(Bild: Dieter Stork)
Keine Sorge, man muss den Thriller „Se7en” nicht gesehen haben, um zu dieser Frage eine Antwort zu erhalten. Die BandBox-Produktserie besteht aus zwei durchdachten Aktivlautsprechern, die sich durch clevere Funktionen und guten Klang von der Masse abheben wollen. Die allgegenwärtige „KI” darf hierbei natürlich nicht fehlen.
JBL ist ein Traditionshersteller und Platzhirsch. Vor allem im Consumer- und Pro-Audio-Segment. Mit einem Produktportfolio, das von der Mini-Boombox bis zum großen Line Array reicht, deckt das US-amerikanische Unternehmen ein enorm breites Spektrum ab.
Im „Prosumer”-Markt, also dem vor allem von den Musikschaffenden geprägten, hatte man die Firma allerdings etwas aus den Augen verloren. Während Gitarren- und Bassboxen mit JBL-Treibern früher™ keine Seltenheit waren, denken die meisten heute bei dem Namen wohl eher an Kopfhörer und Bluetooth-Lautsprecher. Genau genommen zählen auch die BandBox(en) zu dieser Produktgruppe, allerdings steckt hier deutlich mehr unter der Haube als nur tragbarer Musikgenuss.
KANN SICH HÖREN LASSEN
(Bild: Dieter Stork)
Mit Instrumenteneingang, Multi-FX und USB-Audio sollen die beiden Krachmacher als mobile Lösungen funktionieren, über die unter der Zuhilfenahme cleverer Funktionen geübt werden kann. Im Falle der BandBox Trio lässt sich damit auch eine kleinere Session beschallen.
Schauen wir uns die beiden Geräte zunächst einmal an. Bei der BandBox Solo handelt es sich um einen wirklich kompakten Lautsprecher, der mich mit seiner Größe an eine große Powerbank erinnert. Mit diesem Formfaktor sollte er in jedem Rucksack und Reisegepäck einen Platz finden.
Seitlich befinden sich ein Klinkeneingang für Instrument oder Mikrofon und rückseitig finden wir einen Kopfhöreranschluss sowie die USB-C-Buchse. Letztere dient einerseits zum Aufladen des internen Akkus und eben der Funktionalität als Audio-Interface. So sind sowohl Wiedergabe als auch Aufnahme möglich. Weder an meinem Mac noch am iPhone gab es hierbei Probleme. Unter Windows oder Linux habe ich es nicht getestet.
Auf der Oberseite des Geräts finden wir einen großzügig dimensionierten Encoder, der in seiner Basisfunktion die Lautstärke reguliert, aber je nach Menü auch weitere Parameter beeinflussen kann. Zum Bestätigen einiger Punkte kann er auch gedrückt werden.
Außerdem befinden sich hier die Taster für Power, Bluetooth und das Menü sowie der „Stem AI”-Button. Zu diesem später mehr. Ein LED-Laufband zeigt die aktuellen Menüpunkte, das angewählte Preset und Parameter an.
Klanglich liefert die BandBox Solo ein der Größe angemessenes, passables Klangbild. Richtig Bassdruck bekommt man aus einem Gehäuse dieser Größe nun einmal nicht nennenswert heraus, aber davon abgesehen ist der Klang angenehm klar und für eine „Boombox” recht transparent.
Etwas schade ist allerdings, dass der Hochtöner auffällig stark gerichtet abstrahlt, sodass das Gerät wirklich auf den eigenen Kopf zielen sollte. Anderenfalls nimmt die Klarheit im Klang deutlich ab. Bei der Aufstellung auf dem Tisch hilft das Anschrägen des Geräts deutlich.
(Bild: Dieter Stork)
Anders sieht es bei der bedeutend größeren und weniger handlichen BandBox Trio aus. Nicht nur liefert diese ein beachtliches Bassfundament, auch die Abstrahlcharakteristik ist verzeihender und bietet einen deutlich größeren Sweetspot. Kein Wunder, schließlich ist das Gerät konzipiert, um auch als „Mini-PA” dienen zu können.
Anschlussseitig werden hier deutlich größere Geschütze aufgefahren. Statt einem gibt es direkt vier Analogeingänge. Die ersten beiden sind als Kombieingänge für Instrument/Mic ausgelegt, Kanal drei als Instrument/Line und Kanal vier bietet neben einem Line-Eingang auch die Möglichkeit, stattdessen das Bluetooth-Signal oder Computer-Audio in den DSP zu speisen.
