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Test: Fractal Audio von AM4

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(Bild: Dieter Stork)

Du hättest gerne die Modeling-Technologie von Fractal Audio unter den Füßen? Aber die vierstelligen Preise waren dir bisher zu teuer? Dann könnte das AM4 etwas für dich sein …

Das Axe-Fx III ist einer der unbestrittenen Könige am Modeling-Himmel, doch es wachsen zusehends Thronfolger heran. Nachdem Fractal Audio mit dem FM3 und dem FM9 bereits bewiesen hat, dass man die Referenzsounds auch in ein kompaktes Floor-Format gießen kann, folgt nun der nächste logische Schritt in der Evolution. Mit dem AM4 bringt Cliff Chase ein Gerät auf den Markt, das die „Höher, schneller, weiter”-Mentalität zugunsten von „Kleiner, leichter, simpler” eintauscht. Es ist gewissermaßen der „Zwergenkönig” der Familie, der den Spagat zwischen professionellem Anspruch, maximaler Portabilität und erschwinglicherem Preis wagt.

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HARDWARE: KOMPAKT, MASSIV UND ZEITGEMÄSS

Wie vom europäischen Vertrieb G66 gewohnt, kommt das AM4 super verpackt mit kleinen Goodies und einer Schnellstartanleitung an. Beim Auspacken dann die erste erfreuliche Nachricht: Das AM4 ist eine ganze Ecke kleiner und vor allem viel leichter (knapp 1,5kg) als das FM3 (3,2kg). Damit passt es super in normale Gigbag-Taschen. Dennoch bleibt sich Fractal treu: Das Stahlgehäuse wirkt absolut „Road-Ready” und massiv.

Ein echter Pluspunkt, der mich fast ein wenig wehmütig auf mein Axe-Fx III blicken lässt: Fractal hat endlich den Sprung gewagt und verbaut USB-C. Was beim Flaggschiff und den Boden-Kollegen noch der gute alte USB-B-Anschluss (der „Druckerstecker”) war, ist hier nun endlich zeitgemäß gelöst. Die Freude weicht leider schnell der Ernüchterung darüber, dass das AM4 nicht über USB-C mit Strom versorgt werden kann.

Mehr noch: Während ich bei den anderen Produkten das integrierte Netzteil immer sehr zu schätzen weiß, ist es hier nun extern und das Gerät an sich verfügt „nur” über eine 9V-Buchse. Das passt natürlich zur Philosophie, das Gerät als Bestandteil eines Pedalboards zu sehen. Ob das Netzteil jedoch 1,5 A liefern kann, sollte man gut prüfen. Ein externes Netzteil ist natürlich auch enthalten.

(Bild: Dieter Stork)

Auch bei den Anschlüssen ist gespart worden: Es gibt einen Input, einen Insert, zwei Out-Buchsen, einen kleinen Kopfhöreranschluss, zwei Pedal-Inputs, SPDIF-In und -Out sowie Minibuchsen für MIDI. Wer hier XLR-Outs vermisst, dem sei gesagt, dass die Out-Buchsen vom „balanced TRS”-Typ sind, das Signal also technisch vergleichbar weiterleiten. Hier braucht man gegebenenfalls einen Adapter und gut is’.

Es mag ebenso aufgefallen sein, dass es keinen Faslink-Anschluss für die hauseigenen Fußschalter wie das FC-6 gibt. Man kann aber weiterhin an die Pedalbuchsen entweder je ein Expressionpedal oder einen(!) Schalter anschließen (beim FM3 kann eine solche Buchse zwei Schalter verwalten). Das klingt jetzt alles viel negativer, als es gemeint ist. Alle Maßnahmen sind für den angestrebten Use-Case total sinnvoll, sollten nur eben bedacht werden.

BEDIENUNG: SIMPEL UND STRUKTURIERT

Die Bedienung war bei Fractal-Geräten aufgrund der unendlichen Parameterwelt oft ein Thema für „Special Interest”-User und wohl der häufigste Kritikpunkt. Das AM4 schlägt hier einen neuen Weg ein. Statt den Nutzer sofort mit dem gewohnten 12×4- oder 14×6-Grid zu konfrontieren, bietet das neue Interface eine stark vereinfachte Oberfläche. Es gibt nur vier Blöcke, die man belegen kann. Ein möglicher Block wäre ein Amp.

