Durchgehende, geleimte und verschraubte Hälse

Gitarrenklang: Der Klang von Konstruktionen

Sowohl die verwendeten Baumaterialien als auch die jeweiligen Konstruktionen drücken sich am Ende des Tages im Klang der Gitarre aus. Während das Holz eher für den Klangcharakter, die individuelle Klangfarbe zuständig ist, wirkt sich die Bauweise des Instrumentes vor allem auf das Anschlagsverhalten (Attack) und den Nachklang (Sustain) der Gitarre aus.

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Schraubhals: Fender Telecaster

Die Schwingungen der Saite werden über den Steg und den Sattel (bzw. Bünde) in Hals und Korpus geleitet und von dort, angereichert mit den „Klang-Informationen“ dieser Bauteile, wieder zurück an die Saiten gegeben. Theoretisches Ziel einer Gitarrenkonstruktion ist, möglichst wenig Schwingungsenergie an den Übergabepunkten (Steg, Sattel und Bünde) zu verlieren.

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Sobald eine Saite angeschlagen wird, soll sich die ganze Energie möglichst schnell – also mit schnellem Attack – in Bewegung setzen. Diese Energie soll dann möglichst lange die Saite am Schwingen halten, um eben das angestrebte lange Sustain zu erreichen. Voraussetzung für solch ein Schwingungsverhalten ist eine stabile Konstruktion des Instrumentes, dessen neuralgischer Punkt, neben den besagten Übergabepunkten, vor allem die Hals- /Korpus-Verbindung ist. Denn das Instrument soll ja als Ganzes schwingen – und zwar harmonisch miteinander. Die häufigsten Verbindungen sind:

  • geschraubte Hals-/Korpusverbindung
  • geleimte Hals-/Korpusverbindung
  • durchgehender Hals

Klar, mit der geschraubten Verbindung wird sofort Leo Fender assoziiert, weil er diese Bauweise hoffähig gemacht hat. Vor Fender galt sie noch als das Merkmal einer billigen Produktion. Dieses System ist genial, weil es ein schnelles Arbeiten und einen einfachen Austausch des Halses erlaubt. Aber es birgt auch Nachteile.

Wenn der Übergang unsauber gearbeitet ist, sodass Halsfuß und Korpustasche nicht großflächig miteinander in Kontakt kommen und/oder sich Lackschichten zwischen beiden Bauteile befinden, geht hier Energie und damit Klanginformation verloren. Was im Extremfall zu einem Verlust von Höhen und zu einem tot klingenden Instrument führen kann, das nur schwer, wenn überhaupt, zum Singen gebracht werden kann.

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Geleimter Hals: Nik Huber Rietbergen

Ein eingeleimter Hals steht dagegen in einem vollkommenen Kontakt mit dem Korpus und erlaubt dadurch eine einwandfreie Übertragung der Schwingungen zwischen Hals und Korpus, was sich positiv auf das Sustain auswirkt. Aber auch diese Verbindung muss sauber gearbeitet sein. Allzu oft kann man jedoch bei industriell gefertigten Gitarren sehen, dass Halsfuß und Korpus trotz Verleimung nicht exakt passen, und die entstehenden Hohlräume und Fugen mit Furnier und Leim gefüllt sind.

Es ist klar, dass die Gitarre an diesen Stellen an Schwingungsenergie verliert. Doch wenn die Hals-/Korpus-Verbindung präzise gearbeitet ist, stellt sie eine stabilere Einheit dar als die Schraubverbindung. In vielen Fällen haben Korpus und Hals unterschiedliche Eigenfrequenzen, weil sie meist nicht aus demselben Stück Holz stammen. Das bedeutet, dass sich die Schwingungen im Korpus bzw. im Hals mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten fortsetzen, was sich aber nicht auf die Qualität des Klangs auswirkt, sondern eher auf die Klangfarbe.

