Young Blood

Test: Anchor London Denim AE

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(Bild: Dieter Stork)

Auf der Kopfplatte steht „Est. 2020“. Das nenne ich mal eine junge Firma! Aber jung heißt zum Glück nicht unerfahren.

Der Musikvertrieb Trius hat diese Marke ins Leben gerufen und weiß nur zu genau, was von einer Acoustic erwartet wird. Schließlich hat man auf dem Gebiet auch lange Vertriebserfahrung.

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ZIERLICH …

Ein Anchor Guitars Dreadnought-Modell hatten wir schon zum Test … in einem zeitgemäßen Sortiment darf aber eine Parlor natürlich nicht fehlen. Kleine Acoustics erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Die London Serie bietet drei Parlors in verschiedenen Ausführungen, wir haben hier die Denim Variante mit Pickup-System zum Test vorliegen. Der Korpus setzt sich zusammen aus einer massiven Fichtendecke sowie Boden und Zargen aus Mahagoni. Bemerkenswert ist hier die Zargentiefe von 9,5 -11,5 cm.

Das matte (Jeans)-Finish gefällt mir gut, das elfenbeinfarbene Binding setzt einen schönen Kontrast – auch das kleine weiße Perloid-Schlagbrett passt (fast) perfekt ins Bild, leider ist es nicht gut an die Rundung des Schalllochs angepasst. Für Steg und Griffbrett kommt Palisander zum Einsatz, Letzteres liegt auf einem Mahagonihals (Ansatz am 14. Bund) und ist mit 20 tadellos polierten Bünden und kleinen Dot-Inlays bestückt. Zwischen Stegeinlage und Sattel aus Kunststoff erstreckt sich eine Mensur von 648 mm.

Der Übergang zur Kopfplatte ist in guter alter Martin-Manier mit einer Volute verstärkt, des Weiteren finden wir hier sechs offene, mattierte Stimmmechaniken mit viel 50s-Charme. Auf der Seite der modernen Aspekte steht das Presys-II-Pickup-System von Fishman mit Volume- und 2-Weg-Klangregelung sowie Tuner auf der Zarge. Der Klinken-Ausgang befindet sich – abgekoppelt vom Gurtpin – zusammen mit dem Batteriefach auf der hinteren unteren Zarge.

(Bild: Dieter Stork)

… ABER KRAFTVOLL

Wie soll ich sagen … die London fühlt sich nicht so klein an, wie sie ist. Der Korpus ist recht tief, die Mensur hat volle Länge, das Halsprofil liegt satt in der Spielhand. Diese fühlt sich sofort wohl auf dem bestens bespielbaren Griffbrett – die gute werksseitige Einstellung von Halskrümmung, Saitenlage und Intonation tun ein Übriges. Auch stehend am Gurt gespielt, macht einem die kleine Anchor das Leben leicht, obwohl der vordere Gurtpin nicht an meiner bevorzugten Stelle angebracht ist. So wie hier montiert, kippt die Gitarre etwas weg vom Spieler und gewährt nur wenig Sicht auf’s Griffbrett.

Klanglich wird geboten, was für eine Parlor-Gitarre (im positivsten Sinne) typisch ist. Ein kraftvoller Sound mit guter Lautstärke, gemäßigten Bässen, fokussierten Mitten und klaren Höhen. Die Wucht einer Dreadnought darf hier natürlich nicht erwartet werden. Aber dieses Parlor-Klangbild kann in vielen Situationen äußerst vorteilhaft sein. In einem Band-Gefüge z.B., wo übermäßige Bässe nur zu Feedback führen und sich ein schlanker Sound gut durchsetzt. Auch bei Fingerstyle-Playern wird Freude aufkommen angesichts der authentischen Folk- und (Delta)-Blues-Klänge, die sich hier spielend leicht herstellen lassen. Der Fishman Pickup übersetzt das Ganze souverän ins Elektrische, da macht der Bottleneck-Einsatz dann auch richtig Spaß. „I got a little red rooster …“

RESÜMEE

Tolle Parlor mit hohem Spaßfaktor. Cooler Look, authentische Sounds, sehr fairer Preis – da drängt sich ein persönlicher Test wirklich auf!

PLUS

● Design, Finish
● Hardware
● Werkseinstellung
● tolle modelltypische E- und A-Sounds

(erschienen in Gitarre & Bass 08/2022)

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