Produkt: Gitarre & Bass 4/2019 Digital
Gitarre & Bass 4/2019 Digital
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Workshop

Hot Rod Mod: Electro-Harmonix Small Clone – Teil 2

Dezent modifiziert – auch um die Optik nicht zu zerstören. Der Schiebeschalter ist nun für die Flanger-Mod und der Kippschalter für die Vibrato-Mod zuständig. Der Depth-Poti versteckt sich auf der Rückseite. (Bild: Marc-Oliver Richter)

In der letzten Folge lag endlich mal ein Electro-Harmonix-Pedal auf dem Arbeitstisch. Bisher hatte ich die kultigen Effekte von Mike Matthews hier ja sträflich vernachlässigt. Mit dem EHX Small Clone Chorus kommt aber direkt ein Effekt-Schwergewicht zum Zuge, denn für viele gilt er als eines der besten Chorus-Pedale überhaupt, und alte Originale werden zu schwindelerregenden Preisen gehandelt.

Gut, dass heute wieder Reissues zu einem vernünftigen Kurs angeboten werden. Produziert wurde der originale Small Clone von den späten 70ern bis 1983. Das Pedal, das den Trademark-Sound von Kurt Cobain und Nirvana prägte, war also in den 90ern schon „vintage“ – oder einfach nur „alt und gebraucht“, wie man damals noch dazu sagte.

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Der Small Clone ist technisch gesehen eines der einfachsten Chorus-Pedale – vielleicht ist das gerade das Geheimnis seines guten Klangs. Das Kernstück der Schaltung ist der Eimerkettenspeicher MN3007, der die für den Chorus-Sound notwendigen kurzen Delays erzeugt. Um ihn herum ist die Schaltung so simpel wie möglich gehalten. Auch die Bedienelemente sind puristisch gehalten: ein Geschwindigkeits-Poti und ein Depth-Schalter für die Effekttiefe – mehr ist nicht nötig, um eine erstaunliche Bandbreite an Sounds aus der Blechkiste herauszuholen. Natürlich ist es angesichts dieser Einfachheit reizvoll, das Modding-Potential zu prüfen. Und in der Tat, kann man auch mit einfachsten Änderungen schon eine ganze Menge tun.

Letztes Mal hatten wir bereits den Depth-Schalter durch einen 50-k-Poti ersetzt und einen Vibrato-Schalter eingebaut, indem wir den Widerstand R18 wahlweise aus dem Signalweg genommen haben. Diesmal schauen wir, ob wir dem Small Clone auch noch Flanger-Sounds entlocken können.

LEAVING ON A JETPLANE

Für die heutige Mod ist etwas mehr Aufwand nötig als beim letzten Mal, aber ich finde, es lohnt sich! Denn aus dem Chorus lässt sich auch ein dezenter Pseudo-Flanger-Sound herauskitzeln, der mir persönlich sehr gut gefällt. Die drei Modulations-Klassiker Phaser, Flanger und Chorus sind ja recht eng verwandt. Insbesondere Chorus und Flanger unterscheiden sich vor allem durch die LFO-Geschwindigkeit (Low Frequency Oscillator) und die Delay-Zeit.

Für den Flanger-Sound muss die LFO-Geschwindigkeit verlangsamt und die Delay-Zeit verkürzt werden. Eine Verlangsamung der LFO-Geschwindigkeit erreicht man beim Small Clone, wenn der Wert des Kondensator C19 (2,2 uF) erhöht wird. Durch Parallelschaltung eines zweiten Elkos, z. B. mit 10 uF, geht das recht bequem. Der originale 2,2-uF-Elko muss nicht einmal ausgelötet werden.

Die Litzen für den parallelgeschalteten 10uF-Elko werden an den Lötpunkten des originalen 2,2-uFElkos angelötet. (Bild: Marc-Oliver Richter)

Die Verkleinerung der Delay-Zeit funktioniert über den Kondensator C17 (150 pF). Je kleiner der Wert, desto länger wird die Delay-Zeit. Gute Werte für Flanger-Sounds liegen zwischen 30 und 60 pF. Mit einem DPDT-Schalter kann man beide Änderungen gleichzeitig schalten und erhält dadurch einen Pseudo-Flanger.

Der 150 pf-Kondensator regelt die Delay-Zeit. Ein kleinerer Wert verringert diese. (Bild: Marc-Oliver Richter)

Bei den Elkos muss man die Polung beachten. Ich habe daher verschiedenfarbige Kabel genommen: weiß für den Minus- und schwarz für den Pluspol, die ich an der Platinen-Unterseite direkt am Original-Elko angelötet habe. Die weiße Litze geht an den Minuspol des zusätzlichen 10-uF-Elko. Der Pluspol des 10-uF-Elkos wird mit einem der äußeren Pins einer Schalterseite verbunden.

Der fertige Flanger-Schalter (Bild: Marc-Oliver Richter)

Die schwarze Litze geht zum mittleren Pin der verwendeten Schalterseite. Die andere Seite des Schalters ist den kleinen Keramikkondensatoren vorbehalten. Der originale 150-pF-Kondensator wird ausgelötet und kommt zusammen mit einem zusätzlichen 33-pF-Kondensator mit jeweils einem Beinchen an die beiden äußeren Pins der zweiten Schalterseite. Die beiden anderen Beine werden zusammengelötet und kommen über eine Litze an einen der beiden Platinenschlüsse. Vom zweiten Platinenanschluss wird eine Litze an den mittleren Pin des Schalters geführt. Aufpassen muss man, dass der 33-pF-Kondensator und der 10-uF-Elko auf demselben Ende des Schalters sitzen, damit beide Änderungen für den Flanger-Sound gleichzeitig aktiviert oder deaktiviert werden.

