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Ein Rückblick

Gary Moore: Between Blues And Rock

Gary Moore(Bild: Universal, Mascot, Provogue, Virgin)

Am 6. Februar 2011 verstarb der nordirische Sänger und Gitarrist Gary Moore in Estepona/Spanien im Alter von nur 58 Jahren. Kurz vor dem neunten Todestag erschien nun mit ,Live From London‘ ein neues Album. Und das Konzert vom 2. Dezember 2009 aus der Londoner Islington Academy zeigt einen virtuosen Musiker, der mit viel Rock-Energie in den Fingern den Blues spielte und das in seinem saftigen Trademark-Sound. Auf dem Programm standen jene Songs, die den zweiten großen Abschnitt in der Karriere von Gary Moore repräsentieren. Dabei hat dieser Mann im Laufe der Jahre einen spannenden stilistischen Kurs verfolgt und spielte mit vielen bekannten Musikern der britischen Szene. Ein Rückblick.

Geboren wurde Robert William Gary Moore am 4. April 1952 in Belfast/Nord-Irland. Seine musikalische Sozialisation begann, wie bei so vielen Musiker seiner Generation, mit Rock-&-Roll-King Elvis Presley und danach The Beatles. 1963 begann Gary mit dem Gitarrespielen und lernte nach eigener Aussage „so ziemlich alle Songs von Hank Marvin“ und dessen Band The Shadows. Zu frühen Vorbildern wurden Gitarristen wie Peter Green, Eric Clapton und Jimi Hendrix.

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In den 60ern erlebte Moore in seiner Heimatstadt und Umgebung Auftritte von u. a. John Mayall‘s Bluesbreakers, The Who und Cream. Derart inspiriert zog Gary nach Dublin um und stieg in die Bluesrock-Band Skid Row ein (nicht zu verwechseln mit den US-Hardrockern der 80er/90er). Hier lernte er auch Frontmann Phil Lynott kennen, der später Thin Lizzy gründen sollte.

Schließlich war die Gary Moore Band am Start, die 1973 das einzige Album ,Grinding Stone‘ veröffentlichte – Die Musik: Bluesrock, der mit dezenter psychedelischer Note und langen Solo-Parts den Zeitgeist widerspiegelte. Doch die Solokarriere währte nur kurz. Zunächst schloss Moore sich für kurze Zeit Thin Lizzy an, wechselte jedoch zu Colosseum II. Mit den Jazzrockern spielt er die Alben ,Strange New Flesh‘, ,Electric Savage‘ und ,Wardance‘ ein. Schließlich sprang er noch bei Thin Lizzy als Tourmusiker für den verletzten Brian Robertson ein.

1978 war es endlich soweit: das erste richtige Solo-Album unter eigenem Namen erschien mit ,Back On The Streets‘. Die mit Lynott geschriebene Ballade ,Parisienne Walkways‘ erreichte einen respektablen Rang acht in den britischen Charts. Doch es war schon wieder nichts mit der Solokarriere, denn die nächsten Jahre spielte Gary mit anderen Künstlern wie Rod Argent, Drummer-As Cozy Powell, Thin Lizzy, dem kurzlebigen Band-Projekt G-Force und Greg Lake.

Gary Moore hat immer mit Herz, Seele und Leidenschaft gespielt! Egal, ob mit Strat oder Paula ...

Unter eigenem Namen ging‘s erst ab 1982 weiter. Mit den Alben ,Corridors Of Power‘ und ,Victims Of The Future‘ etablierte sich Moore als Heavy-Rock-Act, allerdings auch mal wieder als Balladen-Crooner dank der Single ,Empty Rooms‘. Höhepunkt dieser Periode war das 84er Live-Album ,We Want Moore‘. Die Mitschnitte aus Detroit, Tokyo, Glasgow und London präsentierten kernigen Heavy-Rock. Nummern wie ,Murder In The Skies‘, ,End Of The World‘ und ,Don‘t Take Me For A Loser‘ sind geradezu stiltypisch für die 80er.

