Talkin' about Jimi Hendrix

Steve Lukather: Ich bin eben absoluter Hendrix-Fan

Steve Lukather in jungen Jahren

G&B: Steve, erinnerst du dich noch an deine erste Begegnung mit der Musik von Hendrix?

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Steve Lukather: Das war durch einen Typ, der in unserer Straße wohnte. Ich war damals zehn Jahre alt. Als er mir ,Purple Haze‘ vorspielte, dachte ich: Was ist das? Wer ist das?? Und: Wie lerne ich so Gitarre zu spielen??? Das Intro ist so unglaublich. Man muss sich immer vor Augen halten, dass Hendrix das Mitte der Sechziger aufgenommen hat! Er war seiner Zeit so weit voraus. Eddie Kramer, der Hendrix’ Techniker war und ist ein guter Freund von mir. Er hat mir später ein paar originale Basic-Tracks von ,Electric Ladyland‘ überspielt. Unglaublich, was da abging, obwohl die Aufnahme nur Vier-Spur war, glaube ich. Das ist Wahnsinn, wie gut die auch nach heutigen Maßstäben noch klingt.

G&B: David Paich hat mir mal gesagt, du habest den Job bei Toto anstelle von Mike Landau bekommen, weil du die Band mit einem Gitarrensolo überzeugt hast. Paich sagte: „Nehmen wir nicht den kleinen Typen, sondern den anderen, der so spielt, wie Hendrix!“

Steve Lukather: Oh Mann, ich weiß nicht, ob das stimmt. Klar, es gab all diese Gerüchte, zum Beispiel, dass Dave eine Münze geworfen, und ich gewonnen hätte. Das stimmt definitiv nicht. Ich weiß nicht mehr, ob ich Hendrix gespielt habe. Kann sein. Ich hatte wohl einfach Glück, dass ich Zuhause war, als sie mich anriefen. Und so spielte ich auf den Demos.

G&B: Was hast du damals von Hendrix’ Spiel adaptiert?

Steve Lukather: Alles. Ich habe versucht alles zu lernen. Ich habe seine Platten tausendmal gehört und immer wieder dazu gespielt. Ich höre seine Songs heute noch. Warum? Weil sie mich berühren. Jeder, der heute eine Gitarre in der Hand hält, muss von Hendrix beeinflusst sein. Wenn nicht, lügt er. Oder er ist ein Idiot! Ha-haha! Jimi hat den Standard gesetzt, den viele von uns heute noch versuchen zu erreichen. Dabei war seine Karriere so kurz! Er hat in sehr wenig Zeit unheimlich viel erreicht.

G&B: Du hast auf ,Tears Of My Own Shame‘ von deinem dritten Soloalbum ,Luke‘ eine recht deutliche stilistische Reminiszenz an Hendrix abgeliefert.

Steve Lukather: Ja, ich weiß was du meinst. Hey, I gotta give a little love to my man, you know.

G&B: Da zeigst du auch eine ausgeprägte Vibrato-Technik, die auf seinen Einfluss zurückzuführen ist.

Steve Lukather: Ganz klar! Wir alle haben uns damals an ihm orientiert. Auch hier hat er den Standard gesetzt. Und dann ist da in dieser Hinsicht natürlich noch Jeff Beck, mein zweiter großer Held. Er benutzt das Whammy Bar so, wie es kein zweiter kann. Ich gebe zu einige Tricks von ihm geklaut zu haben, als ich die Gelegenheit hatte ihm mal im Studio über die Schulter schauen zu können. (lacht) Ich hatte sozusagen Gitarrenstunden bei Jeff, ohne, dass er davon wusste!

G&B: Was glaubst du, macht Hendrix-Songs noch immer so spannend und zeitlos?

Steve Lukather: Because it’s real stuff! Es ist kein Plastikmüll, es ist nicht computerisiert. Ich habe Zweifel, ob die heutige Rock-Musik in 30 Jahren noch irgendeine Relevanz haben wird. Alles ist so kalkuliert und produziert. Es hat nichts mehr damit zu tun, dass Bands Musik machen, sondern dass Typen, die kaum spielen können, Takes abliefern, die dann mit anderen Teilen zu einem Song verbaut werden.

Diese „Bands“ (Luke verdreht die Augen) brauchen acht Monate für ein Album, das locker in acht Tagen fertig sein könnte. Okay, ich komme aus einer anderen Generation. Ich bin alt. Aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass mein Sohn, wenn er mal so alt ist wie ich, noch zu Limp Bizkit herumhüpft. Das glaube ich einfach nicht! Aber ich glaube fest daran, dass man immer noch die Beatles hören wird. Auch wenn dann vermutlich schon längst Computer untereinander kommunizieren und alleine Musik machen. Hahaha!

G&B: Mal Abgesehen von Hendrix’ Einfluss und Technik: Was fasziniert dich persönlich an seinem Ton?