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Durchgehender Hals: MusicMan Armada

Der durchgehende Hals ist eigentlich ideal, was das Schwingungsverhalten angeht. Steg, Sattel und Bünde sind auf ein Bauelement montiert, das aus einem einzigen Stück besteht und sich nicht mit den Eigenfrequenzen anderer Hölzer auseinandersetzen muss. Die Übertragung der Schwingungen auf das Holz und zurück erfolgt, ohne dass eine Verbindung überwunden werden muss.

Als Konsequenz wird hier die Klangfarbe der Hölzer am treuesten übertragen, und Attack und Sustain sind am stärksten von allen erwähnten Methoden ausgebildet. Gitarren mit durchgehenden Hälsen können brillant und manchmal auch aggressiv klingen, aber jede Veränderung an ihnen – sei es eine andere Brücke, ein anderer Sattel oder ein Tonabnehmerwechsel – ist deutlich nachzuvollziehen, sodass das Bauen und Tunen einer solchen Gitarre einfacher ist als bei anderen Konstruktionen, weil man leichter Voraussagen treffen kann.

Diese Bauweise verlangt natürlich ein Maximum an Materialqualität, denn hier lässt sich z. B. der Hals eben nicht austauschen. Fazit: Mit allen drei erwähnten Konstruktionsweisen lassen sich hervorragend klingende, charaktervolle Instrumente bauen, das hat die E-Gitarrengeschichte längst gezeigt. Präzise und saubere Verarbeitung vorausgesetzt.

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Guter Artikel. Da ich das Sonderheft Gitarren ABC besitze, kann ich es nur jedem empfehlen, der mehr über Gitarren wissen möchte. Tolles Sonderheft!

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  2. Dazu lese man mal das Buch “Die Physik der Elektrogitarre” von Prof. Manfred Zollner.
    Er bestätigt genau das,was ich schon seit Jahren sage: Das Material des Bodys ist für den Klang einer Solidbody(!) irrelevant, da die PU`s nur die Saitenschwingung verstärken, nicht die des Bodys. Je mehr ein Body trocken schwingt, desto mehr Energie “wandert” dort hin und ist für die PU`s verloren.(Energiesatz aus der Physik).
    Steinberger-, Teuffel-,Armstrong- u.a. Gitarren klingen auch. Sogar eine 4.000.-$ Tele aus dem 3D-Drucker.
    “Klanghölzer” klingen nur bei Acoustics und Konzertgitarren- bei Solidbodies sind sie nur ein optisches “Schmankerl”.
    Fazit: Um das Optimum aus einer Solidbody heraus zu holen, dürfte der Body GARNICHT schwingen.

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    1. Das ist so nicht richtig, aber auch nicht falsch. Natürlich verliert die Schwingung an Schwingungsenergie bei der Übertragung in ein Material wie Holz. Aber dies ist nicht ein linearer Verlust im Sinne von “Weniger”, sondern eine Veränderung der Schwingungsenergie. Und genau diese Veränderung ist das, was viele als den Ton-Charakter einer Gitarre – und auch eines bestimmten Holzes – bezeichnen. Natürlich klingen Gitarren aus Metall oder aus Stein oder sogar Korpus-lose Gitarren wie z.B. die Roger Saturn irgendwie auch, aber nicht immer ist die volle Schwingungsenergie eben das, was wir als “Sound” hören wollen und was unser Klangempfinden geprägt hat. Und – ganz wichtig: Dass die Pickups die Saitenschwingungen abnehmen, ist unstrittig. Aber diese Schwingungen werden – wie eben schon gesagt – durch den Verlust der Energie, aber auch durch eine Art Wechselwirkung mit dem Baumaterial geprägt. Und da gibt Holz eben auch je nach Art und Beschaffenheit ganz schön viel zurück – über die so genannten Kontaktübergabe-Stellen wie Steg, Bünde etc..

