Produkt: Fender Stratocaster
Fender Stratocaster
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Aus dem neuen Heft

Test: Nik Huber Surfmeister

(Bild: Dieter Stork)

Mit ihrem Semi-Hollow-Body und den Gretsch/Filtertron-Style-Pickups lässt sich die klangliche Ausrichtung der Surfmeister schon fast erahnen. Aber auch nur fast. Denn bei diesem speziellen Modell wagt Nik Huber einen gewaltigen Schritt in die (Hardware-)Zukunft.

In Zeiten von Digitalisierung, 3D-Druckern, alternativen Werkstoffen usw. denkt die oft als konservativ verschriene Gitarrenbauerzunft immer häufiger über Nachhaltigkeit von Ressourcen und alternative Materialien nach. Warum nicht also auch Hardware aus dem 3D-Drucker? Nein, kein Plastikzeugs, sondern Metall, genauer gesagt amorphes Metall. Spezialist und Global Player auf diesem Gebiet ist die Hanauer Firma Heraeus Amloy Technologies, gerade mal 18 km vom Huber-Standort Rodgau entfernt.

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Hauptaugenmerk bei der Zusammenarbeit von Nik Huber und Heraeus Amloy galt primär dem Gitarrensteg, und zwar dem Huber Adjustable Stoptail, hier zunächst noch in der vereinfachten non-adjustable Version. Als Herstellungsverfahren kam selektives Laserschmelzen (SLM, Selective Laser Melting) zum Einsatz, also quasi 3D-Druck, dessen nichtmagnetische Legierung Hauptanteile von Kupfer, Titan und Zirconium beinhaltet. In diesem Zuge wurden übrigens gleich auch die Reglerknöpfe und der Rahmen des Steg-Pickups „gedruckt“.

Bei der vorliegenden Gitarre handelt es sich um ein Unikat, das von Heraeus Amloy geordert und speziell zu Test- und Demonstrationszwecken gefertigt wurde.

HALBHOHL

Der Semi-Hollow-Body der Surfmeister wurde aus massivem, 37 mm dicken Mahagoni gefräst. Neben der etwa 10 mm dicken Zarge blieb der Mittelblock erhalten, in den der Mahagonihals, die Häussel-Custom-Tronebucker-Pickups und die Ankerschrauben des Stegs eingelassen wurden.

Für die Decke, deren naturfarben-belassene Kanten als Fake Binding dienen, fand 6 mm Ahorn Verwendung. Beim Fräsen des gerade mal ca. 6,5 mm dicken Bodens musste natürlich die rückseitige Rippenrampe berücksichtigt werden. Daher ist im Korpusinnern in diesem Bereich auch eine entsprechende Erhebung zu erkennen.

Das rückseitige E-Fach verschließt eine Oberkante bündig eingelassene Palisanderplatte. Im Innern trifft man auf hochwertige Bauteile wie CTS-Poti, CTS-Pull/Push-Poti, Toggle Switch und Orange-Drop-Kondensator, alles penibel von Hand verdrahtet. An der Zarge trägt ein kleines Edelstahlblech die Klinkenbuchse, Security Locks sichern den Gurt.

Die Verbindung des Huber-typischen, dem Cutaway-Verlauf ergonomisch angepassten Halsfußes mit dem Body zeugt von höchster Präzision. Wegen des griffigen Natural-Semi-Gloss-Finishs konnten hier nämlich eventuelle Spalten nicht kaschiert werden.

Das binding-freie Ebenholzgriffbrett mit Com­pound-Radius trägt 22 extra harte Medium-Bünde mit höherem Nickelanteil, die so eingelassen wurden, dass deren Stege an den Seiten nicht zu sehen sind. Auch ohne PLEK wurden die Bünde vorbildlich abgerichtet, entgratet und poliert. Besser geht‘s nicht.

