Produkt: Gitarre & Bass 4/2019 Digital
Gitarre & Bass 4/2019 Digital
INTERVIEWS: Bryan Adams, Tommy Emmanuel, Devin Townsend+++SPECIAL: Jazzgitarre in Deutschland+++Tiefer. Härter. Breiter: Die ERG-Highlights der NAMM 2019

Lieblingsplatten: dUg Pinnick (King’s X)

Musiker spielen nicht nur Musik, sie hören auch gern welche. Manchmal ist es nur ein Song, der jemanden zur Gitarre oder zum Bass greifen lässt. Und dann gibt es noch Alben, die richtungsweisend sein können. Eine eigene TOP-5-LISTE kommt auf Zuruf jedem in den Sinn. Und manchmal sind es auch mehr …

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Doug, Dug oder, wie er sich heute schreibt, dUg Pinnick kennt man in erster Linie als Bassist, Sänger und Songwriter der US-Rocker King‘s X. Der im September 1950 geborene Linkshänder hat mit Jerry Gaskill (dr, voc) und Ty Tabor (g, voc) seit 1985 zahlreiche Alben veröffentlicht. Daneben war Pinnick im Laufe der Jahre auch immer wieder zu Gast auf Alben von u.a. 24-7 Spyz und Dream Theater. Und es gab weitere Band-Projekte wie Poundhound, Supershine oder Pinnick-Gales-Pridgen.

Aktuell hat er mit KXM (Doug plus Ex-Dokken-Gitarrist George Lynch und Korn-Drummer Ray Luzier) das Album ,Circle Of Dolls‘ am Start. Doug hat also eine lange und belebte Karriere hinter und vor sich. Und genauso bunt und überraschend wie seine Songs sind auch die Bands und Künstler, die ihn beeinflusst haben. Bitte, Mr. Pinnick, erzählen Sie mal…

„Meine erste Platte war ,Why Do Fools Fall In Love‘ von Frankie Lymon & The Teenagers. Das war eine von diesen Doo-Wop-Bands. Der Bass-Part berührte mich als ich fünf Jahre alt war. Von da an wollte ich Bass spielen.

Frankie Lymon & The Teenagers: Why Do Fools Fall In Love, 1956

Als 14-Jähriger hörte ich zum ersten Mal Sly & The Family Stone, also ihren Hit ,Dance To The Music‘. Wenn der Song im Radio kam, hielt ich den Speaker an mein Ohr. ,Thank You (Falettinme Be Mice Elf Agin)‘ ist mein Lieblings-Song von Sly, wegen des Basses, des Gesangs und des Grooves.

Sly & The Family Stone: Thank You (Falettinme Be Mice Elf Agin), 1969

,Cold Sweat‘ von James Brown änderte mein Leben. Im Chorus gibt es einen Tonartwechsel, und die Akkorde gehen höher und höher. Den letzten Ton hält er aus, und dann geht es zurück zum Grundakkord. Dieser Kontrast macht meinen Körper immer kribbelig. Ich mag Akkordwechsel die ein bisschen merkwürdig sind, und James Brown hat mir den Weg dazu gewiesen.

James Brown: Cold Sweat, 1967

Als ich einmal mit ein paar Freunden von der Schule nach Hause ging, kamen wir an einem Haus vorbei, wo ein Mädchen ,I Wanna Hold Your Hand‘ von den Beatles hörte. Ich kann mich daran erinnern, dass ich es nicht mochte, weil es so klang als würden weiße Typen versuchen schwarz zu klingen. Ich mochte damals auch nicht die Everly Brothers, die für mich einen ähnlichen Sound hatten. Im Laufe der Jahre wurden die Beatles zu einem großen Einfluss, obwohl ich nie ein richtiger Fan war.

Außerdem war ,Band Of Gypsys‘ ein wichtiges Album für mich. Sie waren die erste schwarze Rockband und gaben mir die Erlaubnis auf Rockmusik abzufahren. Jeder wollte wie die Band Of Gypsys klingen, und Jimi Hendrix hat in ,Machine Gun‘ viele Akzente gesetzt. Er hat die Noten lange ausgehalten, während jeder andere hunderte von Noten spielte. Jimi spielte nur wenige Töne und erinnerte uns daran, uns wieder auf die Musik zu konzentrieren.

