Doppeltes Lottchen

E-BASS VERGLEICHS-TEST: Gibson Thunderbird 2014 VS & Epiphone Thunderbird Classic-IV PRO VS

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Gibson & Epiphone Thunderbird

Thunderbird Fans haben in diesem Jahr gleich doppelten Grund zur Freude: Nicht nur, dass Epiphone mit dem Classic-IV Pro eine äußerst attraktive Variante des Donnervogels im Programm hat, auch Gibson hat seinen Bestseller anlässlich des 120-jährigen Firmenjubiläums in einigen Details überarbeitet.

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Das Thunderbird-Design ist aus der heutigen Basslandschaft nicht mehr wegzudenken, seine eigentliche Erfolgsstory begann jedoch erst Jahrzehnte nach dem Erscheinen des Ur- Models von 1963. Durch den anfangs mäßigen kommerziellen Erfolg konnte sich keiner der frühen Donnervögel länger als 3 Jahre im Katalog halten und erst der 1987 neuaufgelegte Thunderbird IV schaffte es, sich längerfristig (bis heute) zu etablieren. Dabei hatte der Bass im Laufe der Jahre immer wieder Veränderungen auf allen Ebenen erfahren: Konstruktion, Hardware, Pickups: kein Stein blieb auf dem anderen. Heute steht Gibsons Klassiker mit seiner kultigen Optik vor allem für einen schubstarken Ton, den nun auch der US-Pickup-bestückte Epiphone Thunderbird Classic-IV Pro umzusetzen verspricht. Fast € 1300 günstiger als der amerikanische große Bruder, scheint man mit dem Indonesier ein echtes Schnäppchen zu machen. Der direkte Vergleich soll zeigen was wirklich dran ist.

Das Herzstück beider Testkandidaten bildet zweifelsohne die Voll-Mahagoni-Konstruktion mit durchgehendem Hals und angeleimten Korpusflügeln. Das Korpus-Mittelstück ist auf Vorder- und Rückseite Relief-artig abgesetzt und damals wie heute setzen Gibson, und mit dem Classic-IV Pro nun auch Epiphone, auf ein 9-streifiges Mahagoni/ Nussbaum Laminat. Zwar verleiht die zusätzliche Steifheit dem Jazz-Bassmäßig schmalen Hals eine gewisse Stabilität, sturzresistent macht sie ihn jedoch keinesfalls – sieht man doch regelmäßig TBirds mit heftigen Kopfplattenbrüchen. Ohne den direkten Vergleich kaum zu bemerken, ist beim Epiphone das Cutaway um etwa eine Bundlänge tiefer ausgeschnitten, außerdem weicht der Korpus an verschiedenen Stellen minimal von den Proportionen des Originals ab. Die Unterschiede sind wirklich äußerst subtil, erschweren in ihrer Summe jedoch die Koffersuche beim Classic- IV Pro.

Korpusrückseite des Thunderbirds
Das Hals-Mittelstück besitzt eine höhere Stärke als die angeleimten Korpusflügel.

Auf beiden Bässen beherbergt ein Palisandergriffbrett 20 auf Hochglanz polierte und einwandfrei verrundete Medium- Jumbo-Bünde. Der Gibson fällt hier nicht nur mit ansprechender Maserung und schickem 120th-Anniversary-Inlay auf; seine Bünde sind neuerdings auch kryogenisch behandelt, was die Lebensdauer um das etwa Vierfache erhöhen soll. Ebenfalls neu für 2014 ist Gibsons TekToid Sattel. Wo beim Epiphone schnödes Plastik die Saitenführung übernimmt, verspricht das neu entwickelte Material vor allem verbesserte Gleit- und Resonanzeigenschaften sowie Stimmstabilität. Mit der Thunderbird Neuauflage von ‘87 wurde im Kampf gegen die Kopflastigkeit erstmalig die Kopfplatte verkleinert und mit leichten, geschlossenen Mechaniken versehen. So auch bei unseren Testbässen. Beim Gibson trifft man auf schwarze Marken-Mechaniken aus dem Hause Grover, der kleine Bruder kommt mit durchaus vertrauenerweckenden No-Name-Aggregaten aus. Thunderbird-typisch ist bei beiden Modellen das schwarze Kopfplatteninnere reliefartig hervorgehoben, wobei die USA-Variante erneut Liebe zum Detail beweist und mit dem klar lackierten Außenrand einen geschmackvollen Kontrast schafft.

