Fender

Yngwie Malmsteen Stratocaster

Yngwie Malmsteen, ob seiner Vorliebe für klassische Komponisten und seiner virtuosen High-Speed-Spielkünste auch „Paganini der Gitarre“ genannt, stellte kürzlich die zweite Version seiner Fender Signature Strat vor, die quasi einem Streifzug durch die fünf Jahrzehnte Fenderscher Gitarrenbaukunst gleichkommt.

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Konstruktion

„Halsbefestigung, Vibrato und Schaltung aus den 50er/60er, Hals, Kopfplatte und Mechaniken aus den 70er, Halsjustierung aus den 80er/90er Jahren, High-Tech-Pickups“, so oder ähnlich könnte eine knappe Beschreibung des Instrumentes lauten. Der Erlenbody mit der deckenden Sonic-Blue-Lackierung, tadellos aufgetragen und spiegelglatt poliert, weist, kaum zu glauben, das klassische Strat-Shaping auf. Auf der Rückseite deckt eine weiße Kunststoffplatte die Federkammer des Vibratos ab. Schlagplatte, PU-Kappen und Reglerknöpfe hat man ein wenig angegilbt, um dem Ganzen ein gewisses Vintage-Flair zu verleihen.

Eine stabile Verbindung von Korpus und Hals garantieren die stramm gefräste Halsaufnahme und die vier Holzschrauben mit dem obligatorischen Konterblech. Selbst mit Gewalt lässt sich der Hals nicht aus seiner Position bringen. Bei Maple Necks, die Fender bekanntlich aus einem einzigen Stück Ahorn fertigt, ist für den Justierstab eine rückseitige Nut erforderlich, die von einer Nussbaumeinlage verschlossen wird.

Charakteristisch für die Malmsteen-Strat ist das zwischen den Bunddrähten konkav ausgehöhlte Griffbrett (scallopped), das der Namensgeber wie übrigens auch Meister Blackmore (G&B 02/98) normal beschaffenen „Spielflächen“ vorzieht. Diese Maßnahme soll eine entspanntere Spielweise ermöglichen und Bendings, Pull Offs, Hammerings, Tappings u. ä. Spieltechniken erleichtern. Vom Grund einer jeden Aushöhlung bis Oberkante der 21 fetten Jumbo-Bünde (3,0 × 1,3 mm) macht es immerhin 2,4 mm, was, von der Seite betrachtet, eine recht hohe Saitenlage vortäuscht.

Die Bunddrähte wurden perfekt eingesetzt, mit geringer Wölbung abgerichtet, an den Enden komfortabel verrundet und abschließend sorgfältig poliert. Auch der Messingsattel, sicherlich nicht nur als Hommage an die 70er zu verstehen, wurde optimal aus- und abgerichtet. Der Halsjustierstab ist direkt mit einem Inbusschlüssel zugänglich. Relativ schwergängige 70’s Style Fender-Mechaniken mit Blechabdeckungen und geschlitzten Wickelachsen erlauben exaktes Stimmen.

Auf der neuen Malmsteen-Strat kommt ein original Vintage-Vibrato mit sechs Halteschrauben und Bridges aus Stahlblech zum Einsatz. Werkseitig so justiert, dass die Grundplatte nicht auf der Korpusdecke aufliegt, ermöglicht es gefühlvolle Down- wie Up-Bendings. Eine winzige Druckfeder im Gewindeloch des Vibratoblocks verhindert das Wackeln des Hebels und erlaubt sogar eine Justierung der Gängigkeit. Da die Feder bei entferntem Hebel leicht herausfällt, sollte man sie wie den eigenen Augapfel hüten.

Die DiMarzio-Pickups sind Humbucker, auch wenn ihr äußeres Erscheinungsbild nicht darauf schließen lässt. Sie besitzen jeweils zwei übereinander angeordnete Einzelspulen und unterschiedlich hohe (staggered) Magnete. Eine Alufolie, die beinahe die komplette Schlagplatte abdeckt und der Graphitlacküberzug, der PU-Fräsungen, vom Sonic-blauen Lack überdeckt, dienen als zusätzliche Abschirmung. Damit diese funktioniert, besitzen sowohl die Alufolie als auch der Graphitlack Massekontakt. Anstelle von Federn dienen Gummischläuche als Abstandhalter der PUs. Inklusive des Dreiwegschalters liegt bis auf die Tatsache, dass das untere Tone-Poti sowohl den Stegals auch den mittleren Pickup beeinflusst, eine klassische Strat-Schaltung vor.

