Schwarzer Geier

LTD Vulture James Hetfield Signature im Test

Obwohl Metallicas Rhythmus-Maschine James Hetfield ja eigentlich für seine langjährige Liebe zur Explorer-Form bekannt ist, sah man den Gitarristen auch immer mal wieder mit einer Flying V. Nur logisch, dass LTD ihm ein entsprechend geformtes Signature-Modell spendiert.

(Bild: Dieter Stork)

Die Vulture basiert natürlich ganz klar auf Gibsons fliegendem V, nur dass wir – ähnlich wie bei James’ erstem Signature- Modell, der LTD Snakebite – einige Veränderungen in der Form finden. Die Proportionen der beiden Flügel wurden verschoben, sodass sich ein asymmetrischer Look ergibt, der entfernt an das Randy-Rhoads-Signature-Modell von Jackson erinnert, wobei die LTD Vulture deutlich wuchtiger wirkt. Dem oberen Flügel wurde zudem ein großzügiges Shaping spendiert, was der Bespielbarkeit ungemein zugutekommt. Die gesamte Gitarre ist aus Mahagoni gefertigt, wobei den eingeleimten, dreistreifigen Hals ein dunkles Ebenholzgriffbrett ziert. Die 22 Extra Jumbo Bünde sind sauber abgerichtet; im zwölften Bund finden wir ein Logo in Form eines Geiers von – nun ja, man muss es mögen – seltener Schönheit. Der vom Hersteller als dünnes U-Profil beschriebene Hals liegt angenehm unauffällig in der Hand – gerade richtig, um für die allermeisten Gitarristen vollkommen problemlos bespielbar zu sein.

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Richtig Dampf unter der Haube: Das EMG Het-Set. (Bild: Dieter Stork)

Positiv fällt mir vor allem das geringe Gewicht von 3,2 Kilo auf. Angesichts des wuchtigen Erscheinungsbildes der Vulture, hätte ich da tatsächlich deutlich mehr vermutet. Eine absolute Besonderheit sind Hetfields EMG-Signature-Tonabnehmer. Hier haben wir es natürlich mit aktiven Pickups zutun, welche – basierend auf dem 85/60-Set – speziell nach den Wünschen des Metallica-Frontmanns entwickelt wurden. Die Elektronik ist denkbar einfach gehalten – mehr als ein Volumeund ein Tone-Poti, sowie den obligatorischen Toggle-Switch braucht es hier nicht. Passend zur matt-schwarzen Lackierung der Gitarre, ist auch die komplette Hardware inklusive der Locking- Mechaniken in der gleichen Farbe gehalten, was für ein stimmiges Gesamtbild sorgt. Akustisch angespielt fällt zunächst einmal die ziemlich hohe Saitenlage negativ auf, hier könnte der Hersteller ein wenig genauer in der Endkontrolle sein.

Kein großes Drama, nach ein wenig Feinjustage lässt sich das Brett völlig problemlos bespielen. Der Ton ist schön ausgewogen und hat ein knackiges, spritziges Attack und eine schnelle Tonentwicklung. Interessanterweise hatte ich den gleichen Eindruck bei der Ola Englund Solar V und tatsächlich fühlen sich die beiden Gitarren gar nicht mal so unähnlich an. Am Verstärker offenbaren sich dann doch erhebliche Unterschiede, was sicher auf die grundsätzlich verschiedenen Pickups zurückzuführen ist. Ziel bei der Entwicklung des EMG Het-Sets war es ja, einen Tonabnehmer mit viel Output und trotzdem hoher dynamischer Bandbreite bei allen Vorteilen des aktiven Systems zu konstruieren. Am clean eingestellten Amp fällt zunächst mal auf, dass die Dinger richtig Dampf machen – mein Test-Combo fängt sogar bei sehr wenig Gain an zu brutzeln.

Angenehm zu bespielen durch das großzügige Arm-Shaping. (Bild: Dieter Stork)

Im cleanen Betrieb gefällt mir vor allem die mittlere Pickup-Position besonders gut, die dezente Mittenauslöschung macht es einem ziemlich leicht, einen schimmernden und glockigen Ton zu erzielen. Spannend wird es natürlich im Zerrbetrieb. Tja, was soll ich sagen – ich bin ziemlich platt, wie gut sich die LTD Vulture hier schlägt – die verwendeten Pickups passen einfach super zu der Gitarre. Auf der Hals-Position erinnert mich der Ton ein wenig an den 66er-Pickup von EMG, nur dass mir die Hetfield-Version noch etwas brillanter erscheint. Singende Leadsounds macht dieser Tonabnehmer quasi von selbst. Auf dem Steg-Tonabnehmer gespielt, entpuppt sich die Gitarre als wahre Riff-Fabrik. Der Ton ist stramm im Attack, in den tiefen Frequenzen glasklar umrissen und mit einem tierischen Druck in den Mitten. Ich finde es toll, dass hier zwar kein Gematsche in den Bässen zu hören ist, der Ton aber dennoch genug Schub hat, um einem Metal-Riff die entsprechende Durchschlagskraft zu geben. Gerade für schnellere Thrash-Riffs, finde ich den Ton der LTD Vulture in Kombination mit dem EMG Het-Set überaus geeignet.


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Resümee

Für Metallica-Fans sowie Gitarristen, die auf der Suche nach einer modernen Interpretation der klassischen V-Form sind, dürfte die LTD-James-Hetfield- Signature-Gitarre auf jeden Fall spannend sein. Dazu kommt das angenehm geringe Gewicht und die wirklich sehr gut klingenden EMG-Pickups. Die bei unserem Testmodell etwas rustikale Saitenlage lässt sich im Zweifelsfall schnell korrigieren, ist aber angesichts des Preises trotzdem unschön. Bedenkt man, was der Markt in dieser Liga an Alternativen bietet, scheint mir der Bleistift bei der Preisgestaltung der LTD Vulture nicht ganz so spitz gewesen zu sein.

Internet: www.espguitars.com

Preis (UVP/Street): ca. € 1724/1449

Plus

  • Sound
  • Tonabnehmer
  • Gewicht
  • Verarbeitung

Minus

  • Saitenlage ab Werk

Aus Gitarre & Bass 12/2016

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