Eine Verbeugung vor dem historischen Entwurf mit dem Willen und Können zur Verfeinerung
Baronesse von Brett: Baron Elektrogitarren Modell T
von Franz Holtmann, Artikel aus dem Archiv
Anzeige
(Bild: Dieter Stork)
SCHLICHT AUF HÖCHSTEM NIVEAU
Hals auf Brett schrauben – was soll denn daran so schwer sein? Klar, irgendwas tönt immer – siehe Jack White in der Eröffnungsszene von „It Might Get Loud“, aber die Spanne der elektrischen Abbildung von Klängen ist erstaunlich groß, und das Gewicht spielt dabei offenbar eine Rolle. Auf einer Vintage Show in New York sagte mir ein bekannter Händler einmal: Die wirklichen Experten erkennt man daran, dass sie eine Vintage Tele immer erst kurz mal anheben, bevor sie entscheiden, ob sie es wert ist, sich weiter mit ihr zu beschäftigen. Das Gewicht müsse passen, leicht genug sein. Hm, es gibt auch andere Meinungen: Mike Stern etwa findet bei seinem Signature-T-Style-Modell von Yamaha 4 kg vollkommen in Ordnung.
Oliver Baron jedenfalls knüpft mit seinem Modell T an die Philosophie der Modelle 1 und 2 an: leichter Body, etwas substanziellere Bridge. In Sachen Handhabung ist zunächst nur Bestes zu berichten. Mit lediglich 2,9 kg Gewicht ist die Gitarre ungemein locker zu handhaben, und der Hals mit dem ausgewogenen Zuschnitt eines weichen Vs von leicht erhabener Mitte im Rücken fällt einfach animierend in die Hand. Eine Sattelbreite von angenehmen 42,5 mm und die perfekt gemachte Medium-Bundierung mit sorgfältig abgefasten Bundenden machen die Sache vollkommen rund.
Anzeige
Bridge mit etwas größerer Materialstärke und Messingreitern (Bild: Dieter Stork)
Akustisch angeschlagen, liefert das Modell T einen warmen, offenen Ton mit ausgeprägten Obertönen. Akkorde rollen sehr schön leichtfüßig ab, öffnen sich bei bester Saitentrennung mit schlüssigem Frequenzbild und harmonischem Ausdruck.
Gehen wir in den Verstärker, so übersetzt der Single Coil am Hals bei klaren Einstellungen Mehrklänge mit bestens austarierter Stimmlichkeit transparent aufgelöst. Nicht zu üppig im Bassbereich ausgebaut, substanzreich, aber klar zeichnend in den Mitten und von fein gesetzten Höhen ergänzt, kommen Akkorde wohlgerundet ans Ohr. Wenn man dieser Linie folgt und die Lautstärke etwas anhebt, kommt sogar annäherndes Strat-Flair auf. Der Ton vermittelt ein bemerkenswert charaktervolles Single-Coil-Flair und singt mit leicht gutturalem Ausdruck. Dieses starke Kolorit verstärkt sich in Crunch- und Gain-Positionen noch deutlich.
Auch der schnalzende Anschlag und das ausdrucksstarke Sustain heben die Spielfreude.
Der Kollege aus dem Classic-’54-Set in Stegposition spielt da natürlich einen anderen Trumpf aus. Er macht dem Ruf der Mitte-50er-Tele-Pickups alle Ehre und zupft mit einem sehr direkten, hellen und brillanten Ton kräftig am Ohr. Genau diesen offensiven Twang erwartet man von einem Tele-Bridge-Pickup. Lobenswert ist, dass er dabei nicht schrill wird und eine unangenehme, blecherne Schärfe vermeidet.
Er lässt uns mit einer griffigen Spitze operieren. Der Ton lässt sich dynamisch gestalten, folgt dem Plektrum blitzschnell und setzt jede Aktion anschlagsgerecht um. Drahtig in den Bässen, angriffslustig in den Höhen. Powerchords zeigen sich demgemäß mit straff-kerniger Kontur, Leadlines drücken mit bester Definition und obertonreicher Präsenz offensiv durch.
