Modeler meets IR-Loader

Test: Boss IR-200

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(Bild: Dieter Stork)

Boss hat die Module seiner 200er-Serie im Funktionsumfang zwischen konventionellen Pedalen und der Modellreihe 500 platziert, die mit vorinstallierten und speicherbaren Algorithmen daherkam. Das neue IR-200, das weder große noch kleine Geschwister hat, ist aber auch durchaus multifunktional.

Im robusten Metallgehäuse mit Display und üppiger Schnittstellenausstattung vereint das IR-200 Amp-Modeler für Gitarre und Bass, eine doppelte Boxensimulation mit Equalizern und Nachhall. Dazu kann das Gerät als Audio-Interface und Reamping-Box fungieren.

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ERSTKONTAKT

Das optisch ansprechende, angeschrägte Gehäuse in Metallic-Grau bietet neun Regler, vier davon als gerasterte Encoder mit Push-Funktion unter dem Display und zwei ergänzende Tasten. Sämtliche Anschlüsse befinden sich an der Stirnseite und der linken Flanke. Die beiden leisen Fußtaster sitzen am abgewinkelten unteren Ende des Gehäuses.

Es gibt einen Eingang, Stereoausgänge und einen integrierten Loop mit Mono-Send- und Stereo-Returnbuchse (TRS). Hinzu kommen MIDI-Ein- und Ausgänge (3,5 mm, ohne Adapter), der Netzteilanschluss sowie links ein Aux Eingang, Kopfhörerausgang, USB und ein Eingang für zwei CTL-Fußtaster beziehungsweise ein Expression-Pedal.

(Bild: Dieter Stork)

SIGNALFLUSS

Das monophone Eingangssignal durchläuft eine Verstärkersimulation mit ergänzender Rauschunterdrückung. Die acht Verstärkermodelle für E-Gitarre und drei für Bassisten entstammen dem GT-1000. So findet man die Clean-Sounds Natural, JC-120 und Fender Twin Reverb. Vox AC30, Fender Bassman und Marshall Super Lead bringen Crunch, während X-Hi-Gain und Bogner Überschall für High-Gain sorgen.

Die Bassabteilung bietet ebenfalls eine sinnvolle Auswahl inklusive Ampeg-SVT-Emulation. Obligatorisch sind die Klang- und Pegelregler, wenn auch ein Presence-Parameter fehlt. Allerdings ist das Gain in je drei Stufen schaltbar und verpasst manchem Klassiker mehr Reserven. Hinzu kommt ein regel- und schaltbarer Solo-Boost.

Es folgt der Einschleifweg für externe Peripherie. Von hier geht es in die zentrale doppelte Lautsprechersimulation auf der Basis von Impulsantworten. Zur Erinnerung: Bei Impulse Responses, kurz IRs, werden mithilfe eines Messsignals die klanglichen Eigenschaften eines Raumes oder eines mikrofonierten Lautsprechers ermittelt und digital gesichert. Man darf sich das vereinfacht wie eine Tabelle mit Handlungsanweisungen vorstellen, mit deren Hilfe das Nutzsignal in Echtzeit im Frequenzgang umgeformt wird. Diese sogenannte Faltung ist rechenintensiv, liefert aber glaubhafte Ergebnisse. Unterstützt werden Dateien mit bis zu 500 ms und 96 kHz.

154 Lautsprecher, Gehäusetypen und Mikrofone von Boss und Celestion sind an Bord und können über 128 Slots für eigene IRs erweitert werden. Um die Flexibilität weiter zu erhöhen, lassen sich Boxenmodelle mischen, im Stereobild verteilen und gegeneinander verzögern.

Die folgende EQ-Sektion steht pro Kanal bereit und bietet wahlweise vier Bänder mit zwei parametrischen Mitten oder zehn grafische Bänder. Für einen Raumeindruck sorgt die Ambience-Sektion mit drei editierbaren Hallräumen (Room, Studio, Hall). Von hier gelangt das Stereosignal schließlich über einen weiteren globalen Stereo-Equalizer an die Ausgänge. Ein Aux-Eingang dient dem Einspeisen externer Signale in den Ausgangsbereich. Der USB-Strang erlaubt es, das Eingangssignal trocken aber auch bearbeitet abzugreifen. Für ein Reamping lässt sich ein Audiosignal aber auch in das IR-200 einspeisen.

ZIELGRUPPEN

Das IR-200 erfüllt diverse Aufgaben, so kann es zum Beispiel als Backend für das Pedalboard fungieren: An die Stelle eines Verstärkers oder einer Box tritt die digitale Simulation essenzieller Verstärkermodelle und etlicher Boxen, wodurch man bequem und lärmfrei Aufnahmen machen oder den Saalmischer beim Gig erfreuen kann – dank getrennt adressierbarer Boxensimulationen und Ausgänge sogar gleichzeitig.

Ebenso ist es möglich, das Pedal in Kombination mit anderen analogen oder digitalen Geräten oder gar Röhrenvorstufen zu kombinieren. Prinzipiell kann man das IR-200 auch mit einem Vollverstärker kombinieren, sofern dieser an einer Last betrieben wird.

Darüber hinaus ist das IR-200 ein praktisches Sicherheitsnetz im Tour-Alltag, eine Proberaumlösung mit Kopfhörer und Aux-Eingang und ein mögliches Reamping-Werkzeug. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, lassen sich die Verstärker sowie die Cabinet- und Ambience-Sektionen einzeln aus dem Signalweg schalten. Hinzu kommt der Einschleifweg, über den sich Peripheriegeräte in den Signalweg integrieren lassen.

PRAXIS

Das IR-200 gestattet eine geradlinige Nutzung der Hauptfunktionen über die Bedienelemente. Per Knopfdruck verzweigt man in die Bereiche Amp, Cabinet oder Ambience, um diese Sektionen dann über das Display und die Encoder zu editieren. Dabei stehen mehreren „Pages“ an Bedienoberfläche bereit, der Verstärkersektion hat man ergänzend sogar eine eigene Reglerreihe spendiert.

Hinzu kommen eine erweiterte Editier-Ebene, die sich der Rauschunterdrückung, den Equalizern oder getrennten Kanalkonfigurationen widmet sowie die übergreifenden Funktionen. Hier lassen sich die Ein- und Ausgänge an die Anwendung anpassen, aber auch die Pedale und MIDI-Funktionen. Insbesondere bei den Impulsantworten muss man mitunter weit scrollen. Daher lassen sich bevorzugte Boxen als Favoriten kennzeichnen. Einen Editor gibt es nicht, dafür aber eine simple Software zum Verwalten und Bestücken der Impulsantworten auf dem Gerät.

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