Gibson Thunderbird Kopfplatte
Die Kopfplattenoberfläche ist reliefartig hervorgehoben.

Generell sind die Lackierungen der beiden Instrumente sehr unterschiedlich, wenn auch durchweg auf hohem Niveau: wie alles unter dem Namen Gibson USA kommt auch der 2014 T-Bird mit einem dünnen, makellos aufgetragenen Nitrocellulose-Lack. Sein Vintage Sunburst wirkt insgesamt etwas originalgetreuer, verglichen mit dem leuchtstärkeren, leicht orange geratenen Poly-Finish des Epiphones – letztendlich natürlich aber alles eine Frage des Geschmacks. Mehr Streitpotential als das Finish bietet ohnehin die Tune-o-matic-verwandte, und in vielen Augen veraltete 3-Point Bridge. Das in der Justage etwas fummelige Stück Hardware ist gewissermaßen Brücke und Tailpiece in einem und lässt sich entsprechend nur als Ganzes in der Höhe verstellen. Ungeachtet des vielerorts schlechten Rufs, erlaubt das alte Brückendesign mit seinen dem Griffbrettradius angepassten Reitern eine gleichmäßig flache Saitenlage auf beiden Testbässen. Bevor wir die beiden Vögel fliegen lassen, lohnt es sich noch einen Blick auf die bis vor kurzem Gibson vorbehaltenen TB+ Humbucker zu werfen.

Die Kraftvollen Gibson TB+ Humbucker
Die unscheinbaren TB+ Humbucker drücken der Wiedergabe ihren eigenen Stempel auf.

Ebenfalls mit der Neuauflage von ‘87 eingeführt, markieren die unscheinbaren Doppelspuler einen regelrechten Wendepunkt in der Klangevolution der Thunderbird Familie. Fette Ferritmagnete und einige extra Wicklungen sollen für einen deutlich Schub- und Output-stärkeren Ton sorgen, als es bei den Vorgängermodellen der Fall war – geblieben ist die simple Jazz-Bass-Schaltung mit zwei Volume- und einem Tone-Poti.

PRAXIS

Wer den Classic-IV Pro aus seiner Pappschachtel geschält hat, wird beim Anblick des luxuriösen Gibson-Cases ein langes Gesicht machen: Goldene Verschlüsse, schickes braunes Kunstleder auf der Außen- und edler Plüsch auf der Innenseite; allein der Koffer ist schon ein Statement für sich! Nach einem kurzen Moment der Bewunderung hängen die beiden Testkandidaten schnell am Gurt und pendeln sich ohne Umwege in der Waagerechten ein. Wirklich erstaunlich wie gut man bei der neuen Generation die Kopflastigkeit in den Griff bekommen hat! Mit äußerst moderaten 3,6 kg (Epiphone) bzw. 3,8 kg (Gibson) zerrt hier nichts an der Schulter und dank der subtilen Bauchshapings schmiegen sich beide Bässe überraschend sanft an den Spieler.

Hervorragende Werkseinstellungen animieren in Kombination mit den frischen Saiten augenblicklich zum Spiel, und ausgesprochen mühelos finden die Finger ihren Weg über das jeweilige Griffbrett. Der Hals des Epiphones fällt dabei einen Tick schlanker und C-Förmiger aus, während das USA-Original trotz des flachen Profils insgesamt etwas mehr Fleisch mitbringt. In Verbindung mit dem leicht bremsenden Nitro-Finish wird hier der bodenständige Spieler eindeutig glücklicher als der Fingerakrobat.

