Produkt: Gitarre & Bass 11/2019
Gitarre & Bass 11/2019
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Aus dem neuen Heft

Reunion: The Black Crowes

(Bild: Josh Cheuse)

Die schwarzen Krähen fliegen wieder! Ein biologisches Wunder? Nein, vielmehr die – möglicherweise auch wirtschaftlich begründete – Versöhnung der Robinson-Brüder Chris und Rich. Im Oktober kommen der Sänger und der Gitarrist mit ihrer neuformierten Band sogar auf Deutschland-Tour!

Die Nachricht an sich kommt sicherlich nicht so überra­schend wie man gemeinhin vermuten könnte: The Black Crowes sind wieder vereint. Zwar nicht in Originalbeset­zung, aber immerhin mit den beiden entscheidenden Köpfen der Band, den Brüdern Chris und Rich Robinson. Sieben Jahre hatten die beiden nicht miteinander gesprochen. Das familiäre Tischtuch war zerschnitten, nachdem ein jahrelang schwelender Konflikt der zwei im Herbst 2010 zur Auflösung geführt hatte.

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Seinerzeit sprach man von einer unbefristeten Schaffenspause, mit der vagen Opti­on, den flügellahmen Vogel irgendwann später wieder flott zu machen. Intern hätte wohl kaum jemand auch nur einen Pfifferling auf die Wiederaufnahme der Band-Geschäfte gewettet. Zu tief war der Graben, der sich im Laufe der Jahre aufgetan und zum Zusam­menbruch der Gruppe geführt hatte: totale Erschöpfung, Ego-Pro­bleme, Drogen- und Alkoholmissbrauch, Prügeleien sowohl mit Ordnern und Veranstaltern als auch innerhalb der Band.

„Es gab Zeiten, da hassten wir uns nur noch“, gesteht Gitarrist Rich Robin­son.

„Der Druck, der auf uns lastete, die Ideale, die langsam aber sicher verloren gingen … Das war wohl der Preis, den jede erfolg­reiche Gruppe irgendwann bezahlen muss.“

Das schlimmste Ärger­nis aber war wie so häufig das Geld.

„Die Plattenfirma, das Management, das gesamte Umfeld wurde ganz kirre von den unermesslichen finanziellen Möglichkeiten, die mit unserem Erfolg zusammenhingen.“

Doch das alles scheint nun vergessen zu sein. Immerhin sind fast zehn Jahre ins Land gegangen, ist Gras über so manche Sache gewachsen, die sich damals turmhoch auf­geschüttet hatte. Denn, so Rich Robin­son:

„Wir sprechen hier immerhin von meinem Bruder, und nicht von irgend-einem x-beliebigen Band-Kollegen. Da bemüht man sich natürlich gleich doppelt, um alte Streitigkeiten aus dem Weg zu räumen und eine Lösung für die Probleme zu finden. Außer­dem haben mir die Erfahrungen mit The Magpie Salute dabei geholfen, Chris besser zu verstehen.“

Rich Robinson in trauter Zweisamkeit mit Bruder Chris. (Bild: Sam Hussein)

THE MAGPIE SALUTE

The Magpie Salute, dies zur Erklärung, ist/war Rich Robinsons aktuelle Band, mit der er 2018 und 2019 die kongenialen Alben ‚Walk On Water I‘ und ‚Walk On Water II‘ veröffentlicht hat. Die Presse war voll des Lobes, die Reaktionen der Fans fielen jedoch mäßig bis niederschmetternd aus. Jedenfalls für Robinsons Erwar­tungen und die von ihm gewohnten Bilanzen aus Zeiten der Black Crowes.

Robinson gibt zu, dass bei ihm die Enttäuschung zurzeit riesen­groß sei. Und dass bei The Magpie Salute eine ähnliche Abwärts­spirale wie bei den Black Crowes vor zehn Jahren drohte.

Er sagt: „Aus Enttäuschungen werden schnell negative Gefühle. Und aus negativen Gefühlen ebenso schnell Aversionen. So etwas habe ich in meinem Leben schon einmal erlebt, das darf sich nicht wiederholen.“

Bedeutet genau was? Sind The Magpie Salute also schon wieder aufgelöst?

Robinson: „Ich liebe die Band, ich liebe die Songs, und ich habe in dieser Zeit sehr viel gelernt. Aber ehrlich gesagt weiß ich momentan nicht, wie die Zukunft von Magpie aus­sieht.“

Das klingt, als ob der Stachel der Enttäuschung tief sitzt.