Ich mag ,Led Zeppelin III‘ – das ist die Platte von ihnen, um die sich die Leute am wenigsten scheren. Üblicherweise mag ich solche Alben einer Band am liebsten.

,Roundabout‘ von Yes ist eine meiner Lieblingsnummern und Chris Squire ist einer meiner Lieblingsbassisten. Von ihrer Art des Songwritings mit Bridge, Chorus und Interlude fühle ich mich angezogen. All diese Dinge haben sich mir eröffnet, als ich anfing Musik zu machen.

Yes: Roundabout, 1972

,Back In Black‘ ist mein Lieblingsalbum von AC/DC. Ich erinnere mich, wie ich den Titelsong im Radio meines Autos hörte. Ich dachte es wäre Nazareth. Ja, das dachte ich wirklich, hahaha. Sie hatten ja auch härtere Stücke wie ,Hair Of The Dog‘. Und ihr Sänger Dan McCafferty klang sehr nach Brian Johnson. Ich hielt mit dem Auto am Straßenrand und rief direkt die Radiostation an. Ich weiß noch, dass ich auf der Heimfahrt beim Plattenladen Halt machte und mir sofort das Album kaufte.

Ich habe immer zuerst die B-Seite der LP gehört, die mit ,Back In Black‘ beginnt. Irgendwann hatte ich die CD und die fängt natürlich mit ,Hells Bells‘ an und das hat mich verwirrt. Für mich war ,Back In Black‘ gefühlt der erste Song. Ich hatte AC/DC auch schon mal in den 70ern mit der Nummer ,Sin City‘ gesehen. Ihr Groove war vollkommen anders als alles, was ich bisher gehört hatte. Für mich haben sie alles eingedampft auf den Grund-Groove, also 4-to-the-floor, und drei Akkorde. Das ist eigentlich Soul-Musik vom Feinsten. Als ich hörte, wie aggressiv sie waren, war ich wie gefesselt. Vor langer Zeit waren wir dann einmal mit ihnen auf Tour.

Das erste Police-Album ,Outlandos d‘Amour‘ war großartig. Sie haben Punk mit Bob Marley verbunden. Das war etwas Neues, das hatte noch keiner vorher gehört. Und Sting klang für mich wie Bob Marley. Auch ,Sparkle In The Rain‘ von den Simple Minds gehört zu meinen Top10-Lieblingsalben.

The Cult brachten in ihrer Single ,She Sells Sanctuary‘ U2 und AC/DC zusammen. Das war der Sound, hinter dem ich her war, als ich jünger war. Sie waren Pioniere in dem, was sie machten. Auch Killing Joke und ihr ,Night Time‘– Album waren eine große Sache für mich. Das klang wie eine Kombination aus Disco und Metal.

The Cult: She Sells Sanctuary, 1985

Ich mag alles, was fett, aggressiv und laut ist. In den 50ern spielten viele Leute Saxofon anstatt wie heute Gitarre. Während meiner Zeit in der Grundschule spielte ich selbst auch Baritonsaxofon. Damals schauten wir alle American Bandstand, diese alte TV-Show aus den 50ern, in der Musiker wie etwa Chuck Berry auftraten oder wer auch immer gerade eine Single draußen hatte. Und das Musik-Thema der Show war eine Art Big-Band-Nummer im Stil der 40er-Jahre. Die Saxofone spielten mit anderen Bläsern ein Riff, das fett und groovy klang. Und jedesmal wenn ich ein Riff schreibe, habe ich diesen Sound im Sinn. Man denke nur mal an King‘s-X-Songs wie ,Dogman‘ und stelle sich vor, ein Baritonsaxofon würde sie spielen. Ich mag harte Musik, wie Beethovens 5. Symphonie, denn auch sie ist aggressiv.“

(erschienen in Gitarre & Bass 07/2020)

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