Kustom The Defender 5H & 1×12 im Test

Stack-Gitarrenverstärker von Kustom, schwarz

 

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Huuaah, wird das lustig oder gruselig? Plot des Krimis: Liliput-Stack becirct arglose Gitarristen mit unwiderstehlichem Botenstoff, die Zusammensetzung brisant, Vollröhre zum Dumping-Preis. Komplett nur € 245, die China-Connection macht’s möglich.

 

 

Konstruktion des Kustom The Defender 5H & 1×12

Ein stabiler Blechkasten in der Größe eines Schuhkartons. Lüftungsschlitze rundum, oben ein Tragegriff, innen sauber bestückte Platinen, zwei Trafos, eine 12AX7B fixiert von einer Blechhülse, eine EL84 mit Kathodenbias frei stehend, vorne lediglich ein Volume-Poti und der beleuchtete Netzschalter. Hinten die Netzbuchse sowie drei Lautsprecherausgänge mit vier, acht, und sechzehn Ohm. Fertig, mehr hat der kleine Amp nicht zu bieten. Noch reduzierter geht es kaum.

Vereinzelt preisen Fachhändler die komplementäre Box als Plywood-Konstruktion an. Das trifft nicht die Wahrheit. Nur die Speaker-Wand ist aus Schichtholz gefertigt, der Rest des hinten offenen und innen schwarz auslackierten Gehäuses besteht aus einem ockerfarbenen, in der Konsistenz relativ weichen Material, das in der Beschaffenheit eine Mischung zwischen Hartpapier und Pressspan zu sein scheint; kein Wunder, irgendwo muss der günstige Preis ja herkommen, wenn schon ein 12″-Lautsprecher mit 30 Watt Belastbarkeit und das optisch einwandfreie Finish mit Tolex, verchromten Metallecken und einer versenkten Anschlussplatte zu Buche schlagen. Die Verarbeitung des Amps und der Box ist einwandfrei. Der Speaker ist sogar an Einschlagmuttern befestigt.

 

Praxis

Zitat aus der Bedienungsanleitung: „Wegen der Einfachheit des Vollröhrenschaltkreises kann ein breites Spektrum an Klängen allein mit dem Volume-Regler erreicht werden.“ Kicher, erlesene Stilblüte mit paradoxem Inhalt.

Klar, so ist es eben genau nicht. Die Klangfarbe bleibt im Grunde immer gleich, es ändert sich nur die Zerrintensität. Das Spektrum reicht von relativ leisem Clean bis zu satt tragender, durchaus schon bühnentauglicher, lauter Distortion. Das fühlt sich in der Ansprache richtig gut an und klingt mit seinen heiseren Höhen und dem immer harmonischen Tonfall überraschend markant und gefällig. Trotz verhaltener Bässe für Blues und Artverwandtes eine ernstzunehmende Alternative.

Dieser positive Eindruck ergibt sich primär durch das Teamwork der beiden. Das 1×12-Cabinet verhält sich in den Höhen ausgesprochen mildtätig, wodurch die an anderen Boxen durchaus vernehmbaren harschen, bisweilen leicht penetranten Züge des Amps begradigt werden. So kann es dort oft angebracht sein, das Guitar-Tone-Poti ein wenig zurückzunehmen. Der Sound wird dadurch sofort runder, angenehmer, speziell wenn Vintage-Singlecoils an den Start gehen.

 

Resümee

Zwergenaufstand, das kleine Stack schindet mehr Eindruck als man erwarten konnte. Gemeinsam sind sie stark, der Ton hat mit seinen harmonischen Verzerrungen Kultur und formt sich spieltechnisch wie auch in der Ansprache recht günstig aus. Treten sie als Solisten auf, lassen die Dwarf-Defender absolut gesehen gewisse Schwächen erkennen, der Amp weniger als die Box, mit ihrer eingeschränkten Effizienz und dem etwas bulimischen Bass. Mit dem Blick auf die Preisschilder nivellieren sich die Mankos jedoch beträchtlich. Beide Geräte gibt es im Handel für unter € 100. Insofern ist das Duo empfehlenswert und sicher nicht überteuert.

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