(Bild: Dieter Stork)
Marcus Miller bedarf wohl keiner Vorstellung. Seit Jahrzehnten prägt der gefeierte Solo- und Session-Bassist die Basswelt. Sein Sound und sein Spiel wirken auf den ersten Blick oft gar nicht so komplex, doch die Genialität steckt im Detail. Rodenberg hat zusammen mit dem Künstler versucht, die Quintessenz seines Sounds in einem Pedal festzuhalten.
Das deutsche Unternehmen ist schon lange kein Geheimtipp mehr, sondern zählt zu den großen Namen der deutschen Pedalszene. Insbesondere, wenn es um geschmackvolle Bass-Drives geht, wird der Name immer mit als erstes genannt. Kein Wunder, dass Marcus Miller die Geräte schon länger im Einsatz hat. Nun ist es an der Zeit, das in Kooperation der beiden entstandene Gerät einem Praxistest zu unterziehen.
ÜBERSICHT
Genau genommen sind es zwei Geräte, die Rodenberg hier feilbietet. Zum einen den M²-OD und zum anderen den M²-Clean Boost. Letzterer ist allerdings auch vollständig im OD enthalten, daher beschränke ich mich in diesem Test vor allem auf eben diesen.
Miller ist bekannt für knackige Clean-Sounds, allerdings streut er hier und da auch gern mal etwas Overdrive als Effekt mit ein, um Passagen mehr Dramatik zu verleihen oder für Überraschungen im Klangbild zu sorgen.
(Bild: Dieter Stork)
Der M²-OD besteht im Grunde aus drei separaten Geräten, die sich ein Gehäuse teilen. Diese sind optisch durch Trennlinien auf der Gehäusefront klar voneinander getrennt. Von links nach rechts finden wir hier einen Clean-Booster, einen High-Gain-Overdrive sowie einen Low-Gain-Overdrive.
Optisch ist das Gerät eher schlicht gehalten. Das schwarz gepulverte Aluminiumgehäuse ist mit goldenen Potiknöpfen und einem Foto von Millers Bass mitsamt Hut verziert. Letzterer ist ein Markenzeichen des Bassisten. Typisch für Rodenberg ist eine übergroße Status-LED in Juwelenoptik als Indikator für den Bypass-Zustand.
Um im Live-Betrieb eine schnelle Zuordnung der LED zu ermöglichen, sind die unterschiedlichen Schaltkreise mit jeweils anderen Farben ausgestattet. Für den Clean Boost zeigt eine grüne LED den Zustand an, beim High Gain Drive eine rote und eine blaue LED kennzeichnet den Low Gain Drive. Beim Stepptanz auf dem Pedalboard dürfte es so zu keinen Verwechslungen kommen.
Alle Fußschalter sind als Taster ohne spürbaren Druckpunkt ausgeführt und hochwertige Relais im Inneren des Pedals schalten die Signale um. An dieser Stelle muss ich etwas Verwunderung ausdrücken, denn auch beim separaten Clean Boost-Pedal kommt eine Relaisschaltung zum Einsatz. Allerdings ist hier ein konventioneller 3PDT-Fußschalter verbaut, der ein deutliches „Klack” von sich gibt, wenn er betätigt wird. Warum hier nicht auch zu einem Taster gegriffen wurde, ist mir ein Rätsel, denn der Mikrocontroller zur Ansteuerung des Relais ist auch beim „kleinen” Pedal mit verbaut. Naja.
Dafür kann das M²-OD mit einer cleveren Idee aufwarten: Dank der aufwendigen Relaisschaltungen ist es möglich, das Schaltverhalten und Routing der einzelnen Signalwege zu ändern. Konkret kann etwa der Clean Boost vor oder hinter den Drive-Schaltungen positioniert werden. So lässt sich bei Bedarf entweder der Grad der Verzerrung anheben oder eben die gesamte Lautstärke.
