Das Vox Ice 9 im Test

Overdrive-Pedal von Vox, weiß

 

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Ice 9? Klingt wie der Name eines Endzeit-Auffanglagers für gestrandete Untersee-Hoovercraft-Piloten in einem apokalyptischen SciFi-Movie. Aber nein, es ist “nur” ein Overdrive-Pedal, das seine Existenz und den Namen dem Speedfinger-Maestro Satriani bzw. einer seiner Kompositionen verdankt.

 

 

Ja, er hat es wieder getan, und im Teamwork mit Vox ein FX-Pedal entwickelt. Womit sich nach dem Satchurator (Distortion), der Time Machine (Delay) und dem Big Bad Wah das vierte Kapitel der Zusammenarbeit öffnet.

 

Konstruktion des Vox Ice 9

Kühles Antarktis-Design? Schneekristallklares Metallic-Weiss am Gehäuse, Frostbeulen-blaue Chickenhead-Knöpfe und farblich gleiche Beschriftung, ein exotischer Look muss heutzutage sein, will man sich von der Flut von FX-Pedalen bzw. Neuerscheinungen optisch abgrenzen. Ice 9 wartet aber auch mit funktionalen Besonderheiten auf. Neben den obligaten Regelbereichen Gain und Volume hat das Pedal ein der Overdrive-Erzeugung nachgeschaltetes Tone-Poti für die allgemeine Klangregelung. Unkonventionell ist der Bassregler, der den Schub unten heraus kontrolliert. Ein Mini-Switch erlaubt den Wechsel zwischen zwei Sound-Charakteren, Vintage und Modern, wobei Letzterer durch das Zuschalten einer Germaniumdiode deutlich aggressivere Noten anschlägt. Ein Fußschalter ist für den On/Off-Status zuständig (kein True-Bypass), der andere mit der Bezeichnung „More“ ruft laut Hersteller einen 14-dB-Boost auf, wodurch gleichzeitig mehr Gain und eine höhere Lautstärke zur Verfügung stehen.

Das Pedal braucht als Spannungsversorgung 9 Volt/DC, entweder in Form eines entsprechenden Batterieblocks oder von extern über die DC-In-Buchse an der Stirnseite. Die Verarbeitung und der innere Aufbau sind grundsolide. Insofern verspricht Ice 9 langfristig verläßliche Funktion.

 

Praxis

Overdrive, der Untertitel ist ja schiere Untertreibung! Ja, Ice 9 steigt mit leichten Anzerrungen in die Zerrintensität ein, das Maximum mit aktiviertem More-Boost kann man aber locker als High-Gain-Lead einstufen. Was das Ohr sofort als angenehm ortet, ist die sehr harmonische Struktur der Verzerrungen. Dahinter fällt sogar mancher mindermediokre Röhren-Amp zurück. Auch die Ansprache ist trotz (gesunder) Kompression sehr lebendig und geht feinfühlig auf die Spielweise ein. Dezentere Overdrive-Chords sind genauso kultiviert möglich wie knallharte Rockriffs. Aber: No Mid-Scoop, nix für Metaller.

Bei höheren Gain-Stellungen mit aktivierter More-Funktion überrascht Ice 9 mit der freudigen Tendenz in Obertöne umzukippen. Dafür muss man nicht einmal besonders laut spielen. Klappt im klanglich dezenten Vintage-Modus genauso wie bei Modern, wo die Wiedergabe erheblich offensiver ist, präsenter und druckvoller. Apropos Druck. Das Tone-Poti bewirkt lediglich eine harmlose Höhenkorrektur. Erst kurz vor dem Rechtsanschlag intensiviert sich die Höhenbetonung, fast schon ins Beißende. Einen sehr effizienten Zugewinn in der Sound-Gestaltung stellt aber der Bass-Regler dar. Feinfühligst dosierbar lässt sich hiermit der Tieftonschub variieren. Fühlt sich an, als könnte man vom Verhalten eines leichtfüßigen 1×10″-Combo bis zum mächtigen Oversize-Halfstack überblenden. Oder man verschafft einer schmalbrüstigen Strat mehr Kraft bzw. zwackt der überfetten Paula ein paar Pfunde ab. Diesen Eindruck erleben zu können, setzt allerdings eine im Low-End einigermaßen kräftige Verstärkeranlage voraus. Letzten Endes ist Ice 9 so gut bei Stimme, dass das Pedal einen schlichten Clean-Amp/-Combo zu einem ausdrucksstarken Dreikanaler macht.

 

Resümee

Wenn englischsprachige Gitarren-Gazetten sich vor Lob überschlagen, bleibt meiner einer normalerweise skeptisch. Zu oft sind die Statements übereuphorisch, um nicht zu sagen übertrieben positiv. Diesmal bin ich aber mit den Best-Buy-Awards o. ä. gerne einverstanden. Denn Ice 9 glänzt mit überaus homogenen Verzerrungen und großer Flexibilität in der Anwendung. Ohne Einschränkungen empfehlenswert: Preis und Leistung stehen sich vollkommen ausgewogen gegenüber.

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