Produkt: Treble Booster im Test
Treble Booster im Test
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Teil 2: Dirk Meyer

Die Mini-Röhren-Revolution: Nutube Pedale!

(Bild: Dieter Stork)

Mit der Nutube hat Korg eine neue Art der Röhre ins Rennen geschickt, die zahlreiche Vorteile mit sich bringt. Sie benötigt weniger Spannung, wird nicht heiß, ist flacher in der Bauform und da Nutubes verschleißfrei sind, müssen sie auch nie getauscht werden.

Im Rahmen unserer Nutube-Aktion haben wir, in Zusammenarbeit mit KORG, VOX und der Facebook-Gruppe „Pedalboard“ nach ambitionierten Pedal-Bauern gesucht, die sich zutrauten, das volle Potential der Nutube zu entfesseln. Wir waren gespannt auf Pedale jeder Art – ob Hall-, Echo-, Tremolo-Effekte, oder Metal-Zerrer.

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Die Ergebnisse stellt euch G&B-Autor und Pedal-Nerd Marc Oliver Richter in den kommenden Ausgaben im Detail vor. In dieser Folge checkt er den Dimehead Varinucomp von Dirk Meyer.

Im Test

(Bild: Dieter Stork)

Nun, ich bin es ja schon seit einigen Jahren gewohnt, dass mir die Redaktion immer wieder extrem edle und elegante Boutique-Pedale zuschickt. Aber das hier hatte ich nicht erwartet, als ich gefragt wurde, ob ich einen Klangtest für die Nutube-Wettbewerbspedale machen wolle. Ich hatte mir irgendetwas in Richtung gutem DIY-Standard vorgestellt, aber nicht, dass mit dem Varinucomp ein derart professionell und edel gebautes Pedal kommt.

Wow, ich bin beeindruckt! Hier stimmt alles: vom zurückhaltendeleganten Design, über die Verarbeitungsqualität, bis zu den Bauteilen ist das Werk von Dimehead (Dirk Meyer und Helge Adamo) längst dem Hobby-Bastler-Stadium entwachsen und auf gutem Weg in den Boutique-Olymp.

Der Varinucomp im Entwicklungsstadium auf der Experimentierplatine.

Allein schon die Idee, statt eines Verzerrers (das war den beiden zu langweilig!) einen Röhrenstudiokompressor mit dem Nutube-Bauteil zu kreieren, verdient Respekt. Vorbild ist der Variable Mu Röhrenkompressor, ein Studiogerät, das mittlerweile schon als moderner Klassiker gilt.

Der Varinucomp adaptiert die Studiokompressorschaltung auf ein kompaktes Pedal in einem Hammond-B-Gehäuse, das es in sich hat. Gleich drei Funktionen sind mit dem zentralen Mini-Toggleswitch schaltbar: ein 20 dB Booster, ein Feedforward- und ein Feedback-Kompressor.

Schon der Booster weiß klanglich zu überzeugen. Der Lautstärkeanstieg, der über den Levelpoti geregelt wird, geht mit einer leichten Anhebung der Höhen einher und fördert ein wunderbar perlendes und frisches Ergebnis zu Tage. Gerade bei etwas muffigen Humbuckern hat man den Eindruck, dass eine Wolldecke vor den Lautsprechern weggezogen wird.

Der Rest der Regler wird in den beiden Compressor-Modi Feedforward und Feedback aktiv. Eine technische Erklärung, was jeweils bei Feedforward oder Feedback passiert, würde den Rahmen sprengen (es geht letztlich darum, wann das Signal durch den VCA geht), aber der klangliche Unterschied ist auf jeden Fall deutlich bemerkbar.

Im Feedback-Modus klingt es zurückhaltender und entspannter – eher wie ein „normaler“ Gitarrenkompressor und im Feedforward-Modus knackiger, direkter und je nach Reglerstellung auch mal experimentell.

Der erste Prototyp auf Lochrasterplatte
Das fertige Pedal mit professionell designter Platine

Die Regelmöglichkeiten sind umfangreich und greifen beherzt zu. Intuitiv Einstellen und Drauflosspielen kann man mit dem Varinucomp eher nicht. Man sollte schon wissen, was die Regler beeinflussen, sonst wundert man sich, dass bei heftigen Signalspitzen der Ton verschwindet und erst langsam wiederkommt.

Diesen Slow-Gear-Effekt bekommt man übrigens im Feedforward-Modus, wenn die Ratio- und Release-Regler weit aufgedreht sind und man beherzt in die Saiten haut. Bleibt man mit den Reglern in sinnvollen Einstellungen, bzw. im Feedback-Modus, bleibt man von Überraschungen verschont. Das heißt dann auch, dass es wirklich nichts zu meckern gibt.

