie er ist. Daher hier nur die theoretische Beschreibung, wie man dem Guv’nor zu mehr Potential im Bassbereich verhelfen kann. Den Vorwurf, dass der Guv’nor etwas bassschwach sei, kann ich für Combos durchaus nachvollziehen. Die Bassabstimmung passt aber wunderbar vor einer 4x12er-Box, sodass es nicht matscht.

An den LEDs setzt der Dioden Mod an. Wer die Kondensatoren vermisst: Im Guv’nor sehen sie aus wie Widerstände.

Für etwas mehr Schub im Bassbereich können die Kondensatorwerte von C1 und C5 z. B. auf 220 nF und von C9 auf 1 uF erhöht werden. Das sind zumindest die Werte, die der Wampler Plextortion an diesen Stellen verwendet. Von dem Aussehen der originalen Kondensatoren sollte man sich übrigens nicht irritieren lassen. Die grünen und rosa Bauteile ähneln zwar Widerständen wie ein Ei dem anderen, es sind aber in der Tat Kondensatoren in axialer Bauform, die Marshall von Mitte der 80er bis Mitte der 90er gerne verwendet hat.

Schaltplan des Guv’nor

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2019)

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