In jeder Hinsicht starker Amp mit eigener Note

Mini-Me: Peavey Super Festival F-1200B im Test

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(Bild: Peavey Electronics)

Ende der 60er Jahre brachte Ampeg mit dem SVT einen ewigen Meilenstein für die Bassverstärkung auf großen Bühnen auf den Markt. Schnell folgten andere Firmen mit eigenen Entwürfen, darunter Acoustic und Peavey. Beide setzten auf reichlich Leistung aus Transistoren statt Röhren.

Peaveys F-800B kam ca. 1971 als Teil der Super Festival Series auf den Markt. Damit war klar, wo die zukünftige Heimat des Amps gesehen wurde. Was damals sicher niemand geahnt hätte, ist eine Neuauflage, die nicht nur deutlich mehr Leistung bietet, sondern auch nur halb so breit und hoch ist wie das Original.

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Größenvergleich: Der altehrwürdige F-800B (unten) und sein geschrumpfter Klon F-1200B aus der Neuzeit (Bild: John Fields)

INDUKTION

Der Amp vermittelte mir bereits ein gutes Gefühl, bevor ich ihn überhaupt aus dem Karton genommen hatte. Warum? An irgendeinem Punkt meiner Tests konsultiere ich immer die Anleitung, um zu sehen, ob ich alles richtig dargestellt habe, oder sich am Gerät sogar etwas anders darstellt als dort beschrieben. Beim Peavey habe ich das Manual schon vorher gelesen und erheitert festgestellt, dass die Firma die Beschreibung aller Funktionen, die es beim Vorbild auch schon gab, aus dessen Anleitung kopiert hat – Wort für Wort, inklusive Tippfehlern. Und so wird der eingebaute Overdrive 2026 nochmal genauso als technische Errungenschaft gefeiert wie 1971. Sehr charmant!

Der ernstere Hintergrund ist, dass die Vorstufe in sehr weiten Teilen genau so ist, wie Hartley Peavey sie seinerzeit persönlich abgestimmt hat. Los geht das mit den beiden Inputbuchsen: Die obere ist die „normale“, die untere ist deutlich bedämpft, für Instrumente mit heftigem Output. Der Volume-Regler fungiert als Gain-Poti, Overdrive regelt die schon erwähnte Zerre dazu. Die nächsten Regler stellen eine Abweichung vom Vorbild dar. Die klassische Baxandall-Klangregelung mit Treble, Mid, und Bass gibt es bei beiden, den Master-Volume-Regler für die Endlautstärke nur beim Neuen. Dafür wurde der Slope-Drehschalter gespart. Der bot in drei Stellungen das volle Signal, oder Highpass-Filter bei 100 oder 150 Hz, die dröhnende Bühnen in den Griff bekommen sollten.

Der F-1200B ist fullrange eingerichtet, wer den Hochpass aktivieren möchte, kann das per Lötkolben im aufgeräumten Inneren tun. Nah am Original geht es dann weiter, mit einem weiteren 6-Band-EQ. Der bearbeitet den Sound ungefähr in Oktavschritten bei 100, 300, 600, 1200, 2500, und 5000 Hz. Er ist mit Spulen aufgebaut, was eine besondere und besonders musikalische Klangformung bieten soll – dazu gleich mehr. Die Vorderseite des Amps würde bassspielenden Zeitreisenden aus dem Jahr 1971 keine Rätsel aufgeben, die Rückseite dagegen … Ganz rechts sitzt der Netzanschluss samt Netzschalter, mit Sicherungshalter und Umschaltmöglichkeit auf 100-120V (mit dann zu tauschender Sicherung).

(Bild: Peavey Electronics)

Die beiden Neutrik-Speakon/Klinken-Kombibuchsen erlauben den Anschluss von Boxen runter bis vier Ohm – anders als das Original, das sogar noch an 1 Ohm betrieben werden durfte. Dafür liefert das Peavey-eigene (und auch bei Trace Elliot verwendete) Endstufenmodul 1200 Watt, wo der Urahn nur 400 Watt RMS freisetzte, und im Peak die namensgebenden 800 … damals eine Urgewalt. Unter der Überschrift „Patching“ gibt es einen seriellen Effektweg, der Post-EQ und Pre-Master liegt. Er ist im Level umschaltbar und kann sowohl Pedale als auch unempfindlichere Rackgeräte verarbeiten. Die Schleife daneben bietet den Preamp-Out, der vom Master abhängig ist, und den Power-Amp-In, der Post-Master direkt auf die Endstufe geht.

Die nächste Sektion wartet mit einem XLR-Ausgang auf, der per Schalter vor oder hinter den EQ gelegt werden kann, ein Ground-Lift hebt eventuelle Brummschleifen auf. Ein Tuner-Out gibt ein permanentes Direktsignal aus, während der 3,5 mm Kopfhöreranschluss das komplette Signal inklusive Effektweg abgreift und vom Master geregelt wird. Der Lautsprecherausgang wird dabei automatisch gemutet. Die erste von zwei Buchsen für optionale Doppelfußschalter kontrolliert einen weiteren Mute, der am Amp sonst nicht schaltbar ist, sowie einen Boost, der ebenfalls nicht am Amp schaltbar ist. Das zweite Doppel macht Overdrive und den Effektweg schaltbar.

Während der Kopfhörer-Out bereits deutlich macht, dass der Amp nicht nur für die große Bühne gedacht ist, unterstreicht der USB-C-Anschluss dies noch. Der Amp bringt tatsächlich sein eigenes Interface mit – allerdings nur als Output, einen Rückweg, über den man z.B. per Kopfhörer zu Musik vom Rechner/Tablet/Handy spielen könnte, gibt es nicht.