Nach einigem akustischen Vergleichsspiel scheint die Sache klar: Der Gibson klingt eindeutig nach Thunderbird! Mit einer ungemein holzig-mittigen Note und erstaunlich straffen Bässen poltert der Amerikaner los, dass es wahrlich eine Freude ist. Es gibt sicherlich attack-stärkere Bässe, dank des gern beworbenen reichen Sustains singt der Vogel jedoch mit beachtlicher Inbrunst und Ausdauer, fest im Ton und nicht sonderlich detailverliebt – ein echter Rocker eben.

Und was ist mit dem Epiphone? Hier sieht die Sache ganz anders aus: Knallig und unverblümt, ja fast mit schraubhalsartiger Direktheit könnte man meinen hier einen Fender Bass in den Händen zu halten. Der Ton ist insgesamt detailreicher und näher am Puls des Spielers, wobei das Mittenspektrum bei weitem nicht so breit und warm wie beim großen Bruder daherkommt. Sustain-Probleme sind auch dem preiswerten Indonesier dafür fremd und sein ultra direktes Attack birgt ein gewisses Suchtpotential. Zwar setzen sich die akustischen Tendenzen am Amp fort, die TB+ Humbucker jedoch haben ihren ganz eigenen Kopf und drücken der Wiedergabe unüberhörbar ihren Stempel auf.

War der 63er Ur-Vogel noch für seinen offenen, glucksigen Ton bekannt, macht sich die neue Generation Thunderbird ihren Namen offenbar zur Aufgabe und besticht vor allem durch hohen Output und mächtigen Schub. Unsere beiden Testkandidaten rücken klanglich nun deutlich näher zusammen und schnell wird klar, wie maßgeblich die Pickup-Bestückung am Thunderbird-Sound beteiligt ist. Vor allem markerschütternde Bässe sind in allen Einstellungen reichlich vorhanden, für durchsichtige Höhen und Hochmitten hingegen muss man schon gehörig den EQ des Verstärkers bemühen. Auf dem Halspickup bekommt man dafür bei beiden Bässen ein röhrendes Mitten-Brett mit unglaublich viel Körper geboten. Ein Sound der, mit dem Daumen gespielt jede noch so schleppende Ballade mit unverschämter Gelassenheit trägt. Ähnlich fett geht es beim Stegtonabnehmer weiter. Ohne die Hilfe irgendeiner aktiv Elektronik schlägt einem hier immer noch ein beachtliches Pfund entgegen und trotz der nasaleren Mittenfärbung ist es wirklich erstaunlich, wie ähnlich die beiden Pickup-Positionen klingen. Freilich gibt es merkliche Unterschiede, wer jedoch nach einem möglichst flexiblen Bass sucht, ist hier definitiv an der falschen Adresse. In der Mittelstellung begegnen wir zuletzt der typischen Mittenauslöschung mit gehypten (sofern man das angesichts der Höhenwiedergabe sagen kann) oberen und unteren Frequenzbändern. Je nach Amp/Box-Setup werden dem Epiphone hier seine weniger prominenten Mitten zum Verhängnis, worunter vor allem die Tondefinition und Kontrolle im Tiefbass leidet. Sein starkes Attack vermögen die TB+ Humbucker kaum in Szene zu setzten, und so bleibt einem nur am Verstärker so gut es geht nachzuregeln. Mit dem Gibson ist die Sache gleich deutlich entspannter: Sein rauer Holz-Ton sichert Definition und Durchsetzungskraft in allen Lebenslagen und findet so auch noch im dichten Bandgetümmel einen Weg ans Ohr. Das eher gutmütige Anspracheverhalten harmoniert wunderbar mit dem Voicing der Tonabnehmer und anders als beim Fernost Bruder unterschlägt die elektrische Wiedergabe wenig vom akustischen Ton.

