E-Gitarren-Legende aus den 80er-Jahren

Music Man Silhouette Special

Music Man Silhouette Special

Kaum zu glauben, aber um einen G&B-Test einer Music Man Silhouette zu finden, muss man ganz tief ins Archiv eintauchen: im September 1988 wurde der übrigens erste und bislang einzige Test dieses Gitarrenmodells veröffentlicht. Da wurde es aber allerhöchste Eisenbahn, dass wir die 2006er Special-Version dieses Arbeitstiers unter die Lupe nehmen. 

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Die Firma Music Man wurde 1972 von keinem Geringeren als Leo Fender, Forrest White und Tom Walker gegründet. Ernie Ball, der 2004 nach langer Krankheit starb, etablierte sie nach der Übernahme 1984 dauerhaft. Sein Sohn Sterling Ball blieb der Maxime seines Vaters treu, keine MM-Budget-Gitarren außerhalb der USA fertigen zu lassen. Die Silhouette Special, 1995 eingeführt und seither bevorzugt als Basis für Music-Man-Signature-Modelle verwendet, ist eine Weiterentwicklung der Silhouette, die heuer ihren 20. Geburtstag feiert.

Dass das klassische Konzept der Fender- Strat noch deutlich optimiert werden konnte, beweist unsere Testgitarre in etlichen Punkten. Neben der gewohnten Armauflage und dem rückseitigen Rippenspoiler peppen zusätzliche Facetten die Optik deutlich auf. Der tief ausgeschnittene untere Cutaway resultiert aus der großflächigeren Halsaufnahme, die ob ihrer präzisen Fräsung und Fünffach-Verschraubung die Stabilität wie auch die Schwingungsübertragung beträchtlich erhöht. Auf der Korpusrückseite deckt eine aufgesetzte Kunststoffplatte die Federkammer des Vibratos ab, ein Schnellwechselfach beherbergt die 9-Volt-Batterie, die die aktive Silent-Circuit-Brummunterdrückung speist. Näheres dazu später.

Die Schaltung findet an der Schlagplatte Halt, die Klinkenbuchse per Montageblech an der Zarge. Mittelgroße Knöpfe bieten dem Gurt ausreichenden Halt. Als eine Art Blau-Grau-Metallic würde ich die Carbon-Blue-Pearl-Lackierung des Korpus bezeichnen, die perfekt ausgeführt und spiegelglatt poliert wurde. Der weit in den Korpus ragende Hals erscheint kürzer als beispielsweise der einer Strat. Daraus resultiert eine Mensurverschiebung, durch die das MM-Vintage- Vibrato entsprechend umgesiedelt werden musste. Damit sich die höchsten Lagen mühelos bespielen lassen, hat man den Übergang zum einteiligen Ahornhals mitsamt des Konterblechs ergonomisch verrundet.

Eine Scheibe mit Querbohrungen, die zwischen Griffbrettende und Hals- Pickup freiliegt und ohne Spezialwerkzeug auskommt, bildet den Kopf des Teflonbeschichteten Justierstabs. Auf dem Palisandergriffbrett tummeln sich 22 mit flacher Wölbung abgerichtete, vorbildlich polierte Medium-Bünde. Nichts hemmt den Spielfluss – Komfort pur. Auf dem Spielfeld und an der oberen Kante markieren dezente Punkte die Lagen. Erst bei genauem Hinschauen erkennt man die längenkompensierenden Kerben des optimal aus- und abgerichteten Sattels. Music Man bietet diese Variante des Buzz-Feiten-Prinzips bei allen Modellen serienmäßig an und erzielt damit eine optimierte Oktavreinheit. Da der Halsjustierstab am Griffbrettende zugänglich ist, konnte am Übergang zur Kopfplatte auf die schwächende Bohrung verzichtet werden.

Der markante MM-Minikopf ist stabile 15 mm dick und mit präzise arbeitenden Schaller-Locking-Mechaniken in 4/2-Anordnung ausgestattet, deren kurze Beinwellen Stringtrees überflüssig machen. Das hauseigene Vintage-Vibrato hängt an zwei höhenjustierbaren Schraubbolzen. Die Grundplatte hat man zweifach gewinkelt, um der Spielhand eine komfortablere, parallel zur Decke liegende Auflage zu bieten. Mit Ausnahme des massiven Messingblocks bestehen alle Komponenten aus hochwertigem Stahl. Der Hebel wird gesteckt, sitzt absolut spielfrei und ist hinsichtlich der Höhe variabel. Bei der bereits herstellerseitig vorbildlich eingestellten Gitarre liegt die Vibratoplatte auf der Korpusdecke auf. Music Man bietet die Silhouette Special wahlweise mit HH- oder HSS-Pickup- Bestückung an, in jedem Fall handelt es sich um DiMarzio-Custom-Wound-Modelle mit identisch langen Magneten.

Die Testgitarre verfügt über einen Steg-Humbucker und zwei Einspuler in der Mittel- und Halsposition, die der Fünfwegschalter folgendermaßen anwählt: Position 1: Hals-Singlecoil + Silent Circuit Position 2: Hals- + Mittel-Singlecoil Position 3: Hals-Singlecoil + Halsspule Humbucker Position 4: Mittel-Singlecoil + Stegspule Humbucker Position 5: Humbucker komplett Wie man sieht, ist der brummunterdrückende Silent Circuit exklusiv dem solobetriebenen Hals-Pickup vorbehalten, da alle anderen Spulenkombinationen nach dem Humbucker-Prinzip verschaltet sind. Sobald ein Stecker die Klinkenbuchse belegt, ist unabhängig davon welcher Pickup bzw. welche Spulenkombination aktiv ist, die Noise-Reduction in Betrieb, die die Batterie nur minimal belastet. Selbstverständlich funktioniert die Gitarre auch dann uneingeschränkt, wenn kein 9-Volt-Block eingelegt ist. In diesem Fall brummt der Hals-Pickup nur sehr dezent und wesentlich geringer als z. B. der einer Standard-Strat.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. In eurem Music Man Silhouette Test wird auf den ersten Test in der Ausgabe 09/1988 verwiesen. Im Archiv finde ich zwar die Ausgabe – darin jedoch nicht den Test zu einer Music Man Silhouette. Wie komm ich an den ran? 🙂

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    1. Hallo Andi,
      sorry für die Fehlinformation im Text, der Test befindet sich in der Ausgabe 05/1988 😉
      Beste Grüße aus der Redaktion
      Lukas

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