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Workshop

Hot Rod Mod: Boss ODB-3 Bass Overdrive – Teil 2

(Bild: Roland/Boss)

Angeregt von einer Leserbitte, hier auch mal etwas für Bassisten vorzustellen, haben wir uns bereits in der letzten Folge den Boss ODB-3 näher angeschaut. Der weit verbreitete Standard-Verzerrer für Bassisten zeigte sowohl an der Gitarre als auch „artgerecht“ am Bass eingesetzt Licht und Schatten.

Punkten konnte er mit seiner effektiven Zweibandklangregelung, einem schönen, kräftigen Bassfundament und dem Balance-Regler, mit dem man das Originalsignal zum Effektsignal stufenlos zumischen kann. Abzüge gab es von mir aber wegen der fizzeligen, grellen Höhen und dem eher schlappen und drucklosen Sound. Meine Verwunderung, wie der ODB-3 angesichts seines Übermaßes an Distortion-Genen zu der Bezeichnung Overdrive kam, sei mal hintenangestellt. Die oben genannten Mängel sind auf jeden Fall Grund genug, an ihm die ein oder andere Mod zu versuchen.

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Eine gute Grundlage findet sich im Netz: Brian Wampler hat bereits 2010 eine Optimierung mit einem Tausch von nur drei Bauteilen vorgestellt und zu einem klassischen Dioden-Mod angeregt. Heute schauen wir mal genauer hin und überprüfen, ob die Wampler-Mod dem etwas schlappen ODB-3-Sound auf die Sprünge hilft.

Wer die Mod nachbauen möchte, sollte übrigens sicherstellen, dass ein Exemplar mit großer Platine und konventionellen Bauteilen zur Verfügung steht. Da Boss sukzessive auch seine Effektklassiker auf die SMD-Bauweise umstellt, könnte auch der ODB-3 von der Miniaturisierung bereits betroffen sein. Und ein Modding von SMD-Platinen ist so gut wie nicht möglich. Daher sollte man bei der Suche nach einem geeigneten Probanden auf dem Gebrauchtmarkt Ausschau halten. Das Angebot ist dort recht groß und mit Preisen ab ca. 50,- Euro auch recht günstig.

ZUERST MAL EINE DIODEN-MOD?

Den Anfang darf gerne die Dioden-Mod machen. Die ist ja schon ein alter Bekannter und in der Regel auch effektiv, um deutlich hörbare Klangunterschiede im Bereich der Zerrstruktur zu erreichen. Je nachdem, ob man Germaniumdioden, Kleinsignaldioden, Powerdioden oder LEDs im Clipping der Verzerrung verwendet, wird die Verzerrung weicher, zarter, kräftiger oder rauer.

Im ODB-3 sind LEDs verbaut. Durch einen Wechsel auf Kleinsignal- oder Powerdioden könnte daher die Aggressivität der Verzerrung reduziert und der ODB-3 deutlicher in Richtung Overdrive gebracht werden. Folgen wir der Empfehlung von Brian Wampler und versuchen es mit 1N4148-Kleinsignaldioden.

Wie üblich, sollen auch beim ODB-3 alle Mods schaltbar sein – nicht zuletzt, um ihre Effektivität zu überprüfen. Für die Modifikation der Clipping-Dioden verwende ich dafür einen On/Off/On-Schalter, der in der Off-Stellung dann auch eine Variante ohne Dioden ermöglicht. Die „kostenlose“ Dreingabe klingt nämlich manchmal auch ganz gut.

Sieht ziemlich wirr aus: die Verdrahtung der Mini-Hilfsplatinen für die beiden schaltbaren Kondensatoren-Mods. Wer sicher ist, dass er den Mod-Sound will, spart sich die gesamte Verdrahtung und ersetzt nur die Bauteile auf der Platine (Bild: M. O. Richter)

Die LEDs D2 und D3 werden von der Platine ausgelötet und kommen zusammen mit zwei 1N4148 auf eine Mini-Hilfsplatine. Die Streifenrasterplatine wird auf 3×4 Löcher zurecht gebrochen. Auf den mittleren Streifen kommen je ein Beinchen der zwei LEDs und der zwei 1N4148. Die beiden Pärchen müssen gegenläufig verschaltet werden, d. h. das Anodenbein der einen LED und das Kathodenbein der zweiten LED sowie das Anodenbein der einen 1N4148 und das Kathodenbein der anderen 1N4148 werden an den mittleren Streifen gelötet. Die anderen Beinchen kommen dann links und rechts an die äußeren Streifen: jeweils die LEDs zu der einen und die beiden 1N4148 zu der anderen Seite. Der mittlere Streifen kommt über eine Litze an die Platine.

Der zweite Platinenanschluss einer der ausgelöteten Original-LEDs wird mit dem mittleren Pin des Schalters verbunden. Die Platinenanschlüsse der zweiten LED bleiben frei. Die äußeren Pins des Schalters kommen jeweils an einen äußeren Streifen der Hilfsplatine. In der mittleren Stellung des Schalters tönt dann der laute und raue Klang ohne Clipping-Dioden, in den beiden anderen Schalterpositionen der Originalklang mit LEDs oder der leise und weichere Klang der Kleinsignaldioden.

Von der Klangalternative mit den 1N4148, die Brian Wampler erwähnt hat, bin ich enttäuscht. Der Sound passt nicht zu dem Pedal. Es klingt so als wäre hinter dem Original-Clean-Sound eine dauernde Verzerrung im Hintergrund zu hören. Clean- und Zerr-Anteil sind nicht harmonisch miteinander verbunden. Der Clean-Anteil ist deutlich zu hoch, selbst wenn der Balance-Poti komplett auf „OD“ steht, kommt überwiegend das Clean-Signal durch. Anscheinend werden die 1N4148 hier völlig überfahren.

