Produkt: Gitarre & Bass 4/2019 Digital
Gitarre & Bass 4/2019 Digital
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Tosende Likes als Applaus

TEST: Baton Rouge X2S/AC-PG & X6C/AC-AF

(Bild: Dieter Stork)

Interessante Instrumente: Acoustics für YouTuber. Baton Rouge geht auf junge Gitarristen und deren Arbeitsweise ein und schneidert ihnen bezahlbare Signature-Gitarren auf den Leib.

Die beiden Protagonisten hinter den Gitarren sind Peter Gergely aus Ungarn und Andrew Foy aus Las Vegas, USA. Die beiden Youngsters haben Millionen von Abonnenten, Followern, Klicks und Comments und wecken somit ein riesiges Interesse an der Akustikgitarre. Das ist toll! Beim Test ihrer Signature-Modelle müssen wir immer im Hinterkopf behalten, dass die Instrumente in einem Einsteiger-freundlichen Preissegment weit unter € 400 angesiedelt sind. Die Fans und Follower werden also nicht nur auf Acoustics angefixt, sie können sich die Klampfen ihrer Helden auch leisten.

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HOME-READY

Die X2S/AC-PG ist eine Steelstring im Auditorium-Format mit florentinischem (also spitzem) Cutaway, auf ein Pickup-System wurde (bei beiden Gitarren) konsequenterweise verzichtet, denn für die Bühne sind diese Baton Rouges nicht in erster Linie gedacht.

Peter Gergely

Durch das völlige Weglassen von Hochglanzlack und jeglichem Zierrat präsentiert sich die Peter-Gergely-Acoustic mit sympathischer Schlichtheit und einem klaren, natürlichen und stimmigen Design. Die Decke aus massiver deutscher Fichte trifft auf Zargen und Boden aus dunkel eingefärbtem (Archaic Dark Brown), gemasertem Ahorn – wohl keine zufällige Wahl, die sicherlich den perkussiven Spielweisen des Namensgebers förderlich sein soll. Die Kanten sind mit einem Binding aus hellem Ahorn eingefasst, auch die Schalllochumrandung ist aus Holz. Im Steg aus Ovangkol sind die Saiten mit schwarzen Pins fixiert und gehen dann mit gutem Anpressdruck über die Stegeinlage aus Nubone (synth. Knochen).

Schlagbrett und vorderer Gurtpin fehlen. Der Mahagonihals ist am 14. Bund ange­setzt und mit einem Ovangkol-Griffbrett versehen. Das einzige Inlay findet sich im 12. Bund in Gestalt der Initialien des Namensgebers. Die 20 schlanken Bünde sind ordentlich, aber nicht perfekt, verrundet und poliert. Die Kopfplatte mit dem stylischen „BR“-Branding ist mit schicken matt verchromten Die-Cast-Mechaniken im Grover-Style bestückt.


3 FRAGEN AN ANDREW FOY

Andrew, wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Baton Rouge?

Als ich 12 oder 13 Jahre alt war, wurde die Firma auf meinen You-Tube-Kanal aufmerksam. Sie boten mir an, eine ihrer Gitarren auszuprobieren und schickten mir ein Mystique-Modell, in das ich mich sofort verliebte. Seither arbeiten wir zusammen.

Welche Besonderheiten waren dir dann bei deinem Signature-Modell wichtig?

Ich habe viele Gitarren von billig bis teuer ausprobiert und drei Dinge stellten sich als für mich wichtig heraus. Die Gitarre muss erstens optimal die Stimmung halten, damit meine Video-Produktionen nicht durch Nachstimmen gestört werden. Dann muss der Hals absolut stabil und unempfindlich gegen Witterungseinflüsse sein. Ich lebe in der Wüste (Nevada), das sind harte Bedingungen für Holz. Und natürlich das Design: Ich habe einige Elemente des Mystique-Looks, wie das spitze Cutaway und den Pearl-Streifen am Schallloch, übernommen. Ich mag auch das matte, helle Decken-Finish, auf dem man schwitzige Fingerabdrücke nicht so sieht.

Was ist wichtiger für junge Gitarristen und Gitarristinnen – ein Club-Gig oder ein YouTube-Clip?

Für mich ist es YouTube. Auf dieser Plattform fühle ich mich wohl, von hier aus kann ich meine Arbeit mit der Welt teilen. Wer aber vor Publikum spielen möchte und diese Herausforderung sucht, sollte so viel live spielen wie nur möglich.


Die X6C/AC-AF, das Andrew-Foy-Modell, stimmt in Korpusform, Halszuschnitt und verwendetem Holz und Hardware mit der X2S überein – nur folgende Unterschiede bestehen: Die Decke ist aus massiver kanadischer Zeder und fällt durch das Streifen-Inlay aus Pearloid am Schalllochrand auf. Der Korpus ist aus gebeiztem Mahagoni und die Mechaniken im Kluson-Style sind vergoldet.

PRAXIS

Das gesamte Handling der beiden Baton Rouges ist vom Feinsten. Sie liegen bequem auf dem Schoß, der rechte Arm findet eine komfortable Auflage auf der hinteren Zarge, und die linke Greifhand erfreut sich am griffig mattierten Hals mit sattem C-Profil.

Die Saitenlage ist tadellos, genau wie der Zugang zu den hohen Lagen – es gibt keine Limitierungen für sofortige Spielfreude. Beide Gitarren liefern strahlend helle, lebendige Grund-Sounds mit schneller Ansprache, ausgewogenen Anteilen von trockenen, unaufdringlichen Bässen, mar­kanten Mitten und glasklaren Höhen. Auch Sustain und Dynamikumfang wissen zu überzeugen. Mal ganz platt formuliert: Ohne die entsprechenden Infos hätte ich die Instrumente für teurer gehalten.

Ovangkol-Steg mit Nubone-Stegeinlage (Bild: Dieter Stork)

Es gibt – den Korpushölzern geschuldet – auch gewisse Unter­schiede im Klangcharakter. Wo das Andrew-Foy-Modell etwas mehr Wärme und Mitten liefert, kontert die Peter Gergely mit noch glasigeren Höhen und etwas mehr Licht. Was man da nun präferiert – ein Fünfer ins Phrasen-Schwein – das ist reine Geschmackssache.

Obwohl Baton Rouge diese Modelle für ausgewiesene Fingerstyle-Spezialisten konzipiert hat, würde ich sie trotzdem als tolle All­rounder bezeichnen, die bei allen Spielarten von Strumming bis Picking und Bottleneck-Einsatz eine gute Figur machen dürften – Percussion-Einlagen inklusive.

RESÜMEE

Zwei sehr gute, toll designte Signature-Steelstrings zum erstaun­lich günstigen Preis. Die quicklebendigen Sounds, die hervorra­gende Bespielbarkeit und die Allrounder-Fähigkeiten dieser Auditorium-Modelle sind überzeugend.

PLUS

  • Design, Hölzer, Finish
  • Verarbeitung, Werkseinstellung
  • Bespielbarkeit
  • frische kraftvolle Sounds
  • Preis/Leistung

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2020)

Produkt: Gitarre & Bass Digital 02/2018
Gitarre & Bass Digital 02/2018
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