Produkt: Gitarre & Bass 09/2020
Gitarre & Bass 09/2020
Veröffentlichen S&M2: Kirk Hammett & Metallica +++ Neues Album zusammen mit Steve Swallow: John Scofield +++ neu, virtuos, originell: Yvette Young +++ US-Metal-Speerspitze mit neuem Album: Lamb Of God & Mark Morton +++ Zum neuen Deep Purple Album: Roger Glover & Steve Morse +++ Bass-Transkiption: Robin Mullarkey & Jacob Collier ‚Eleanor Rigby’
Aus dem neuen Heft

Interview: Kirk Hammett & Metallica

(Bild: Anton Corbijn)

Mit ‚S&M2‘ versüßen Metallica sich und uns die Wartezeit zum nächsten Studio-Album. Das könnte, wenn man Gitarrist Kirk Hammett glaubt, genauso spannend werden, wie seine aktuelle Lieblingsmusik, seine Vintage-Gitarren, seine Horrorfilm-Devotionalien und seine Begeisterung für deutschen Schlager. GITARRE & BASS hat ihn dort angetroffen, wo sich die Coronavirus-Pandemie am besten aussitzen lässt – auf seinem hawaiianischen Zweitwohnsitz.

Das sei, so der 57-Jährige lachend, wahrscheinlich die beste Entscheidung seines Lebens gewesen: Er hat Mitte März, als sich das volle Ausmaß der Coronakrise abzeichnete, die Flucht nach Hawaii angetreten – mit seiner Familie und seinen Lieb­lingsgitarren. Seitdem ist Kirk Hammett – wie alle Amerikaner, die sich das leisten können – zu Hause, das er lediglich in Notfällen verlässt. Sein gesamtes Leben spielt sich hinter hohen Mauern, aber mit Palmen und Meerblick ab. Und mit dem Luxus eines giganti­schen Pools, eines Heimkinos, einer Haushälterin/Köchin und eines Musikzimmers, das ein gutausgestattetes Studio und einige seiner erklärten Lieblingsgitarren umfasst. Sein Homeoffice.

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Denn Metalli­ca, so betont der angegraute Lockenkopf, seien keineswegs untätig. Mit dem frisch genesenen James Hetfield bastelt man eifrig an Material fürs nächste Studio-Album und überbrückt die Wartezeit, die noch locker ein bis zwei Jahre dauern dürfte, mit ‚S&M2‘. Eine Fortsetzung des Klassik-Ausflugs von 1999, die im letzten Herbst in San Francisco aufgeführt wurde und eine Reihe von Überraschun­gen birgt. Darunter eine Kontrabass-Version von ‚(Anesthesia) Pulling Teeth‘ vom ’83er Frühwerk ‚Kill ‘Em All‘ und eine Interpreta­tion von Alexander Mossolows ‚Die Eisengießerei‘ von 1928. Dinge, die Hammett nur zu gerne erklärt.

INTERVIEW

Kirk, erinnerst du dich noch, wie ihr euch 1999 – beim ersten Klassik-Ausflug – gefühlt habt? Wie groß war damals die Herausforderung?

Beim ersten Mal war das völliges Neuland für uns. Etwas, an dem wir uns noch nie zuvor versucht hatten – nämlich mit einem kompletten Orchester zu spielen. Von daher waren wir schon etwas besorgt, denn wir wussten ja nicht, ob es funktionieren würde und ob wir das hinkriegen – also was die Aufnahme betrifft und vom Spielerischen her. Wir haben eine Menge Zeit und Energie investiert, um sicherzu­stellen, dass wir gut vorbereitet waren. Sprich: Wir haben wahnsin­nig viel geprobt, mit dem Sinfonie-Orchester und ohne. Als es dann an die Shows ging, haben sie ziemlich gut funktioniert: Das Orches­ter war hinter uns, wir standen ganz vorne auf der Bühne und es ver­lief alles nach Plan, ohne größere Zwischenfälle.

Und zwanzig Jahre später?