Ich habe sie daher in einem zweiten Anlauf gegen Powerdioden vom Typ 1N4001 ausgetauscht, was die Sache etwas besser macht. So richtig gut, gefällt mir das zwar immer noch nicht, aber nun kommt der Sound zumindest als Einheit und nicht als Clean-Sound mit Hintergrundverzerrung. Am besten klingt es mit den LEDs – vielleicht sollte ich mal mit verschiedenenfarbigen LEDs experimentieren? Aber nicht jetzt, es gibt ja noch mehr zu tun!

Da mir die 1N4148-Kleinsignaldioden klanglich gar nicht zugesagt haben, kommen in einem zweiten Anlauf-1N4001 Powerdioden zum Einsatz. (Bild: M. O. Richter)

… JETZT ABER DIE RICHTIGEN MODS!

Es sind ja noch drei Bauteile zu tauschen, um dem ODB-3 auf die Sprünge zu helfen. Da mir gerade die Schalter knapp werden, will ich zwei Mods in einem DPDT-Schalter kombinieren. Ich nehme dazu die beiden Kondensatoren-Mods: den C10-Mod, um den Sound fetter zu machen, und den C8-Mod, um die fizzeligen Höhen los zu werden.

Der DPDT-Schalter hat zwei Ebenen und kann zwei Mods gleichzeitig schalten. (Bild: M. O. Richter)

Auch hier kommt eine Streifenraster-Hilfsplatine zum Einsatz, deren Leiterbahnen ich in der Mitte mit einem Schnitt unterbreche, um rechts und links die beiden Kondensatoren-Pärchen zu verlöten. Auf die eine Seite kommen die C10-Alternativen (der originale 33nF und der neue 1uF), auf die andere Seite die beiden C8-Alternativen (der originale 30pF und der neue 1nF). Die Verlötung des Schalters erfolgt analog zum Dioden-Mod. Je ein Kondensatorpärchen wird auf eine Ebene des DPDT-Schalters gelegt. Man sollte aufpassen, dass die originalen Kondensatoren jeweils auf derselben Seite des Schalters sitzen, damit man den Original-Sound auf der einen Seite und den Mod-Sound auf der anderen Seite hat und nicht immer nur entweder die C10-Mod oder die C8-Mod schaltet.

Kurzer Zwischenstopp: Zwei „schwebende“ Hilfsplatinen und ein noch nicht verbauter Schalter (Bild: M. O. Richter)

Und wie klingt das? Wow – Klasse! Jetzt passt mir der Sound des ODB-3. Die Frequenzverschiebungen machen genau das, was sie sollen. Die fizzeligen Höhen sind verschwunden und die Betonung der unteren Mitten, macht den Sound fetter und wuchtiger. Der Kondensatorentausch bekommt von mir eine klare Empfehlung.

… UND NOCH EINEN OBEN DRAUF!

Für die dritte Mod, die Änderung des Widerstandes R31 von 3K3 auf 1K, kann man es sich gerne leicht machen und den kleinen Originalwiderstand einfach an seinem Platz lassen. Statt ihn mühsam auszulöten, wird einfach ein weiterer Widerstand parallel geschaltet, mit dem dann insgesamt die 1K-Reduktion erreicht wird. Auch hier kommt wieder ein On/Off/On-Schalter zum Einsatz, so dass die Mod sogar in zwei Stufen wirkt.

Der R31-Mod kann einfach durch eine Parallelschaltung von Widerständen erreicht werden. Dann darf der originale Widerstand auch drin bleiben und die Verdrahtung kann auf der Platinenunterseite erfolgen. (Bild: M. O. Richter)

Der Widerstandsrechner im Internet (z. B. sengpielaudio.com) sagt, dass man über die Parallelschaltung des originalen 3K3 mit einem 1K5-Widerstand auf den Mod-Wert 1K kommt und für einen Zwischenwert von 2K ein 5K1-Widerstand gebraucht wird. Die beiden Widerstände löte ich direkt je an einen der äußeren Lötaugen des Schalters und dann zusammen an eine Litze, die an eine Seite des Originalwiderstands auf der Platinenrückseite kommt. Der andere Lötpunkt des Originalwiderstandes kommt an den mittleren Pin des Schalters.

Jetzt stehen drei Sounds zur Auswahl: in der Mittelstellung des Schalters (Off) kommt nur der Originalwiderstand (3K3) zum Einsatz; in den Schalterstellungen links oder rechts bewirkt je eine Parallelschaltung einen Wert von 2K oder 1K.

Der Effekt der Mod ist klasse. Man könnte den Schalter als „Deep-Schalter“ bezeichnen. Die Mod bringt ordentlich Druck in den ehemals schlappen ODB-3-Sound. Wer den ODB-3 nach diesen positiven Erfahrungen nun auch für die Gitarre einsetzen möchte, könnte einem weiteren Tipp der Internetgemeinde folgen und den Wert von C2 von den originalen 1uF auf 1nF reduzieren. Aber Stopp! Ich wollte doch extra etwas für Bassisten schreiben. Also leg ich den Lötkolben jetzt mal weg.

Das neue Bedienfeld des gemoddeten ODB-3: links oben die effektive und sehr empfehlenswerte Kondensatoren-Mod. Rechts unten der ebenfalls empfehlenswerte Zweifach-Deepschalter (R31-Mod). Ob ich den Dioden-Mod (rechts oben) noch einmal bauen würde, weiß ich nicht. Ich finde den ODB-3 mit den LEDs klanglich am besten. (Bild: M. O. Richter)

(erschienen in Gitarre & Bass 09/2020)

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ein Gerät, was eigentlich niemand wirklich braucht.

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