Respekt! Die resonanzstarke Konstruktion bietet offenbar die perfekte Grundlage für eine optimal intensivierte Klangentfaltung klassischer Prägung. Das Zusammenspiel der Bridge-Baseplate mit etwas größerer Materialstärke und dem angepassten Pickup führt zu einem traumhaften Twang-Sound!
In der Zusammenschaltung beider Pickups liegt bei der Tele grundsätzlich ja dieser offen kehlige Glocken-Sound an, der natürlich auch im Modell T seine Entsprechung in fein aufgefächerten und harmonisch präzise ausgeleuchteten Akkorden findet. Ein offener Jubel-Sound, von immergrüner Eleganz. Wie sagt Dittsche noch? Es perlt!
RESÜMEE
Die viele investierte Zeit, mit verschärftem Blick auf alle Komponenten, hat sich gelohnt. Oliver Baron bietet mit seinem Modell T eine aktualisierte und im Detail verfeinerte Sicht auf einen der großen Klassiker der E-Gitarre. „Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.“ Das mahnte schon der deutsche Dichterfürst an.
Es ist also weder neu, noch überraschend, wenn in der Konzentration auf das Wesentliche, mit Rücksicht auf Erfahrung und Prägung, beste Ergebnisse zu erzielen sind. Das Baron Model T jedenfalls vermittelt schon auf den ersten Griff hin seine große Klasse, animiert die Spielfreude und ruft in der elektrischen Darstellung dann elegant gehobene Bilder von klassischer Eleganz auf. Dennoch ist auch Olivers persönlicher Standpunkt zu spüren, der sich aus dem Willen zum Optimum speist.
Frank Zappa sagte mal nicht ohne Grund: „Writing about music is like dancing about architecture“. Annäherung an Klänge durch Sprache kann also nur der Inspiration dienen. Abholen muss dich ein Instrument dann ja immer noch ganz persönlich. Sich ein eigenes Bild zu machen, lohnt immer, aber wie soll man sie denn finden, die Orchidee im Meer der Kopien?
Das Modell T von Baron ist aber eben Letzteres nicht, absolut kein billiger Abklatsch, sondern eine Verbeugung vor dem historischen Entwurf mit dem Willen und Können zur Verfeinerung. Mann, kann ein Mettbrötchen dann doch gut schmecken!
Der Preis ist mit satten 4.400,-€ faktisch sehr hoch. Die Konkurrenz ist unerbittlich und auch zweifelsfrei bedeutend preisgünstiger. Da würde ich mir viel eher eine neue Henry‘s T-Style Elektrische zulegen. Da bekomme ich eine top eingestellte und super gefertigte Solidbody E.-Gitarre,die nun schon längst kein Geheimtipp mehr ist,weil dieses bisher noch recht unbekannte Markenlabel in erster Linie stets für beste Güte zu einem absolut fairem Preis-Leistungsverhältnis steht.
Warum wird hier über den Preis diskutiert … ‘ne Master-gebaute von F käme teurer (;-)) Ich sehe es so: alles in richtig gut ohne jeden Schnörkel-Kram …
Schönes Teil!
Sowas von innovativ aber auch!
Billiges Holz ordentlich zu verarbeiten und mit soliden Komponenten bestücken ist das eine, dafür dann 4400€ aufzurufen, das andere. Handgewickelte Pickups? Oh wow, die sind bestimmt besonders ehrlich… und eigentlich das einzige, was die Klampfe von einer 08/15 Fender, Squier, Harley Benton usw unterscheidet. Ja, ok, evtl. ist das Setup besser als bei Fender, na und. Eine Stunde Arbeit von einem Profi, 150€ max.
Entweder ist der Baron gierig und/oder er hat seine Produktionskosten und -prozesse nicht im Griff. Auch mit „Made in Germany“ ist der Preis lächerlich. Selbst mit Top Verarbeitung, was ja hier wohl der Fall ist, und ein bisschen Mystik wäre der halbe Preis schon frech, getreu der Devise „es steht jeden Tag ein Dummer auf, man muss ihn nur finden“.
Hoffen wir mal, das er genügend Dumme findet, die seinen Edeltrödel kaufen wollen.
