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Test: Anchor Eagle SW Europe

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Der noch junge Hersteller hat sich einen Namen mit guten und günstigen Acoustics aus Fernost gemacht. Jetzt folgt der nächste Schritt.

Die neue Europe-Serie mit diversen Orchestra- und Dreadnought-Modellen wird in Bulgarien gefertigt und stellt sich der harten Konkurrenz im Preissektor knapp unter 1000 Euro.

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GESUNDE BASIS

Zum Test angetreten ist eine Dreadnought-Variante ohne Cutaway und ohne Pickup-System. Bei den Grundzutaten lässt die Anchor Eagle aber nichts vermissen. Der Korpus ist vollständig aus massiven Hölzern gefertigt: Zeder für die Decke, Sapeli für Boden und Zargen. Die Kanten sind mit hellem Maple-Binding verstärkt, am Deckenrand und mittig auf der Rückseite finden wir Herringbone-Einlagen.

Die Ahornleisten innen auf dem Boden wirken recht massiv – das ist eine stabil konstruierte Gitarre. Der Hals aus Sipo (Mahagoni sehr ähnlich) ist am 14. Bund angesetzt und mit einem Griffbrett aus Palisander belegt, das 20 bestens polierte und verrundete Bünde aufweist. Außer den kleinen Dot-Inlays in den üblichen Lagen, findet sich im 12. Bund ein schönes Anker-Inlay.

Die Saiten liegen auf der Stegeinlage und dem Sattel aus Tusq XL von Graphtech und bieten dabei eine Mensur von 648 mm. Die Kopfplatte ist unterhalb des Sattels sauber angeschäftet und hier auch mit einer verstärkenden Volute versehen. Mit dem Anchor-Guitars-Logo und den mattierten offenen Mechaniken unterstützt die Kopfplatte den coolen Gesamteindruck der Eagle SW. Die Gitarre ist gänzlich mit einem Matt-Finish versiegelt und insgesamt sehr sauber und akkurat verarbeitet.

(Bild: Dieter Stork)

DREADNOUGHT DNA

Die Proportionen dieses Gitarren-Formats sind ja hinlänglich bekannt, und doch hat jede Dreadnought ihre eigene Handschrift. Unsere Test-Anchor fällt zunächst mit ihrem angenehmen Halsprofil auf, das super in der Hand liegt. Dank der zwei verbauten Gurtpins, kann man das auch gleich stehend probieren. Die Saitenlage wird dem einen oder anderen nicht flach genug sein – ich mag es so.

Man kann beherzt strummen, ohne dass gleich die Saiten schnarren, und auch bei Bottleneck-Einsatz macht sich etwas mehr Saitenabstand bezahlt. Allerdings dürften die Sattelschlitze einen Hauch tiefer gefeilt sein. Mit Kapo am ersten Bund (oder einem F-Barré-Akkord) bekommt man Tuning-Probleme. Die Spielbarkeit durch die Lagen ist ansonsten wunderbar.

Die vollmassive Anchor Eagle gibt uns klanglich genau das, was man erwartet: einen satten, breit aufgestellten, vollmundigen Dreadnought-Sound mit dem richtigen Pfund Bässe, trockenen, durchsetzungsfähigen Mitten und klaren Höhen mit dem nötigen Schuss Sparkle & Shine. Was die Anchor dabei wie selbstverständlich auch noch mitbringt ist eine enorme Dynamik-Range, eine sensible Ansprache und ein gehöriges Sustain – also alle wichtigen Faktoren, die es braucht, um die spielerischen Details und Eigenarten eines guten Spielers präzise umzusetzen.

RESÜMEE

Die Idee, in Europa zu produzieren, kann man doch wirklich nur begrüßen. Und wenn dann eine so gelungene Gitarre wie die Anchor Eagle SW Europe dabei herauskommt … Das klangliche Potenzial und die tolle Bespielbarkeit machen die Eagle zu einem hervorragenden Allrounder auf hohem Niveau, zum fairen Preis.

PLUS

● Design, Finish
● massive Hölzer, Hardware
● kraftvoller Dreadnought-Sound
● Dynamik, Sustain
● Preis/Leistung

MINUS

● Sattelschlitze könnten etwas tiefer sein

(erschienen in Gitarre & Bass 08/2023)

Produkt: Fender Stratocaster
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