(Bild: Peavey Electronics)

Der ganze Amp ist in einen Holzkasten eingepackt, ganz wie früher, mit schwarzem Tolex und chromfarbenen Metallecken. Gummifüße sorgen für sicheren Halt, an einem etwas strammen Riemengriff ist der kompakte Amp gut tragbar. Leider gibt es auf der anderen Seite keine Gummifüße zum hochkant Abstellen, die hätten wahrscheinlich die Optik gestört. Das Ganze passt zwar nicht ins Gigbag, aber Gewicht und Größe sind definitiv Kompaktklasse.

Sound und Resümee auf Seite 2

BASS FROM BELOW 2026

Der F-1200B meldet sich zum Dienst mit einer klaren, aber dezenten Netzleuchte und einem hörbar anlaufenden Lüfter. Auf dieser Stufe läuft der Lüfter dann weiter. Ich finde ihn selbst zu Hause nicht unangenehm, bei Proben vergisst man ihn schnell. Mit dem Bass in Input 1 geht es mit dem Volume-Regler schon bis in kratzige Gefilde. Etwas zurückgenommen bietet der Amp einen satten, cleanen Ton mit leichter Härte in den Hochmitten. Das verleiht dem Ton feste Konturen und Durchsetzungsfähigkeit, ohne zu nerven. Für mich ist das klassischer Peavey-Ton, wie ich ihn als Jungspund kennengelernt habe. Der Dreiband-EQ arbeitet weniger interaktiv als der Tone Stack à la Fender, aber längst nicht so analytisch wie moderne Klangregelungen. Das gilt noch mehr für die folgende Klangregelung. Peavey empfiehlt (schon 1971), zunächst den Dreibänder zu nutzen und dann die Feinabstimmung zu machen. Das funktioniert gut: Von der nicht rastenden, gedachten Neutralstellung aus nimmt sie über weite Strecken eher dezent Einfluss auf den Sound. Auch hier ist eine gegenseitige Beeinflussung zu hören, die sich sehr musikalisch äußert.

Ebenfalls sehr musikalisch ist der Effekt, der sich vor allem bei den drei tiefen Bändern äußert: Kurz bevor der Regler voll aufgedreht ist, bekommt er nochmal einen deutlichen resonanten Schub. Das ergibt nicht nur charakterstarke Clean-Sounds, sondern ist für mich DAS Mittel, um den Overdrive richtig optimal zu nutzen. Abhängig vom per Volume eingestellten Gain, zieht der Overdrive dem Ton erstmal einen wärmenden Wollpullover über, der weiter aufgedreht zunehmend kratzig wird, um dann in fusseligem Fuzz zu enden. Während mich niedrigere Einstellungen mit ihrer Andickung sofort überzeugt haben, die den Bass sehr schön füllend und gleichzeitig präsent in den Bandsound einpasst, klang mir stärkere Verzerrung eher unangenehm – bis ich beherzt zum zweiten EQ gegriffen habe. 300 Hz voll auf Resonanz gedreht, Bässe angehoben und Höhen abgeschmeckt – schon habe ich einen für mich perfekten Zerrsound, der weder Fundament noch Definition vermissen lässt, obwohl es ganz old-school keinen parallelen Clean-Weg gibt. Macht richtig Laune, und solange es nicht komplett ins High-Gain geht, kommt auch der Charakter des angeschlossenen Basses noch rüber.

Dass der Overdrive per Fußschalter zu- und weggeschaltet werden kann, ist schön, aber nur in einem eher kleinen Einstellbereich im Low-Gain sinnvoll, die Lautstärkeunterschiede werden für meinen Geschmack sonst schnell zu groß. Wer den Amp nutzt wie Jesse Keeler von DFA 1979 sein altes Original, wird eh nicht schalten wollen … Nützlicher ist da schon die Möglichkeit, Mute und Effektweg zu schalten. Auch der Boost ist praxisnah: ein leichter Extra-Kick, keine Verdopplung der Lautstärke. Apropos Lautstärke: Während das Original für die damalige Zeit schon leistungsstark war, liefert der Nachfolger mit der Lockerheit modernen Endstufendesigns ab. Mit passenden Boxen (Peavey selbst hat eine 6×10” als Kompagnon im Programm) lassen sich problemlos Festivalbühnen füllen.

RESÜMEE

Die Liebe, die Peavey in die Abstimmung des ursprünglichen F-800B gesteckt hat, und die Liebe, die Peavey der Rekreation als Kompaktverstärker mit modernen Möglichkeiten und Leistungsausbeute in Kombination mit einer charakterstarken Vintage-Vorstufe hat zukommen lassen, machen den F-1200B zu einem Verstärker, der auf ganzer Linie überzeugt. Auch neutrale Klänge produziert der Amp ohne Probleme und ohne großes Geschraube, aber so richtig Gesicht bekommt er, wenn der EQ seine Eigenheiten ausspielen darf. Ob mit oder ohne Zerre, das Ergebnis ist ein in jeder Hinsicht starker Amp mit eigener Note. Zum Antesten für die nächste Festival-Saison empfohlen! ●

Plus

  • Sounds
  • Charakter
  • Leistung
  • Klangregelung
  • Wiedergabe
  • solide Bauweise
  • Optik
  • Anschlussmöglichkeiten


(erschienen in Gitarre & Bass 03/2026)

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