Geddy Reloaded

Der Fender USA Geddy Lee Jazz Bass im Test

 

Fender Geddy Lee
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Es sieht ganz danach aus, als würden sich Rush nach ihrer diesjährigen R40-Tour erst mal eine Pause vom groß angelegten Touren gönnen. Umso überraschender also, dass Geddy Lees Mexico-Signature-Bass nach 17 Jahren auf dem Markt nochmal einen großen Bruder aus der USA-Fertigung an die Seite gestellt bekommt!

Geddy Lee zählt zweifellos zu den bedeutendsten Rock-Bassisten unserer Zeit und hat als treibende Kraft der kanadischen Rockband Rush Gold- und Platin-Erfolge in der Größenordnung von Kiss, Eric Clapton oder Queen zu verzeichnen. Bassisten wie Les Claypool (Primus), John Myung (Dream Theater) oder Steve Harris (Iron Maiden) bekennen sich als Fans des virtuosen Tieftöners – viel mehr Ehre kann man im Leben wohl nicht erreichen! Wenn dann auch noch das Signature-Model Kultstatus unter Bassisten erlangt, kann man sicher sein: Wir haben es mit einer lebenden Bass-Legende zu tun. Der ursprüngliche Geddy Lee Jazz Bass wurde 1998 vorgestellt und in Japan gefertigt, bis die Produktion später nach Mexiko verlegt wurde, wo das Modell bis heute gebaut wird. Im Wesentlichen ein typischer 70s Jazz Bass, dient es als Grundlage für die neue USA-Version, die gegenüber der preisgünstigen Variante mit ein paar interessanten Updates auftrumpft.

k o n s t r u k t i o n

Bei einem Preis von fast € € 2200 braucht es schon gute Gründe, warum man sich ausgerechnet für diesen Jazz Bass entscheiden soll. Mit einem schicken Creme-Griffbrett- Binding, farblich passenden Perloid-Blockeinlagen und einem dreilagigen Schlagbrett (ebenfalls aus Perloid) versehen, unternimmt der neue Geddy Lee zumindest auf visueller Seite schon einiges, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Wie es sich für ein Signature-Model gehört, wurden nahezu alle Details minutiös dem geliebten 72er Jazz Bass des Meisters nachempfunden, angefangen bei dem korrekten Farbton der Inlays bis hin zu den speziell angefertigten Singlecoils, die in diesem Bass zum Einsatz kommen.

Als Holzbasis hält die bewährte Fender-Kombination aus Erle und Ahorn her, wobei der einteilige Hals aus einem Stück mit liegenden Jahresringen gefertigt ist. Anders als die extrem knalligen und bisweilen bleischweren Spätsiebziger- Jazz-Bässe aus Esche, ist der Geddy Lee mit seinem Erlekorpus nicht nur leichter, sondern auch klanglich einen Tick wärmer unterwegs – für die nötige Portion Snap sorgt die stegnähere Seventies-Positionierung des Bridge-Pickups. Zu einem echten Siebzigerjahre-Jazz-Bass gehört fast unweigerlich auch eine Badass-II-Brücke: Der vielleicht beliebteste Replacement-Steg der Bass-Welt sorgt mit seiner enormen Masse für ein verlängertes Sustain und einen etwas komprimierteren Sound, welcher bekanntermaßen gut mit der Klangästhetik von Onkel Leos Bässen harmoniert.

Block Inlays
Der Farbton der Creme-Blockinlays wurde minutiös auf Geddy Lees geliebten 72er Jazz Bass abgestimmt.

Leider sind die beliebten Brücken nicht mehr so einfach zu bekommen, weshalb Fender die Initiative ergriffen hat, eine nahezu identische Kopie herzustellen, die im Falle unseres Testbasses eine Gravur von Geddys Unterschrift trägt. Auf der Suche nach Unterschieden zu der gerade einmal halb so teuren Mexiko-Version werden wir vor allem beim Hals fündig Wo der Mexikaner durch sein ausgesprochen zartes C-Profil auffällt, hat die USA-Variante deutlich mehr Fleisch zu bieten, ohne dabei jedoch zu sehr in Richtung Preci zu gehen – ein schönes Oldschool-Profil! Authentisch vintage ist auch der vom Halsfuß aus zugängliche Halsspannstab. Er lässt sich lediglich mit einem Kreuzschlitz-Schraubenzieher justieren, sodass, mangels einer Aussparung im Korpus, mindestens das Schlagbrett entfernt werden muss, wenn die Krümmung eingestellt werden soll.