Unterhalb der Eingänge befindet sich der Kaltgeräteanschluss, über den sich das Gerät entweder stationär betreiben oder der interne Akku laden lässt. Alternativ kann die BandBox auch über ein Laptopnetzteil mit USB-C geladen werden. Beim Anschluss von Smartphone oder Tablet per USB arbeitet die BandBox parallel als Powerbank und lädt das verbundene Gerät im Betrieb auf.
Löblich: JBL hat den Akku der BandBox Trio nicht fest verbaut und einen möglichen Wechsel mit eingeplant. Dies geschieht dann unkompliziert über eine einfach zugängliche Klappe. Zum einen dürfte das die Lebenserwartung des Geräts erhöhen und zum anderen ist es so auch möglich, Ersatzakkus für lange Sessions einzupacken. Beide Modelle wirken auf mich robust genug, um bedenkenlos auch im Freien eingesetzt werden zu können.
Einen Kopfhörerausgang bringt die Trio ebenfalls mit und sogar einen zusätzlichen Line-Out. Anders als bei der Solo muss man sich aber nicht mit einer LED-Laufschrift zufriedengeben. Stattdessen gibt ein gut ablesbares Display Auskunft über die aktuellen Parameter und Einstellungen.
Die Bedienung erfolgt allerdings vollständig über die Taster und Encoder auf der Oberseite, Touchbedienung gibt es hier nicht. Grundsätzlich lassen sich fast alle Einstellungen am Gerät selbst vornehmen.
Aus irgendeinem Grund sind jedoch einige wenige Menüpunkte der App vorbehalten, darunter etwa das Input-Pad für die Instrumenteneingänge. In der Werkskonfiguration ist die BandBox Trio auf outputschwache Gitarren ausgelegt. Mit High-Gain-Tonabnehmern und outputstarken E-Bässen wird der Eingang gnadenlos überfahren.
Gerade diese Einstellung sollte meines Erachtens am Gerät verfügbar sein … Davon abgesehen konnte ich aber alles Relevante am Gerät selbst einstellen. Die Bedienung ist dabei auch schnell erlernt und selbst das Editieren von Effektketten geht gut von der Hand.
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(Bild: Dieter Stork)
SOUNDVIELFALT
Ab Werk sind auf der BandBox Solo ausschließlich Presets für die Verwendung mit der Gitarre vorinstalliert. Mithilfe der „JBL One”-App kann jedoch der Signalfluss komplett eingestellt und Verstärkermodelle für den Bass geladen werden. Klangwunder bei der Wiedergabe eines solchen über den integrierten Lautsprecher sollte man zwar nicht erwarten, für die Größe klingt es aber gar nicht schlecht.
Das Einstellungsmenü der BandBox Trio bietet hingegen direkten Zugriff auf den gesamten Katalog der integrierten Effekte. Dadurch ist es möglich, Presets nicht nur zu laden, sondern auch von Grund auf neu zu erstellen. Der Umfang an Effekten ist dabei ordentlich, wenn auch nicht überwältigend.
Mangels Anschlussmöglichkeiten für Expression-Pedale oder MIDI sind etwa Volume-Pedale oder Wah-Wah nicht Teil der DSP-Bibliothek. Eine ordentliche Auswahl an verschiedenen Verzerrern, Kompressoren, Modulationseffekten sowie Hall und Delay ist aber natürlich mit an Bord.
Eigene Impulsantworten (IR) zur Boxensimulation lassen sich derzeit nicht hochladen, da ist man darauf festgenagelt, was JBL einem vorsetzt. Für mich passen die Sounds zum Verwendungszweck. Amp-Modelle reagieren dynamisch, ohne nach „Plastik” zu klingen und die Effektqualität ist insgesamt ordentlich.
Das Spielen zu vom Handy oder Rechner zugespielten Backing- und Übungs-Tracks macht durchaus Laune. Wer möchte, kann auch den integrierten Drumcomputer bemühen. Dieser hält rudimentäre Beats für verschiedene Genres sowie einen Looper parat.
EINFACH AUSGEBLENDET
Wie es sich für ein modernes technisches Gerät gehört, ist natürlich auch KI mit von der Partie. Bei der BandBox wird sie genutzt, um die abgespielte Musik in ihre Einzelteile zu zerlegen. In Echtzeit kann das Audio so in bis zu drei Spuren für Gesang, Gitarre und „andere” aufgetrennt werden.
