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Mark Knopfler über Gitarren

Mark Knopfler hat mit seinem Knopfler-Sound Rockgeschichte geschrieben. In einem Ausschnitt aus der PBS-Produktion Soundbraking zeigt der britische Gitarrist verschiedene Gitarrentypen sowie deren Sounds und Techniken.

Soundbreaking ist eine Doku-Reihe über die Entstehung von Sounds in der Rockmusik-Geschichte. Neben Knopfler wurden 160 weitere Pioniere, Ikonen und Produzenten der Musikindustrie interviewt.

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Vor einiger Zeit sprachen wir mit dem Gitarristen über den typischen Knopfler-Sound, seine Jugendidole und die schönsten englischen Wörter – Gibson und Fender…

Mark Knopfler ist kein komplexer Rock-Star, sondern mehr der Typ netter Familienvater: Ein mittelalter, ruhiger Herr mit wenigen grauen Haaren, Lesebrille, weißem Hemd und Blue Jeans. Einer, der ganz langsam und behäbig spricht, sich für die Antworten viel Zeit nimmt und doch einen feinen Sinn für Humor hat. Doch genau aus dieser Rolle bricht Mark Knopfler regelmäßig aus. Sei es, um mit guten alten Freunden zu jammen, neue Platten aufzunehmen oder auf endlose Mammut-Tourneen zu gehen.


Ihr wollt mehr über den Knopfler-Sound erfahren? In unserer mehrteiligen Reihe erfahrt ihr alles Wissenswerte über seinen Fender Vibroverb 6G16!


Hast du dir die Platten von Retro-Gitarren-Bands wie den Hives, White Stripes oder Strokes angehört? Kannst du damit etwas anfangen?

Mark Knopfler: Ich liebe sie! Ihr Ansatz kommt mir sehr entgegen. Denn was Gitarrenmusik angeht, die muss so klingen – rau, schwer, ungeschliffen.

Die White Stripes haben im billigsten und ältesten Londoner Studio aufgenommen – ein komplettes Album für 8000 Dollar.

Mark Knopfler: Nun, ich kann mich noch an unser erstes Album als Band erinnern. Wir haben es in ein paar Wochen eingespielt und gemischt. Und wenn das Material gut geprobt ist, sollte man problemlos dazu fähig sein. Obwohl: In meinem Fall haben wir überhaupt nicht geprobt. Die Band ist so gut, ich brauche bloß zu spielen. Ich habe diese Typen seit zehn Jahren dabei und muss ihnen den Song bloß vorspielen. Wir reden nicht groß darüber. Wenn ich etwas sagen möchte, tu ich’s und dann wird gespielt. Auf diesem Album gibt es viele erste Takes …

Da gibt es einen Song namens ,Donegan‘s Gone‘, der sich um Skiffle-Legende Lonnie Donegan dreht. Du scheinst ein Fan zu sein und hast unlängst sogar auf einem Festival zu seinen Ehren gespielt.

Mark Knopfler: Ich war ein riesengroßer Fan. Und zwar seit ich sechs oder sieben Jahre alt war, und meine Mutter fragte, ob sie mir meine ersten Schallplatten kauft. Vor den Beatles war Lonnie der größte britische Rock-Star neben den Shadows. Und ,Donegan’s Gone‘ spielten wir in kleiner, reduzierter Besetzung ein. Vielleicht war da noch ein bisschen Orgel, aber ansonsten brachten wir es als Trio – Bass, Schlagzeug und Gitarre.

Bei ,Donegan’s Gone‘ spielte ich mit einem Bottleneck auf einer alten Danelectro, musikalisch dachte ich eher an Mississippi Fred McDowell, das schien mir das Richtige zu sein, denn Lonnie brachte uns eine Menge Country-Blues näher: Leadbelly, Josh White und Big Bill Broonzy. Er brachte seine Version davon zu uns nach Hause, als wir Kids waren, und beeinflusste dadurch eine Menge Leute. So auch viele Musiker wie die Beatles, Joe Brown und Van Morrison. Oder auch mich. Insofern dachte ich, es wäre das Richtige für Lonnie, einen Bottleneck-Blues zu spielen. Es hätte ihm gefallen.

Ein weiteres Jugend-Idol ist Hanks Marvin von den Shadows. Hast du dir seine Abschieds-Tour angesehen?

