Der kleine große Unterschied

Taylor 712e 12-fret im Test

In Ausgabe 11/2016 haben wir ausgiebig die neu überarbeitete 700er-Serie von Taylor beleuchtet, und am Beispiel der 710e gezeigt, wie detailverliebt Masterbuilder Andy Powers vorgegangen ist.

(Bild: Dieter Stork)

 

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Nun flattert uns hier die 712e 12-Fret ins Haus, die in fast allen wesentlichen Merkmalen mit der 710 übereinstimmt. Einerseits will man das nicht alles nochmal komplett durchkauen, andererseits will man es sich aber auch nicht entgehen lassen, eine so schöne Acoustic unter die Lupe zu nehmen.

Ein Dutzend gute Bünde

Auch dieses Taylor-Modell ist wieder ein Paradebeispiel für „Tradition trifft auf Moderne“. Einerseits finden wir hier Merkmale, die schon einem Robert Johnson vertraut waren, andererseits haben wir es mit hochmodernem Gitarrenbau zu tun.

Diese Grand-Concert-Steelstring ist eine zierliche Erscheinung – das liegt an der schlanken Taille des Korpus und natürlich am Hals, der am 12. Bund angesetzt ist. So ein 12-Fret-Hals verändert alles: die Gitarre ist zunächst einfach mal kürzer als ein „normales“ 14-Bund-Modell. Das bringt eine angenehme Kompaktheit mit kürzeren Wegen für die linke Hand, die bei einem F-Barré-Akkord deutlich weniger verrenkt werden muss. Auch die kürzere Mensur verändert die Spielbedingungen – die Finger müssen weniger gespreizt werden, der Saitenzug ist etwas geringer und erleichtert Bendings. Andererseits bringt diese Konstruktion ohne Cutaway und mit lediglich 18 Bünden natürlich klare Einschränkungen beim Solieren – bringt einen vielleicht aber auch auf neue Ideen, wie man die ersten 12 Bünde effektiv(er) nutzen könnte. Kreativität durch Beschränkung. Noch ein wichtiger Unterschied in Konstruktion und Statik liegt in der Position des Steges. Er wurde weiter nach hinten gesetzt, schön mittig zwischen Schallloch und hinterer Zarge. Das hat klare Auswirkungen auf den Grundklang der Gitarre, die so, trotz des kleinen Bodys, ordentlich Volumen, Punch, Wärme und Bassanteile mitbringt. Jetzt aber noch zur Kopfplatte. Sie ist geschlitzt, eine Fensterkopfplatte, und trägt natürlich auch zur „leichten“ Gesamterscheinung der 712e bei. Die Ausführung ist meisterlich, super-sauber, eine Augenweide. Und trotz des wenigen Materials an dieser Stelle, ist es gelungen, dort den Zugang zum Halsstellstab zu platzieren und mit einem schmalen Ebenholz-Cover elegant abzudecken.

Spiel-Platz

Wie die 712 auf dem Schoß liegt – eine total relaxte Sache. Der mattierte Hals ist griffig und liegt mit seinem V-Profil gut in der Hand. Bei den ersten Akkorden überrascht die kleine Taylor mit einem voluminösen Klang voller Strahlkraft. Der Sound kommt abgehangen wie bei einer lange eingespielten Lieblingsgitarre zu Gehör. Trockene Bässe mit Charakter, angriffslustige Mitten, und angenehme Höhen fügen sich zu einem bärenstarken Gesamtsound, der dank großer Dynamik- Range, sensibler Ansprache und reichlich Sustain Stil, Eigenart und Idee des Spielers optimal umsetzt. Ob dabei Fingerkuppe, Metall-Picks oder ein tough gespieltes Plektrum zum Einsatz kommen – die Taylor nimmt es gelassen und lässt sich klanglich nicht aus der Bahn werfen. Über PA muss man etwas mit den Bässen aufpassen, ich hatte schon Feedbackunempfindlichere Gitarren zum Test.

Resümee

Tolle Gitarre! Kompakt, klangstark, wunderschön designed, makellos verarbeitet und eingestellt, 1A-Koffer ist auch dabei – man will sie nicht mehr aus der Hand legen.

Plus

  • Design, Hölzer, Hardware
  • penibel perfekte Verarbeitung
  • Bespielbarkeit, Handling
  • Ansprache, Dynamik, Sustain
  • kraftvoller Charakterklang

Aus Gitarre & Bass 03/2017

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