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Guitar Guru: Yamato-Bass und Fernandes-LP-Style-Gitarre

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Hast du Fragen zum Thema „alte und/oder merkwürdige Gitarren“? Wir beantworten sie auf dieser Seite. Monat für Monat. Diesmal geht es um einen Yamato-Bass und eine Fernandes-LP-Style-Gitarre.

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„Diesen Bass habe ich vor 15 Jahren aus Neugier für 150 Euro gekauft, konnte aber bislang fast nichts über die Marke Yamato und speziell über dieses Modell herausfinden. Die Mensur ist 30,5″, der Bass hat keinen Sustain-Block und ist mit 2,8 kg recht leicht. Die primitive Brücke und die Positionierung der Neckplate lassen eher auf ein japanisches Economy-Produkt aus den 70er-Jahren schließen. Das Pickguard und die Abdeckung sind Nachfertigungen passend zu den vorhandenen Bohrungen. Der Hals ist immer noch bolzengerade. Bundrein einstellen lässt sich der Bass aufgrund der Brücke nicht, solange man sich unterhalb der Oktave bewegt, stört es allerdings noch nicht. Die Maße des Pickups (75 x 61 mm) weichen von den üblichen Epiphone-Abmessungen (55 x 90 mm) ab. Für Infos zu dem Instrument wäre ich euch sehr dankbar.“

Christian

Bei Yamato handelte es sich um eine heute nicht mehr genutzte japanische Exportmarke. Wer der Markeninhaber war, lässt sich nicht mehr feststellen, da die Akten entweder vernichtet wurden bzw. die Marke niemals offiziell registriert war. So kann man nur vermuten, dass es sich um die Marke eines japanischen Exporteurs von Musikinstrumenten handelt.

„Yamato“ selbst ist eine alte Bezeichnung für Japan, aber z.B. auch für ein Kriegsschiff, hat also an sich nur für Japaner eine Bedeutung. Man findet diese Markennamen auf Gitarren und Bässen von verschiedenen Herstellern. In den 1960er-Jahren stellte die japanische Firma Tombo-Gitarren für die Marke her. Tombo allerdings verschwand bereits 1967 mit dem Niedergang der ersten goldenen Ära des japanischen E-Gitarrenbaus, weshalb beileibe nicht alle Yamato-Gitarren von Tombo gebaut worden sein können (wie im Internet manchmal zu lesen ist). Die Identifikation dieser alten Instrumente, die unter den verschiedensten Marken (oder auch gar keinen) importiert und vertrieben wurden, gleicht einem Puzzle. Mir ist es mittlerweile gelungen, die Yamato-Instrumente der 1970er-Jahre relativ sicher dem Hersteller Chushin Gakki zuzuordnen. Dieses japanische Werk stellte bis 2010 gewaltige Mengen für verschiedenste Auftraggeber her, unter anderem sind die meisten mit „Cimar“ (Hoshino Gakki) gelabelten Gitarren von Chushin – und genau diese Modelle gibt es nun wiederum auch mit dem Yamato-Label.

Schaut man sich den Bass genauer an, stimmen viele Merkmale mit von Chushin damals gebauten Instrumenten überein, z.B. die Art, wie die Kopfplatte gemacht wurde oder auch die Halsbefestigungsplatte. Hierbei ähneln sich die japanischen Instrumente der 1970er stark, mit der Zeit erkennt man aber sehr feine Unterschiede bei den Details und kann so oft einen Hersteller bestimmen. Als Zeitraum der Herstellung schätze ich 1972-1978; nicht eher, nicht später. Die Kopfplatte hat eine Open-Book-Form, und um die ging es ja in dem berühmten „lawsuit” zwischen Gibson und Hoshino Gakki (Ibanez, Cimar). Danach hörten die Japaner nach und nach auf, Kopfplatten mit dieser Form herzustellen.

Mit den 150 Euro hast du sicherlich nichts falsch gemacht. Dieses Modell ist recht selten und dürfte bei einem Verkauf durchaus einige Interessenten ansprechen. Ich würde einen erzielbaren Marktpreis von 350 bis 400 Euro ansetzen, mit Geduld auch mehr.