Praxis

Der Hals liegt trotz seines satten runden D-Profils komfortabel in der Hand. Natürlich muss sich der Otto-Normal-Gitarrist erst mal an das Scallopping gewöhnen, besonders dann, wenn er am Hals entlanggleitet (als würde man mit Rollschuhen – ääh, Inline Skates, Roller Blades o. ä. über ein Wellblechdach fahren). Was, noch nie gemacht?!

Hals und Korpus zeigen sehr gute Resonanzeigenschaften und schwingen intensiv nach jedem Anschlag. Die unverstärkte Gitarre liefert ein kraftvolles, ausgewogenes, knackiges Klangbild mit ausgeprägtem Sustain und fördert mit ihrer direkten lebhaften Ansprache ausdrucksstarkes Spiel.

Am Amp (wo sonst?) werden die Vorzüge der DiMarzio-Doppelspuler deutlich: Nicht nur, dass sie sehr schöne, warme, vintageangehauchte Sounds mit all den bekannten und beliebten Schattierungen liefern – der Steg-PU gibt sich dabei etwas weniger bissig und höhendominant als gewohnt –, sie reagieren zudem auf Einstreuungen wie Standard-Humbucker, nämlich so gut wie gar nicht. Es dürfen also selbst in der Nähe des Verstärkers brachialste Zerr-Sounds gespielt werden, ohne dass unerträgliches Brummen die Spielfreude im Keim erstickt. Die wiederum wird jedoch dadurch gemindert, dass der Steg-PU derlei Klänge mit unkontrollierbarem Pfeifen quittiert. Da hilft nur, den Verzerrungsgrad zu reduzieren oder das untere Tone-Poti bis auf Position 6 herunterzuregeln, wobei allerdings die feinen brillanten Höhen dezimiert werden. Schade.

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Das Vintage-Vibrato arbeitet bei dezenten Up/Down-Bendings verstimmungsfrei, mehr darf man hier auch nicht erwarten. Somit fördert der Messingsattel eher das Sustain, als dass er die Reibungskräfte in den Kerben mindert.

Feinfühlig lässt sich mit Hilfe des Volume-Reglers der Verzerrungsgrad steuern. Auch die Tone-Potis zeigen intensive Wirkung, wenngleich das untere, will man es vom Rechtsanschlag (Position 10) zurückdrehen, erst einmal ein wenig hakt, bevor es dann gleichmäßig weiterläuft. Kein Serienfehler, sondern ein nicht ganz astreines Poti.

Resümee

Unterm Strich präsentiert sich Fender’s Update der Yngwie Malmsteen-Strat als tadellos verarbeitetes, erstklassiges Instrument mit ebensolchen Klangeigenschaften und Features, wie sie sich Yngwie auf seinen Instrumenten wünscht, wie z. B. das scallopped Griffbrett. Die DiMarzio-Pickups runden die Gitarre mit authentischen Sounds und wirkungsvoller Brummresistenz ab.

Plus

  • (authentische) Sounds
  • Schwingungseigenschaften, Sustain
  • Umsetzung von Spieldynamik
  • Pickups resistent gegen Einstreuungen
  • Verarbeitung

 Minus

  • Steg-Pickup Mikrofonieanfällig

Übersicht

Fabrikat: Fender

Modell: Yngwie Malmsteen Stratocaster

Herkunftsland: USA

Typ: Solidbody E-Gitarre

Mensur: 650 (mm)

Hals: Ahorn, einteilig, verschraubt, Ahorngriffbrett scallopped (1,1 mm), 21 Jumbo-Bünde, Messingsattel

Halsform: D, rund

Halsbreite: Sattel: 42,30; XII. Bund: 51,80 (mm)

Halsdicke: (bis Unterkante Bunddraht gemessen) I. Bund: 21,65; V. Bund: 22,00; XII. Bund: 23,80 (mm)

Korpus: Erle

Oberflächen: Korpus: Sonic Blue, deckend lackiert, glatt poliert; Hals: transparent lackiert, glatt poliert

Tonabnehmer: 3× DiMarzio; HS3-DP117 (Steg), YJM-DP217 (Mitte/Hals), staggered Polepieces

Bedienfeld: Dreiweg-PU-Schalter, 1× Volume, 2× Tone

Steg/Vibratosystem: Fender Vintage-Vibrato

Hardware: verchromt

Mechaniken: Fender 70’s Style, geschlossen, 14:1

Saitenlage: E-1st: 1,6; E-6th: 1,9 (mm)

Gewicht: 3,55 (kg)

Preis: ca. DM 3100,– (inkl. Tweed-Koffer)

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