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      1. Das scheint wohl ein heißes Thema zu sein. Gut so! Vielleicht kann man mal mit der Mär von Klanghölzern bei E-Gitarren anfangen.Wie ist die überhaupt entstanden? Hat man etwa von Klangeigenschaften akustischer Instrumente (Geige, Konzertgitarre etc.) ausgehend auf die Übertragbarkeit auf elektrisch verstärkte Instrumente geschlossen? Es scheint fast so, denn immer wieder liest man vom fantastischen Klang im Trockentest.Was sagt der aus? Wer würde eine Geige mit PU`s bestücken und sie verstärkt testen um daraus Rückschlüsse auf ihren unverstärkten Klang zu ziehen?
        E- und A-Instrumente sind 2 völlig verschiedene Paar Schuhe.- Eine Art Wechselwirkung der Baumaterialien ist physikalisch nicht nachvollziehbar.
        Wenn der Korpus im Trockentest ordentlich schwingt, dann deshalb weil die Schwingungsenergie eben hier gelandet ist. Sie kommt aber nicht zurück,weil der Widerstand der Stegkonstruktion wesentlich höher ist als der des Korpus`.
        Die Energie verliert sich im Korpus. Das macht aber nichts, denn dafür haben wir ja hochwertige Hardware in Form von diversen Stegen, PU`s und nicht zu vergessen: unsere Tretminen und Amps, mit denen wir den schönen “Klangholzsound” wieder in die Tonne treten. Mist!
        Um das Ganze nicht humorlos abzuschließen: Meine Paula hat eine schöne Riegelahorndecke auf 2-teiligem Mahagony-Korpus.Da habe ich 2 verschiedene Hölzer und den Leim.Ich will gar nicht wissen, wie die Schallwellen da umherirren und zu den Saiten zurückfinden sollen.
        Aber: Die Paula hat Häussel-PU`s- die bringen`s.
        Ich bin zugegebenermaßen auch ein Optik- Freak, meine Klampfen müssen meinem Geschmack absolut entsprechen, aber das Korpusholz habe ich immer nur aus ästhtetischen Aspekten betrachtet- was sehr wichtig ist!
        Getuned, also klangverbessernd wird bei mir nur über PU`s, Mechaniken, Saiten und Stegvarianten eingegriffen.

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    2. “Dürfte”.

      Tut er aber, genau wie jedes noch so nebensächliche Schräubchen. Wenn du Deine Gitarre spielst, schwingt immer das gesamte Instrument, und daraus ergeben sich Wechselwirkungen, die der Gesamtkonstruktion ihre Relevanz verleihen. Das gehört auch zur Physik der E-Gitarre. Sie ist ein hochkomplexes emergentes System, das nicht ohne weiteres nur reduktionistisch betrachtet werden kann, weil dabei der Blick auf’s Gesamtbild unter Umständen verlorengeht.

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    3. Wer sowas behauptet, hat weder eine Ahnung von Physik noch hat er Zollners Werk verstanden.

      1. Man kann eine Saite nie isoliert betrachten. Ihre Schwingungsentfaltung wird immer in Wechselwirkung stehen zu den Materialien, auf denen sie aufgespannt ist. Schon rein schwingungsphysikalisch schwingt zwangsläufig immer das gesamte System, und jeder seiner Bestandteile ist von Bedeutung. Die Saite ist nur die Stelle der Gitarre, an der man die Schwingung am leichtesten abnehmen kann.

      2. Dass Hölzer einen maßgeblichen Einfluss auf das Endresultat haben, ergibt sich schlicht schon aus der praktischen Erfahrung. Das kann jeder bestätigen, der einmal an einer Strat den Body (und nur den) ausgetauscht hat. Das sind mitunter Welten. Richtig ist, dass das Holz nicht alleine entscheidend ist. Ob nun Hardware, Konstruktion, Mensur, Pickups oder Holz am meisten ausmachen, darüber kann man streiten. Tatsache ist, dass bei gleichbleibenden sonstigen Eigenschaften die Hölzer einen Unterschied ausmachen. Wie sonst soll man erklären, dass Strats der gleichen Serie so unterschiedlich klingen?

