(Bild: Dieter Stork)
Manchmal ist es schwierig, das Besondere in einer Gitarre zu finden und herauszustellen. Hier war es leicht!
Und, um die Katze gleich aus dem Sack zu lassen: Diese beiden Baton Rouge Modelle sind die ersten Steelstrings mit einem Cole Clark Pickup-System … außerhalb einer Cole Clark Gitarre. Das ist wirklich interessant und macht neugierig, denn der renommierte australische Hersteller bezeichnet seinen Tonabnehmer in aller Bescheidenheit als „the world’s most natural sounding pickup“. OK, das ist ‘ne Ansage! Aber grundsätzlich geht es hier natürlich erstmal um Baton-Rouge-Gitarren – und ein Pickup ist schließlich auch nur so gut, wie die Klampfe, in der er verbaut ist.
THE MAKING
Die Modellbezeichnungen wirken zunächst etwas kryptisch, sie erklären aber ganz gut die Basics.
Bei der X21S/FJEC-SSC steht das S für Spruce und somit für die Decke aus massiver deutscher Fichte. FJ (Flatcut Jumbo) beschreibt die Korpusform mit flach-rundlichem Cutaway. EC steht hier nicht für Eric Clapton, sondern für Elektronik von Cole Clark. Am Schluss wird mit SCC das Finish „Screwed Charcoal Satin“ benannt. Wir haben hier also eine Jumbo Steelstring mit massiver Fichtendecken und Zargen und Boden aus Ahorn. Der Mahagonihals ist am 14. Bund angesetzt und trägt ein Griffbrett aus Ovangkol – auch der Steg ist aus diesem Holz gefertigt.
20 Bundstäbchen sind ins Griffbrett eingesetzt, beim Polieren der Bünde und dem Rundfeilen der Bundenden wäre noch ein bisschen mehr drin gewesen. Die Saiten laufen bei einer Mensur von 630 mm über Stegeinlage und Sattel aus Knochen zur Kopfplatte mit offenen Mechaniken. Die kleinen stylischen Butterbean-Stimmwirbel sind matt verchromt … sieht cool aus.
Zwei Besonderheiten beim Hals sind noch zu erwähnen. Erstens: Mit einer Breite von 46 mm am Sattel bietet er komfortabel viel Platz für saubere Fingersätze. Zweitens: Das sehr dünne Mattfinish der Halsrückseite ist in die tieferen Poren eingesunken. Das erzeugt ein nicht ganz so smoothes Spielgefühl für den Daumen … leicht gewöhnungsbedürftig.
Die X61C/FJEC-N hat die gleiche Korpusform, die Decke ist allerdings aus massiver kanadischer Zeder mit Natural Finish, Boden und Zargen sind hier aus „Exotic Mahogany“. Steg und Hals sind aus den gleichen Hölzern wie bei der X21, aber: das Griffbrett ist mit 43 mm am Sattel deutlich schmaler und die Mensur beträgt hier 650 mm.
(Bild: Dieter Stork)
Die spannendste Gemeinsamkeit der beiden Probanden ist dann das Pickup-System von Cole Clark. Es hat die Bezeichnung PG3MK2. Der Erfinder/Entwickler Paul Gale stellt hier tatsächlich drei verschiedene Klangquellen zur Verfügung, die sich frei kombinieren und mischen lassen. Da ist der sechsteilige Piezo unter der Stegeinlage, ein Face-Sensor innen an der Decke und ein Kondensator-Mikrofon. Der Piezo liefert den klanglichen Hauptanteil, die Stärke liegt hier in der Feedback-Unempfindlichkeit.
Als Minuspunkte stehen immer eine gewisse Härte und Unnatürlichkeit zu Buche. Da kommt dann der Face-Sensor ins Spiel, der natürliche Mitten beisteuert, ohne die Rückkopplungsgefahr nennenswert zu erhöhen, und der die Decke besonders für perkussive Spielweisen empfänglich macht. Für das letzte Quäntchen Naturklang fügt das Mikrofon Höhen oberhalb der beiden anderen Klangquellen hinzu, und sorgt für „Atem“ und „Luft“ im Sound-Gefüge. Zur Klangabstimmung stehen ein (Master)-Volume-, ein Blend-, und ein Mic-Regler zur Verfügung.
Außerdem gibt es Fader für Treble, Mid und Bass, die in neutraler Mittelstellung leicht einrasten. Unten auf der Zarge finden sich Klinke-Output und Batteriefach. Die beiden Test-Gitarren haben keinerlei Gurtpins, die werden aber laut Vertrieb bei den Serien-Modellen dann installiert sein.
