(Bild: Jason Rosewarne)
Adam Miller zu seinem Signature Model
Adam, wie hast du zum ersten Mal von Nik und seinen Gitarren gehört?
Vor über 20 Jahren habe ich in einem US-Magazin einen Test über eine Nik-Huber-Redwood gelesen. Das Design hat mich so umgehauen, dass ich das Foto ausgeschnitten und an meine Wand gehängt habe! Auf der NAMM 2010 habe ich Nik dann endlich kennengelernt und zum ersten Mal eine Redwood in den Händen gehalten – ich hab stundenlang unplugged draufgespielt und sie einfach nicht mehr loslassen wollen.
Soweit ich weiß, hast du schon einmal ein Rietbergen-Modell gespielt, oder?
Meine erste Nik-Huber-Gitarre habe ich 2017 bekommen – eine Redwood Rietbergen mit Gold-Foil-Pickups. Ich liebe, wie sie im Sitzen auf dem Schoß liegt, und sie ist schlicht eine spektakuläre Gitarre. Ich wollte damals, dass sie fast wie eine riesige Tele klingt – und irgendwie tut sie das auch!
Foto: Jason Rosewarne
War es dein Ziel, eine halbakustische Gitarre mit besonderen Eigenschaften zu entwickeln – und hattest du eine konkrete Vorstellung davon, wie das aussehen sollte?
Das neue Instrument sollte vor allem kleiner sein – leichter zu reisen damit, und noch akustischer als die Rietbergen. Die Idee war, Archtop-Elemente in ein kompakteres Design zu bringen. Sie ist deutlich hohler: Der Block reicht nur vom Halsansatz bis zum Steg, dahinter bis zum Saitenhalter ist sie komplett hohl.
Der Trapez-Saitenhalter aktiviert die Decke stärker, und der Steg mit Nylonsätteln überträgt die akustische Resonanz besser auf den Korpus. Der Ton hat dadurch mehr Fleisch am Knochen.
Welche konkreten Vorstellungen hattest du bei Holz, Hardware und Elektronik?
Mahagoni-Korpus und Redwood-Decke, genau wie bei meiner Rietbergen – Redwood ist einfach ein fantastisches Holz, um akustische Qualitäten in eine E-Gitarre zu übertragen. Ich wollte einen geschraubten Ahornhals mit Palisandergriffbrett, um sowohl an Fender als auch an akustische Archtops anzuknüpfen – das macht die Gitarre meiner Erfahrung nach etwas direkter in der Ansprache. Offene Mechaniken sehen gut aus und halten das Gewicht niedrig.
Das Schlagbrett war mir wichtig für die optische Balance – und ja, es sieht einfach cool aus. Und keine Korpuskonturen: Ich nutze den Hals ständig fürs Vibrato und brauche eine klare Kante unter Arm und Rippen, damit das mühelos funktioniert.
Waren die Kloppmann-Tonabnehmer von Anfang an die Wahl – und warum Mini-Humbucker?
Die Gitarre sollte auf jeden Fall Mini-Humbucker bekommen, oder etwas in Richtung Firebird-Pickups. Ich liebe diesen Mittelweg – je nach Anschlag klingt das mal nach Single-Coil, mal nach PAF. Ehrlich gesagt waren die Pickups, die ich ursprünglich vorgesehen hatte, noch nicht fertig, als die Gitarre fertig war.
Nik hatte die Kloppmanns im Laden, wir haben sie eingebaut – und sie klangen fantastisch. Ich hab später trotzdem noch die anderen Pickups ausprobiert und danach die Kloppmanns wieder reingeschraubt. Die waren einfach die richtige Wahl.
Du verzichtest auf einen Tonregler – ich nehme an, du magst es lieber direkt?
Ich hab einen Tonregler eigentlich noch nie wirklich benutzt und finde, der Klang ist klarer ohne ihn. Dafür verwende ich ein 250k-Poti ohne Treble-Bleed – das rollt die Höhen beim Runterdrehen der Lautstärke ganz organisch ab. Auf etwa 8 hab ich dann diesen klassischen Archtop-Sound, den ich liebe.
Ich bin seit so vielen Jahren Akustikgitarrist – für mich war immer klar: Der Ton sitzt in den Händen.
Was unterscheidet dieses Instrument von deinen bisherigen Gitarren?
Es ist eine Verschmelzung der Gitarren, die mich am meisten geprägt haben. Die besten Seiten meiner Rietbergen, meiner Thinline-Tele und meiner Archtops – in einem Instrument.
Wie würdest du die Gitarre beschreiben, und was bedeutet sie dir?
Sie klingt sofort holzig und warm, aber wenn man Höhen und Gain aufdreht, kann sie auch richtig rocken. Sie ist unglaublich leicht, und man nimmt sie in die Hände und will sofort spielen. Ich hatte konkrete Vorstellungen davon, was ich wollte – aber ich merke, dass die meisten Musiker, die sie gespielt haben, sie als eine Art leere Leinwand erleben. Man kann damit alles machen.
Beeinflusst sie dein Spiel?
Sie lässt mich das Instrument vergessen – im besten Sinne. Ob Solo-Konzert, Trio oder Rock-Gig als Sideman: Sie funktioniert einfach. Mein Spiel ist dadurch freier geworden, ich denke während des Auftritts weniger über meinen Sound nach. Und ich spiele seitdem cleaner – ich brauche das Overdrive nicht mehr, um meinen Ton zu finden.
Wird man dich bald in Deutschland sehen?
Beim Guitar Summit 2026! Und auf weiteren Touren 2027!
(erschienen in Gitarre & Bass 09/2026)