Und Moore zeigte der neuen Gitarren-Generation aus den USA, wie Shredding Made in Northern Ireland geht. Unglaublich schnell prasselten Tappings und Repeating-Pattern auf das Publikum herab, alles gewürzt mit Dive-Bombs, Flageoletts, Pinch Harmonics und viel Ton in den Fingern. Beispielhaft stand hier die Interpretation des Yardbirds-Klassikers ,Shapes Of Things‘. Allerdings zeigt Gary zwischen den wahnsinnig schnellen Läufen auch immer wieder kleine tolle Tricks und mit den Fingern erzeugte Sounds, die den Einfluss von Jeff Beck verraten.

Ab der Hälfte des Jahrzehnts bestimmten zunehmend opulente Keyboards und Arrangements das Bild, wie im Hit ,Out In The Fields‘ (Album ,Run For Cover‘). Auch die Alben ,Wild Frontier‘ und ,After The War‘ zementieren Moores Ruf als erdiger Heavy-Rock-Act. Die großen Hits dieser Phase hießen ,Over The Hills‘, der mit irischen Wurzeln aufgeladen wurde, und ,Friday On My Mind‘. Moore hatte den 60s-Hit der australischen Easybeats nochmal richtig entstaubt und auf Fahrt gebracht. Und das treibende ,Led Clones‘ war Moores Kommentar zur grassierenden Led-Zeppelinitis unter den Hairmetal-Acts der 80er, etwa Whitesnake oder Kingdom Come. Ironischerweise war ihm damit allerdings einer der stilsichersten Beiträge zum Thema gelungen.

Moore zu ,Wild Frontier‘-Zeiten mit vollakustischer Gibson ES-5N
Moore mit einem Paul-Reed-Smith-Modell

Zum großen Wendepunkt in Moores Karriere wurde 1990 ,Still Got The Blues‘. Gary besann sich auf seine Roots und spielte Blues, der zwar einerseits mit viel Rock-Energie aufgeladen wurde, andererseits zumindest stellenweise für seine Verhältnisse recht pur rüberkam. Bläser, Streicher, Harp und Hammond-Orgel waren neue wie stilvolle Zutaten. Zudem konnte Moore als Gastmusiker die Bluesmen Albert Collins und Albert King sowie Beatle George Harrison gewinnen. Das Album ging durch die Decke und Moore konnte sich auch erstmals in den US-Top100 platzieren. Der Erfolg beruht zum großen Teil auf dem einprägsamen Titel-Song, dessen Gitarrenmelodie ab sofort zum Programmpunkt jedes Gitarrenlehrers und jeder Top40-Band gehörte.

Mit ,Still Got The Blues‘ brachte Gary Moore auch noch einmal seinen fetten Trademark-Sound auf den Punkt. Im Studio benutze er hauptsächlich zwei 1959er Gibson Les Paul Standard. Bei einem der Modelle handelte es sich um jene legendäre Les Paul, die Gary von Peter Green für eine Summe von 110 britischen Pfund gekauft hatte. Die Slide-Parts in ,Moving On‘ spielte er auf einer Fender Telecaster. Verstärkt wurde hauptsächlich mit einem Marshall JTM45-Reissue-Top plus einer mit Electro-Voice-Lautsprechern bestückten 1960B-Marshall-4×12-Box. Auf dem Album kam auch ein Marshall-The-Guv’nor-Vezerrer zum Einsatz.

Diesen Les-Paul/Marshall-Sound assoziiert man wohl in erster Linie mit Gary Moore. Allerdings hat er im Laufe der Zeit die verschiedensten Gitarren gespielt. Zur Palette zählten u. a. verschiedene Fender Stratocaster, Gibson Firebird, die Charvel-Modelle Custom und San Dimas sowie Hamer Explorer und Hamer Special. Bei der Gitarre auf dem Cover von ,After The War‘ handelte es sich um eine The Heritage Standard H-150. Auf der Halsstab-Abdeckung stand „Gary Moore“, also hielt er ein Signature-Modell in der Hand.