Bei den Drive-Schaltungen ist die Schaltlogik etwas komplexer. Mittels „Locked”-Schalter wird eine Entweder-Oder-Schaltung („Radiobutton”) aktiviert. Das heißt, dass jeweils immer nur einer der beiden Drive-Schaltkreise aktiv sein kann. Ist der rote (High Gain) aktiv, wird der blaue (Low Gain) deaktiviert und vice versa. So ist es möglich, mit nur einem Taster zwischen zwei komplett verschieden eingestellten Sounds zu wechseln.
Auf der roten Seite kommt zusätzlich der „Push”-Schalter zum Einsatz, der den roten Kanal in einen Momentary-Modus versetzt. Hier ist der rote Kanal also nur aktiv, solange der Fußschalter betätigt wird. Ich sprach eingangs davon, dass Miller Verzerrung gern als Effekt für kurze Passagen oder nur einzelne Noten nutzt. Diese Schaltoption macht genau diese Anwendung kinderleicht.
Beide Schaltmodi können auch gleichzeitig genutzt werden. Wenn also der blaue Kanal aktiv ist und der rote betätigt wird, schaltet das Pedal für die Dauer des Drückens um und anschließend wieder zurück auf blau. Sind beide Kippschalter deaktiviert, können auch beide Kanäle gleichzeitig genutzt und kaskadiert werden. Die Möglichkeiten sind damit zwar nicht endlos, aber überaus weitreichend.
(Bild: Dieter Stork)
SOUND
Klanglich sind beide Overdrive-Schaltungen ziemlich gleich, nur eben mit unterschiedlichen Graden der Verzerrung. Was der rote Kanal auf Minimalstellung liefert, entspricht in etwa der 11-Uhr-Position des blauen Kanals. Im Grundcharakter sind die Drives sehr dynamisch und offen. Die Textur ist dabei eher feinkörnig und klangfüllend als grob und roh. Das verwundert nicht, wenn man Millers Stil berücksichtigt. Dabei ist wichtig, dass die Artikulation und Dynamik im Spiel nicht von der Zerre geplättet, sondern noch wiedergegeben werden. Das erfüllen beide Kanäle mit Bravour. Selbst bei hohen Settings bleibt der Ton lebendig und artikuliert.
Ich habe beim Hören auch den Eindruck, dass Teile des unverzerrten Signals beigemischt sind. Zumindest sorgen die Transienten und die Auflösung auch bei starkem Spiel, beispielsweise beim Slapping, für diesen Eindruck.
Abgerundet wird der Overdrive mittels Tone-Regler. Hierbei werden in klassischer Manier hinter der Zerre Höhen aus dem Signal genommen, um den Klang zu entschärfen. Gerade bei sehr knackigen Grundsounds kann das eine gute Idee sein. Für mehr Fundament im Klang ist ein „Deep”-Kippschalter vorgesehen. Dieser taucht bei allen drei Schaltkreisen des Geräts auf und seine Wirkung ist auch überall gleich. Bei Betätigung werden die tiefen Frequenzen angehoben, wodurch der Klang fetter wird. Bemerkenswerterweise leidet die Definition im Klangbild darunter nicht, es wird lediglich voller.
Die erwähnten Schaltungsmöglichkeiten der Verzerrer ergeben in der Praxis extrem viel Sinn und erweisen sich als echter Mehrwert. Wenn ich beispielsweise im blauen Kanal einen angezerrten, drahtigen Sound und im roten Kanal einen brachialen, fetten Sound einstelle, erlaubt mir die Schaltlogik, spontan den fetten Sound nur kurz für einen Double Stop oder einen Slide auf der E-Saite abzurufen, ohne dass ich mir dabei Gedanken über Stepptanz machen muss.
Auch das Kaskadieren funktioniert wunderbar. Der erste Overdrive kann gut genutzt werden, um dem zweiten noch etwas mehr Draht zu verleihen. Bei Bedarf sind auch brachiale Soundwände mit der Kombination aus rotem und blauem Kanal möglich, die man bei einem Marcus-Miller-Signature-Pedal wohl nicht erwartet hätte. Das Ergebnis kann sich aber hören lassen!