Mark Knopfler: Leider nicht, aber die Shadows waren ganz groß für mich, ihretwegen wollte ich unbedingt eine rote Gitarre. Und auf dem Album ,Shangri-La‘ gibt es zwei oder drei Songs, auf denen ich die Saiten nicht wie sonst immer mit den Fingern anschlage, sondern ein paar Noten mit einem Plektrum und der Hand am Jammerbügel spiele, so wie Hank oder Duane Eddy. Außer von Lonnie Donegan hatte ich noch eine Shadows-EP auf der ,Wonderful Land‘ drauf war. Ich war sehr angetan von diesem Zeug. Ein Sound, den ich noch immer sehr gerne höre.

Und den du Mitte der 70er mit den Dire Straits aufgegriffen hast. War dieser cleane Fender-Sound damals nicht geradezu exotisch? Ganz einfach, weil ihn sonst niemand hatte?

Mark Knopfler: Er war zumindest etwas anderes. Stimmt. Ich spielte eine Strat mit meinen Fingern, was sonst niemand tat. Aber hier, auf diesem Album, habe ich dickere Saiten, benutze ein Plektrum und komme dem Original-Sound von Hank somit noch viel näher. Das ist der Sound, den ich als Kid liebte – eben weniger Töne und einfach eine andere Art des Saiten-Anschlags.

Angeblich hast du Fender und Gibson mal als die beiden schönsten Worte der englischen Sprache bezeichnet. Stimmt das?

Mark Knopfler: Ja, Fender und Gibson sind mit die großartigsten Wörter im Englischen. Natürlich auch Martin. (lacht)

Trotzdem spielst du eine Pensa MK 80?

Pensa MK 80
Pensa MK 80

Mark Knopfler: Ja, Rudy schickte eine wunderschöne Pensa ins Studio, als wir dort aufnahmen. Er sollte sie Malibu Pensa nennen, denn sie ist hellblau – wie der Himmel über Malibu. Richard hat sie bei einigen Songs als Rhythmusgitarre eingesetzt, sie klingt wunderbar.

Früher schien es auch eine ideologische Frage zu sein, ob man nun eine Fender oder eine Gibson spielt …

Mark Knopfler: Oh, ja! Das war es zweifellos – eben clean oder laut und fett. Dabei sollte man sich nie partout auf eine Sache festlegen, sondern eher variieren. Ich finde zum Beispiel, es kommt auf die Nummer an, eben wonach der Song verlangt. Erst dann entscheidet man sich. Man sucht sich eine Gitarre aus und spielt.

Du selbst hast schon vor Jahren eine Signature-Strat entwickelt, die sich sehr gut verkauft. Was hast du daran gegenüber dem Originalmodell modifiziert?

Mark Knopfler: Ich habe einfach versucht, möglichst nah an die Vorgabe zu gelangen: meine eigene alte Fender Stratocaster! Ich habe also probiert, eine Gitarre zu schaffen, die zu mir passt. Natürlich ist sie nicht das perfekte Instrument, aber man gibt sich bei der Herstellung viel Mühe, damit sie so gut wie eben möglich wird. Ich war beeindruckt, genau wie bei Martin und deren SignatureSachen dort. Man gibt sich wirklich große Mühe. Viele dieser Firmen hatten in den 70er und 80er Jahren eine Phase, in der sie viel Mist gemacht haben. Aber jetzt werden dort tolle Sachen gebaut

Was ist demnach so besonders an deinem Signature-Modell?

Mark Knopfler: (lacht) Nichts! Es ist überhaupt nichts Besonderes daran, aber sie hat andere Bundstäbchen. Ich habe auf meiner Gitarre dicke, 59 58 10.04 gitarre & bass MARK KNOPFLER harte Bundstäbchen, das Griffbrett entspricht dem der 61er und 62er Modelle. Meine Gitarre ist von 1961. Und sie haben wirklich nichts unversucht gelassen, ihr nahe zu kommen … Es ist im Gespräch, ein günstigeres Modell in Mexiko zu fertigen. Ich hoffe, das gelingt.

Hast du die ,Crossroads Guitar Auction‘ bei Christie‘s in New York verfolgt? Claptons Blacky hat dabei fast eine Million Dollar gebracht, deine Tobacco Sunburst dagegen nur $ 50.000. Wer bitte bezahlt so viel Geld für eine Gitarre?