Hallo „Landei“,da stimme ich deinem Kommentar voll und ganz zu! 4.400,-€ sind enorm viel Geld für eine in dem Land der verheerenden Wirtschaftsstagnation behafteten Umstände. Schade,daß hier bis jetzt noch niemand über die mittlerweile sehr begehrten und teilweise bereits restlos ausverkauften Henry‘s E.-Gitarren hinweist! Für unter 700.-€ gibt es bei Henry‘s eine absolut top eingestellte und qualitativ sehr hochwertige Gitarre inklusive Zubehör und sowieso klangtechnisch bester Eigenschaften! Wozu also eine maßlos teure Elektrische aus billigem Kiefernholz ordern?!?
Is ja alles schön so, aber ne superteure Gitarre und so üble Schlitzschrauben für die Halsbefestigung??
Ich mein, ja, man kann auch ein supertolles und superteures, schickes Elektroauto bauen und dann die billigsten Ikea-Griffe zum zu Öffnen der Türen.
Ist dann halt scheisse
Hübsches und wertiges Ding. Der Preis ist natürlich gesalzen, wobei auch der CS von Fender gleich- oder sogar höherpreisig ist. Jetzt muss sich jeder selbst die Frage stellen, der so viel Geld investieren möchte, ob er die kleinen heimischen Gitarrenbauer unterstützt oder sein Geld in die USA schickt. Ich würde mich für Letzteres entscheiden. Gleichwohl nicht für eine Tele.
Leichtes Gewicht macht aus Kiefer auch keine Esche und im übrigen gibt es zu jedem Teil einer Gitarre immer mindestens zwei um 180 Grad konträre Fachmeinungen. Das ist doch alles Standard und dafür zu teuer. Vielleicht habt ihr den Brillanten im Schriftzug auf der Kopfplatte nicht erwähnt?
Bei dem Preis könnte man wenigstens eine schöne Maserung vom Holz erwarten.
Es könnte ja aber auch sein, das die Verkabelung aus Goldleitungen
besteht?
Ein guter Freund war bis zur Rente Professor für Jazz Gitarre an der Musikhochschule. Er hatte im Lauf seiner professionellen Tätigkeit zig Gitarren aller namhaften Hersteller. Er spielt in recht vielen Bands und man sieht ihn seit Jahren dabei immer mit einer Fender Mexico Thinline mit 2 Humbuckern. Die Gitarre klingt so unglaublich gut und muss wohl wunderbar zu spielen sein. Ich meine die hat er damals für unter 1000€ neu gekauft. Er liebt diese Gitarre.
So wären jetzt quasi noch 3400€ übrig um sich eine besonderen Amp bauen zu lassen z.B. diesen Milkman https://milkmansound.com/collections/amplifiers/products/20w
Diese Kombination der Mexico Thinline mit diesem Amp klingt einfach nur fantastisch, erst vorgestern wieder bei seinem tollen Konzert genossen und kostet komplett so viel wie diese Baron Gitarre.
Jedem das Seine
Der Preis ist mit satten 4.400,-€ faktisch sehr hoch. Die Konkurrenz ist unerbittlich und auch zweifelsfrei bedeutend preisgünstiger. Da würde ich mir viel eher eine neue Henry‘s T-Style Elektrische zulegen. Da bekomme ich eine top eingestellte und super gefertigte Solidbody E.-Gitarre,die nun schon längst kein Geheimtipp mehr ist,weil dieses bisher noch recht unbekannte Markenlabel in erster Linie stets für beste Güte zu einem absolut fairem Preis-Leistungsverhältnis steht.
Da hat wohl jemand geschnitten Brot erfunden …;-)
Endlich. Nachdem Fender jahrzehntelang Kopien hergestellt hat, kommt endlich das Original. Darauf habe ich lange gewartet.
Wenn ein einfaches Mädel vom Land einen Baron ehelicht, bleibt sie doch ein einfaches Mädel, nur mit einem Titel….
Alter Schwede…ne Telly für 4K….grummel…
besser ne Harley Benton Tele holen
4,4 Tausend ist einfach nur bescheuert
Warum wird hier über den Preis diskutiert … ‘ne Master-gebaute von F käme teurer (;-)) Ich sehe es so: alles in richtig gut ohne jeden Schnörkel-Kram …
Schönes Teil!