      3. Steinberger-Gitarren sind gerade deshalb kein großer Erfolg geworden, WEIL sie anders klingen als Gitarren aus Holz. Was im Übrigen bereits die Behauptung widerlegt, dass “Holz nicht klingt”. Denn wenn eine Gitarre aus Kohlefaser über den Amp anders klingt als eine aus Erle, folgt daraus logisch zwingend, dass Hölzer mit vielleicht nicht so extrem, aber doch unbestreitbar unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften wie Esche und Pappel, ebenfalls unterschiedliche Klänge zur Folge haben müssen.

      Richtig ist, dass alle Hölzer als Naturprodukt gewisse Bandbreiten von Eigenschaften haben, die sich teils überschneiden. Ein weicher, leichter Eschebody kann durchaus sehr ähnlich klingen wie etwas schwerere, harte Erle. Die Sorten geben aber durchaus eine Orientierung, sodass der, der einen knallharten Tele-Klang sucht, sicher gut beraten ist, erstmal Esche-Teles mit One-Piece-Mapleneck anzutesten. Und jeder notorische Pickup-Tauscher (wie ich selber) kann bestätigen, dass es Eigenschaften an einer Gitarre gibt, die man mit keinem Pickup der Welt erzeugen bzw. verschwinden lassen kann.

      4. Der hergestellte Gegensatz zu akustischen Instrumenten greift zu kurz. Er lässt nämlich die Doppelfunktion der Konstruktion außer Acht: ein Korpus fungiert dort sowohl als “Saitenaufhängung” (die braucht man schließlich, denn man kann die Saite eben nur in der theoretischen, simplifizierenden Betrachtung an zwei idealen, starren Punkten aufhängen), als auch als “Verstärker”. Bei akustischen Instrumenten hat man dabei einen Zielkonflikt: einerseits muss die Konstruktion möglichst steif sein, um Sustain zu bekommen, andererseits muss sie leicht zum Schwingen anzuregen sein, da sie sonst keine Energie an die Luft abgeben kann. Bei einer E-Gitarre fällt ausschließlich der zweite Aspekt weg, der erste keineswegs.

      5. Wenn es das “Optimum” einer E-Gitarre tatsächlich gäbe, würden wir wohl kaum alle so unterschiedliche Gitarren bevorzugen. Danach zu suchen ist etwa so sinnvoll, wie die “beste” Musikrichtung zu küren.

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  3. Fender hat doch neulich eine Gitarre gezeigt, die komplett aus Pappe gebaut war – eine Strat! Und die klang auch – irgendwie. Genau wie Gitarren aus Stein, aus Carbon, aus Metall etc. auch irgendwie klingen. Oder ein Sinuston auch irgendwie klingt. Ich glaube, wir sind auf den eher unperfekten Klang geeicht, der dann entsteht, wenn unterschiedliche Materialien wie z.B. Metall und Holz schwingen und sich gegenseitig beeinflussen. Da entstehen Kammfiltereffekte und ähnliches, was den Charakter eines Klanges prägt. Dass die Aussage, dass das Korpusholz den Klang einer Solidbody gar nicht prägen soll, ist jedenfalls total falsch.

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  4. Wir sollten “Klang” vorher definieren. Fürs Shreddern, Braten und Quintensuppe regelt man am besten alles per PU (Power muß er haben) und Hi-Gain Amp. Und laut muß es sein. Das Holz der Gitarre ist ist hier sicherlich unbedeutend. Für zauberhaften Clean-Sound, wie es viele Nashville Größen so vormachen, braucht es schon eine ausgesuchte Gitarre und natürlich die Fähigkeit, so spielen zu können. (Wird manchmal vergessen)
    Ob man Brent Masons Sound mit einer Pappgitarre hinzaubern könnte? Hmmh.