„Ich habe eine Frage zu einer meiner Gitarren: Anfang der 1990er-Jahre habe ich in einem Kasseler Musikgeschäft eine Les-Paul-Kopie gekauft. Damals wurde mir die Gitarre empfohlen, weil sie besser sei als manche originale Gibson. Sie ist seitdem in meinem Besitz, ich spiele sie aber nicht mehr, weil ich auf andere Gitarrentypen umgestiegen bin und überwiegend Jazz- und Akustikgitarren spiele. Es handelt sich um eine Fernandes-Gitarre. Bei meinen Recherchen bin ich darauf gestoßen, dass unter dem Label Fernandes in Japan produzierte Strat-Kopien verkauft wurden, die Les-Paul Kopien aber das Burny-Logo besaßen. Näheres zu meiner Gitarre konnte ich nicht finden. Sie ist gut erhalten und alles befindet sich im Originalzustand. Was kannst du mir zu dieser Gitarre Näheres sagen und was dürfte sie heute wert sein?“

Günter

Fernandes ist eine japanische Firma, die 1969 gegründet wurde. Die Gitarren ließen die Besitzer aber von Dyna Gakki herstellen, einem japanischen Instrumentenbauer, der später auch für Fender Gitarren produzierte.

Ob deine Gitarre von Dyna Gakki oder einem der anderen japanischen Hersteller (Fujigen Gakki käme auch noch in Frage) gebaut wurde, lässt sich wohl nicht mehr eindeutig beantworten. Die Marke Burny ist, wie du richtig bemerkt hast, eine Marke von Fernandes, unter der die Firma bereits seit den 1970er-Jahren LP-Kopien vertrieb – allerdings nach meinen Recherchen nur in den USA und in Japan, während in Europa die Marke Fernandes auch für LP-Kopien verwendet wurde. So würde es sich erklären, warum auf deiner LP nicht Burny prangt, sondern eben Fernandes.

Wann wurde sie gebaut? Tja, das ist ohne eine Seriennummer zu wissen leider nicht zu beantworten. Du müsstest vielleicht mal die Rückseite der Pickups anschauen, ob da eine Seriennummer zu sehen ist (das ließe dann wenigstens Rückschlüsse auf das Herstellungsdatum der Pickups zu), oder im E-Fach schauen, ob sich da evtl. etwas findet, vielleicht sind auch die Potis datiert.

Die Verwendung einer „open book“-Kopfplatte könnte zwar bedeuten, dass es sich um ein Modell von vor 1977 handelt, also dem Jahr, in dem sich Gibson und Hoshino Gakki (die Besitzer der Marke Ibanez) außergerichtlich einigten, und nachdem alle asiatischen Hersteller langsam von der Kopie der Gibson-Kopfplatte abließen – aber eben nicht durchgängig und auch nicht überall. So wurde das „open book“-Headstock-Design auf in Japan vertriebenen Gitarren weiter verwendet, und ebenso ist die Marken- und Modellpolitik japanischer Hersteller manchmal undurchschaubar und schwer nachzuvollziehen – vieles bleibt wohl für immer im Nebel.

Die Super Grade-Reihe wurde nach meinen Recherchen in Japan in der zweiten Hälfte der 1980er- bis in die 1990er-Jahre gebaut, das würde auch mit dem Kaufdatum deiner LP eher zusammenpassen. Es gab sie sowohl mit Burny als auch Fernandes-Logo. Ich taxiere den Marktpreis dieser Gitarre auf ca. 750 bis 1.200 Euro, vielleicht wird man etwas Geduld brauchen und die Gitarre weltweit anbieten müssen.


(erschienen in Gitarre & Bass 05/2022)

Produkt: Gitarre & Bass 5/2022
Gitarre & Bass 5/2022
IM TEST: Zoom B6 +++ Framus Wolf Hoffmann WH-1+++ Valco FX KGB Fuzz, Bloodbuzz und Five-O +++ Sandberg California Central +++ Origin Effects Bassrig +++ Lava ME 2 Freeboost & ME 3 +++ One Control Strawberry Red +++ Fender Player Plus Meteora HH & Active Meteora Bass +++ Marshall 2525H & JVMC212 Black Snakeskin LTD

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