NOCH WAS?

Eine Empfehlung aus dem Netz um den Flanger-Sound intensiver zu machen, habe ich zwar ausprobiert, aber auch wieder entfernt. Es wurde die Verwendung eines „Regeneration-Potis“ empfohlen, mit dem das Delay-Signal dem LFO-Signal wieder zugeführt wird. Das Signal sollte an R16 oder C13 (die beide per Leiterbahn verbunden sind) abgegriffen werden, um dann über einen 100-k-Poti an Pin 6 des RC4548 in den Signalweg zurückgeführt zu werden. Die Pins von ICs werden übrigens ausgehend vom markierten Pin 1 im Gegenuhrzeigersinn gezählt. Ist Pin 1 also oben links, ist Pin 6 des 4558 der zweite Pin von oben rechts. Das Poti sollte noch mit einem 33-k-Widerstand am Schleifer, also dem mittleren Pin des Potis, abgesichert werden, um Selbstoszillationseffekte zu verhindern.

Aber irgendwie funktionierte die Empfehlung nicht so recht. Auch ohne Widerstand gab es keine Selbstoszillation und der Gesamtsound wurde zwar lauter und kräftiger, aber in der Modulation nicht intensiver. Da mir das Klangbild ohne aufgedrehten Regeneration-Poti besser gefällt, kam er wieder raus. Schließlich sollte man mit den Regel-Optionen auch etwas haushalten. Zuviel des Guten ist letztlich nur verwirrend. Aus diesem Grund habe ich auf eine weitere Mod verzichtet, die zwar grundsätzlich sinnvoll, aber im Falle des Small Clones für mich nicht notwendig ist: Die Erhöhung der Gesamtlautstärke. Realisieren kann man dies über R19 (10 k). Die Verkleinerung des Wertes, z. B. über einen parallelgeschalteten 25-k-Poti, erhöht die Gesamtlautstärke des Pedals. Ich finde aber, dass die Abstimmung des Small Clones zwischen Effekt- und Bypass-Lautstärke bereits werksseitig gut gelungen ist und spare mir die Regelmöglichkeit.

HARDWARE

Hier bin ich unschlüssig: Soll ich den Kultfaktor des Small Clones zerstören, indem ich ihn in ein neues Gehäuse setze? Praktischer wäre das ja. Zumal die breite und hohe Blechkiste, in der der Small Clone daher kommt, auf meinen Boards nicht so recht passen will.

Platz genug ist in der großen Blechkiste (Bild: Marc-Oliver Richter)

In einem größeren Aludruckgussgehäuse, z. B. einem Hammond 1590BB-Typ, wäre die Platine gut aufgehoben, die zusätzlichen Löcher für die weiteren Bedienelemente könnten problemlos gebohrt werden und das Ganze würde mit einem entsprechenden Dekor bestimmt auch gut aussehen. Das mit dem problemlosen Bohren ist übrigens ein nicht unwichtiges Argument, denn das Blech des EHX-Gehäuses lässt sich nicht gut bearbeiten. Außerdem ist nach einer Bearbeitung ein rückstandsfreier Rückbau nicht mehr möglich.

Die Innereien des Small Clone würden auch gut in ein BB-Gehäuse passen. (Bild: Marc-Oliver Richter)

Und drittens: Wo soll ich denn den zusätzlichen Poti und Schalter überhaupt platzieren? Die beiden Original-Bedienelemente sind so arrangiert, dass jedes zusätzliche Bedienelement blöd aussieht. Andererseits: was mache ich dann mit dem Originalgehäuse? Und außerdem wäre es billig, der Herausforderung aus dem Weg zu gehen, den Small Clone so umzubauen, dass das Gesamtbild nicht völlig verschandelt wird. Also dann los!

Die Herausforderung heißt, Platz für einen Poti und einen Schalter zu finden, ohne das Design zu sehr zu stören. Die originale Status-LED macht Platz für einen Kippschalter. Eine kleine 3-mm-LED verstecken wir unterhalb des zentralen Potis. Die kleine Bohrung auf der Gehäuse-Oberseite ist recht problemlos möglich. Der originale Depth-Schiebeschalter wird für den Flanger-Mod genutzt und das Depth-Poti kommt auf die Rückseite, wo früher die DC-Buchse war. Die muss dafür nur minimal aufgebohrt werden. Das gelingt freihändig noch ganz gut. Für die neue DC-Buchse soll aber ein neues Loch unterhalb des Potis gebohrt werden.

Eine aktuelle Strombuchse musste auf jeden Fall rein, denn Klinkenbuchsen für die Spannungsversorgung sind heute nicht mehr zeitgemäß. Der Depth-Poti nutzt den Platz der alten DC-Klinkenbuchse. (Bild: Marc-Oliver Richter)

Das ist herausfordernd, denn bei dem gebogenen Blech hat man keinen festen Gegendruck. Mit einer abenteuerlichen Konstruktion an der Standbohrmaschine, bei untergelegtem Holz, Schraubstock und Zwingen konnte ich das Blech aber so befestigen, dass der Stufenbohrer das große Loch gut schaffte. Damit wären dann mit minimalem Bearbeitungsaufwand die neuen Bedienelemente untergebracht, ohne die Optik zu sehr zu stören. Ich finde, das Ergebnis kann sich sehen und hören lassen.

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2021)

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