Praxistest und Resümee auf Seite 2 …
(Bild: Dieter Stork)
PLAYTIME
Mit ihren tief geschnittenen Taillen liegen die kleinen Jumbo-Steelstrings gut fixiert und ausbalanciert auf dem Schoß des Spielers. Die Halsrückseite ist – wie schon erwähnt – aufgrund der Mini-Krater durch eingesunkenen Lack gewöhnungsbedürftig und nicht so mein Ding. Bin ich da vielleicht zu zimperlich … ?
Bei der X21 wird die Hand Dank des breiteren Griffbretts natürlich besonders gut gefüllt. Fühlt sich stabil und erwachsen an. Der Hals der 61er kommt schlanker daher, dafür fühlt sich alles etwas tighter an, was der längeren Mensur zuzuschreiben ist.
Beide BRs liefern ungemein frische klare vollmundige Klänge mit sattem Sustain und toller Dynamik. Es gibt kleine Unterschiede in Sound und Spielgefühl, es gibt aber kein besser oder schlechter. Die beiden Modelle sind jedes für sich absolut stimmig – was man da bevorzugt, ist reine Geschmackssache.
Die lange Mensur der X61 gibt eine gute Straffheit und Twang auf den Basssaiten bei kräftigem Strumming und bei Solos. Das breitere Griffbrett und der geringere Saitenzug der X21 fühlen sich bei Fingerstyle richtig gut an.
So, jetzt wollen wir aber wissen, ob das Cole Clark System seine vollmundigen Versprechen halten kann. Kabel rein! Ich stelle den Piezo/Face-Blender erstmal auf Mitte, das Mikro mit halber Kraft dazu … und habe gleich mal einen quicklebendigen Acoustic-Sound vom Feinsten am Start. Alle Achtung!
Ich reduziere das Ganze mal bewusst nur auf den Piezo und habe immer noch eine beachtlich gute Klangausbeute, die sich ja auch noch mit den sehr effektiven Klang-Fadern abstimmen lässt. Den Unterschied machen aber die beiden anderen Sound-Lieferanten. Wenn man dem Face-Sensor mal die Vorfahrt gibt, werden die Baton Rouge zu Percussion-Instumenten – die Decke lebt. Das Hinzumischen des Mikros wirkt eher dezent, ist aber sehr effektiv beim Beleben des Sounds, der dann richtig atmet.
RESÜMEE
Zwei tolle Gitarren mit Drang zur Bühne. Wenn man sich anschaut, was hier zu UVPs von € 629 bzw. € 659 geboten wird, muss man von einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis sprechen. Die Gitarren liefern jeweils einen eigenständigen Grundklang und das Spielgefühl unterscheidet sich auch individuell. Ich weiß nicht, ob der Cole Clark Pickup der am natürlichsten klingende der Welt ist, aber er klingt verdammt gut und … ja, unheimlich natürlich und lebendig. Baton Rouge könnte mit diesen gelungenen Gitarren die Mittelklasse richtig aufmischen. ●
Plus
- Design
- Verarbeitung, Werkseinstellung
- Hardware
- Pickup-System
- kraftvoller A-Sound
- besonders natürlicher E-Sounds
Minus
- Halsrückseite sehr offenporig
- keine Gurtpins (wird behoben)
Übersicht
| Fabrikat |
Baton Rouge |
Baton Rouge |
| Modell |
X21S/FJEC-SCC |
X61C/FJEC-N |
| Typ |
Flatcut Jumbo Steelstring |
Flatcut Jumbo Steelstring |
| Herkunftsland |
China |
China |
| Mechaniken |
offen, Matt Chrom |
offen, Matt Chrom |
| Hals |
Mahagoni |
Mahagoni |
| Sattel/Stegeinlage |
Knochen |
Knochen |
| Griffbrett/Steg |
Ovangkol |
Ovangkol |
| Radius |
16″ |
16″ |
| Halsform |
C-Profil |
C-Profil |
| Halsbreite |
Sattel 46 mm |
Sattel 43 mm |
| Halsdicke |
I. 21,5 mm; V. 22,2 mm |
I. 21,0 mm; |
| Bünde |
20 |
20 |
| Mensur |
630 mm |
650 mm |
| Korpus |
Ahorn, gemasert |
Exotic Mahogany |
| Decke |
deutsche Fichte, massiv |
kanadische Zeder, massiv |
| Oberflächen |
Satin |
Satin |
| Finish |
Screwed Charcoal Satin, offenporig |
Natural Archaic Dark Brown, offenporig |
| Elektronik |
Cole Clark PG3MK2 |
Cole Clark PG3MK2 |
| Gewicht |
2,0 kg |
1,9 kg |
| Lefthand |
nein |
nein |
| Zubehör |
Inbusschlüssel |
Inbusschlüssel |
| Netz |
batonrougeguitars.com |
batonrougeguitars.com |
| Preis (UVP) |
€ 629 |
€ 659 |
(erschienen in Gitarre & Bass 06/2026)