Die H-150 basierte auf der Gibson Les Paul. Dazu muss man wissen, dass The Heritage Mitte der 80er von ehemaligen Gibson-Mitarbeitern gegründet wurde, als der Traditionshersteller von Kalamazoo nach Nashville umzog. Die erste offizielle Gibson Les Paul Gary Moore Signature erschien 2000.

Als Kuriosum tauchte im Video zu ,Out In The Fields‘ eine futuristische Synth-Axe auf. Ob diese Gitarre im Studio wirklich eingesetzt wurde, bleibt noch zu klären. Sicherer ist, dass Moore zur Klangfärbung live Effektpedale benutzte. Dies waren etwa auf der 97er Tour zu ,Dark Days In Paradise‘ u. a. folgende: ein Ibanez TS10 Tube Screamer Classic, ein Vox WahWah und Delay-/Chorus-/ Flanger-/Reverb-Effekte von Ibanez und Boss.

2020: Live From London
’79: ,Back On The Streets'
Live-Klassiker: ,We Want Moore'
Meilenstein: ,Still Got The Blues'
Das letzte Studioalbum 2008: ,Bad For You Baby'

Gary Moore blieb bis zu seinem Tod mit seinem blauen Kurs erfolgreich, so mit dem Nachfolger ,After Hours‘ und dem Peter-Green-Tribute ,Blues For Greeny‘. Doch es gab immer mal wieder überraschende Ausnahmen. Zu denen gehörte 1994 ,Around The Next Dream‘ von BBM – hinter dem Kürzel verbargen sich neben Moore die Cream-Legenden Jack Bruce (b),Ginger Baker (dr). Dieses Powertrio Trio rockte klassisch, teilweise mit Anleihen bei Cream.

Ganz anders war das Bild auf dem Solo-Album ,Dark Days In Paradise‘. Ersteres bewegte sich zwischen Pop, Soul und fast schon 90er Britpop, was mit angesagten Beats und Sounds der Zeit zu überwiegend ruhigen und vergleichsweise gitarrenbefreiten Songs gemixt werden. Auch ,A Different Beat‘ atmete den Geist von 90er Electronica, den Moore mit wieder bluesigen Gitarren mixt, die vom Sound her insgesamt nicht so brachial ausfielen wie gewohnt.

Das war 2002 auf ,Scars‘ wieder anders: Moore rockte den Blues und den Funk und zeigte auch noch mal seine Hendrix-Einflüsse. Und das in einer ungewöhnlichen Konstellation mit Skunk-Anansie-Bassist und Drummer Cass Lewis von Primal Scream. ,Bad For You Baby‘ von 2008 sollte Moores letztes Studioalbum zu Lebzeiten werden. Mit dem wendete er sich noch einmal Blues, Soul und Rock zu.

Gary zeigte hier wieder seinen packenden Gitarrenstil, für den diese rasenden Läufe so typisch sind, die dann oft durch kombinierte Bendings und Fingervibrati gestoppt werden. Wobei man das Gefühl hat, der Mann legt in sein Spiel alles an Emotion, Kraft und Technik rein, was nur geht. Und genau dies transportiert auch ,Live From London‘, das mit einer dynamischen Version des ersten Moore-Hits ,Parisienne Walkways‘ abschließt. Im Finale hält man im wirklich den Atem an, wenn Gary Moore ein Bending unglaublich lange aushält, bis es endlich ins Feedback kippt und er danach noch mal richtig abjagt.

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2020)

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. ‘Und das treibende ,Led Clones‘ war Moores Kommentar zur grassierenden Led-Zeppelinitis unter den Hairmetal-Acts der 80er, etwa Whitesnake oder Kingdom Come. Ironischerweise war ihm damit allerdings einer der stilsichersten Beiträge zum Thema gelungen.”

    Das klingt jetzt als wäre das nicht der Punkt gewesen. Gary Moore hat das absichtlich im selben Stil geschrieben um die Aussage nochmals musikalisch zu unterstreichen. Im Englischen würde man wohl sagen “to drive the point home”

    Ansonsten, vielen Dank für das gelungene Porträt meines Lieblingsgitarristen.

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