Wer zum Schluss das Thunderbird-Design liebt, jedoch dem markanten Sound des 60er Originals hinterher trauert, sollte vielleicht einen Versuch wagen und dem Epiphone ein Pickup Replacement Set aus dem Hause Lollar, Barfuss, Mike Lull oder ThunderBucker Ranch spendieren. Sein breitbandiger Draht-Sound hat durchaus das Potential auch anspruchsvolle Vintage-Liebhaber zufrieden zu stellen.

RESÜMEE

Ob man einen Thunderbird braucht oder nicht entscheidet an erster Stelle der persönliche Höhen-Bedarf. Danach ist die Frage Gibson oder Epiphone? vor allem eine Frage des Geschmacks. Sicher, das neue USA-Original liefert den 87er T-bird-Sound in erster Güte, man sollte den leicht fenderigen Epiphone dennoch nicht unterschätzen. In Sachen Verarbeitung gleich auf, könnte lediglich sein erschlagendes Bass-Pfund in der Mittelstellung dem einen oder anderen ein wenig zu viel sein. Im direkten Vergleich fällt es daher fast schwer den 4 mal so teuren Gibson zu empfehlen. Aber bei Bässen ist es bekanntlich wie bei allen anderen Dingen auch: Für das letzte bisschen Performance und Liebe zum Detail zahlt man oft deftige Aufpreise.

PLUS

  • Verarbeitung
  • Optik & Kultfaktor
  • Spielbarkeit
  • Gewicht
  • warmer Charakter-Sound

MINUS

  • Flexibilität
  • Mangelnde Definition in der Mittelstellung (Epiphone)

ÜBERSICHT

Fabrikat Epiphone Gibson
Modell Thunderbird Classic-IV PRO VS Thunderbird 2014 VS
Typ Solidbody-E-Bass, Viersaiter Solidbody-E-Bass, Viersaiter
Herkunftsland Indonesien USA
Mechaniken geschlossene No-Name Stimmmechanicken geschlossene Grover Stimmmechanicken
Hals Mahagoni/Nussbaum 9-teilig, durchgehend, abgewinkelte Kopfplatte Mahagoni/Nussbaum 9-teilig, durchgehend, abgewinkelte Kopfplatte
Sattel Kunststoff TekToid
Griffbrett Palisander Palisander
Halsform C-Profil C-Profil
Halsbreite Sattel 38,00mm; XII. 53,00mm Sattel 38,00mm; XII. 53,00mm
Bünde 20, Medium Jumbo 20, Medium Jumbo
Mensur 863,6 mm, Longscale 863,6 mm, Longscale
Korpus Mahagoni Mahagoni
Oberflächen Vintage Sunburst, hochglänzend lackiert Vintage Sunburst, hochglänzend lackiert
Schlagbrett 3-lagig, weiß 3-lagig, weiß
Tonabnehmer passiv, 2´ TB+ Humbucker Pickups passiv, 2´ TB+ Humbucker Pickups
Elektronik passiv passiv
Bedienfeld 1´ Hals-Pickup Volume, 1´ Steg-Pickup Volume, 1´ Master-Tone 1´ Hals-Pickup Volume, 1´ Steg-Pickup Volume, 1´ Master-Tone
Steg Gibson 3-Point Bridge Gibson 3-Point Bridge
Hardware schwarz schwarz
Saitenabstand Steg 54,00 mm 54,00 mm
Gewicht 3,6 kg 3,8 kg
Lefthand-Option nein ja
Vertrieb Gibson Europe BV

4131 PK Vianen

Niederlande

www.gibsoneurope.com

Gibson Europe BV

4131 PK Vianen

Niederlande

www.gibsoneurope.com

Zubehör Koffer, Justage-Tool
Preis ca. € 419 ca. € 1699

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2014)

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