Im Crimson-Kosmos

Steve Vai im Interview: Zur Beat-Tour und mehr!

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Prog-Supergroup Beat: Tony Levin, Steve Vai, Adrian Belew und Danny Carey. (Bild: Alison Dyer)

Wie hast du dich auf die ersten Proben mit Beat vorbereitet?

King Crimson hat eine loyale, intensive, manchmal sogar fanatische Fangemeinde mit überwiegend sehr musikalischen Menschen, die sich gerne von gehirnstimulierenden Songs unterhalten lassen. Ich weiß das deshalb so genau, weil ich einer von ihnen bin. Es gibt eine Gruppe von Musikern, zu denen Trey Gunn und ein paar weitere gehören, die eine forensisch genaue Untersuchung der drei King-Crimson-Alben vorgenommen und eine Transkription der Songs angefertigt haben, eine wirklich außergewöhnliche Arbeit.

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Umso erstaunlicher, da Adrian Belew und Robert Fripp damals dieselben Verstärker eingesetzt haben, womit ineinandergreifende Dinge kaum voneinander zu unterscheiden sind. Aber: Hier zählt jede einzelne Note, und es gibt zehntausende von ihnen! Wenn man einen Ton weglässt oder ihn schneller oder langsamer spielt, entgleist der Zug, geht das Ganze den Bach runter. Also habe ich mir die Transkription besorgt und anhand dieser geübt. Mitunter war es ziemlich knifflig, weil es nicht meinem eigenen Stil entsprach, daher kommt in solchen Momenten das Steve-Vai-Element ins Spiel.

Jeder Musiker, der die Parts eines anderen spielt, hat keine andere Wahl, als er selbst zu sein. Man kann zwar dieselben Noten spielen, dieselben Stimmen lernen, dieselben Verstärker und Gitarren verwenden, trotzdem klingt es anders, vor allem für diejenigen, die sich mit dem Material gut auskennen. Als Außenstehender denkt man vielleicht: Okay, Steve Vai macht jetzt also einen auf Robert Fripp!

Wie hast du diesen Gewissensentscheid gelöst?

Ich habe Robert per E-Mail kontaktiert und mit ihm Informationen ausgetauscht. Er war unglaublich hilfsbereit, hat oft Videos geschickt und mir gezeigt, wie er bestimmte Sachen gespielt hat. Aber jedes Mal sagte er: „Na ja, ich habe es zwar so gemacht, aber mach du es nicht so, sondern sei einfach Steve Vai. Denn wenn ich auf ein Beat-Konzert komme, dann möchte ich Steve Vai gerne so sehen, wie er wirklich ist.”

Vai mit Ex-Crimson-Gitarrist Adrian Belew. (Bild: Dan Ermey)

Also habe ich entschieden, es tatsächlich auf meine Art zu spielen, auch wenn man mich dafür anschließend den Hintern vorshält. Als es um die Parts für die Gitarrensynthesizer ging, habe ich mir die entsprechend neuesten Instrumente gekauft, weil die Dinger aus den Achtzigern schwer zu bedienen sind und ständig kaputtgehen. Ich werde also versuchen, Roberts Parts so gut es geht zu ehren, dass niemand sagen kann, dass ich auf der Bühne Robert Fripp sabotiere.

Aber es gibt einige Dinge, die ich spieltechnisch umgestalten musste, ohne jedoch die Noten zu ändern. Wie etwa in ‚Three Of A Perfect Pair’ oder im schnellen Picking-Teil von ‚Frame By Frame’, eine Art Cross-Picking, das ich aufgrund meiner Schulter- und Handoperationen nicht so wie Robert spielen kann. Ich habe es versucht, war aber nicht zufrieden, also dachte ich kurzzeitig: Ich spiel den Teil einfach in die Luft … du weißt, was ich meine: Mit einem total abgefahrenen Tapping. Ich war mir aber nicht sicher, ob die Fans es akzeptieren würden. Daher war ein Doublepicking das Nächstliegende.

Nach der ersten oder zweiten Show schrieb mir Robert, der sich Clips davon auf YouTube angeschaut hatte: „Mir gefällt sehr, wie du das spielst, aber darf ich dir für ‚Frame By Frame’ einen Vorschlag machen? Weshalb spielst du es nicht einfach als Hammering? Vergiss den Originalpart!” Ich antwortete ihm: „Ich würde es aber gerne genauso wie im Original spielen!” Er entgegnete: „Tu es nicht, mach das, was du kennst, sei einfach Steve Vai!” Von diesem Abend an habe ich auch das Solo in ‚The Sheltering Sky’ so gespielt, wie es sich für mich ganz natürlich anfühlt.

Unterscheidet sich dein Equipment bei Beat signifikant vom Gear deiner Soloshows?

Ich musste alles neu zusammenstellen. Mein Gitarrentechniker Doug MacArthur hat ein komplett neues Rack für mich gebaut, da die Musik von Beat völlig anders funktioniert als die Satchvai-Musik oder alles, was ich als Solokünstler mache. Meine Hauptgitarre ist die von mir handbemalte Ibanez Ivya, die mit einem Synth-Tonabnehmer ausgestattet ist. Normalerweise brauche ich keine speziell gebaute Gitarre, es sei denn, es ist eine JEM oder eine PIA für andere Sachen.

Die Ivya geht in einen Lehle-Splitter und dann zur Hälfte in einen Roland Jazz Chorus, also in den gleichen Verstärker, den die Jungs auch damals benutzt haben. Die andere Hälfte geht in mein normales Synergy-Vai-Signature-Modul, von dort aus in eine Fryette-LX-II-Endstufe und dann in ein Fractal Axe FX III Turbo. Zusätzlich gibt es zwei Roland-Synthesizer, einen JD-800 und einen SH-1000 mit unterschiedlichen Funktionen. Der SH-1000 ist wie ein regulärer Synthesizer, der JD-800 eher wie ein Sampler. Beide haben vier verschiedene Bänke mit unterschiedlichen Presets, die man individuell zusammenstellen kann.

Mann, ich hatte jede Menge Spaß, als ich monatelang diese wunderbaren Sounds zusammengebaut habe! Hör dir mal ‚Industry’ an, der absolute Mördersound! Das Problem ist nur, dass bei Beat jeder Song mindestens vier bis 16 Presets hat, also Refrain, B-Part, Strophe, Solo, und dann wieder von vorne. Es geht also nicht nur darum, lediglich den Kanal zu wechseln, bei Beat muss ich mehrere Dinge gleichzeitig umschalten, die Synthesizer, die Gitarren, die Verstärker, die Effekte.

Zum Glück habe ich eine Geheimwaffe namens Doug MacArthur, ich nenne ihn den General, er übernimmt alle Programmänderungen. Es ist wirklich spannend ihm dabei zuzusehen, wie er am Bühnenrand alle Programmwechsel exakt im richtigen Timing erledigt. Weißt du: Ich mache beim Spielen Fehler, Doug macht sie nicht! Alles verändert sich, vom Intro zur Strophe zur Bridge zum Refrain zum Solo und zurück, und dann alles wieder von vorne und zurück, mitunter 50- bis 100-mal in einem einzigen Song. Und da es so chaotisch ist, aber nahtlos klingen und immer die richtigen Level haben muss, passen wir während der gesamten Tour die Patch-Level jeden Tag beim Soundcheck neu an.

Jetzt ist es für mich ein Kinderspiel, da ich mich nur um den kleinsten Part kümmern muss: Ich aktiviere lediglich die Verzerrung und trete auf mein Dunlop Cry Baby, alles andere erledigt Doug.

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2026)

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