Visuals für 3D-Druck als Griffbrett-Inlays (Bild: Dieter Stork)

Neben den Perlmutt-Sidedots fallen vor allem die perfekt intarsier­ten Griffbrett-Inlays aus Neusilber auf. Diese stellen das Heraeus Visual für 3D-Druck dar. Es vereint Pulver, Print und Prozess, alle­samt von Heraeus hergestellt. Oberhalb des auf optimale Saitenlage abgerichteten polierten Knochensattels verschließt ein Kunststoff­plättchen – übrigens aus dem gleichen dreischichtigen Material wie das Pickguard – den Zugang zum 2-Wege-Stahlstab. Ein Eben­holzfurnier ziert die Front der geneigten Kopfplatte, an der offene Gotoh-SX510-Tuner mit Tulip-Knöpfen präzise und geschmeidig arbeiten.

Huber/Heraeus-Amloy-Non-Adjustable-Stoptail (Bild: Dieter Stork)

Als Steg kommt das bereits erwähnte Huber/Heraeus-Amloy-Non-Adjustable-Stoptail zum Einsatz, um das die Saiten wie bei einer Wrap-Around-Bridge herumgeführt werden. Die Schraubbolzen bestehen aus Messing, die Brücke selbst aus dem beschrie­benen amorphen Metall.


AMORPHES METALL

Amorphe Metalle entstehen durch das Schockfrosten von geschmolzenem Metall. Die Atome haben dabei keine Gelegenheit, ihr gewohntes, kristallines Gitter zu bilden und erstarren ungeordnet (amorph).

Das Material ist besonders elastisch, gleichzeitig aber hochfest und hart. Da amorphe Metalle deutlich elastischer als kristalline sind, besitzen sie hinsichtlich der Schwingungsübertra­gung exzellente Eigenschaften. Daher ist das Material für Saiteninstrumente wie Gitarren bestens geeignet. Neben ihrer Elastizität sind amorphe Metalle außerdem kratzfest und korrosionsbestän­dig, da sich durch das Schockfrosten keine Kristallisationskeime und damit Unreinheiten entlang der Korngrenzen bilden können.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Materialien verschleißt eine Brücke aus amorphem Metall nicht und muss auch nicht ausgetauscht wer­den. Außerdem ist sie biokompatibel und damit im Gegensatz zu vernickelten Aluminiumbrücken auch für Allergiker geeignet.

Bei der Herstellung von Metallgegenständen per selektivem Laser­schmelzen – auch als additive Fertigung bezeichnet – wird in einem Bett aus Metallpulver Schicht für Schicht mittels Laserstrahl aufgetragen. Da die Form des Endproduktes zuvor per CAD einge­scannt bzw. konstruiert und per CAM generiert wird, kann auf eine Gussform verzichtet werden.

Der bei Heraeus Amloy im 3D-Drucker entstandene amorphe Wrap-Around-Steg der Surfmaster ist im Gegensatz zu herkömmlichen Brücken nicht massiv, sondern verfügt, wie auch die Regler, über eine bionische (Bionik = von der Natur auf die Technik übertragene Konstruktion) gitterversteifte Struktur.

Der 3D-Druck ermöglicht damit ein breites Feld an neuen Design-Möglichkeiten. Neben der beeindruckenden Optik beeinflusst die Wabenstruktur auch die Schwingungsdauer der Brücke, denn sie dämpft die Vibrationen weniger als geschlossene, massive Stege, was natürlich auch die Klangeigenschaften optimiert. Durch eine Veränderung der Struktu­ren im Inneren der Brücke ließe sich sogar der Klang anderer Metalle imitieren. Eine Brücke aus amorphem Metall könnte dann zum Bei­spiel wie eine massive aus Messing klingen. Der Unterschied ist, dass die amorphe Bridge durch ihre Elastizität den Klang länger hält, sich nicht abnutzt und auch nach Jahren noch wie neu aussieht.  


Schaut man von der Rückseite des Stegs in Richtung Griffbrett, kann man durch die Wabenstruktur schauen. Irgendwie erinnert mich das an…

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Zum Thema Nachhaltigkeit: Warum nicht gleich ein durchgehender Hals aus Ahorn und ein Korpus aus dem Drucker? Bei dieser Konstruktion entsteht einfach zu viel Fräsabfall des wertvollen Materials. Eine saugute und nachhaltig produzierte E-Gitarre benötigt keine Tropenhölzer mehr für den perfekten Klang. Trotdem: ein schönes Instrument.

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