Mark Knopfler: (lacht!) Ein Wahnsinn, oder? Ich weiß noch, wie ich irgendwann 1969 meine erste National-Steel-Gitarre kaufte. Ich gab einem alten Kerl in Wales 80 Pfund dafür, er hatte sie in einem Kleinanzeigenblättchen inseriert. Ich habe mir das Geld und ein Auto geliehen und fuhr in strömendem Regen nach Wales, um das Teil abzuholen. Ich weiß nicht genau, aber jetzt ist die Gitarre ungefähr 100 Mal so viel wert, als das, was ich dafür bezahlt habe. Ich höre, dass einige 58er und 59er Les Pauls Hunderttausende wert sein sollen. Ist das nicht irre? Man redet über Preise zwischen 200.000 und 300.000 Dollar. Und wenn du mich fragst, ist das völlig überzogen. Allmählich wird es lächerlich.

Wobei man dazusagen muss, dass mit dem Geld von Claptons Gitarren eine Drogenklinik unterstützt wird – da macht der hohe Preis dann wieder Sinn. Stimmt es immer noch, dass die meisten alten Gitarren nach Japan verkauft werden?

Mark Knopfler: Richtig, viele gehen nach Japan. Aber ich weiß nicht, warum. Vielleicht weil man sie dort mehr schätzt. Vielleicht aber auch, weil nur sie das nötige Kleingeld haben …


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Knopfler-Themenspecial

Du bist seit über 40 Jahren Profi-Musiker. Wirst du irgendwann noch Noten lernen?

Mark Knopfler: Ich wollte es immer können, und es wäre of sehr nützlich gewesen. Es ist komisch: ich habe keine Probleme mit dem geschriebenen Wort, aber irgendetwas in mir widerstrebt der Notation. Wahrscheinlich ist es Faulheit. Ich komponiere nur mit der Gitarre. Aber gleichzeitig ist die Gitarre auch nur etwas, womit ich meine Songs schreibe. Es ist nichts, was ich um der Sache willen tue. Ich sage mir immer wieder, du solltest dir einen Lehrer nehmen und richtig Gitarre spielen üben. Das mache ich nicht genug, ich spiele bloß, wenn ich einen Song schreibe.

Knopfler Zitat

Und ich spiele nicht genug neues Zeug, also Sachen, die ich lernen möchte und die mich in eine neue Richtung bringen könnten. Ich weiß, was ich tun muss, um das zu ändern. Wenn ich bloß Zeit dafür hätte zu lernen! Es ist teilweise Faulheit, was die Gitarre angeht, aber ich genieße es auch zu sehr Songs zu schreiben, das kann ich besser. Wenn ich mit der Band auf Tour bin, bringt mein Mitmusiker Richard mir neue Sachen bei, über die ich nachdenken kann. Das ist immer großartig, es gefällt mir.

Also ist der Knopfler-Sound eher ein glücklicher Zufall?

Mark Knopfler: Das war der Sound, der mich als Kid begeisterte. Ich liebte diesen Klang. Ich erinnere mich noch, wie ich zum ersten Mal ,Because You’re Young‘ von Duane Eddy hörte. Ich war noch ganz klein, lief mit meiner 45er Single die Straße rauf, zum Haus meines besten Freundes und brachte ihn dazu, die Platte 25 Mal zu spielen. Der arme Junge.

Ein großer Shadows-Fan ist Brian May von Queen. Hast du ihn je getroffen?

Mark Knopfler: Leider nein, aber es war mir eigentlich klar, dass er auf Hank steht. Wenn du ihn fragst, welches sein Strat-Lieblings-Sound ist, wird er sagen: „Etwas Langsames von Hank wie ,Wonderful Land‘, ,Apache‘ oder ,Atlantis‘.“ Da wette ich mit dir! Das ist ein Sound, der Tausende von Gitarristen dazu brachte, mit diesem Instrument anzufangen – auch mich. Ich saß mit meiner E-Gitarre in der Schule, ganz hinten in der Klasse, und der Lehrer sagte: „Mark, hör sofort auf, diese komischen Geräusche mit deiner Kehle zu machen!“ Das war es eben. Mein Instrument. Meine Stimme … Man sollte versuchen, die Dinge, für die man sich als Kind begeistern konnte, lebendig zu halten. Das ist wichtig.

 

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