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Walden CG 4070E-Cert im Test

Akustik-Gitarre von Walden, stehend, mit Koffer
FOTO: Dieter Stork

 

Eine vollmassive Steelstring aus zertifizierten Hölzern mit aktiver Elektronik die keine Batterie braucht – da lohnt sich ein genauer Blick.

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Da hat man sich wohl bei Walden mal eingehend Gedanken darüber gemacht, wie es im Gitarrenbau weitergehen soll oder kann. Herausgekommen ist dabei die Madera- Serie, wo alle Instrumente der Kontrolle des unabhängigen, nicht profitorientierten Forest Stewardship Council (FSC) unterliegen, respektive die verwendeten Hölzer eben nachweislich aus nachhaltigem Anbau stammen und, wie in diesem Fall in China, unter vernünftigen Arbeitsbedingungen verbaut wurden. Der Werdegang der Hölzer wird mittels Chain-of-Custody-Zertifikat vom Wald bis zum fertigen Instrument nachvollzogen. Doch genug der Theorie.

 

Konstruktion der Walden CG 4070E-Cert

Das schöne ist ja, dass diese Gitarre nicht aus irgendwelchen seltsamen Alternativ-Hölzern gezimmert wurde, sondern ganz klassische Zutaten hat. Die fein gemaserte Decke aus amerikanischer Rotzeder ist hier kombiniert mit Zargen und Boden aus südamerikanischem Mahagoni. Das ganze wie gesagt vollmassiv. Der hochglanzlackierte Hals ist aus dem gleichen Holz geschnitzt und trägt ein Griffbrett aus South American Katalox. Wenig gemasert, dunkel in der Farbe, ähnlich wie Ebenholz und ohne Inlays wirkt das Fretboard elegant-edel und präsentiert 20 perfekt eingesetzte und polierte Bünde. Des Weiteren punktet die Walden mit Sattel und Stegeinlage aus Knochen, dem firmentypisch geschnittenen Tortoise-Schlagbrett und einer geschmackvollen Kopfplatte mit vergoldeten Mechaniken, schwarzen Stimmwirbeln, und dem kunstvoll eingelegten chinesischen Schriftzeichen für Holz aus Perlmutt.

Der andere große Knüller bei dieser CG4070 ist das Pickup-System: Unter der Stegeinlage sitzt der „Element“ Piezo-Abnehmer von L.R.Baggs. Soweit sehr gut, aber nicht revolutionär. Die aktive Elektronik namens MiSi Align hält allerdings ein paar Überraschungen bereit. Sie kommt nämlich ohne Batterie aus! Sie hat einen Akku, der mittels des mitgelieferten Ladekabels, welches man am Klinken-Output am Gurtpin anschließt, geladen wird. Um Energie für ca. 8 Stunden Spielzeit zu speichern braucht man, Achtung – 60 Sekunden! Und verliert oder vergisst man einmal das Ladeteil, kann man sich die Energie mit einem beliebigen Gitarrenkabel aus einem 9-Volt-Block ziehen. Zur Klanganpassung stehen drei griffige Drehregler für Volume, Treble und Bass zur Verfügung, die allesamt mittig leicht einrasten. Ende der Durchsage.

Die Walden kommt in einem schicken, braunen Formkoffer, sogar ein Humidifier von Planet Waves gehört zum Lieferumfang. Prima Sache bei trockener Heizungs-Winterluft.

 

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FOTO: Dieter Stork

 

Die Walden CG 4070E-Cert in der Praxis

Die CG4070 ist ein Grand Auditorium Modell und liegt somit, dank der schlanken Taille, besonders komfortabel und sicher auf dem Schoß oder am stehenden Spieler. Die linke Hand fühlt sich direkt wohl, das C-Profil des Halses passt, die Saitenlage ist bestens voreingestellt, die Bundstäbchen perfekt verrundet – alles sehr angenehm. Die klanglichen Erwartungen sind ja nicht gering bei einer vollmassiven Grand Auditorium und sie werden auch nicht enttäuscht. Klar, breitbandig, resonant und mit reichlich Sustain entfaltet sich ein Klangbild, das schon sehr reif und abgehangen wirkt, trotz flammneuer Werkssaiten und fehlender Einspielzeit. Da darf man wohl einiges an Entwicklungspotenzial vermuten – die Walden könnte sicher nach einem halben Jahr klanglich noch mal einen großen Schritt nach vorne machen.

Jetzt aber, nicht ohne Neugier, Kabel rein. Ich habe die Walden eine Minute lang ans Ladegerät gehängt, und ja – wir sind auf Sendung. Erstmal die Regler in die Mittelrastung: klingt gut. Ich bin sowieso Fan des „Element“ von L.R.Baggs. Alle Saiten sind gleich laut, der Klang so natürlich wie ein Piezo es nur liefern kann, keine Feedback-Probleme – I like it.

Das mit der Mittelrastung beim Volume-Regler ist ja sonst nicht so üblich, macht aber absolut Sinn. Ich nehme das als Basis-Output, zu dem ich leicht zurückfinde, der Rest ist Solo-Reserve. Die beiden Klangregler geben mir reichlich Spielraum, um ein Fein-Tuning auf Geschmack und Umgebung zu erreichen.

 

Resümee

Ziemlich überzeugend, diese Öko-Klampfe. Konzeptionell konsequent, in Verarbeitung und Klang tadellos. Mit Ladekabel und Luftbefeuchter im guten Koffer ist das hier ein stimmiges Paket für professionellen Einsatz und gutes Gewissen. Im wahrsten Sinne vorbildlich.

 

Plus

  • grünes Konzept
  • Hölzer, Hardware
  • Verarbeitung
  • Elektronik
  • E- und A-Klang

 

Übersicht

Fabrikat: Walden

Modell: CG4070E-Cert

Typ: Grand Auditorium Steelstring

Herkunftsland: China

Mechaniken: vergoldet, geschlossen

Hals: Südamerikanisches Mahagoni, zertifiziert, 2-Wege- Halsstab

Sattel: Knochen

Griffbrett: Katalox

Radius: 16″

Halsform: C-Profil

Halsbreite: Sattel 44 mm; XII. 55 mm

Halsdicke: I. 22,5 mm; V. 22,2 mm; X. 23,3 mm

Bünde: 20

Mensur: 650 mm

Korpus: Südamerikanisches Mahagoni, zertifiziert, massiv

Decke: Amerikanische Rotzeder, zertifiziert, massiv

Oberflächen: Hochglanz

Schlagbrett: Tortoise

Steg: Katalox

Stegeinlage: Knochen, kompensiert

Saitenbefestigung: Steg-Pins

Saitenabstand Steg: E-1st – E-6th 57 mm

Elektronik: L.R.Baggs Element Piezo Pickup, MiSi Align Preamp

Gewicht: 1,95 kg

Lefthand-Option: nein

Vertrieb: Musik und Technik

35041 Marburg

www.musikundtechnik.de

Zubehör: guter Formkoffer, Ladekabel, Luftbefeuchter, Tragegurt, Manual, Stegpin, Stegeinlage, Inbusschlüssel

Preis: ca. 1360

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