Roundwound, Flatwound, Halfwound und und und ...

Welche Bass-Saite für welchen Job?

Roundwound, Flatwound, Halfwound, Tapewound, Nickel, Chrome, Stainless Steel, Nylon oder Bronze – Bass-Saiten gibt es in zahllosen Ausführungen, Arten und Typen. Sie sind neben dem Spieler, dem Instrument samt Tonabnehmern, dem Verstärker und Preamp eine der wichtigsten Komponenten, die deinen Sound ausmachen können.

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(Bild: Lothar Trampert, Blue Note, Fred Less )

Dieser Artikel soll dir eine Übersicht geben, welche Bass-Saiten es gibt und wie diese klingen können, also Koffer packen und ab auf die Reise ins Saitenwunderland.

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Marcus Miller und Pino Palladino sind zwei der bekanntesten und einflussreichsten Bassisten unserer Zeit, aber was unterscheidet die beiden eigentlich, abgesehen von Equipment, Spieltechniken und Stilen, voneinander? Genau, ihr Sound! Wie in der Einleitung bereits erwähnt, haben Saiten einen nicht zu unterschätzenden Einfluss darauf, wie wir klingen und folglich also auch auf den Sound dieser beiden Bass-Superstars.

Während Marcus Miller einen eher Hifimäßigen Sound mit brillanten und direkten Höhen, knackigen Bässen und schneller Tonentwicklung hat, stellt Pino Palladino für mich so ziemlich das Gegenteil dar. Zumindest was sein Wirken auf den Platten von Künstlern wie D’Angelo, John Mayer oder der Tedeschi Trucks Band angeht. Hier ist sein Sound eher vintage mit sehr wenig Höhen, viel Tiefmitten, und weichen Bässen.

Schaut man sich die Saiten an, die die beiden verwenden, stellt man fest, dass Miller meistens Stainless- Steel-Roundwounds – also Stahlsaiten – benutzt, während Palladino eher aus Nickel oder Stahl gefertigte Flatwound- Saiten spielt. Der Unterschied zwischen Roundwound- und Flatwound-Saiten besteht darin, dass bei Roundwounds der Saitenkern mit Runddraht umsponnen ist, was zur Folge hat, dass zwischen den einzelnen Umwicklungen kleine Kerben oder Rillen entstehen, während bei Flatwounds der Saitenkern mit Flachdraht umwickelt wird, was zu einer sehr glatten Saitenoberfläche führt. Fälschlicherweise werden Flatwounds immer wieder auch als geschliffene Saiten bezeichnet. Die Art bzw. Form des Drahtes, mit dem eine Saite umwickelt wird, hat also erhebliche Auswirkungen auf den Klangcharakter.

Roundwounds zum Beispiel haben am Anfang in der Regel sehr viel Punch, knackige Bässe und sehr präsente, glockenartige Höhen und Hochmitten, die je nach Häufigkeit des Spielens in einem Zeitraum zwischen ein bis drei Wochen langsam abklingen bis sie nach längerer Zeit fast gänzlich verschwinden. Die Saiten sind dann gebraucht, behalten jedoch ihren charakteristischen eher metallischen Grundklang.

Es sei denn, man benutzt Coated Strings, also mit Kunstoff ummantelte Roundwounds, die unter Umständen erst nach vier bis sechs Monaten ihre Brillanz verlieren und somit eine wesentlich längere Lebensdauer haben. Es gibt jedoch die weit verbreitete Meinung, dass Coated Strings an sich weniger brillant klingen als Saiten ohne Kunstoff-Ummantelung. Flatwounds hingegen sind relativ stabil im Klangverhalten und liefern von Anfang an den typisch warmen, tiefmittigen und leicht gedämpften Klang. Schaut man sich also die grundlegenden Klangeigenschaften dieser beiden Saitenarten an, könnte man meinen, eben diese auch im jeweiligen Stil der zwei oben genannten Bassisten wiederzuerkennen.

Man könnte also sagen, dass Flatwounds von Haus aus eher vintage, gedämpft oder warm klingen, während Roundwounds offener und sustainreicher rüberkommen. Das mit dem HiFi-Sound bei Roundwounds trifft allerdings auch nur dann zu, wenn man sie brandneu aufgezogen im direkten Vergleich zu Flats hört. Es gibt nämlich Roundwounds aus verschiedenen Materialien wie z. B. Nickel, Nickel Plated Steel oder Stainless Steel, die alle ihre eigenen und unter Umständen auch wärmeren Klangbilder besitzen.

Stainless-Steel-Saiten besitzen mit Sicherheit die meisten Höhen und einen sehr nach Metall klingenden Grund- Sound, während Nickelsaiten deutlich wärmer und dunkler klingen können, ohne dabei die typischen Eigenschaften von Roundwounds zu verlieren. Auch die oben schon erwähnten abgenutzten Saiten klingen in der Regel etwas wärmer als brandneue Drähte, egal aus welchem Material sie bestehen. Deswegen habe ich, z. B. bei einer Studiosession, auch immer ein paar Sätze benutzte Roundwounds dabei, da diese in den Ohren mancher Produzenten in der Mitte zwischen den beiden extremen Round- und Flatwounds stehen.