Steve Lukather: Wie unterschiedlich der sein konnte. Überhaupt: Was für Sounds man aus so einer Gitarre herausholen kann! Wir wissen heute, wie er das gemacht hat, mit den Leslie-Sounds, dem Whammy-Bar, mit den rückwärts gespielten Passagen. Er war der erste, der das Tremolo-System überhaupt nicht im Sinne des Erfinders benutzt hat. Mann, denk nur an ,Purple Haze‘, an ,Vodoo Chile‘, ,Freedom‘ oder ,Axis Bold As Love‘ – er hat alles anders gemacht und alle mit seinem Sound weggeblasen.

G&B: Er hatte trotzdem einen sehr rauen und puren Ton. Du dagegen warst in den Achtzigern dafür bekannt, dass du zahlreiche Höheneinheiten in deinem Rack vollge- stopft hast.

Steve Lukather: Anfangs hatte ich auch einen Haufen Tretbüchsen und einen Marshall und habe mich mit seinen Sounds beschäftigt. Aber für die Jobs reichte das einfach nicht. Mike Landau hat mich damals heiß auf das Zeug von Bob Bradshaw gemacht. Damals war das top-aktuell und brandneu. Okay, ich weiß, ich hab’s übertrieben mit den Effekten, hatte zuviel Kompressor auf den Clean-Sounds und ständig Delay und Chorus auf dem Rhythmus-Sound.

Auf ,Isolation‘ klingt meine Gitarre für meinen heutigen Geschmack ein bisschen zu künstlich. Aber Anfang der Achtziger war das nun mal so. Und als das dann plötzlich öde und langweilig wurde, bekam ich die Schuld dafür! Na ja, einer muss halt der Sündenbock sein! (lacht) Egal. Heute versuche ich meinen Sound sauber und pur zu halten. Vielleicht mal ein bisschen Delay im Solo. Insofern kehre ich wieder zum Anfang zurück.

G&B: Gibt es einen Hendrix-Song, den du gerne selbst geschrieben hättest?

Steve Lukather: Jeden einzelnen! Nenn einen! Sie sind alle so fantastisch. Das ist wie mit Kindern. Welches hast du am liebsten? Unmöglich, das zu beantworten. Wir alle wünschen, so spielen zu können wie er es tat. Aber es gibt nun mal nur einen Jimi. Ich wünschte, ich hätte ihn gekannt! Ich wünschte, ich wäre damals älter gewesen, dann hätte ich ihm vielleicht sagen können, wieviel mir seine Musik bedeutet.

G&B: Du hast ihn also nicht live sehen können?

Steve Lukather: Nein, leider nicht. Meine Eltern hätten mich nie im Leben zu einem seiner Konzerte gehen lassen. Ein Typ, der grelle Klamotten trägt, eine Frisur wie ein Basketball hat, der solche Musik spielt, LSD nimmt und von Hippies angebetet wird? Das hätten sie nie erlaubt. Du darfst nicht vergessen: Die Musik war damals neu und anders. Wir waren die erste Generation, die die wirkliche Revolution des Rock & Roll erlebt hat. Inzwischen sind fünfzig Jahre vergangen. Heute ist das alles ganz selbstverständlich. Und harmlos.

G&B: Was glaubst du – wie würde Hendrix heute klingen?

Steve Lukather: Ich könnte mir vorstellen, dass er etwas machen würde, das wir überhaupt nicht von ihm erwarten würden. Vielleicht sanften Instrumental-Jazz? (lacht) Obwohl: Er interessierte sich gegen Ende seiner Karriere tatsächlich für Jazz, vielleicht würde er heute damit experimentieren. Wer weiß?

G&B: Eine der beiden Cover-Versionen von deinem Album ,Candy Man‘ ist Jimi Hendrix‘ ,Freedom‘. Warum ausgerechnet dieser Titel?

Steve Lukather: Aus mehreren Gründen. Einmal ist das einer meiner Lieblings-Songs von Hendrix, dann hat bisher auch noch niemand diesen Titel gecovert, vielleicht weil es kein einfaches Musikstück ist. Und was den Text angeht, hat mich dieser Song immer sehr stark berührt, zumindest der Refrain; einige Strophen sind allerdings schon etwas verrückt, eben typisch Jimi. Aber damit habe ich mich gut gefühlt, und ich wollte auch mal etwas anderes machen.

G&B: Du hast dich sehr stark ans Original gehalten.

Steve Lukather: Ich habe Jimis Soli immer als Melodien betrachtet, daher habe ich auch nur am Ende etwas damit herumgespielt. Alles andere entspricht genau dem, was er gemacht hat. Klar, ich habe natürlich einen etwas anderen Ton.

G&B: Und zusammen mit Toto hast Du auch öfter ,Little Wing‘ gespielt.

Steve Lukather: Ich bin eben absoluter Hendrix-Fan, genau wie mein Freund Michael Landau. Hendrix war einfach unbeschreiblich.


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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Super Interview. Für mich ist Hendrix der beste Gitarrist, weil er so vielseitig war in der Art und Weise wie er auf der Gitarre spielte und was seine Musik anging. Ein Musikgenie.

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