Toto:

Das Live-Equipment von Steve Lukather & Mike Porcaro

1977 war ein denkwürdiges Jahr: Elvis, der King Of Rock & Roll, starb, und Punk hatte dem Musik-Establishment den Kampf angesagt. John Travolta schwang im Kino zur SoundKulisse der Bee Gees die Hüften, während Darth Vader erstmals, im Auftrag der dunklen Seite der Macht, durch den Orbit röchelte. Kurz darauf wurde Toto geboren …

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Die ausgehenden 70er Jahre bildeten also den musikalischen Nährboden, aus dem die (zumindest in Europa und Japan) bis heute erfolgreiche amerikanische Super-Band Toto, ihre Einflüsse bezog. Titel wie ‚Hold The Line‘, ‚Africa‘ und ‚Rosanna‘, definierten ein neues Maß handwerklich-musikalischer Genialität und zählen auch heute noch, 25 Jahre nach der Gründung von Toto, zum festen Repertoire jeder Rock-orientierten Top-40-Coverband und jedes Oldie-Radiosenders.

Ein Vierteljahrhundert Toto stellt natürlich einen Grund zum Feiern dar und so veröffentlichten Lukather & Co. kürzlich das Album ‚Through The Looking Glass‘, bis zum Rand gefüllt mit Cover-Versionen legendärer Songs, Huldigungen an Steely Dan, Bob Marley, George Harrison, Herbie Hancock und Bob Dylan. Mehr dazu in G&B 11/2002. Seit Oktober befinden sich Bobby Kimball, Steve Lukather, Mike Porcaro, David Paich und Simon Phillips auf einer bis weit ins nächste Jahr hineinreichenden WeltTournee. Gitarre & Bass hatte in Hamburg Gelegenheit, sich ein wenig auf und hinter der Bühne umzuschauen und war erstaunt, mit wie wenig Handwerkszeug die SaitenFraktion von Toto auskommt, um ein LiveKonzert zu bestreiten.

Mike Porcaro

Insbesondere Bassist Mike Porcaro fährt zurzeit ein durchaus spartanisches Konzept. Das Signal seiner Peavey-Cirrus-5-Standard-Series-Bässe (Fünfsaiter), auf denen LaBella-Slappers-Saiten zum Einsatz kommen (Stärke: .045, .065, .085, .105, .128), läuft vom Shure-Sender in die A/B-Box, von dort, in einen Sansamp Bass Driver und dann weiter in die P.A.. „Das war’s schon“, kommentiert Techniker Rick Graham die durchaus überschaubaren Verhältnisse des Toto-Bass-Setups und fügt hinzu: „Der einzige Grund dafür, dass es die A/B-Box gibt, ist, wenn der Shure-Sender ausfällt!“

In diesem Fall schaltet Mr. Porcaro einfach auf Kabel-Betrieb um. Und auch hinter den Geräteverbindungen verbirgt sich kein Geheimnis: „I just make them!“ sagt Techniker Rick lapidar und signalisiert, dass noch nicht mal extravagantes Kabelmaterial zum Einsatz kommt. Der Sansamp Bass Driver selbst bietet zwei Ausgänge, die beide belegt sind und die das Signal parallel zum Mischpult führen. Einer dieser beiden Signal-Wege bietet ein unbeeinflusstes, pures Instrumentensignal. Auch auf eine extra Bass-Box wird live verzichtet. Das auf der Bühne neben Mike stehende 4×10″-Cabinet dient lediglich als Ablage für das Sender-Rack. Porcaro hört also sein eigenes Signal nur aus den Bühnen-Monitoren.

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(Bild: Clemens Bilan)

Steve Lukather

Auch Luke hat schon bei weitem monumentalere Equipment-Schlachten geführt. Lediglich drei Gitarren hat er derzeit auf der Bühne: Zwei Musicman Luke-E-Gitarren, die mit .009er-Saiten des Herstellers Ernie Ball bespannt sind und eine Ovation-Adamas-Gitarre, mit deren Hilfe er seinen Akustik-Solo-Spot, ganz in der Tradition der Friday-NightIn-San-Francisco-Flitzefinger (DiMeola, McLaughlin & De Lucia), bestreitet. Das Herz seiner beiden, mittlerweile geschrumpften Racks, bildet nach wie vor Bob Bradshaws Custom-Audio-Electronics-3+- Vorverstärker, der laut Gitarren-Techniker Geoff Banks, die Sound-Einstellungen „clean, dirty and very dirty“ liefert. Zwei Lexicon-PCM-70-Delays und ein T.C.-G-Force versorgen die Wet-Kanäle seines DreiwegeSetups mit Effektanteil; über die rechte und die linke seiner drei Boxen ist also der jeweilige Stereokanal seiner Effekt-Sounds zu hören, in der Mitte erscheint nur der pure Verstärker-Sound.

Darüber hinaus finden sich in seinem Rack ein Jim Dunlop Rackmount WahWah, ein Line6 Mod Pro Studio Modeler sowie folgende Custom-Audio-Electronics-Geräte: Ein Guitar Volume Controller GVCA-2, ein Dual Stereo Mini Mixer, ein Black Cat Vibe, ein Super Tremolo und zwei 4×4 Audio Controller. Der Rocktron Hush Guitar Silencer sorgt für Ruhe in den Spielpausen und Furman Power Conditioner in jedem der beiden Racks für die nötige Netzstabilität. Das Signal des VorstufenRacks, steuert zwei VHT-Endstufen an, wobei der A-Kanal des großen VHT-Classic-Poweramps, das mittlere Cabinet von Lukes 3-Boxen-Setup, mit einem trockenen Signal versorgt, während die kleine VHT-Endstufe Stereo-Effekte (wie bereits erwähnt) auf die linke und rechte Box seiner Bühnenlautsprecher verteilt.

Die Cabinets werden von Shure-KSM-32-Studio-Mikrofonen abgenommen und stammen – „Made In Hollywood“ – ebenfalls von Sound-Papst Bob Bradshaw. „Believe it or not“, fügt Techniker Banks hinzu „da sind Peavey-Speaker drin!“ – übrigens ein Tipp von Lukes Nachbar Eddie Van Halen. Die Gehäuse der Lautsprecher verfügen über Bass-Resonanz-Öffnungen und liefern somit einen ordentlichen Schub in den Tiefen, wovon man sich beim Konzert am Abend überzeugen konnte. Aber wahrscheinlich würde Steve auch, verstärkt über ein Röhrenradio, seinen unverkennbaren Trademark-Sound vermitteln können.

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