Klanglich ist der Varinucomp ein Vertreter eines sauberen und je nach Einstellung unaufdringlichen Kompressorsounds. Inwieweit die Nutube-Technologie nun tatsächlich Anteil an dem Gesamtergebnis hat, lässt sich allerdings nur schwer ermitteln. Das ist aber eigentlich auch nicht relevant. Ob mit oder ohne Röhre – das Gerät funktioniert prima und klingt klasse!

Dirk Meyer

Dieses Mal experimentierte unser Hobby-Bastler Dirk Meyer mit der Nutube, der gemeinsam mit seinem Kompagnon Helge Adamo seit fast 10 Jahren das Entwickler-Duo „Dimehead“ bildet. Anspruch der beiden ist es, stets professionelle Geräte zu bauen, die auch im industriellen Maßstab produziert werden könnten.

Da sie keine Traditionalisten sind, bedienen sie sich mit Vorliebe neuester Technologien aus dem Bereich der Musikelektronik, seien es SMD Bauteile oder modernste DSP Prozessoren. So entstanden über die Jahre unzählige Kreationen wie Effekte, Amps und Midi Spielereien. Einige davon wurden bereits bei Spezialhändlern als Kits angeboten.

Insofern war es nur logisch, dass sich die beiden an der neu erschienenen Nutube versuchten.

Tech Talk: Kompressorfunktion

Kompressoren gehören zu den Effekten, die die Dynamik beeinflussen. Vereinfacht gesagt, machen sie laute Töne leiser und leise Töne lauter. Im Ergebnis wirkt der Gesamtsound lauter und fetter und setzt sich besser durch.

Zur typischen Ausstattung hochwertiger Studiokompressoren gehören umfangreiche Regelmöglichkeiten: „Threshold“ ist der Schwellenwert in dB, ab dem die Kompression einsetzt, „Ratio“ bezeichnet das Verhältnis zwischen unkomprimiertem und komprimiertem Signal – also den Kompressionsgrad.

Bei sehr hohen Kompressionsverhältnissen (10:1) spricht man dann von einem Limiter. „Attack“ ist die Zeit in Millisekunden, die vergehen soll, bis der Kompressor einsetzt.

Eine längere Attack-Zeit macht den Kompressor träge und lässt den Anschlag noch ungehindert durch, sodass der Sound natürlicher klingt (Soft Attack). Nachdem der Threshold-Wert wieder unterschritten wurde, bestimmt „Release“ die Zeit, die vergehen soll, bis der Kompressor das Signal wieder „loslässt“.

Da Kompressoren das Signal nur dämpfen können, liegt am Ende der Signalbearbeitung noch eine regelbare Verstärkungsstufe („Level“, „Output“, o. Ä.) die in der Regel das Signal auch weit über den Ausgangswert anheben kann.

Tech Talk: Kompressortypen

Kompressoren kann man gut hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Konstruktion unterscheiden: OTA basierte Kompressoren (Operational Transconductance Amplifier) erzeugen die Dynamikeinschränkung mit Hilfe von speziellen ICs. Sie klingen in der Regel knackig, haben aber technisch bedingt keinen allzu großen Headroom und verursachen mehr oder weniger große Klangbetonungen.

Ob dies als „tone-sucking“ oder „tone-enhancing“ wahrgenommen wird, hängt stark vom persönlichen Geschmack ab. Sie sind als einfache Gitarrenkompressoren weit verbreitet. Deutlich seltener werden optische Kompressoren als Gitarrenkompressoren eingesetzt. Sie arbeiten mit einer Lichtquelle und einem Photowiderstand, reagieren langsamer und klingen im Vergleich sanfter.

Die v. a. aus der Studiotechnik bekannten VCA-Kompressoren (VCA = Voltage Controlled Amplifier) verwenden auch Transistoren und bearbeiten das Audiosignal gemäß seiner Spannung. VCA-basierte Kompressoren klingen transparent, reagieren schnell, gelten aber auch als etwas steril. Sie sind der Standard im Studiobereich und universell einsetzbar.

Variable Mu Kompressoren arbeiten mit Röhrentechnik und sind wegen ihrer weichen und warmen Klangkolorierung mit Obertonanreicherungen beliebt. FET-basierte Kompressoren (FET = Field Effect Transistor) ahmen das Verhalten von Röhren nach und gelten als schnellere Alternative zu optischen und Variable Mu Kompressoren.

Noch mehr Nutube gefällig?

Nutube

Noch mehr Bilder zu Dirk Meyers Bauprojekt findet ihr in der Pedalboard Facebook-Gruppe unter www.facebook.com/groups/pedalboard!

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