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  5. …. ich bin der Meinung auch eine nicht 200 % fugenfreie Fender Strat schwingt genauso rund und in sich aus wie wie eine Gitarre wo handarbeitstechnisch allergösster Wert auf Genauigkeit und wenig Maßtoleranz gelegt wurde , ich glaube auch dass eher der Spieler selber mitentscheind ist dafür was aus dem Speaker strahlt , ich finde nur gefährlich in Labyrinthe abzutauchen wo sich was gegenseitig beeinflusst , das gehört ins Land von Graswachsen hören. da würde ich nicht mehr froh damit und es würde mein eigentlich gutes Gehör verwässern , auch finde ich es nicht generell schlecht (Vintagefreaks weghören ) an einer Strat den Tremolo oder Vibrato Block zu wechseln wenn Unreinheit die Klampfe unbrauchbar macht , im Gegenteil , so ein Neuteil gibt frischere Höhen und Brillianz in den Klang , so war es jedenfalls bei meiner Strat . leider hat der Reparateur die alten Teile entsorgt ! aber ich will die Axt nicht verkaufen , ist mein Hauptinstrument geworden . ich finde den New s Letter von Gitarre & Bass hervorragend sowie das Ganze Heft , Vielen Dank unter anderem an H. Rebellius der jede Frage beantwortet und mit Sicherheit eine richtige Anlaufstelle für Weh Weh chen an unsren Lieblingen , bitte weiter so ! ein treuer Leser

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  6. Ich habe mich die letzten Wochen in der HiFi-Welt rumgetrieben, wo die Diskussion auch immer spielt. Die einen schreiben teuren CD-Playern und Kabeln fantastische Effekte zu (auch bei vollständig digitaler Weiterverarbeitung), während die anderen grundsätzlich nur den Lautsprechern eine Klangformung eingestehen wollen.

    Ich wäre sehr vorsichtig mit Aussagen über den Einfluss diverser konstruktiver Merkmale auf den Klang eines Instruments, bei dem letztendlich alles durch einen enorm klangbeinflussenden Verstärker gedreht wird. Auch verstärkerseitig wird ja sehr viel “Voodoo” praktiziert, mit teuren NOS Röhren und tollen Kondensatoren, und auch in de Gitarrenwelt wird man nicht verschont von teuren Kabeln mit vermeintlich positivem Klangeffekt. Das Problem hierbei ist nur, dass solche Sachen kaum miteinander zu vergleichen sind, da a) sich unser Gehör Klangeigenschaften nur ganz kurz merken kann, und b) wir hören, was wir hören wollen.

    Darum würde mich mal, sowohl gitarren- als verstärkerseitig, ein Blindtest interessieren. Strat und Les Paul an verschiedenen Verstärkern und Einstellungen, und dann mal schauen, was blind die Trefferrate ist.

    Mein Rat, vor allem an Einsteiger, die sich ihre erste E-Gitarre kaufen wollen, ist darum: Richtig einstellen lassen ist das Wichtigste (und die Gitarre muss dafür natürlich die korrekte Basis bieten, Hals gerade, gut bundiert, stimmstabile Mechaniken), denn die Bespielbarkeit ist das Wichtigste an einer Gitarre.

