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Test: Ibanez AEGB24EBKH

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(Bild: Dieter Stork)

Spätestens nach Einsetzen der Unplugged-Welle in den 90ern setzte ein Run auf akustische Bassgitarren ein. Ibanez brauchte etwas länger, aber seit zwanzig Jahren hat auch der Hersteller, der ursprünglich mal mit akustischen Gitarren angefangen hat, welche im Angebot. Der neueste Zugang ist der AEGB24E, dessen akustischen und elektrischen Qualitäten wir uns hier widmen werden.

Was hat das kompakte, bewährte Design zu bieten, das Ibanez mit ein paar neuen Details aufgemotzt hat?

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KOMPAKT

Der AEG-Body ist laut Ibanez kleiner als ein Dreadnought-Korpus und damit bequemer zu spielen, aber groß genug, um noch eine gewisse akustische Fülle zu haben. Er ist komplett aus laminiertem Sapele gefertigt, einem afrikanischen Holz mit Verwandtschaft zu Mahagoni. Unter der sauber ausgeführten, schwarz glänzenden Deckenlackierung verschwindet dessen attraktive Maserung, aber Boden und Zargen lassen sie sehen.

Der Hals aus zwei Lagen Nyatoh und einem breiten Mittelstreifen aus Ahorn ist mit einer angeschäfteten Kopfplatte zusammengesetzt und matt lackiert. Die Vorderseite der Kopfplatte ist wiederum hochglänzend Schwarz. Die CITES-Regelung, die ab 2017 bis Ende August 2019 galt und den Handel mit Palisander nicht verbot, aber doch aufwendiger machte, hat uns einige alternative Hölzer beschert. Beim AEGB (dabei handelt es sich nicht um die Stimmung des Basses) ist das Griffbrett daher aus Walnuss, mit hübschen Punkteinlagen zur Orientierung zwischen den 21 Bünden. Feine weiße Dots in der Griffbrettflanke helfen dabei. Ebenfalls aus Walnuss ist der Steg, in dem die Saiten mit passend großen Pins fixiert werden.

Unter der Stegeinlage liegt der keramische Piezoabnehmer, der sein Signal an den AEQ2T-Preamp weitergibt. Ausgeklügelte Features wie Phasendrehung und Notchfilter sucht man hier vergebens, aber Bässe, Höhen, und Lautstärke sind hier zu regeln, außerdem gibt es ein chromatisches Stimmgerät und das Fach für den 9V-Block. Am Amp angeschlossen mutet der Tuner das Ausgangssignal, er funktioniert aber auch ohne Kabel in der Buchse, die direkt im Holz der Zarge sitzt. Optisch prägendstes Element des Basses ist das Stück Merbau-Holz, das im ersten Moment wirkt, als hätte sich ein Pickguard an eine ungewöhnliche Stelle verirrt. Tatsächlich ist es eine Daumenstütze, die mit drei Schrauben und untergelegten Gummidämpfern direkt auf der Decke befestigt ist.

SPIELSPASS

Gestimmt ist der Bass in kürzester Zeit, der gut reagierende Tuner und die angenehm drehenden Mechaniken machen es möglich. Der kompakte Korpus sorgt, im Zusammenspiel mit der mittleren 32”-Mensur, für eine recht entspannte Spielbarkeit, insbesondere für einen akustischen Bass, und das sowohl im Sitzen als auch im Stehen. An zwei Pins findet der Gurt seine Aufnahme, jegliche Kopflastigkeit relativiert sich, da eigentlich immer der rechte Unterarm auf dem Korpus aufliegt. Der Hals ist mit 43 mm am Sattel nicht eben schmal, dafür aber nicht allzu dick und liegt gut in der Hand.

