Überzeugendes Gesamtpaket!

What’s in the box? – JBL BandBox Solo & Trio im Test

Anzeige
(Bild: Dieter Stork)

SOUNDVIELFALT

Ab Werk sind auf der BandBox Solo ausschließlich Presets für die Verwendung mit der Gitarre vorinstalliert. Mithilfe der „JBL One”-App kann jedoch der Signalfluss komplett eingestellt und Verstärkermodelle für den Bass geladen werden. Klangwunder bei der Wiedergabe eines solchen über den integrierten Lautsprecher sollte man zwar nicht erwarten, für die Größe klingt es aber gar nicht schlecht.

Das Einstellungsmenü der BandBox Trio bietet hingegen direkten Zugriff auf den gesamten Katalog der integrierten Effekte. Dadurch ist es möglich, Presets nicht nur zu laden, sondern auch von Grund auf neu zu erstellen. Der Umfang an Effekten ist dabei ordentlich, wenn auch nicht überwältigend.

Anzeige

Mangels Anschlussmöglichkeiten für Expression-Pedale oder MIDI sind etwa Volume-Pedale oder Wah-Wah nicht Teil der DSP-Bibliothek. Eine ordentliche Auswahl an verschiedenen Verzerrern, Kompressoren, Modulationseffekten sowie Hall und Delay ist aber natürlich mit an Bord.

Eigene Impulsantworten (IR) zur Boxensimulation lassen sich derzeit nicht hochladen, da ist man darauf festgenagelt, was JBL einem vorsetzt. Für mich passen die Sounds zum Verwendungszweck. Amp-Modelle reagieren dynamisch, ohne nach „Plastik” zu klingen und die Effektqualität ist insgesamt ordentlich.

Das Spielen zu vom Handy oder Rechner zugespielten Backing- und Übungs-Tracks macht durchaus Laune. Wer möchte, kann auch den integrierten Drumcomputer bemühen. Dieser hält rudimentäre Beats für verschiedene Genres sowie einen Looper parat.

EINFACH AUSGEBLENDET

Wie es sich für ein modernes technisches Gerät gehört, ist natürlich auch KI mit von der Partie. Bei der BandBox wird sie genutzt, um die abgespielte Musik in ihre Einzelteile zu zerlegen. In Echtzeit kann das Audio so in bis zu drei Spuren für Gesang, Gitarre und „andere” aufgetrennt werden.

(Bild: Dieter Stork)

Diese können dann separat in ihrer Lautstärke reguliert werden. Aktiviert wird das über den „Stem AI”-Button auf den jeweiligen Gerätefronten. Ist der Modus aktiv, kann ich nun etwa einfach die Gitarre aus der abgespielten Musik rausdrehen und so mehr Platz für mein eigenes Spiel schaffen. Andersherum kann ich diese Funktion auch nutzen, um alle anderen Spuren leiser zu drehen, damit ich die Gitarre (oder eben eine der anderen Spuren) besser heraushören kann.

Es ist im Prinzip die nächste Evolutionsstufe eines Karaoke-Modus und ich muss gestehen, dass ich beim Ausprobieren erstaunt darüber war, wie gut das tatsächlich funktioniert. Selbst aus dem schrammeligsten Metal kann das Geschrei eines Sängers effektiv unterdrückt werden.

Je nach Ausgangsmaterial bleiben kleinere Artefakte im Klangbild zurück, die aber in der Praxis nicht stören. Das für mich beste Ergebnis habe ich erzielt, wenn ich die zu unterdrückende Spur nicht komplett entfernt, sondern sie lediglich in der Lautstärke drastisch reduziert habe. So werden die Artefakte vollständig maskiert, der gewollte Effekt ist dann aber trotzdem stark genug.

Das Ganze funktioniert ohne Vorbereitung, zusätzliche Programme oder versteckte (Abo)Kosten und mit beliebigem Audiomaterial. Egal ob Playback vom Handy per Streamingdienst, lokale Musikbibliothek vom Rechner oder „oldschool” per mit Klinkenstecker verbundenem MP3-Player.

Zusätzlich kann das Audiomaterial auch in der Tonhöhe verändert werden. Praktisch, wenn das abgespielte Stück nicht in der eigenen Stimmlage liegt oder man die Gitarre gerade nicht umstimmen möchte. Das Ergebnis ist hier bei wenigen Halbtönen noch okay, wie eine saubere Aufnahme klingt es dann aber nicht mehr. Dieses Verhalten dürften die meisten von uns von Effektgeräten wie Whammy, POG, Pitchfork, etc. kennen.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Es gibt mittlerweile einige Übungsverstärker mit Bluetooth-Funktion. Bei den meisten kommt der Lautsprecher selbst dabei aber etwas zu kurz. Mit der BandBox-Serie, insbesondere dem Modell Trio, liefert JBL ein überzeugendes Gesamtpaket, das dank gut integrierter (!) AI-Funktionen ein Alleinstellungsmerkmal und praktischen Mehrwert bietet.

Klangqualität und Lautstärke sind dabei für die jeweiligen Formfaktoren beachtlich und decken die Einsatzgebiete Üben, entspanntes Musikhören und das Beschallen kleiner Sessions und Veranstaltungen gekonnt ab.

Plus

  • Sound (insbesondere Trio)
  • Ausstattung
  • Bedienung ist schnell gelernt
  • KI-Funktionen ohne Zusatzkosten

Minus

  • Klang stark gerichtet (Solo)
  • Einige Einstellungen nur per App

Übersicht

Fabrikat JBL
Modell BandBox Solo & BandBox Trio
Typ Combo-Verstärker
Herkunftsland China
Bedienfeld Solo: 1 Encoder mit Taster, 4 Taster
Bedienfeld Trio 6 Encoder mit Taster, 7 Taster, 2 Schiebeschalter
Leistung Solo 18 Watt (RMS)
Leistung Trio 135 Watt (RMS)
Gewicht Solo ca. 0,8 kg
Gewicht Trio ca. 6,7 kg
Schnittstellen Solo 1x Instrument/Mic-In, 1x Kopfhörer (3,5mm Klinke), 1x USB-C, Bluetooth
Schnittstellen Trio 1x Instrument/Line-In, 2x Mic/Instrument-In, 1x Kopfhörer (3,5mm Klinke), 1x Aux-In (3,5mm Klinke), 1x Aux-Out (TRS Stereo), 1x USB-C, Bluetooth, 1x 230V-In
Größe Solo 150 x 87 x 55 mm
Größe Trio: 340 x 265 x 228 mm
Preise (Street) Solo: ca. € 229; Trio: ca. € 599

(erschienen in Gitarre & Bass 07/2026)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.