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  7. Wenn wir hier schon die Physik ins Spiel bringen, was sicherlich ein wichtiger Aspekt ist, sollte man aber nicht vergessen, dass jedes Material schwingt. Ein Stahl- oder Steinbody würde genauso wie Holz schwingen. Hier würde man nur feststellen, dass diese Materialien nicht so stark Schwingen wie wir es von den Holzbodies gewohnt sind. Des Weiteren würden wir feststellen, dass die Gitarre bei Verwendung der gleichen Pickups und Saiten auch am Verstärker anders klingen würde. Auch sagt man älteren Gitarren nach, dass diese besser klingen sollen, da diese „eingeschwungen“ sind. Einige Gitarrenbauer haben hiermit bereits experimentiert, ebenso wie Udo Pipper (Gitarre&Bass 8/2012). Leider ist mir nicht bekannt, ob die erzielten Klangverbesserungen auf einen „schwingfreudigeren“ Gitarrenbody zurückzuführen sind oder ob es hier überhaupt einen Zusammenhang gib. Wichtiger als der Fakt das eine Gitarre schwingt, ist meiner Meinung nach welche Frequenzen haben einen positiven bzw. negativen Einfluss auf den Klang, denn jedes Material bzw. Konstruktion hat eine natürliche Eigenfrequenz.
    Fakt ist doch aber, dass z.B. eine Mahagoni Strat anders klingt als eine Sumpfesche Strat. Welche aber letztendlich besser klingt, hängt doch vom Gitarristen ab, welche Klangvorstellung er von einer Gitarre hat. Es findet ja auch nicht jeder eine rote Strat sexy oder eine Les Paul Goldtop.

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  8. Wer behauptet – wie Manfred – daß E-Gitarren nicht klanglich von den verwendeten Materialien beeinflußt werden, muß wirklich noch viel in seinem Gitarristen-Leben lernen 😉 Ich z.B. besitze u.a. 7 Fender Strats, allesamt Vintage-Bauweise, alle mit Erle, alle mit Texas-Specials, alle mit Fender Vintage (Stahl-)-Trem, paar mit Rosewood, paar mit Maple-Neck. Im Vergleich liegen da Welten(!) dazwischen! Das war auch von Anfang an beabsichtigt. Und: Ich habe mehrfach die kompletten Pickguards untereinander getauscht: Der Sound aus dem Amp verändert sich da komplett, obwohl ja alles identische Elektrik ist. Letztlich – ich hab da jahrelang gebastelt und rumprobiert! – hat nun jede “ihr” Pickguard, “ihren” Body und “ihren” Hals. Auch bei E-Gitarren wandert definitiv nur das in die Pickups, was die trockene Gitti hergibt!

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  9. Nun ja lieber Herr Peter Dernbach (und alle anderen “Spezialisten”) Wer behauptet –

    wie Sie – dass E-Gitarren klanglich von den verwendeten Materialien beeinflusst werden,

    muss wirklich noch sehr viel in seinem Gitarristen-Leben lernen und hat wohl auch von

    Physik nicht wirklich Ahnung.
    Manfred hat vollkommen recht mit seinen Aussagen, wobei ich noch einen Schritt

    weitergehe und behaupte, dass auch bei Akkustikgitarren die Wahl der Hölzer nicht

    wirklich was ausmacht. Ich denke es war auch im Buch von Prof. Zollner die Geschichte

    einer Akkustikgitarre, bei der Top-Instrumentenbauer einfach eine alte Obstkiste oder

    Palette vom Hafen mitgenommen haben – und NICHT darauf geachtet haben was für Holz das

    war – und daraus eine 1A Gitarre bauten, die klanglich super war.
    Es geht mir hier wie Manfred – ich kann dieses ganze Gesülze nicht mehr hören (oder

    besser gesagt lesen). Wer spielen kann spielt mit JEDER Gitarre, die den Ton hält und

    wer’s nicht kann, dem hilft auch die teuerste nix – basta.
    Das ganze Thema ist genau das selbe wie mit den Wasseradern und Erdstrahlen – die gibt

    es auch nicht aber wer dran glaubt “weiss” ja genau wie das wirkt.
    Glaubt ihr denn Leo Fender hat die Hölzer für seine E-Gitarren wegen irgend einem

    “Tonverhalten” ausgewählt – NEIN – er hat sie genommen, weil sie ganz einfach BILLIG

    waren.
    Nochmal: es gibt keine “Tonhölzer”
    So und jetzt können mich alle beschimpfen und ihren Senf dazu geben. Ändert aber nichts

    an den Tatsachen.

