Enormer Praxisnutzen – am liebsten im Stereo-Set!

Zwei Welten, ein Cab: IK Multimedia Tonex Cab im Test

Anzeige
(Bild: IK Multimedia)

Wer seinen Modeling-Verstärker pegelmäßig auf Touren bringen möchte, braucht eine geeignete Endstufe und Box. Passend zu den erfolgreichen Tonex-Pedalen hat IK Multimedia das Tonex Cab im Angebot. Kompakt, leistungsstark und mit interessanten Mehrwerten!

Das Tonex Cab ist eine „Full Range, Flat Response“-Box (FRFR) mit 12″-Tiefmitteltöner, Hochtöner und kräftiger Class-D-Mono-Endstufe – verpackt in einem angenehm kompakten Combo. Wer zu Hause, im Proberaum oder auf der Bühne eine flexible, aber authentisch klingende Beschallung sucht, soll hier eine clever umgesetzte Lösung finden.

Anzeige

WORUM GEHT ES?

Simulationen von Röhrenverstärkern sind heute weit verbreitet. Neben der größeren Klangauswahl, den integrierten Effekten und speicherbaren Einstellungen ist der Weg zur Aufnahme bzw. Beschallung gänzlich unterschiedlich. So wird ein Röhrenverstärker meist in Kombination mit einer mikrofonierten Lautsprecherbox betrieben, während der „Modeler“ deren Simulation zumeist direkt mitliefert.

Das ist praktisch, dennoch gibt es Situationen, bei denen sich ein Gitarrist direkt aus einem echten Lautsprecher hören möchte. Prinzipiell kann man seinen Modeler mit der Endstufe des Gitarrenverstärkers verbinden und über dessen Box auf den gewünschten Pegel bringen. Das funktioniert mitunter prächtig, allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass insbesondere die Gitarrenbox eine wesentliche Klangfärbung einbringt.

Konsequenter ist da der Einsatz einer klangneutralen Box, wie sie auch in der Studioregie und zur Saalbeschallung genutzt wird. Eine solche FRFR-Box dient der Verstärkung von Signalen, die bereits eine Lautsprechersimulation enthalten.

Zur Erinnerung: Der Modeler bildet bereits den Klang einer mikrofonierten Gitarrenbox hinter dem Verstärker nach – gewissermaßen die Hörerperspektive. Entsprechend ist es durchaus beabsichtigt, dass eine FRFR-Box grundsätzlich anders als eine konventionelle Gitarrenbox klingt. Das Tonex Cab will nun den Brückenschlag zwischen beiden Welten ermöglichen.

Dabei will IK Multimedia klanglich zuvorderst dem Gitarristen dienen. Statt reiner Neutralität stehen auch Druck und Durchsetzungsfähigkeit im Fokus. So gibt es einen Equalizer, eine Boxensimulation auf der Basis von Impulsantworten und eine Schaltung, die zwischen dem Klang einer Mikrofonierung und der Gitarrenbox überblendet (Amp Tone).

KONSTRUKTION

Beim Tonex Cab handelt es sich um eine kompakte, mit schwarzem Tolex bezogene, aktive 1×12″-Box mit einem Bedienfeld, das dem eines Combos ähnelt. Das frontseitig mit einem Bassreflex-Port versehene Holzgehäuse birgt eine Class-D-Endstufe mit 350 Watt Dauerleistung und bis zu 700 Watt Impulsleistung. Als Treiber sind ein maßgeschneiderter Tiefmitteltöner von Celestion und ein 1″-Druckkammertreiber aus dem Hause Lavoce verbaut.

(Bild: IK Multimedia)

Die Frontbespannung ist schwarz, lässt sich bei Bedarf aber durch optionale, andersfarbige Rahmen ersetzen.

(Bild: IK Multimedia)

Die Schnittstellenausstattung lässt aufhorchen: Es gibt XLR/Klinken-Kombi-Eingänge für ein Instrumenten- und ein Hilfssignal (Aux). Ein XLR-Ausgang mit Ground-Lift-Funktion bietet dem Tontechniker einen Abgriff für die Saalbeschallung.

(Bild: IK Multimedia)

Per Schalter kann man entscheiden, ob dieser Ausgang mit oder ohne Lautsprechersimulation erfolgen soll. So lassen sich multiple Boxen für größere Bühnen kaskadieren. Schließlich finden sich MIDI-Schnittstellen, USB und der Anschluss für das interne Netzteil auf der Boxenrückseite. Ich habe lediglich einen Mute-Schalter vermisst, mit dem sich der Verstärker schnell stummschalten lässt.

Praxis, Klang und Resümee auf Seite 2

(Bild: IK Multimedia)

PRAXIS

Das Tonex Cab ist robust verarbeitet, bühnentauglich und aufgrund seiner kompakten Abmessungen und seines Gewichts von 12,7 kg leicht transportierbar. Die Bedienung selbst ist geradlinig, ermöglicht aber dennoch etliche Anwendungen.