Verwirrung stiftet das Hals-Finish: Wo sowohl die Fender-Website als auch Geddy Lee in einem Video-Interview von einer geölten Halsrückseite sprechen, ist der Hals unseres Testbasses rundum klarlackiert. Hält man ihn gegen das Licht, sind subtile Farbunregelmäßigkeiten in dem leicht gelblichen Finish zu erkennen, die einen Relic-Look andeuten könnten. Abgerundet wird die ansonsten stimmige Vintage-Optik durch einen Satz offener Fender Mechaniken, welche optisch und technisch den Kluson-Originalen aus der Pre-CBS-Ära nachempfunden sind und die aufgrund ihrer umgekehrten Arbeitsweise ein entsprechendes Umdenken beim Stimmen erfordern. Zuletzt darf bei einem Signature-Model natürlich auch die Unterschrift des Meisters nicht fehlen, welche bei dem neuen Amerikaner relativ dezent auf der Kopfplatten-Rückseite platziert ist.

Fender Badass II Kopie
Ein vollwertiger Badass-II-Ersatz: Fenders massive High Mass Brücke

p r a x i s

Schön, dass der neue Geddy Lee in einem absolut hochwertigen Hardcase kommt! Anbei finden sich neben dem obligatorischen Papierkram auch ein Gurt, Einstellwerkzeug sowie ein Kabel – angemessenes Zubehör angesichts der Preisklasse. Was die Performance des Basses anbelangt, muss man es eigentlich gar nicht unnötig spannend machen: Der schicke Viersaiter spielt sich wie ein eingelaufenes Paar Schuhe!

Das geschmackvolle Halsprofil bildet einen tollen Kompromiss aus Spielkomfort und seriöser Masse, mit seinen noch angenehmen 4,2 kg hängt das Instrument außerdem fest und ausbalanciert am Gurt. Trotz der etwas abgespielten Werksbesaitung fällt sofort der ungemein ausgewogene akustische Klang auf: Warme Bässe, cremige Mitten und snappy Höhen – hier ist wirklich alles da! Dank der hervorragenden Tonabnehmer setzt sich dieser Eindruck auch am Amp fort.

Man bekommt den typisch Attack-starken Seventies-Jazz-Bass-Sound geboten, allerdings in einer ungewohnt hohen Güte und mit einem deutlichen Plus an Wärme. Schon der Hals-Singlecoil bellt mit bauchig fetten Tiefmitten los, dass es eine wahre Freude ist – ganz schön viel Mojo für ein nagelneues Instrument! Besonders mit dem Daumen gespielt, entwickelt der Tonabnehmer einen tollen runden Ton, der weder Mitten noch Höhen vermissen lässt und schon fast Preci-ähnliche Qualitäten an den Tag legt. Dreht man am zweiten Volume- Regler den Steg-Pickup hinzu, dünnt sich der Sound wie gewohnt in den Mitten leicht aus.

Der Geddy Lee büßt hier keinerlei Tragkraft ein, sondern wird lediglich kontrollierter im Tiefbass und fokussierter in den Hochmitten; die leichte Absenkung im Grundtonbereich fügt sich absolut homogen in das Klangbild ein. Die Abstimmung der Tonabnehmer ist wirklich bemerkenswert und spätestens wenn man ein bisschen Overdrive hinzuzieht, klingt das Ergebnis (die nötige Fingerfertigkeit vorausgesetzt) erstaunlich nach Geddy Lee. Ein echter Knaller wartet zuletzt beim Solo-Betrieb des Steg-Pickups auf uns. Hier nörgelt unser Amerikaner in bester Jazz-Bass-Manier los, allerdings mit einer tierischen Power in den Mitten und Bässen. Selbstverständlich ist dies die schlankeste Einstellung des Basses, die Erwachsenheit und Körperlichkeit, mit der der Ton aus den Lautsprechern geschossen kommt, ist dennoch beeindruckend.

Halsschraube
Echt Vintage: Der Halsspannstab ist erst nach dem Entfernen des Schlagbretts zugänglich.

r e s ü m e e

Trotz anfänglicher Skepsis muss man dem neuen USA Geddy Lee Jazz Bass attestieren, dass er seinen stolzen Preis tatsächlich wert ist. Man bekommt im Wesentlichen einen Seventies-Jazz-Bass, der neben nagelnden Höhen auch ein wirklich warmes und äußerst musikalisches Fundament zu bieten hat; Optik und Haptik sind zudem über jeden Zweifel erhaben. Auch wenn der Preis am oberen Limit angesetzt ist, bewegt sich dieser Top-Bass schon fast auf Custom- Shop-Niveau, worauf übrigens auch das absolut hochwertige Hardcase sowie das üppige Zubehör hinweisen. Alles in allem gehört der USA Geddy Lee mit Sicherheit zu den besten Serien-Instrumenten die Fender im letzten Jahrzehnt gebaut hat.

P l u s
• Verarbeitung
• Spielbarkeit
• Optik
• Pickups und Hardware
• 70s Jazz Bass Sounds
• Case und weiteres Zubehör

 

Übersicht Geddy Lee
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