    Servus

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    1. Endlich mal einer der es richtig sagt wie es ist.Ich spiele seit fast 50 Jahren Strats und habe sehr viele in den Händen gehabt,viele umgebaut.Jetzt mit 66 ist meine Lieblingstrat eine Rocktone aus China ,für 80 Euro gekauft .Sie ist auf beiden Seiten vom Korpus mit Pappkarton beklebt ,wohl damit die verwendeten Abfallholzllatten besser zu lackieren waren.
      Aber das Ding klingt……liegt´s vieleicht an mir selbst?

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  10. Bombenstimmung hier! Deshalb will ich meinen Semf jetzt auch noch dazu geben und etwas vermitteln.
    Wenn ich hier meine Vorschreiber anschaue und lese, stelle ich fest, dass alle nicht falsch liegen. Die Facetten sind unterscheidliche; der Absolutheitsanspruch mancher wirkt etwas irritierend.
    Zum Thema: Jedes mechanische System, dass durch Anregung in Schwingung versetzt wird, zeigt ein spezifisches phys. Abstrahlverhalten. Bei der E-Gitarre handelt es sich um ein Cantilever-System (einseitige Aufhängung: Arm im/am Korpus). Damit ist dieses System durch Anregung schwingungsfähig, will heißen: der Arm schwingt, wenn er angeregt wird. So, jetzt zum Vorgang. Wenn eine Saite/ Saiten angeschlagen wird/ werden, wird micro-mechanisch der Arm (gedämpftes Feder-Masse-System) zu Schwingungen angeregt. Was heißt das? Da bei verschiedenen Frequenzen das Cantilever-System schwingt, wird Energie in Bezug auf eine Frequenz, bzw. ein Frequenzband Energie absorbiert.
    Das bedeutet, dass je nach Konstruktion und Material (nein, nicht nur Holz!) dem gesamten Frequenzspektrum lokal Energie entzogen wird. Je nach Konstruktion entsteht ein “Klangspektrum” (Fourierspektrum mit lokal gedämpften Frequenzbändern), das spezifisch ist. Dieses führt dazu, dass wir einen Klang wahrnehmen, den wird als typisch für ein Instrument interpretieren.

    Aus diesem Grund lässt sich sowohl, wenn gut konstruiert, aus einer Apfelsinenkiste oder einer Eichenbohle (vgl. Brian Mays Gitarre) oder aus Alu ein “gut” klingendes Instrument bauen. Natürlich muss die Physik dazu beherrscht werden unter der Berücksichtigung, dass die rein klingende Saite sicherlich nicht das Ziel sein kann und soll.
    Aber wenn das phy. Modell stimmt, ist das Material von untergeordneter Bedeutung. Etwas platt gesagt: Mit etwas Chemie läßt sich aus Holzspänen ein Erbeeraroma extrahieren – guten Appektit!. Es gibt also Spielräume.

    Wer Zeit und Lust hat, besorge sich einen Stahl-Doppel-T-Träger, baue sich einen Steg und Sattel darauf und schraube noch ein PU darauf. Wenn’s richtig gemacht wird, schwingt nur die Saite. Dieser “Idealzustand” ist dabei “klangmäßig” ziemlich unerotisch. Dann nehme man sich eine `59er Les Paul zur Hand …. das ist “klangmäßig” ziemlich erotisch; und das liegt nicht daran, dass die Korpusse seinerzeit von speziellen Mahagonibäumen, die bei Vollmond gefällt, zurechtgesägt wurden. Das Ahorn war es auch nicht. Als Clapton, Bloomfield oder Kossoff mit ihren Instrumenten reüssierten, waren die Les Pauls auch erst ein paar Jahre alt. Denn es gilt immer noch: 95% des Sounds kommt aus unseren Fingern.

    Wer sich mit dem Schwingungsverhalten von Instrumenten und der Engergieabsorption beschäftigen möchte, empfehlte ich die Arbeiten der Kollegen Fleischer und Fastl von der Bundeswehr-Universität München und TU München. Vgl. hier: https://www.unibw.de/lrt4/mechanik/veroeffentlichungen/schriftenreihefl.