Für gutes Spielgefühl sorgt auch die Besaitung. Die ist aus 80/20 Bronze, aber Carbon Coated. Das gibt ihr nicht nur die schwarze Farbe, sondern auch einen wärmeren Ton und gleichzeitig weniger Griff- bzw. Rutschgeräusche und eine längere Haltbarkeit. Tatsächlich klingt der Bass angenehm rund. Wirkliche Lautstärke wird man von einem für Bassverhältnisse so kleinen Instrument kaum erwarten, aber der AEGB klingt in sich schön ausgewogen, mit gutem Bass und prägnanten, tragenden Mitten. Die Intonation ist auf den hohen Saiten gut, auch noch in den gut erreichbaren oberen Lagen, für E und A dürfte die Stegeinlage noch etwas stärker abgewinkelt sein.

Die erreichbare Lautstärke wird sicher auch noch durch die große, aufgeschraubte Daumenstütze gedämpft, die die Decke am Schwingen hindern dürfte. Dafür ist sie für meinen Geschmack sehr nützlich. Der Daumen findet über einen weiten Bereich eine eine gute Auflage, wodurch von direkt am Hals bis kurz vorm Steg eine Variation des Anschlags möglich ist, mit schön unterschiedlichen Ergebnissen. Die Finger schlagen dabei beim Zupfen der E-Saite an der Daumenstütze an, so wie sie bei den höheren Saiten an der jeweils nächsttieferen landen. Das fühlt sich nach kurzer Einspielzeit gut und natürlich an.

Einschränkungen gibt es allerdings auch: Wenn ich den Bass mit dem Plektrum beackere, bleibe ich immer mal an der Daumenstütze hängen. Da bräuchte ich vielleicht noch mehr Einspielzeit, oder ich müsste mal an meiner Technik feilen. Außerdem wäre es schön, wenn die Stütze in der Höhe zur E-Saite parallel laufen würde oder einstellbar wäre, was mit anderen Unterlegern aber sicher auch selbst hinzubekommen wäre und sich beim Spielen noch natürlicher anfühlen würde.

Wie schon erwähnt, klingt der AEGB für sich sehr angenehm, ist aber nicht sonderlich laut. Dafür gibt es ja ein Tonabnehmersystem an Bord. Mit der einfachen Klangregelung in Mittelstellung gibt die Klinkenbuchse das typische Piezo-Signal aus. Leicht künstlich, mit sehr klaren, etwas vorwitzigen Höhen, die mit dem eher warmen Akustikton nicht allzu viel gemein haben. Wie sehr das hervortritt hängt auch vom Amp ab, ein echter Akustikamp bildet das stärker ab als ein Bassamp mit Zehner oder Zwölfer ohne Hochtöner, an dem der Ibanez sonst ebenfalls eine sehr gute Figur macht.

Abhilfe schafft die Klangregelung. So rudimentär sie auch ist, der Bassregler hilft, bassig anzufetten, oder mögliches Wummern und/oder tieffrequentes Feedback zu reduzieren. Der Höhenregler nähert den Ton voll zugedreht dem an, was ich akustisch höre – warm und rund, und dennoch definiert. Die gute Nachricht zum Tonabnehmer zum Schluss: alle Saiten kommen gleich laut und mit dem gleichen Druck rüber.

RESÜMEE

Der AEGB24E macht Spaß! Er sieht gut aus, ist mit seiner kürzeren Mensur und der originellen Daumenstütze bequem zu spielen – und er klingt gut. Akustisch macht er beim Üben oder Daddeln alleine mit holzigem und ausgewogenem Ton Laune. Mit Unterstützung durch einen (kleinen) Verstärker kommt er auch gegen mehr als nur eine sehr leise akustische Combo an, und kann dann trotz einfachen Abnehmers und Preamps mit durchaus überzeugenden Sounds aufwarten. Die aufgezogenen Ibanez-Saiten tun ihr Übriges, sowohl was das Spielgefühl als auch den Klang angeht. Für den Preis wirklich erstaunlich – zum Antesten empfohlen!

PLUS

● Optik
● Spielgefühl
● ausgewogener akustischer Sound
● Daumenstütze
● Saiten

(erschienen in Gitarre & Bass 11/2022)

Produkt: Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
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