Produkt: Gitarre & Bass 4/2019
Gitarre & Bass 4/2019
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Interview-Auszug

Michael Schenker: “Ich habe mit 17 aufgehört Musik zu hören!”

Michael Schenker Live

Kürzlich führte Michael Schenker (MSG, UFO, Scorpions) ein Interview mit GuitarGuitar. Auf die Frage, ob ihn heutige Gitarrenhelden irgendwie beeinflussen würden, erklärte der Gitarrist folgendes:

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“Ich habe mit 17 aufgehört Musik zu hören. Ich habe mit 17 auch aufgehört andere zu kopieren, da mir klar wurde, dass ich die Wahl hatte entweder bereits Vorhandenes zu recyclen oder mich selbst zu öffnen und der Welt zu zeigen wie ich das Ganze sehe. Mein Fokus lag auf dem Erlernen der Lead-Gitarre als eine Form des Selbstausdrucks. Aber natürlich kann man sich nicht völlig abschotten – das Radio im Fahrstuhl lässt sich nicht abstellen. Und ich konnte auch das komplette Metallica-Album [es geht um das selbst betitelte, bzw. Schwarze Album der Band, Anm. d, Red.] nicht abstellen, als ich in Paris neue Klamotten anprobiert habe. So entdeckte ich den Song ‘The Unforgiven’ für mich, ein fantastischer Song. Wenn sowas aus jeder Richtung auf dich einprasselt, kann man sich dem nicht entziehen. Ich habe jedoch die sehr klare Entscheidung getroffen keine Musik zu konsumieren, zu analysieren oder auch nur Interesse daran zu zeigen. Wenn ich im Auto fahre, mache ich nie das Radio an. Ich höre nicht mal die Nachrichten. Ich nutze die Fahrt als Meditation, um mir neue Sachen auszudenken.”

Auf die Frage, ob er noch üben würde:

“Ich übe nicht im eigentlichen Sinn, ich spiele und entdecke. Das Spielen ist wichtig, da es entspannt. Es gibt kein Punktesystem, keinen Wettbewerb, nichts; nur der Spaß am Spielen und dem Entdecken neuer Kombinationen, die aus dem Inneren kommen. Es ist ein wenig wie eine Schatzjagd. Man genießt es, weil man weiß, dass man am Ende etwas finden wird. Wenn ich spiele, spiele ich Dinge, die ich kenne, kombiniere sich unterschiedlich miteinander und plötzlich geschieht etwas magisches. Dies nehme ich dann auf einen Kassettenrecorder auf – fünf, zehn Sekunden – und was da zusammen kommt, hilft mir ein Album aufzunehmen.”

Zur Attraktivität der E-Gitarre:

“Die Gitarre ist eine super Sache, vor allem seit Distortion eingeführt wurde, bei Bands wie Black Sabbath oder Led Zeppeling und so weiter. Das hat das Instrument so perfekt gemacht. Es ist das beste Instrument, um sich selbst in jede Richtung uneingeschränkt ausdrücken zu können. Es gibt so viele Möglichkeiten, was man damit machen kann: eine Note halten, sie benden, darüber ein Vibrato legen, sie einmal anschlagen oder mehrmals, du kannst sie weinen und singen machen […].”

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Es geht mir so ähnlich wie Michael Schenker,denn das Brauchbare,die ganz speziellen Riffs,die eigenen Melodien,kommen garantiert nicht,wenn man stundenlang Radio hört,oder der Langenweile verfällt.Das habe ich auch schon herausgefunden.Mir kommen die besten Erfolgsmelodien und härtesten Gitarrenriffe stets in der Nacht,wenn die meisten “Erdlinge” bereits schlummern.Diese Noten/Tabulaturen notiere ich mir dann sofort,gehe sie mehrmalig konzentriert durch,und spiele sie alsbald auf der Akustik-bzw. auf der elektrischen Gitarre akribisch nach.Nun,die besten Einfälle kommen mir persönlich eben in der Dunkelheit,in der finsteren Nacht…willkommen in der Dunkelwelt! Und ganz nebenbei bemerkt,klingen nicht alle meine Melodien und Riffs düster,sondern eher fröhlich bis heiter! ??

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    1. Wenn deine “speziellen” Riffs und Licks, bei gleichzeitiger totaler musikalischer Abstinenz, genauso innovativ und einmalig sind, wie dein von dir gewählter Nickname “Bloodsucker”, hat sich die akustische Enthaltsamkeit nicht wirklich gelohnt 😉

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  2. Ich halte die Behauptung und steile These von Michael Schenker bezüglich seiner selbst verordneten musikalischen Enthaltsamkeit vor allem für einen Beweis seiner Hybris und seiner schwierigen Persönlichkeit! Er, der stets behauptet der musikalische Kopf und Schöpfer der Scorpions gewesen zu sein und der keine Gelegenheit auslässt am Thron der mittlerweile ziemlich spießigen „Hauskombo von Altkanzler Schröder“ zu rütteln, tut sich sichtlich schwer mit der Tatsache, dass er damals mit UFO und später seiner Eigenkreation “Michael Schenker Group” nicht ansatzweise den Erfolg hatte, wie seine Ex-Band, mit der sein älterer Bruder kräftig abgesahnt hat und dies immer noch tut! Das sind freilich nur Fakten und soll erst mal nichts die musikalischen Qualitäten der genannten Bands aussagen!

    Die Äußerungen zum Thema „Michael Schenker über Michael Schenker und andere“ sagen allerdings sehr wohl etwas über höchst menschliche, negative Eigenschaften wie Missgunst, Neid und Überheblichkeit aus!

    Wenn ich ihm so zuhöre, drängt sich mir irgendwie der unbestimmte Verdacht auf, dass er sich für einen der größten Gitarristen und Komponisten der jüngeren Musikgeschichte hält! Schön, wenn das andere über einen sagen, aber eher befremdlich, wenn man selbst sein größter Fan und Laudator ist!

    Ganz nebenbei bemerkt haben unzählige große Musiker der vergangenen Dekaden sich diesen Zwang nicht angetan und davon unbestreitbar profitiert. Egal ob man bei den Beatles, bei Genesis, Pink Floyd, Led Zeppelin, den Doors, Rush, Dream Theater und jeder Menge anderen großen, einzigartigen Bands reinhört, oder heute bei z. Bsp. den Foo Fighters, immer ist deren Musik durch Vorgänger und große Vorbilder (Klassik, Blues, Rock ‘n Roll, Jazz) mitbeeinflusst worden und ihre Musik hat dadurch gewonnen!

    Ganz zu schweigen von der entgangenen Lebensqualität für den guten Michael Schenker, denn Musik zu hören soll ja Freude bereiten und inspirieren, entspannen, fesseln und emotional bewegen und nicht etwa Wettbewerbsinstinkte lostreten!

    Was für ein Schriftsteller der am liebsten die eigenen Romane liest, was für ein Maler, der am liebsten seine eigenen Bilder betrachtet, was für ein Musiker der komplett auf von anderen Komponisten stammende Musik verzichtet!!!

    “Dorian Grey” lässt grüßen!!!

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