Die Perlen des Gebrauchtmarkts

Kleinanzeigen Heroes: Yamaha AES500

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Günstige Arbeitstiere, unterschätzte Underdogs, übersehene Youngtimer und vergessene Exoten: In den „Kleinanzeigen Heroes“ stellen wir euch die Geheimtipps des Gebrauchtmarkts vor, die einen maximalen „Bang for the buck“ liefern.

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Yamaha AES500

(Bild: Yamaha)

Ist das Retro oder kann das weg? Meine Gitarrenfreunde senkten jedenfalls einheitlich den Daumen, als ich ihnen von meinem neuesten Kleinanzeigen-Fund berichtete. Aber was hat die AES500 nicht, was andere haben?

Die Antwort lautet: Sie hat einfach nichts, was an Strat, Tele, Les Paul, ES, oder andere Klassiker erinnert. Sie ruht ganz in sich selbst – und bleibt dadurch ganz allein, denn wir sind durch und durch von Vintage & Classic Vibes geprägt …

SORRY, ICH BIN KEINE KOPIE

Die AE 500 kam in den späten 1990er-Jahren auf den Markt und blieb dort nur einige wenige Jahre. 1999 hatte Yamaha seine bis dato überschaubare AES-Serie um das semiakustische Topmodell AES1500, AS800, AS800B und eben AS500 erweitert. Dies waren allesamt Solidbody-Modelle, die allerdings aber Features hatten. Die AES800-Gitarren kamen mit DiMarzio-Pickups und auffälligen Mono-Rail-Saitenhaltern. Die AES800B trug ein Bigsby B5, während die AES500 das untere Ende der Fahnenstange repräsentierte – mit eigenen Pickups und einer Wraparound-Einteiler-Brücke.

Dieses spezielle Modell hier hat die Seriennummer HK 12208, die besagt, dass die Gitarre am 12. April 2001 gebaut wurde. Sie hat einen recht großen Single-Cutaway-Korpus und einen angeschraubten Ahorn-Hals. Sehr auffällig kommt das Nierentisch-Design des Perloid-Pickguards daher. Irgendwie Retro, aber irgendwie auch nicht … Was den Designer aber nicht davon abhielt, das Trussrod-Cover aus demselben Material in derselben Form zu gestalten. Auch die Abdeckung des Elektronikfachs auf der Rückseite ist aus diesem prächtigen Perloid gefertigt, hat hier aber eine schrille Hockeystick-Form bekommen.

Wer genau hinschaut, wird die Modifikationen erkennen, die ein Vorbesitzer dieser AES500 hat angedeihen lassen. Der Dreiweg-Pickup-Schalter wurde elimiert und durch einen Toggle-Schalter ersetzt, der anstelle des Tone-Potis sitzt. Außerdem wurde der serienmäßige Wraparound-Steg durch eine modernere Version ersetzt, der die Einstellung der Intonation für die G-Saite erlaubt.

JA UND JETZT…?

Was ist denn nun das Besondere an diesem Modell – mal abgesehen davon, dass die AES500 Yamaha-typisch absolut akkurat gebaut ist? Ich sage mal so: Das Besondere an der AES500 ist, dass sie nichts Besonderes hat. Sie wirkt wie gewollt, aber nicht gekonnt. Sie glänzt mit nichts. Weder mit Historie, noch mit eigenen, auffälligen und charakterstarken Details. Das Einzige, was sie dir anbietet, sind ihre Sounds und ihr Handling. Und beides ist einfach top! Die beiden Humbucker sind laute Gesellen, die jeden Röhrenamp schnell ins Schwitzen bringen. Beide posen mit rund 12 kOhm Gleichstromwiderstand und so klingen sie auch: Wie gute, eben nicht zu mittige PAFs auf reichlich Testosteron.

Dazu ermöglicht das flache Halsprofil ein bequemes und schnelles Spiel auf dem Griffbrett mit seinem kommoden 12“-Radius – und ja, auch hier kann man ins Schwitzen kommen. Und um die Frage von ganz oben noch einmal aufzunehmen: Nein, diese Gitarre ist nicht wirklich Retro, aber sie kann auch nicht weg! Denn diese Gitarre ist sowas von zeitlos – nicht im Sinne von klassisch-zeitlos, sondern im Sinne von ‚keiner Periode zuzuordnen‘. Sie passt immer oder nie, sie ist einfach egal. Denn alle Hypes, die rund um Gitarren entstanden sind, prallen an der AES500 einfach ab und werden das, was sie im Grunde genommen sind: unwichtig.

(Bild: Yamaha)

PREISE

Dieses Modell wird selten angeboten. Taucht sie dennoch auf, werden meist Preise um 500 Euro verlangt, was nicht gerade wenig ist. Manchmal hat man jedoch Glück und erwischt eine mit solch einem Preisschild wie diese hier. Von 529 Euro auf 349 Euro reduziert – das hat doch was!

(erschienen in Gitarre & Bass 09/2022)

Produkt: Jazz Amp
Jazz Amp
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