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  11. Hallo,

    wer möchte, kann an einem anonymen Hörversuch zum Klangunterschied Esche/Erle und Ahorn/Palisander teilnehmen: http://gitec-forum.de/GitecWP/category/hoerversuche/

    herzliche Grüße, Manfred Zollner
    (ich bin nicht der Manfred von oben)

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  12. Wenn das Holz absolut keinen Einfluss auf den Klang einer E-Gitarre hat, warum ist es so wichtig bei akustischen Instrumenten? Ich habe den Eindruck, dass allen Komponenten eines Instruments (Saiten, Hardware, PU) Einfluss auf den Sound zugestanden wird, nur dem Basismaterial nicht. Das ist, als würde man den Einfluss der Stimmbänder auf die individuelle Stimme eines Menschen ignorieren.

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  13. Mich wundert,daß bisher leider noch kein G&B Sonderheft über die legendäre Gitarrenmarke B.C.Rich mit Hauptsitz in den U.S.A. Zu haben ist.Speziell BC.Rich hat sehr viele bekannte Gitarrenmodelle im Portfolio,die fast ausschließlich durchgehende Hälse haben.Hier sind besonders die bizarren B.C.Rich Modelltypen „Mockingbird“,“Bich“,“Warlock“ und „Eagle“ zu nennen,die ja bereits seit Generationen absoluten Kultstatus unter den Insidern der hart rockenden Fraktion besitzen.Weshalb ausgerechnet dieser berühmte Gitarrenhersteller von der G&B-Redaktion so sehr vernachlässigt wird,bleibt mir ehrlich ein Rätsel.Daß ausgerechnet B.C.Rich seit geraumer Zeit in deutschen Gitarrenmagazinen stets vergessen wird,liegt wohl an der Tatsache,daß dieser besagte Gitarrenhersteller seit jeher fast ausnahmslos die außergewöhnlichsten und schrillsten Korpusformen überhaupt auf dem Gitarrensektor fertigt,die bis dato ihresgleichen suchen.Das Klangspektrum einer B.C.Rich Custom mit aktiver Elektronik aus den Jahrgängen um 1980-85 ist bis heute nahezu unerreicht.Ich würde keine einzige meiner elektrischen B.C.Rich Gitarren jemals verkaufen,denn diesen angenehmen wuchtig-brachialen Sound dieser exotischen Schönheiten kann kein anderer Gitarrenfabrikant jemals auf dieser Erde produzieren,dies obliegt faktisch ganz allein dem amerikanischen B.C.Rich Markenlabel.Also,wo bleibt das längst überfällige Sonderheft über BC.Rich Gitarren?!?

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  14. Es ist schwierig hier sich zu verstehen.

    Erkläre einem Blinden die Farben. Erzähle einem Tauben die Magie der Musik. Erkläre einem Kind das Altwerden. Erkläre Wissenschaftlern auf Gefühl zu vertrauen. Erkläre verkopften Menschen sich auf Emotionen zu verlassen.

    Hier gibt es so viele für die nur belegbare Zahlen, Daten, Fakten zählen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Der Mensch ist wie ein Instrument ein hochkomplexes Wesen, ein Zusammenspiel aus allem was das Wesen ausmacht.

    Ich dachte immer Musik sei ausschließlich was hochemotionales. Ist es aber nicht.
    Für manche ist es einfach nur Mathe. Etwas zum kapieren und lernen.

    Für alle auf die das zutrifft: Stimmt, Hölzer sind total egal. Die Pickups und der Amp sind das Einzige was man messen kann. Zahlen, Daten, Fakten halt.

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  15. ich kann noch was hinzusetzen:
    Ein intelligenter Mensch versteht wohl was Dummheit ist,ein Dummer wird aber nie verstehen was Intelligenz ist.

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