Rein vom Produktionsverfahren her sind eigentlich sogenannte Groundwounds oder Halfrounds die Mitte zwischen Rounds und Flats. Dies sind normale Roundwounds, bei denen der Runddraht glatt geschliffen wird, sodass man ein ähnliches Spielgefühl wie bei Flats bekommt, jedoch sind Halfrounds dabei nicht ganz so steif wie Flats, was einigen Bassisten sehr gefällt. Mag man es jedoch ultragedämpft, kann man auch mal Nylonsaiten, sogenannte Tapewounds, ausprobieren. Diese aus Kunststoff gefertigten Saiten (mit Stahlkern) haben für mich den am stärksten gedämpften Grundklang von allen Saitenarten auf dem Markt. Diese auch Black Nylons genannten Saiten erinnern manchmal durchaus an einen Kontrabass-artigen Ton.

Was auch sehr wichtig sein kann, ist die Saitenstärke – also wie dick oder dünn der jeweilige Satz ist, den man benutzt. Es gibt zum Beispiel Leute, die sagen: „Je dicker die Saite, desto fetter der Ton.“. Wenn man jedoch berücksichtigt, dass z. B. Pino Palladino das ,Continum‘- Album von John Mayer größtenteils mit Flats in den stärken .043 .056 .070 und .100 eingespielt hat, könnte das diese auch Meinung widerlegen, da ein normaler Saitensatz, mit den Stärken .045 .065 .085 und .105, wesentlich dicker ist. Hört man jedoch diese Aufnahmen, fällt einem sofort der satte, dicke und pumpende Bass-Sound auf. Wenn ich die verschiedenen Saitenarten aus musikalischer Sicht betrachte, denke ich, dass man jeden Saitentyp grundsätzlich auch in jedem Kontext/ Stil spielen kann.

Hier stellt dann eigentlich nur die eigene Vorstellungskraft die Grenze der Möglichkeiten dar. Es gibt jedoch Klassiker oder Kombinationen aus Saiten und Instrumenten, die einen relativ einfach zum gewünschten Soundideal führen können. Den typischen Motown-Sound von James Jamerson bekommt man am besten mit Flatwounds und einem Precision Bass hin. Oder der bereits oben schon angesprochene Marcus- Miller-Slap-Sound, den man immer mit Stainless-Steel-Roundwounds und einem Jazz Bass in Verbindung bringt. Und da wäre natürlich noch Yes-Bassist Chris Squire, zu dem ganz klar Stainless-Steel- Roundwounds und ein Rickenbacker-Bass, gespielt mit einem Plektrum, gehören. Flea von den Red Hot Chili Peppers generiert seinen eher wärmeren Slap-Sound fast immer aus Nickel- Roundwounds.

Grundsätzlich lässt sich also der Klangcharakter oder die Stärke einer Saite nicht nur auf ein bestimmtes Sound- Ideal reduzieren, da zu einem Sound – wie schon angemerkt – auch andere Komponenten als nur der verwendete Bass und/oder die Saiten gehören. Es gibt großartig klingende Rock-Musik oder Heavy Metal, der mit Round & Flatwounds aus Nickel oder Stahl gespielt und aufgenommen wurde sowie wahnsinnig gut klingender Soul oder HipHop, der mit den gleichen Saiten gemacht wurde. Probieren kann man alles und wird dabei oft von Ergebnissen überrascht, die man nicht voraussehen kann. Und da man selber am besten einschätzen kann, wann man den Sound hat, den man möchte, sollte man sich auf dem Weg zu seinem Sound-Ideal nicht mit Experimenten zurückhalten. Also viel Spaß auf der Reise zum eigenen Sound!

Noch ein praktischer Tipp am Rande: Überprüft nach jedem Saitenwechsel euer Bass-Setup – also Oktavreinheit, Schnarren beim Greifen, Halskrümmung, Saitenlage etc. – ganz egal ob Ihr schon seit Jahren dieselbe Saiten-Marke auf euren Bass zieht oder ständig eine andere. Gebt eurem Bass außerdem 1-2 Tage Zeit sich an den neuen Satz zu gewöhnen und checkt dann mal das Setup – unter Umständen gibt es da etwas zu optimieren.

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Aus Gitarre & Bass 06/2017

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Auf meinem E-Bass nur Flatwound, ich spiel hauptsächlich Blues und Jazz. Das fühlt sich für mich einfach besser an klingt und auch natürlicher. Ich arbeite auf der Bühne/Stage und nicht im Labor, also KEINE EXPERIMENTE.

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