Dieser wird hier zunächst nur mit den Kernreglern dargestellt, die auch in der echten Version vorhanden wären. Ein Tweed Champ hat beispielsweise nur Gain und Level. Ein Bassman verfügt dagegen über Gain, Bass, Mid, Treble, Presence und Level. Und Amps wie der Diezel VH4 ergänzen dies noch um die Regler Depth und Master. Ähnliches gilt für Drives, die beispielsweise nur die Regler Drive, Tone und Level anzeigen. So ist alles wirklich super übersichtlich zu bedienen. Allerdings muss man zugeben, dass andere Anbieter mit Touch-Interfaces eine noch intuitivere Bedienung ermöglichen.

Und was ist, wenn ich – wie gewohnt – alles feintunen möchte? Immerhin reden wir hier von Fractal Audio. Dann schaltet man einfach das Interface um und erhält Zugriff auf die „unendliche Parameterwelt”, die wir so lieben. So kann man seinem virtuellen Amp andere Röhren verpassen, Input- und Output-EQs einstellen, Boost und Kompressor direkt am Amp regeln oder das negative Feedback einstellen. Nerdkram, aber es macht Spaß!

Die fünf Endlos-Potis unter dem Display interagieren dabei direkt mit den Anzeigen, genau wie beim großen Bruder.

(Bild: Dieter Stork)

Live punktet das AM4 mit vier Fußschaltern. Das ist einer mehr als beim FM3 – ein riesiger Unterschied. Zwar kann das FM3 echt komplexe Sachen mit Doppeltaps und Hold, aber mit dem AM4 kommt man intuitiver zurecht, ohne direkt einen externen Controller dazukaufen zu müssen. Ein kleiner Kritikpunkt bleibt die Beschriftung: Die Belegungen für Doppel-Tastendrücke (z. B. für das Stimmgerät) sind nicht aufgedruckt. Das lernt man zwar schnell, aber für Einsteiger wäre ein entsprechender Hinweis nett gewesen.

AM4-EDIT: DER DIGITALE WERKZEUGKASTEN

Passend zum neuen Gerät gibt es die AM4-Edit-Software. Wie man es von FM3-Edit oder FM9-Edit kennt, erlaubt dieses Tool die vollständige visuelle Kontrolle am Mac oder PC. So geht das Editieren nochmal einen Tick schneller von der Hand. Insbesondere die „Expert-Edit”-Funktionen sind hier übersichtlicher, als wenn man am Gerät selbst durch alle Seiten navigieren müsste.

Im Gegensatz zu anderen Editoren ist die Darstellungsform dieser Seite angepasst und gefällt mir gut. Was ich hingegen nicht verstehe, ist, dass die Sortierung der Amps anders ist als am Gerät. Während AM4 lexikografisch sortiert (ein 1959SLP ist der erste Amp), bleibt AM4-Edit bei der gewohnten Sortierung: Zunächst nach Hersteller (zuerst Fender), dann nach Jahren (zuerst Tweed). Beides hat etwas für sich, aber die unterschiedliche Sortierung verwirrt.

Der integrierte Fractal-Bot übernimmt gewohnt zuverlässig Backups und Firmware-Updates. Es sind genau dieser Support und die stetigen Gratis-Updates, die Fractal-Geräte zu einer so sicheren Investition machen.

SOUND & DSP: CYGNUS X-3 IM GIGBAG-FORMAT

Unter der Haube werkelt das neueste Cygnus-X3-Amp-Modeling. In puncto Sound gibt es also keine Kompromisse: Das AM4 klingt genauso „direkt und ehrlich” wie mein Axe-Fx III, egal ob SLO 100, Hiwatt oder diverse Fender-Amps – das Spielgefühl ist fantastisch. Und wie eigentlich jedes Mal, wenn ich ein neues Gerät zum Testen bekomme, entdecke ich wieder etwas Spannendes. Dieses Mal ist es der modellierte Supro Amp. Auf sich allein gestellt klingt er schon gut, aber insbesondere in einem Mix mit anderen Instrumenten fügt er sich optimal ein. Großes Kino.

Und da wir gerade bei meinen Empfehlungen sind: Ich bin ziemlich in den Band-Commander (ein 1968er Fender Bandmaster) verliebt. Das Modell allein wäre mir schon viel Geld wert. Dazu noch ein Jan Ray Drive, dahinter ein Gold Plate Reverb – und ab geht’s.

Das AM4 konnte in meinen Tests in allen Konstellationen überzeugen: als „Pedal” vor meinem Earforce-Amp, als Preamp in meine Mesa Endstufe und auch als „kompletter Amp” in mein FRFR-Cab. Darüber, ob Fractal-Emulationen „echt” klingen, müssen wir meiner Meinung nach seit Jahren nicht mehr sprechen. Der Sound ist schlichtgesagt exzellent.

Das gilt ebenso für die Effekte. Andere Hersteller bauen super Amp-Simulationen und auch der Charme des Capturings ist nicht von der Hand zu weisen, aber für meine Ohren hat Fractal bei Effekten die Nase noch vorn. Allein, was die hier vertretenen Halleffekte bei anderen Herstellern als einzelne Geräte kosten würden …

Lange Liste zur Auswahl des Overdrive-/Distortion-Typs, darunter Klassiker wie der T808 OD, basierend auf dem Tube Screamer (Bild: Dieter Stork)

Okay, jetzt haben wir also super Sounds, aber nur vier Blöcke. Die Cabs sind beim AM4 übrigens Teil des Amp-Blocks, keine Sorge. Also beispielsweise Drive, Amp, Reverb, Delay – fertig? Ja. Kurz gesagt ist das so, und man muss sich überlegen, ob einem das reicht. Fairerweise muss ich jedoch auch sagen, dass man es sogar hinbekommt, dass der Prozessor nicht alle Kombinationen aus vier Blöcken schafft. Mit einem Reverb in Ultra-High-Qualität und einem eingeschalteten (Mikro-)Preamp in der Cab-Simulation könnte es schon fast eng werden. Aber das sind Randfälle.

Vermutlich auch, um Speicher zu sparen, gibt es im AM4 keine normale Cab-Library, sondern „nur” die User Cabs und die Dynacabs. Letztere sind jedoch derart gut, dass ich keine normalen IRs mehr vermisse und nur in Spezialfällen auf User Cabs zurückgreife. Wer wirklich tief in sphärische Sounds eintauchen möchte, dem werden eventuell Blöcke wie Multidelay, Megatap Delay, Plex Delay, Ring Modulator oder Resonator fehlen, die es hier schlicht nicht gibt. Etwas alltäglicher sind Looper und Pitch, die ebenfalls nicht an Bord sind.

Im realen Alltag gibt es genügend Kniffe, mit denen sich richtig viel aus den vier Blöcken herausholen lässt. Braucht man einen Drive, wenn man zwischen Amps mit unterschiedlich viel Gain wechseln und diese auch im selben Block boosten kann? Und warum nutzt man nicht die In- und Output-EQs direkt im Amp-Block? Wenn man schon einmal in den Einstellungen ist, kann man auch gleich das Bias Tremolo aktivieren. Bei den Reverbs gibt es einige mit einstellbarem Pre-Delay. Hey, wieder ein Block gespart! Alternativ kann man ein Delay mit Diffusion (Reverb) und integriertem Chorus wählen. Was ich damit sagen will: Ja, es ist einfacher, für alles je einen Block zu verwenden. Aber wer jetzt wahnsinnige Angst hat, dass vier Blöcke auf jeden Fall zu wenig sind, könnte das mal gedanklich durchspielen. Dennoch bleibt klar: Das AM4 ist eher Teil eines Effektboards als ein alleiniges Pedal.

Effektübersicht: Zeigt die Signalkette des Presets Double Tweed 5F8 mit den Blöcken Phaser, Drive, Verstärker und Hall.

Lange Liste zur Auswahl des Overdrive-/Distortion-Typs, darunter Klassiker wie der T808 OD, basierend auf dem Tube Screamer

AM4 VS. FM3

Der naheliegendste Konkurrent aus eigenem Hause ist ganz klar das FM3. Ein direkter Vergleich des AM4 mit dem FM3 macht den unterschiedlichen Fokus deutlich. Mit 1,5 kg ist das AM4 der Portabilitäts-Sieger gegenüber dem 3,2 kg schweren FM3. Auch die vier Fußschalter des AM4 sind ein klarer Vorteil gegenüber den drei Tastern des FM3. Wer jedoch professionelle XLR-Anschlüsse und ein freies Routing im Raster benötigt, wird mit dem FM3 glücklicher.