Richtig interessant wird die Kombination der Schaltkreise dann mit dem Zuschalten des Clean Boosters. Für sich genommen arbeitet dieser weitestgehend clean, vermag bei starkem Signal aber auch zu sättigen. Anders als viele andere Clean Booster legt dieser es nicht darauf an, das Signal möglichst unverfälscht zu lassen. Unabhängig vom Grad der Sättigung färbt der grüne Kanal den Sound bereits merklich und betont sowohl Bässe als auch Höhen deutlich, wodurch der Klang knackiger und drahtiger wird. Perfekt etwa für Slapping und artikulierte Sounds. Auch hier steht ein Tone-Regler zur Verfügung, um das Signal zu entschärfen. In Extremstellungen ist der Klang damit sehr voll und weich, aber nicht undefiniert. Für eine Extraportion Sättigung oder für Instrumente mit geringem Output steht außerdem ein +20-dB-Schalter zur Verfügung, der die Verstärkung des Kanals erhöht.
(Bild: Dieter Stork)
Wird der Clean Booster mittels Kippschalter vor die Zerrsektion geschaltet, macht sich der Effekt der Klangfärbung sehr deutlich bemerkbar. So verwendet, gewinnt das Klangbild noch an zusätzlicher Drahtigkeit und Definition. Tatsächlich wird der Sound hier so drahtig und artikuliert, dass ich gar keine Schmerzen dabei hätte, ihn selbst mit hohem Gain in einer modernen Metal-Produktion einzusetzen. Das bedeutet aber auch, dass der Klang beim Solieren, Akkordspiel oder Tapping klar und definiert bleibt und sich nicht etwa Obertöne aus dem Tiefmittenbereich zu einem Matsch überlagern.
Ist die Reihenfolge andersherum, kommen also die Verzerrer vor dem Boost, so muss mit dem Level der Zerrer sachte umgegangen werden. Einerseits ermöglicht die Kaskadierung mit dem Boost als letztes Glied immense Lautstärken. Andererseits kann der Boost durch einen zu hohen Level aber auch „überfahren” werden. Dadurch kann sich ein unangenehm spitzer und „brüchiger” Sound ergeben, der von der Abstimmung des Boosters abhängt.
Fakt ist: Trotz der überschaubaren Stellschrauben pro Kanal sind durch die zahlreichen Verschaltungsmöglichkeiten eine Vielzahl an teils grundverschiedenen Sounds möglich.
RESÜMEE
Je nach Kombination der Schaltungen ist zwar etwas Fingerspitzengefühl bei der Bedienung der Regler gefragt, bemerkenswert ist dabei jedoch die Vielzahl an gut klingenden Ergebnissen. Auch beim hohen Gain erhält der M²-OD die Klarheit im Signal. Der Clean Booster wertet den Sound sowohl standalone als auch in Kombination mit den Verzerrern gekonnt auf und liefert einen klaren und knackigen Sound. Insgesamt überzeugen beide Geräte der M²-Serie auf ganzer Linie.
Plus
- Verarbeitung
- Flexibilität (OD)
- Sound
Minus
- lauter Fußschalter trotz Relaisschaltung (nur beim M²-Clean Boost)
Übersicht
|
|
| Fabrikat |
Rodenberg Amplification |
| Modell |
M²-OD & M² Clean Boost |
| Typ |
Verzerrer + Clean Boost / Clean Boost |
| Bedienfeld M²-OD |
8 Potis, 7 Switches, 3 Fußschalter |
| Bedienfeld M²-Clean Boost |
2 Potis, 2 Switches, 1 Fußschalter |
| Versorgung M²-OD |
ca. 140 mA, 9-18 VDC |
| Versorgung M²-Clean Boost |
ca. 55 mA, 9-18 VDC |
| Gewicht |
600 g / 240 g |
| Größe M²-OD |
145 x 120 x 38 mm |
| Größe M²-Clean Boost |
110 x 59 x 33 mm |
| Preise (Street) |
ca. € 229 / € 111 |
(erschienen in Gitarre & Bass 05/2026)