Zwanzig Jahre später hatten wir genug Erfahrung, um zu wissen, was uns erwartet. Und die Aufnahme-Technik hat sich derart verbessert, dass wir noch enger mit dem Orchester arbeiten konnten. Dank der kabellosen Technik und der Qualität der neuen Mikrofone. Aber auch dadurch, dass alles kleiner geworden ist. Und wir haben erkannt: Wenn wir auf einer offenen Bühne inmitten der Halle spielen, können wir das gesamte Orchester kreisförmig um uns herum anordnen und viel besser mit den einzelnen Sektionen kommunizieren. Etwa mit der perkussiven Abteilung, den Holzbläserinstrumen­ten, den Streichern, den Bläsern. Das hat die Kom­munikation enorm vereinfacht. Gerade bei den richtig heftigen Passagen konnte ich jetzt einfach zu den Celli rübergehen, Augenkontakt mit den Musikern haben und hören, was sie da spielen. Das hat einen riesigen Unterschied gemacht. Denn auf diese Weise fühlten wir uns eingebundener – als ob die Band ein Teil des Orches­ters war.

(Bild: Anton Corbijn)

Also alles viel leichter als früher?

Ja, und das liegt hauptsächlich an der Technik. Am In-Ear-Monitoring und dass man keine Monitore mehr auf der Bühne braucht. Ich hatte zum Beispiel nur einen einzigen am Start, den ich für spezielle Sachen brauchte, bei denen er unab­dingbar war. Aber es ist wirklich so, dass die Technik das Ganze enorm vereinfacht und dafür gesorgt hat, dass alles viel reibungs­loser vonstattenging als beim letzten Mal.

Gleichzeitig scheint ihr als Band auch ein bisschen mutiger geworden zu sein. Was sich allein daran manifestiert, dass ihr euch auf eine Interpretation von Alexander Mossolows ‚The Iron Foundry‘ eingelassen habt. Wie seid ihr auf den russischen Avantgarde-Komponisten gekommen?

Das war ein Vorschlag von Michael Tilson Thomas, dem Dirigenten und Leiter des Orchesters. Und der Grund war, dass es aus einer Phase der klassischen Musik stammt, in der viele dieser russischen Komponisten versucht haben, den Klang der Industrialisierung einzufangen – von Fabriken, Maschinen und den im Akkord schuf­tenden Arbeitern. ‚Die Eisengießerei‘ ist eines der bekanntesten und wichtigsten Werke von Mossolow. Als ich es zum ersten Mal hörte, dachte ich: „Das ist perfekt. Das passt wirklich gut zu uns.“ Es schlägt eine Brücke zwischen dem, was die Komponisten dieser Zeit probiert haben, und dem, worum es uns ging: Nämlich eine Metal-Band und ein Orchester zusammenzubringen, um ein ähnli­ches Ergebnis zu erzielen. Ich habe eine Menge davon gelernt, genau wie über eine Phase der russischen Klassik, von der ich gar nicht wusste, dass sie existiert. Jetzt stehe ich total darauf.

Das Orchester selbst führt zudem die ‚Scythian Suite‘ von Sergei Prokofjew auf – bei deren Premiere 1916 die Zuschauer reihenweise aus dem Theater geflüchtet sind. Sie galt als „schockierend“.

Stimmt! Sie wurde in ihrer Zeit als „vulgär“ erachtet. (lacht) Das ist der Begriff, den die Leute früher ver­wendet haben, wenn sie Musik hörten, die sie als anstößig oder provokant empfanden – oder als derart anders, dass sie sie schlichtweg nicht verstanden. Da haben sie den Begriff „vulgär“ ver­wendet. Heute benutzt das kaum noch jemand im Zusammenhang mit Musik. Und wenn ich es irgendwo aufschnappe, denke ich: Oh, die müssen über klassische Musik reden. Einfach, weil das damals ein sehr populärer Begriff war. Ich finde ihn eher lustig. (lacht)

Zumal heutzutage nichts mehr schockierend ist?

Ja, was ist heute noch vulgär? (lacht) Ich meine, es gibt sogar ein Genre für vulgäre Musik, das die Leute lieben – es heißt…

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