Sowas von innovativ aber auch!
Billiges Holz ordentlich zu verarbeiten und mit soliden Komponenten bestücken ist das eine, dafür dann 4400€ aufzurufen, das andere. Handgewickelte Pickups? Oh wow, die sind bestimmt besonders ehrlich… und eigentlich das einzige, was die Klampfe von einer 08/15 Fender, Squier, Harley Benton usw unterscheidet. Ja, ok, evtl. ist das Setup besser als bei Fender, na und. Eine Stunde Arbeit von einem Profi, 150€ max.
Entweder ist der Baron gierig und/oder er hat seine Produktionskosten und -prozesse nicht im Griff. Auch mit „Made in Germany“ ist der Preis lächerlich. Selbst mit Top Verarbeitung, was ja hier wohl der Fall ist, und ein bisschen Mystik wäre der halbe Preis schon frech, getreu der Devise „es steht jeden Tag ein Dummer auf, man muss ihn nur finden“.
Hoffen wir mal, das er genügend Dumme findet, die seinen Edeltrödel kaufen wollen.
Hallo „Landei“,da stimme ich deinem Kommentar voll und ganz zu! 4.400,-€ sind enorm viel Geld für eine in dem Land der verheerenden Wirtschaftsstagnation behafteten Umstände. Schade,daß hier bis jetzt noch niemand über die mittlerweile sehr begehrten und teilweise bereits restlos ausverkauften Henry‘s E.-Gitarren hinweist! Für unter 700.-€ gibt es bei Henry‘s eine absolut top eingestellte und qualitativ sehr hochwertige Gitarre inklusive Zubehör und sowieso klangtechnisch bester Eigenschaften! Wozu also eine maßlos teure Elektrische aus billigem Kiefernholz ordern?!?
Nun meckert mal nicht über den Preis, denn schließlich ist ja ein Koffer dabei … 😉
Is ja alles schön so, aber ne superteure Gitarre und so üble Schlitzschrauben für die Halsbefestigung??
Ich mein, ja, man kann auch ein supertolles und superteures, schickes Elektroauto bauen und dann die billigsten Ikea-Griffe zum zu Öffnen der Türen.
Ist dann halt scheisse
Hübsches und wertiges Ding. Der Preis ist natürlich gesalzen, wobei auch der CS von Fender gleich- oder sogar höherpreisig ist. Jetzt muss sich jeder selbst die Frage stellen, der so viel Geld investieren möchte, ob er die kleinen heimischen Gitarrenbauer unterstützt oder sein Geld in die USA schickt. Ich würde mich für Letzteres entscheiden. Gleichwohl nicht für eine Tele.
Leichtes Gewicht macht aus Kiefer auch keine Esche und im übrigen gibt es zu jedem Teil einer Gitarre immer mindestens zwei um 180 Grad konträre Fachmeinungen. Das ist doch alles Standard und dafür zu teuer. Vielleicht habt ihr den Brillanten im Schriftzug auf der Kopfplatte nicht erwähnt?
Bei dem Preis könnte man wenigstens eine schöne Maserung vom Holz erwarten.
Es könnte ja aber auch sein, das die Verkabelung aus Goldleitungen
besteht?
Ein guter Freund war bis zur Rente Professor für Jazz Gitarre an der Musikhochschule. Er hatte im Lauf seiner professionellen Tätigkeit zig Gitarren aller namhaften Hersteller. Er spielt in recht vielen Bands und man sieht ihn seit Jahren dabei immer mit einer Fender Mexico Thinline mit 2 Humbuckern. Die Gitarre klingt so unglaublich gut und muss wohl wunderbar zu spielen sein. Ich meine die hat er damals für unter 1000€ neu gekauft. Er liebt diese Gitarre.
So wären jetzt quasi noch 3400€ übrig um sich eine besonderen Amp bauen zu lassen z.B. diesen Milkman https://milkmansound.com/collections/amplifiers/products/20w
Diese Kombination der Mexico Thinline mit diesem Amp klingt einfach nur fantastisch, erst vorgestern wieder bei seinem tollen Konzert genossen und kostet komplett so viel wie diese Baron Gitarre.
Jedem das Seine