In jeder Hinsicht starker Amp mit eigener Note
Mini-Me: Peavey Super Festival F-1200B im Test
von Jogi Sweers, Artikel aus dem Archiv
BASS FROM BELOW 2026
Der F-1200B meldet sich zum Dienst mit einer klaren, aber dezenten Netzleuchte und einem hörbar anlaufenden Lüfter. Auf dieser Stufe läuft der Lüfter dann weiter. Ich finde ihn selbst zu Hause nicht unangenehm, bei Proben vergisst man ihn schnell. Mit dem Bass in Input 1 geht es mit dem Volume-Regler schon bis in kratzige Gefilde. Etwas zurückgenommen bietet der Amp einen satten, cleanen Ton mit leichter Härte in den Hochmitten. Das verleiht dem Ton feste Konturen und Durchsetzungsfähigkeit, ohne zu nerven. Für mich ist das klassischer Peavey-Ton, wie ich ihn als Jungspund kennengelernt habe. Der Dreiband-EQ arbeitet weniger interaktiv als der Tone Stack à la Fender, aber längst nicht so analytisch wie moderne Klangregelungen. Das gilt noch mehr für die folgende Klangregelung. Peavey empfiehlt (schon 1971), zunächst den Dreibänder zu nutzen und dann die Feinabstimmung zu machen. Das funktioniert gut: Von der nicht rastenden, gedachten Neutralstellung aus nimmt sie über weite Strecken eher dezent Einfluss auf den Sound. Auch hier ist eine gegenseitige Beeinflussung zu hören, die sich sehr musikalisch äußert.
Ebenfalls sehr musikalisch ist der Effekt, der sich vor allem bei den drei tiefen Bändern äußert: Kurz bevor der Regler voll aufgedreht ist, bekommt er nochmal einen deutlichen resonanten Schub. Das ergibt nicht nur charakterstarke Clean-Sounds, sondern ist für mich DAS Mittel, um den Overdrive richtig optimal zu nutzen. Abhängig vom per Volume eingestellten Gain, zieht der Overdrive dem Ton erstmal einen wärmenden Wollpullover über, der weiter aufgedreht zunehmend kratzig wird, um dann in fusseligem Fuzz zu enden. Während mich niedrigere Einstellungen mit ihrer Andickung sofort überzeugt haben, die den Bass sehr schön füllend und gleichzeitig präsent in den Bandsound einpasst, klang mir stärkere Verzerrung eher unangenehm – bis ich beherzt zum zweiten EQ gegriffen habe. 300 Hz voll auf Resonanz gedreht, Bässe angehoben und Höhen abgeschmeckt – schon habe ich einen für mich perfekten Zerrsound, der weder Fundament noch Definition vermissen lässt, obwohl es ganz old-school keinen parallelen Clean-Weg gibt. Macht richtig Laune, und solange es nicht komplett ins High-Gain geht, kommt auch der Charakter des angeschlossenen Basses noch rüber.
Dass der Overdrive per Fußschalter zu- und weggeschaltet werden kann, ist schön, aber nur in einem eher kleinen Einstellbereich im Low-Gain sinnvoll, die Lautstärkeunterschiede werden für meinen Geschmack sonst schnell zu groß. Wer den Amp nutzt wie Jesse Keeler von DFA 1979 sein altes Original, wird eh nicht schalten wollen … Nützlicher ist da schon die Möglichkeit, Mute und Effektweg zu schalten. Auch der Boost ist praxisnah: ein leichter Extra-Kick, keine Verdopplung der Lautstärke. Apropos Lautstärke: Während das Original für die damalige Zeit schon leistungsstark war, liefert der Nachfolger mit der Lockerheit modernen Endstufendesigns ab. Mit passenden Boxen (Peavey selbst hat eine 6×10” als Kompagnon im Programm) lassen sich problemlos Festivalbühnen füllen.
RESÜMEE
Die Liebe, die Peavey in die Abstimmung des ursprünglichen F-800B gesteckt hat, und die Liebe, die Peavey der Rekreation als Kompaktverstärker mit modernen Möglichkeiten und Leistungsausbeute in Kombination mit einer charakterstarken Vintage-Vorstufe hat zukommen lassen, machen den F-1200B zu einem Verstärker, der auf ganzer Linie überzeugt. Auch neutrale Klänge produziert der Amp ohne Probleme und ohne großes Geschraube, aber so richtig Gesicht bekommt er, wenn der EQ seine Eigenheiten ausspielen darf. Ob mit oder ohne Zerre, das Ergebnis ist ein in jeder Hinsicht starker Amp mit eigener Note. Zum Antesten für die nächste Festival-Saison empfohlen! ●
Plus
- Sounds
- Charakter
- Leistung
- Klangregelung
- Wiedergabe
- solide Bauweise
- Optik
- Anschlussmöglichkeiten

(erschienen in Gitarre & Bass 03/2026)
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