Produkt: Gitarre & Bass 9/2019 Digital
Gitarre & Bass 9/2019 Digital
SPECIAL: Endlich Nichtrauscher! Der große Noise-Gate-Test +++ INTERVIEWS: Michael Schenker, Geddy Lee, Jack White & The Raconteurs... +++ TEST: PRS SE Paul's Guitar, Warwick RockBass Corvette Taranis, Furch Vintage 1 OOM SR...u.v.m

Guitar Guru: Marshall & Ibanez Fuzz-Pedale

Hast du Fragen zum Thema „alte und/oder merkwürdige Gitarren“? Wir beantworten sie auf dieser Seite. Monat für Monat. Diesmal geht es um zwei sehr seltene Effektgeräte – von Ibanez und Marshall.

Anzeige

Ich habe dieses alte Ibanez-Fuzz mal vor über 20 Jahren im Sperrmüll gefunden. Leider kann ich keine Informationen zu dem Pedal im Netz finden? Könnt ihr mir hier da irgendwie weiterhelfen?

Ulrich (G&B-Leser)

Das ist ein gaaaanz gaaaanz seltenes Teil von Ibanez. Es sind nur drei weitere Exemplare davon bekannt. Das Teil heißt Ibanez No. 83 Fuzz und wurde in den Jahren 1974 und 1975 von Maxon für Ibanez hergestellt, 1973 und 1974 gab es bereits eine identisch aussehende Version, die für die Marke Greco gebrandet war. Die Maxon-Platinennummer lautet bei beiden Versionen S72100.

Dieses Fuzz hat wenig mit dem Ibanez No. 59 Standard Fuzz, dem mit den Schiebereglern, zu tun. Das Standard Fuzz wurde von einer Firma namens Hotaka Tsuushin für Ibanez und eine ganze Reihe anderer Brands (Bruno, Aria Diamond, Luxor, Mica, Teisco…) von 1974 bis 1980 hergestellt, wobei in den letzten Jahren (ca. 1976-1980) wohl Maxon die Produktion übernommen hat, nachdem Hotaka Tsuushin – eigentlich ein Metallunternehmen – die Elektroniksparte abgestoßen hatte.

Das Fuzz No. 83 arbeitet mit drei Transistoren, wohingegen das Standard Fuzz derer fünf hat. Das Standard Fuzz ist eine Variante des legendären Super Fuzz und hat einen eher sägenden Sound, während das Fuzz No. 83 eine mächtige, dunkle Wall of Sound produziert. Eine Eigenheit des Fuzz No. 83 ist, dass die Beschriftung der Regler „Balance“ und „Fuzz Depth“ vertauscht ist bzw. die Potis vertauscht verkabelt wurden. Dieses Phänomen tritt bei allen drei mir bekannten Exemplaren auf. Vielleicht ist dieser Produktionsfehler der Grund für das rasche Ende des Fuzz No. 83.

Jedenfalls ist dieses Pedal nur in den 1974er-Ibanez-Katalogen zu finden. In einem 1975er-Katalog, den ich besitze, ist es zwar noch abgebildet, aber mit dem Vermerk „nicht mehr lieferbar“ überdruckt. Das letzte Fuzz No. 83, das ich auf dem Markt angeboten sah, ging 2010 für 461 Britische Pfund weg, damals umgerechnet 530 Euro.

Wer günstiger an den Sound des Fuzz No. 83 kommen möchte, der sollte nach einem weitaus häufiger anzutreffenden Ibanez Double Sound Wah-Fuzz Ausschau halten. In der ersten Version, noch ohne LED, hatte das Double Sound zwei Platinen verbaut, einmal die des Ibanez Blubber Wahs, zum anderen die des No. 83 Fuzz – daher der Name Double Sound. Ab 1976 kam dann die LED-Version, die nur noch eine kombinierte Platine mit deutlich veränderter Schaltung hatte.

Ich habe, mehr oder weniger zufällig, ein altes Fuzz-Pedal gekauft, das sich lediglich Supa Fuzz nennt. Wenn ich es mit Informationen zu Marshall Supa Fuzzes im Internet abgleiche, erscheint es mir wie eins der ganz frühen Exemplare, wie Sola Sound sie in den 60er-Jahren für Marshall gebaut hat. Allerdings fehlt hier der Marshall-Schriftzug. Könnt ihr mir mehr über dieses Pedal erzählen? Es hat auch einen leichten Defekt – im eingeschalteten Zustand sind Output und die Verzerrung sehr gering, insbesondere bei Pickups mit schwächerem Output. Ich hatte erst auf die Batterie getippt, aber ein Wechsel hat keine Abhilfe geschafft.

Lorenz (G&B-Leser)

Zunächst mal – das Marshall Supa Fuzz wurde ab 1966 von Sola Sound gebaut und ist eine Variante des Tonebender MKII mit etwas weniger Gain-Reserven. Nun zu Deinem Exemplar: Da scheint es sich tatsächlich um eines der super-seltenen, allerersten Exemplare zu handeln. Das wäre eine absolute Sensation!

Tatsächlich hatten die Prototypen und ersten Serienexemplare noch die engstehenden Potis. Allerdings waren eigentlich auch die ganz frühen Exemplare schon mit Marshall gebrandet. Von einem ungebrandeten Exemplar ist meines Wissens nach weltweit nur eines bekannt. Das gezeigte wäre dann Nummer zwei.

DER Spezialist für eine Reparatur ist Stuart Castledine. Dieser britische Pedalbuilder bietet auch einen Nachbau der Supa-Fuzz-Prototypen an, allerdings in einem modernen Gehäuse. Auch englische Pedalbauer wie David Main von www.stompboxes.co.uk und Steve Williams von www.pigdogpedals.com sind erfolgversprechende Kandidaten für eine Reparatur – sie kommen halt alle aus UK. Jemand anderem würde ich aber ein original Supa Fuzz nicht anvertrauen.

(erschienen in Gitarre & Bass 10/2020)

Produkt: Gitarre & Bass 7/2019 Digital
Gitarre & Bass 7/2019 Digital
INTERVIEWS: Generation Axe – Vai, Bettencourt, Abasi +++ Phil X, Baroness, Lynyrd Skynyrd, Philipp van Endert, Scott Henderson, Aynsley Lister, DeWolff, Carl Carlton +++ TEST: Gibson Les Paul Tribute & Standard 50s, Fulltone Full-Drive 1, 2 & 3, Fame Baphomet II 4 & 5 Black Limba, Orange Pedal Baby 100, G&L Tribute JB

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren