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Test: Fame Custom JB 4 & JB 5 Worn

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(Bild: Dieter Stork)

HEAVY BASS

Bei beiden Bässen stellt sich am Gurt eine gute Balance ein, was angesichts ihres Gewichts nicht überrascht. Während der JB 4 mit 4,4 Kilo noch im Bereich „schwer, aber tragbar” ist, zieht der JB 5 mit 4,8 Kilo deutlich mehr an der Schulter. Vielleicht wurde hier doch Mahagoni verwendet?

Die Werkseinstellung ist gut, die Brücken haben noch Luft nach unten – genau, wie ich es mag. Die vor der Griffbrettkante endenden Bundenden sind schön abgerundet, die Halsform ist ein modernes C, beim Fünfer mit leichter Neigung zu D in den höheren Lagen. Ungewöhnlich ist die Halsbreite des Vierers mit 42 mm, die deutlich ins Precision-Territorium fällt.

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Geröstete Hälse fühlen sich für mich sehr angenehm an. Es reicht, sie einzuölen oder mit einem dünnen Finish zu versehen, um dem Holz eine warme, handschmeichelnd glatte und gleichzeitig widerstandsfähige Beschaffenheit zu geben. Wenn man allerdings auf die Idee kommt, dem Hals teilweise ein Relic-Finish zu verpassen, löst sich die wie poliert wirkende Oberfläche wieder auf und wird rau, als hätte man nach dem Wässern des Holzes die aufgerichteten Fasern nicht wieder glatt geschliffen.

Das sieht unfertig aus und fühlt sich auch komisch an. Hier würde ich mir eine Nachbearbeitung wünschen, um die sonst so angenehme Haptik gerösteter Hälse beizubehalten. Die Bespielbarkeit ist ansonsten nämlich super.

Trocken gespielt klingen beide eher unauffällig. Der Viersaiter ist spritziger in der Ansprache, der Fünfer eher gemütlich. Der Gemütliche darf zuerst an den Amp und glänzt mit absoluter Ruhe. Null Nebengeräusche. Aber auch null Tonsignal – nanu?

Die Lösung des Rätsels ist die Montage der offenen Klinkenbuchse. Dabei hat sie sich so gedreht, dass der heiße Kontakt an der Abschirmfolie anliegt und damit an Masse kurzgeschlossen wird. Mutter gelockert, Buchse leicht gedreht – Problem behoben. Nun können am Verstärker die üblichen Verdächtigen eingestellt werden: der leicht kehlige Ton am Hals, der tiefmittige Ton am Steg und der klare Ton in der Mittelstellung für jede Gelegenheit.

Das klingt erstmal gut, mit ausreichend Klarheit in den Höhen. Wenn ich aber versuche, aggressiver und knackiger zu spielen, habe ich das Gefühl, den Bass schieben zu müssen, als würde mich die reine Masse bremsen. Hilft der aktive EQ? Er gibt im Bass noch mehr Fülle und in den Höhen noch mehr Klarheit, ohne zu nerven.

Das leicht träge Grundgefühl bleibt jedoch bestehen. Die Mitten setzen hoch an und sorgen bei mehr Anhebung für ein ausgeprägtes „Nöööök” (ja, mit vier „Ö”), bei leichter Absenkung für einen aufgeräumten Slap-Sound, bevor es dann zu körperlos wird. Im ersten Moment ist die Aufteilung für mich etwas unintuitiv. Ich greife zum Mittenregler, wenn ich die Höhen regeln will. Das legt sich aber schnell.

Ein Pluspunkt ist auf jeden Fall die auch aktiv funktionierende Höhenblende. Damit kann man den klassischen J-Steg-Ton mit passiv reduzierten Höhen aktiv mit Bässen anreichern und im Mittengehalt regeln.

Apropos Einzelpickups: Der Balance-Regler arbeitet wie bei Sadowsky andersherum: Zum Hals gedreht, wird der Stegabnehmer lauter, und umgekehrt. Wenn das stört, müsste man die Anschlussdrähte einmal umlöten (lassen), was aber kein Hexenwerk ist. Die Nebengeräusche sind im Rahmen dessen, was bei Singlecoils normal ist. Ungewöhnlich ist die Mikrophonie am Steg.

Wenn man auf die Kappe klopft, ist das deutlich über den Verstärker zu hören, beim Halspickup nicht. Von einer Betonung der einzelnen Abnehmer profitiert die H-Saite, die in Mittelstellung des Balance-Potis ziemlich absuppt. Wenn ich hauptsächlich über den Stegpickup spiele und diesen mit einem leichten Bass- und Mittenboost sowie einer dezenten Abrundung durch die passive Höhenblende einstelle, kommt sie besser eingebunden rüber. Ansonsten bleibt sie beim Testbass doch hinter den anderen Saiten zurück.

Wie erwartet ist der Custom JB 4 flotter unterwegs. Dieses Phänomen tritt häufig (aber nicht immer) auf: Sonst baugleiche Viersaiter sprechen knackiger an als Fünfsaiter. Der eher warme Klangeindruck bleibt, der Vierer liefert überzeugende passive Jott-Sounds, die wie beim Fünfer gut noch aktiv zu formen sind, auch hier wieder mit permanent funktionierender Tonblende – sehr schön!

Auch andere Eigenheiten wurden übernommen. So ist der Balance-Regler ebenfalls anders herum beschaltet und zu meiner Überraschung ist der Steg-Pickup mikrofonisch, der Hals-Pickup aber nicht. Sollte es sich etwa doch um ein Feature handeln und nicht um einen Fehler? Die Bauweise, Befestigung und Lagerung bzw. Unterfütterung, um die Abnehmer in ihre Kappen und an die Saiten zu drücken, ist jedenfalls an beiden Einbaupositionen identisch, da lässt sich nichts ausmachen.

Ein Problem ist das nicht, außer man möchte extreme High-Gain-Zerrsounds mit dem Bass erzeugen. Den breiteren Hals merke ich nach kurzer Zeit kaum noch, auch wenn der Fame nicht ganz so wendig ist wie ein „richtiger” Jazz Bass mit 4 mm weniger am Sattel. Auch an die raue Halsrückseite kann ich mich gewöhnen. Wenn es mein Bass wäre, würde ich trotzdem direkt zur Nachbehandlung übergehen …

RESÜMEE

Wer Relics ablehnt, aber bis hierhin durchgelesen hat, hat mit dem Fame Custom JB 4 und dem Fame Custom JB 5 zwei Bässe kennengelernt, die definitiv ihren eigenen Reiz haben. Grundsätzlich sind es Jazz-Bass-Kopien, die mit klanglich überzeugenden Alnico-Singlecoils ausgestattet sind. Gemeinsam mit der Klangregelung bearbeiten sie die Bandbreite von traditionell-passiv zu modern-aktiv, wobei eine permanent aktive Höhenblende für mich immer einen Pluspunkt wert ist.

Und dann ist da noch die Lackierung … Ich kann mich dem leicht kitschigen Charme nicht entziehen. Subtil ist sie zwar nicht und es gibt auch keine feine Handarbeit in der „Abnutzung” zu sehen, aber Kleinigkeiten wie die etwas dreckige Oberkante des Bindings sind zu verschmerzen. Das hohe Gewicht, vor allem des Fünfsaiters, wird dem einen oder der anderen zu viel sein – aber vielleicht ist das und die etwas schlappe H-Saite ja auf mein Testinstrument beschränkt. Auch deshalb, wie immer, zum persönlichen Antesten empfohlen!

⊕ Plus

  • Sound
  • Pickups
  • Bespielbarkeit
  • Tonblende
  • Optik

⊖ Minus

  • Gewicht (vor allem JB 5)
  • Bearbeitungsspuren im Binding
  • H-Saite Testbass

(erschienen in Gitarre & Bass 03/2026)

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