Die Kernaufgabe besteht natürlich darin, Modeling-Amps zu verstärken, um diese zu Hause, im Proberaum und als Monitor auf der Bühne einsetzen zu können. Nutzt man den Haupteingang, lässt sich der Klang über den dreibandigen Equalizer an den eigenen Geschmack und die Räumlichkeiten anpassen. Hinzu kommen besagter Amp-Tone-Regler sowie die IR-Boxensimulation.

Da die meisten Modeler bereits über eine Boxensimulation verfügen, lässt sich diese Sektion auch deaktivieren. Gleichwohl: Indem man die Simulation in das Tonex Cab verlagert, kann man zusätzlich Effekte hinter dem Modeler platzieren. Mit der Produktregistrierung erhält man 50 Impulsantworten unterschiedlicher Boxen, die die Klangvielfalt nochmals erweitern.

(Bild: IK Multimedia)

Sämtliche Einstellungen bis auf die Pegel lassen sich in acht Presets speichern und am Gerät per Push-Encoder aufrufen. Als Hilfe erweist sich dabei der Editor „Tonex Cab Control“ für Windows und Mac. Er kann den EQ und den Regler Amp Tone fernsteuern, aber auch die Bestückung der acht Slots mit Impulsantworten vornehmen. Einmal in der Box gespeichert, lassen sich die Presets lokal und über MIDI-Programmwechselbefehle abrufen.

Der getrennt regelbare Aux-Eingang gibt ein weiteres Signal klangneutral über die Endstufe an die Lautsprecher weiter.

Dank der zuschaltbaren Boxensimulation eignet sich das Tonex Cab auch für die Kombination mit reinen Vorverstärkern, etwa von Synergy oder Engl. Und natürlich lassen sich auch zwei Boxen für den Stereobetrieb nutzen. Ferner kann man über den Line-Ausgang eines Röhrenverstärkers blitzschnell Dry-Wet- oder Dry-Wet-Wet-Setups realisieren.

Zu den weiteren möglichen Anwendungen zählt die (gleichzeitige) Wiedergabe von Playbacks und die Verstärkung anderer Instrumente wie Keyboards. Zum Lieferumfang gehören schließlich auch die Amp-Simulations-Software Amplitube 5 SE und die Modeling-Software Tonex SE. Diese Programme lassen sich direkt in der Produktionsumgebung nutzen, sodass das Tonex Cab wie ein konventioneller Combo gespielt werden kann.

KLANG

Technisch betrachtet liefert das Tonex Cab eine rauscharme, druckvolle Klangwiedergabe im Bereich zwischen 60 Hz und 20 kHz mit enormen Pegelreserven (132 dB SPL). Richtig positioniert dürfte man in lauten Umgebungen keine Probleme haben, sein Gitarrensignal zu hören. Praktisch ist die Möglichkeit, die Boxen über eine integrierte Halterung angewinkelt aufzustellen, sodass diese schräg nach oben abstrahlen. In meinem Fall waren die Reserven aufgrund zweier Boxen im Stereo-Setup sogar noch höher und ich kam in den vollen Genuss räumlicher Effekte.

Als FRFR-Monitor klingt die reine Musikwiedergabe ausgewogen, dazu druckvoll und straff definiert. Entsprechend lassen sich Klänge von Modelern und Playbacks in guter Qualität reproduzieren, aber auch die Gartenparty beschallen. Einschränkungen gibt es lediglich im fehlendem Tiefbass.

Die Klangregelung entpuppt sich als praktisch und ermöglicht schnelle Anpassungen – unabhängig von den Programmen des Modelers.

Die Boxensimulation erlaubt es, unabhängig den Sound spezifischer Boxen zu imitieren, ohne störende Latenzen. Es ist immer wieder verblüffend, wie unterschiedlich die verschiedenen Treiber- und Mikrofon-Simulationen klingen.

Eine weitere wichtige Rolle kommt dem Regler Amp Tone zu, der über einen eigens entwickelten Algorithmus den Klang einer Gitarrenbox im Raum nachbilden soll. Per Reglerdreh blendet man zwischen der virtuellen Mikrofonierung und dem klassischem Boxenklang im Raum über – eine weitere wichtige Stellschraube bei der Umsetzung des gewünschten Sounds und Spielgefühls.

(Bild: IK Multimedia)

RESÜMEE

Mit dem Tonex Cab hat IK Multimedia eine leistungsstarke, kompakte FRFR-Box mit mächtiger Ausstattung im Angebot. Der Praxisnutzen ist enorm und das Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugend. Am liebsten im Stereo-Set!

Plus

  • kompakte FRFR-Box
  • hoher Schalldruck
  • IR-Lautsprechersimulation
  • Amp-Tone-Regler, 3-Band-EQ
  • kaskadierbar
  • austauschbare Front

Minus

  • Hochtöner nicht regelbar
  • keine Mute-Taste


(erschienen in Gitarre & Bass 03/2026)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.