Robinson: „Weißt du: Leider hat es nicht funktioniert. Die erste Show in New York war noch sehr cool, doch danach wurde es zunehmend schwieriger. Und als ich mich ungefähr zum gleichen Zeitpunkt erstmals seit über sieben Jahren wieder mit meinem Bruder unter­halten habe, änderte sich mein Standpunkt. Denn durch die schwierigen Erfahrungen mit The Magpie Salute verstand ich auf einmal, was Chris bei The Black Crowes früher so unzufrieden und wütend gemacht hatte. Es waren ähnliche Erfahrungen wie meine bei The Magpie Salute.“

CHRIS ROBINSONS BROTHERHOOD

Auch Bruder Chris Robinson konnte mit seiner derzeitigen Band Brotherhood in den zurückliegenden Jahren an die einstigen Geschäftsbilanzen der Black Crowes nicht einmal ansatzweise her­anreichen. Vor acht Jahren gegründet, zeichnete sie – neben erst­klassiger Rock-Musik (O-Ton Robinson: „Wir lieben Jazz, Rock’n’Roll, Fats Domino, Chuck Berry, Little Richard, Buddy Holly, wir lieben Bluegrass und Funk, britischen Rock, Rasta- und Reggae-Musik, und übertragen all dieses auf unsere Songs!“) – vor allem das Flair einer tiefenentspannten aber kirchenmausarmen Hippie-Kommune aus.

2018 war Robinson erstmals mit der Gruppe in Europa aufgeschlagen, hatte die Mär vom glücklichen Freak-Dasein verkündet, das er – in einer Wohngemeinschaft mit seinen Band-Kolle­gen – in der Pampa Amerikas genießt, und in der Musik genauso gemacht wird, wie es die Urväter dieser Kunstrichtung vermutlich vorsahen: aus reiner Lust und Laune, und nur dann, wenn man sich richtig inspiriert fühlt.

Robinson: „Bei den Crowes musste ich schnell lernen, dass Geld die Menschen unbe­rechenbar macht. Ich bin in meinem tiefsten Inneren ein ziemlich naiver, eher poetischer Mensch, der mit diesem rauen, unschönen Business oftmals haderte. Brotherhood dagegen ist einfach nur eine kleine Wohngemeinschaft in irgendeinem verwunschenen Wald in Kalifornien.“

Dass auch diese Band in geschäftlicher Hinsicht nie den großen Tagen der Black Crowes das Wasser reichen konnte, weiß ihr Frontman Chris Robinson nur allzu gut:

„In Amerika kannst du dich als Live-Band auch ohne aktuelles Album weiterentwickeln. Grup­pen wie uns nennen sie dort Jam-Band, und die Leute kommen, weil sie neugierig sind, was sich da abspielt. Als wir zum ersten Mal in Europa landeten, war ich total aufgeregt, denn bislang wollte uns hier kein Veranstalter anfassen, weil sich ihrer Meinung nach kein Schwein für uns interessierte.“

Zu seinem Glück war die Show in London im März 2018 ausverkauft und die Band bekam die Gelegenheit, von dort aus auch nach Deutschland zu reisen.

„Soll ich dir verraten, was der größte Unterschied zwischen der CRB und den Black Crowes ist? Früher wäre ich erster Klasse nach Hamburg geflogen, heute würde ich mich notfalls auch im Gepäckabteil transportieren lassen“, sagte Chris Robinson und fügte hinzu: „Für mich ist das alles Freiheit. In meinen jungen Jahren war ich der Rockstar, heute bin ich einfach nur ein Musiker, der seine Songs aus seiner Sicht der Dinge schreibt. Als ich die Black Crowes verließ, sagten alle: ‚Tu es nicht, du machst einen Fehler! Du könntest noch so viel mehr Geld verdienen.‘ Aber mich hat das nicht interessiert. Es geht nicht ums Geld, es geht um Musik, und es geht darum, glücklich zu sein. Nur das allein zählt!“

DAS KLÄRENDE GESPRÄCH

Weshalb aber hat sich Chris Robinson dann auf eine Wiedervereinigung eingelassen, wo er doch vor wenigen Monaten noch vorgab, mit Brotherhood wunschlos glücklich zu sein? …

Produkt: Gitarre & Bass 9/2019
Gitarre & Bass 9/2019
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