Czech Dreadnought

Furch D-33SR im Test

Furch Gitarre

Die tschechische Firma Furch ist zwar kein ausgewiesener Custom-Shop-Hersteller, aber man kann doch (teilw. gegen Aufpreis) zwischen etlichen Optionen wählen, wenn man ein Instrument der Vintage-Serie haben möchte. Was darf’s sein? Fensterkopfplatte, Pickup, eine andere Griffbrettbreite, andere Hölzer, Lefthand-Modell, Cutaway, 12-String …

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konstruktion

Die vorliegende D-33SR ist aber eine pure, klassische Dreadnought im Pre-War-Style, wie sie typischer nicht sein könnte. Z. B. die Decke: die ist aus massiver, ausgesuchter Sitka-Fichte und hat eine satt honiggelbe Vintage-Tönung. Sie ist stilgerecht mit einem Fischgräten-Muster umrandet, auch das Schallloch weist eine solche Herringbone- Verzierung auf. Typisch VorkriegsÄra ist auch das Schlagbrett in Tiger-Spot- Optik. Zargen und Boden sind aus – natürlich ebenfalls massivem – ostindischem Palisander.

Die Verbindung der Korpuselemente wurden mit Ivoroid-Binding, elfenbeinfarbenem Kunststoff, in Szene gesetzt. Der Steg ist aus Ebenholz geschnitten, auch die Saitenpins sind aus diesem Holz. Über die kompensierte Stegeinlage aus Tusq laufen die Saiten Richtung Hals, der absolut alte Martin-Schule ist: Mahagoni als Basis, typisches V-Profil das zum Body hin etwas abflacht, Griffbrett aus Ebenholz, 20 absolut perfekt gearbeitete Bünde, stylische Pearl- Quadratic-Inlays. Dann finden wir natürlich rückseitig beim Übergang zur Kopfplatte die klassische Volute zur Verstärkung dieses Bereiches.

Die Kopfplatte kann man eigentlich nur als Augenschmaus bezeichnen: Die Oberfläche zeigt eine Auflage aus Ebenholz, darin ist das Firmenlogo kunstvoll eingelegt. Als Mechaniken kommen offene, leicht geagete Gotoh SE510 zum Einsatz. Sie arbeiten mit einer Ratio von 15:1 und laufen absolut sahnig. Ganz besonders hervorheben muss man bei dieser Furch die Lackierung!

Furch Gitarre Rücken

Das Instrument ist per Vintage Hand-Brushed Finish versiegelt, was keinerlei Ähnlichkeit mit einer schnöden Mattlackierung hat, sondern wie ein 20 Jahre altes Hochglanz- Finish wirkt. Genial gemacht – natürlich ohne profane Relic- Risse, -Dellen, -Kratzer oder Ähnliches. Bei der Konstruktion der D-33SR irgendwelche Mängel aufzudecken will mir nicht gelingen. Verarbeitung, Finish, Werkseinstellung – alles auf Top-Niveau. Im Preis enthalten ist auch ein superstabiler Hiscox-Koffer plus Kleinteile-Zubehör.

praxis

Die Furch liegt auf dem Schoß, wie Dreadnoughts das eben tun. Ob sie auch gut am Gurt hängt, lässt sich sofort überprüfen, denn ein vorderer Saitenpin ist bereits auf der Unterseite des Halsfußes installiert. Diese Position bringt sicheren Halt und hält die Gitarre davon ab, nach vorne zu kippen, was wiederum eine gute Sicht auf das Griffbrett begünstigt. Mancher sieht den Pin an dieser Position aber auch als Nachteil, weil er das Solieren in hohen Lagen behindern könnte. Naja, bei einer Steelstring ohne Cutaway ist das eh kompromissbehaftet – für mich überwiegen die Vorteile.

Furch Gitarre

Der mattierte Hals (Satin Smooth-Slide Finish) fühlt sich toll an, die Griffbrettkanten sind schön verrundet, die Bünde perfekt poliert – das ist eine Wohlfühl-Zone ohne Abstriche.  Den ersten Akkord auf einer hochwertigen Dreadnought spielt man mit bestimmten Erwartungen. Man will eine gewisse Wucht, Tightness, strammen Bass-Schub, gesunde Lautstärke mit Dynamik und Sustain – und all das liefert die D-33 auch auf kultivierte, bestens austarierte Art und Weise.

Sie sieht nicht nur aus, wie eine eingespielte Gitarre – sie klingt auch so. Trocken und abgehangen die Bässe, rockig und frech die Mitten, offensiv und angenehm die Höhen – mit so viel Klangcharakter und Potenzial lässt sich dann auch jede erdenkliche Spielweise zwischen Schrammel-Folk und Fingerstyle auf höchstem Niveau umsetzen. Grenzen setzt da allenfalls der Spieler.

resümee

Es ist keine Neuigkeit, dass Frantisek Furch sein Handwerk versteht. Auch diese D-33SR ist wieder eine Gitarre aus seinen Händen, die keinen Spielraum für Kritik bietet. Eine so tolle Gitarre mit Top-Koffer, gebaut in einem europäischen Nachbarland, zu diesem Preis: mir fällt beim besten Willen kein Grund ein, diese Furch nicht schleunigst anzutesten.

Plus
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Ein Kommentar zu “Furch D-33SR im Test”
  1. Drose, Lutz

    Diese Gitarre lässt das Gefühl sie spielen zu müssen, förmlich spüren.

    Antworten
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