(Bild: Dieter Stork)
Diese können dann separat in ihrer Lautstärke reguliert werden. Aktiviert wird das über den „Stem AI”-Button auf den jeweiligen Gerätefronten. Ist der Modus aktiv, kann ich nun etwa einfach die Gitarre aus der abgespielten Musik rausdrehen und so mehr Platz für mein eigenes Spiel schaffen. Andersherum kann ich diese Funktion auch nutzen, um alle anderen Spuren leiser zu drehen, damit ich die Gitarre (oder eben eine der anderen Spuren) besser heraushören kann.
Es ist im Prinzip die nächste Evolutionsstufe eines Karaoke-Modus und ich muss gestehen, dass ich beim Ausprobieren erstaunt darüber war, wie gut das tatsächlich funktioniert. Selbst aus dem schrammeligsten Metal kann das Geschrei eines Sängers effektiv unterdrückt werden.
Je nach Ausgangsmaterial bleiben kleinere Artefakte im Klangbild zurück, die aber in der Praxis nicht stören. Das für mich beste Ergebnis habe ich erzielt, wenn ich die zu unterdrückende Spur nicht komplett entfernt, sondern sie lediglich in der Lautstärke drastisch reduziert habe. So werden die Artefakte vollständig maskiert, der gewollte Effekt ist dann aber trotzdem stark genug.
Das Ganze funktioniert ohne Vorbereitung, zusätzliche Programme oder versteckte (Abo)Kosten und mit beliebigem Audiomaterial. Egal ob Playback vom Handy per Streamingdienst, lokale Musikbibliothek vom Rechner oder „oldschool” per mit Klinkenstecker verbundenem MP3-Player.
Zusätzlich kann das Audiomaterial auch in der Tonhöhe verändert werden. Praktisch, wenn das abgespielte Stück nicht in der eigenen Stimmlage liegt oder man die Gitarre gerade nicht umstimmen möchte. Das Ergebnis ist hier bei wenigen Halbtönen noch okay, wie eine saubere Aufnahme klingt es dann aber nicht mehr. Dieses Verhalten dürften die meisten von uns von Effektgeräten wie Whammy, POG, Pitchfork, etc. kennen.
(Bild: Dieter Stork)
RESÜMEE
Es gibt mittlerweile einige Übungsverstärker mit Bluetooth-Funktion. Bei den meisten kommt der Lautsprecher selbst dabei aber etwas zu kurz. Mit der BandBox-Serie, insbesondere dem Modell Trio, liefert JBL ein überzeugendes Gesamtpaket, das dank gut integrierter (!) AI-Funktionen ein Alleinstellungsmerkmal und praktischen Mehrwert bietet.
Klangqualität und Lautstärke sind dabei für die jeweiligen Formfaktoren beachtlich und decken die Einsatzgebiete Üben, entspanntes Musikhören und das Beschallen kleiner Sessions und Veranstaltungen gekonnt ab.
Plus
- Sound (insbesondere Trio)
- Ausstattung
- Bedienung ist schnell gelernt
- KI-Funktionen ohne Zusatzkosten
Minus
- Klang stark gerichtet (Solo)
- Einige Einstellungen nur per App
Übersicht
| Fabrikat |
JBL |
| Modell |
BandBox Solo & BandBox Trio |
| Typ |
Combo-Verstärker |
| Herkunftsland |
China |
| Bedienfeld Solo: |
1 Encoder mit Taster, 4 Taster |
| Bedienfeld Trio |
6 Encoder mit Taster, 7 Taster, 2 Schiebeschalter |
| Leistung Solo |
18 Watt (RMS) |
| Leistung Trio |
135 Watt (RMS) |
| Gewicht Solo |
ca. 0,8 kg |
| Gewicht Trio |
ca. 6,7 kg |
| Schnittstellen Solo |
1x Instrument/Mic-In, 1x Kopfhörer (3,5mm Klinke), 1x USB-C, Bluetooth |
| Schnittstellen Trio |
1x Instrument/Line-In, 2x Mic/Instrument-In, 1x Kopfhörer (3,5mm Klinke), 1x Aux-In (3,5mm Klinke), 1x Aux-Out (TRS Stereo), 1x USB-C, Bluetooth, 1x 230V-In |
| Größe Solo |
150 x 87 x 55 mm |
| Größe Trio: |
340 x 265 x 228 mm |
| Preise (Street) |
Solo: ca. € 229; Trio: ca. € 599 |
(erschienen in Gitarre & Bass 07/2026)