Ein weiterer Punkt ist die Rechenleistung: Während das FM3 ein realistisches Preset mit ca. 70% CPU-Auslastung bewältigt, ist das AM4 durch die starre 4-Block-Grenze limitiert. Dafür ist das AM4 mit ca. 899 Euro deutlich günstiger als das FM3 (ca. 1299 Euro). Wer auf einige Blöcke verzichten kann und primär ein kompaktes Tool für Gigs sucht, findet im AM4 den Sweetspot. Es möchte eher in ein Effektboard integriert werden, als es zu ersetzen.

Fährt man die beiden Geräte hoch, so zeigt sich der Unterschied direkt: Während das FM3 sich fast eine Minute Zeit lässt, ist das AM4 in ca. 10 Sekunden einsatzbereit. Selten kriegsentscheidend, aber es fühlt sich schon gut an.

Klingen die Geräte denn gleich? Bei gleichen Einstellungen von Amps ziemlich. Die Effekte weichen interessanterweise in den Einstellungen voneinander ab. Das AM4 behandelt Reverbs bei gleicher Parameter-Einstellung deutlich dezenter als das FM3. Das heißt aber nur, dass man Settings nicht 1:1 übertragen kann, ich würde nicht sagen, dass hier ein Gerät besser klingt.

… UND GEGEN DEN REST DER WELT

Fractal steht nicht allein auf weiter Flur und begibt sich hier in ein noch härter umkämpftes Marktsegment. Ich sehe hier insbesondere Line 6, Kemper und Neural DSP als Konkurrenz.

Line 6 bietet mit dem HX Stomp schon lange ein sehr gutes und zurecht sehr beliebtes Pedal an, das noch kleiner, leichter und günstiger (ca. € 630) ist und dabei auch eine Menge Amps sowie Effekte bietet.

Neural DSP hat das Nano Cortex mit rund € 570 schlau positioniert. Es ist ohne Display und mit zwei Fußschaltern noch minimalistischer als Amp-Ersatz gedacht. Ähnlich versteht sich der Kemper Profiler Player für ca. € 600. Und wo wir schon bei Profiles sind, muss man mittlerweile auch den Dimehead NAM Player für € 535 erwähnen. Und ganz unter uns: Ich habe mir letztens das Valeton GP-5 (€ 80) gekauft. Es nimmt NAM Profile, wandelt sie in ein eigenes Format und kann sie nutzen. Ebenso bietet es brauchbare Effekte. In erster Linie ist es aber wahnsinnig klein und lässt sich sogar per USB mit Strom versorgen. Perfekt, wenn man nur eine Amp-Simulation für das Ende des Pedalboards oder etwas zum Üben unterwegs sucht.

RESÜMEE

Ich habe mich – mal wieder – ein bisschen verliebt. Das AM4 bietet die unangefochtenen Referenzsounds von Fractal Audio in einem Paket, das endlich in fast jede Tasche passt. Es bringt meine Lieblingsamps und Effekte mit und klingt wie seine größeren Brüder. Und das ist eben Weltklasse. Wer auf erweiterte Anschlüsse und ein paar Blöcke verzichten kann, bekommt hier Cygnus-Power zum Spitzenpreis. Für mich ist das AM4 der perfekte Fractal-Begleiter für den mobilen Gitarristen.

Plus

  • Referenz-Sounds
  • verhältnismäßig kompakt und leicht
  • vereinfachtes User-Interface (aber auf Wunsch auch Expertenmodus)

Minus

  • kein Pitch- oder Looper-Block

Übersicht

Fabrikat Fractal Audio
Modell AM4
Typ Amp- und Effekt-Modeler
Effekte Rund 325 Effekte in 16 Blöcken
Amps 247 verschiedene Amp-Modelle/-Kanäle
Cabs 45 Dynacabs, dazu Platz für 256 eigene Nutzer-IRs
Bedienung 4 Fußschalter, 1 Level-Regler, 5 Endlos-Potis, 6 Taster
Anschlüsse Instrument In, Insert Send+Return, Out L/R, 2x Pedal, Kopfhörer, SPDIF, USB-C, MIDI, Power (9V)
Lieferumfang Kurzanleitung, Netzteil
Gewicht 1,5 kg
Abmessungen 254 mm x 160,3 mm
Preis (Street) ca. € 899

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2026)

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