Die Larson Bros. Prairie State SJ Style 3-ES im Test

Akustik-Gitarre von Larson, stehend, mit Koffer

 

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Ein interessantes Stück Gitarrenbau-Geschichte findet hier seine Fortsetzung und Wiederbelebung. Und den schwedischen Brüdern Larson wird etwas zuteil, was in ihrer aktiven Phase zwischen 1890 und 1940 nie der Fall war: Ihr Name prangt auf der Kopfplatte einer Acoustic.

 

 

Die in die USA ausgewanderten Brüder bauten in diesem Zeitraum in Chicago etwa 2500 Instrumente – von der Mandoline bis zur Jumbo – und waren dabei mit die ersten, die sich konsequent auf die Stahlsaiten-Akustik-Gitarre konzentrierten. Sie entwickelten zahlreiche patentierte Konstruktionsdetails wie z. B. das „laminated bracing“ oder Stahlstäbe zur Verstärkung des Korpus, und vertrieben ihre hochwertigen Gitarren unter Labels wie Stahl, Maurer, Euphonon, Wack, Dyer und auch Prairie State. Da schließt sich der Kreis zur Test-Probandin. Das Comeback dieser Marke verdanken wir dabei weder Schweden noch Amerikanern, sondern einem deutschen Vertrieb, der sich den Namen gesichert hat und zusammen mit einer tschechischen Gi tar renmanufaktur unter dem alten Label neue Gitarren baut.

 

Konstruktion der Larson Bros. Prairie State SJ Style 3-ES

Das erste Lächeln zaubert mir die Larson schon beim Anblick ihres Koffers ins Gesicht. Schick! Und es verfliegt auch nach dem Öffnen nicht. Die Prairie State im Small-Jumbo-Format hat eindeutig Ausstrahlung. Zargen und zweiteiliger Boden sind aus geflammtem Ahorn, die ebenfalls zweigeteilte Decke aus ge-aged-ter Fichte gefertigt. Diese Rezeptur hat dann sicher auch klanglich klare Auswirkung. Später. Diese hellen, ausdrucksstarken Hölzer werden durch ein Vintage-gelbliches Binding verbunden, welches auch das Griffbrett, die Kopfplatte und – sehr ansprechend – das Schallloch einfasst. Dessen Verzierung wie auch das Decken-Purfling sind unaufdringlich doch effektvoll, und stören so nicht die hellfreundliche Vintage-Attitüde der Larson. Zu dieser positiven Schlichtheit trägt auch der eher kleine Ebenholzsteg in einfacher Rechteckform bei. Durch die geringe Grundfläche des Stegs sitzen die Holzpins zur Saitenbefestigung sehr dicht hinter der (kompensierten) Stegeinlage, und ziehen die Saiten sehr steil nach unten weg. Das bringt sicher viel Schwingung auf die Decke, könnte aber auch strapaziös für die Saiten sein.

Während der Korpus in ein makelloses Hochglanz-Finish getaucht ist, kommt der einteilige Hals aus Mahagoni in Greifhand-sympathischer Matt-Ausführung. Er trägt ein Ebenholzgriffbrett mit 20 flachen, schlanken Spaghetti-Bünden, die exzellent eingesetzt und aus- und abgerichtet sind. Da kündigt sich großes Spielvergnügen an. Fürs Auge und zur Orientierung finden sich diverse Perlmutt-Einlagen. Ein geschmacklicher, stilistischer, optischer Leckerbissen ist die Kopfplatte. Wie die geschnitten ist, mit einer hochglanzlackierten Ebenholz-Auflage, akzentuiert mit hellem Binding, das schöne Firmenlogo und die offenen Old-School-Mechaniken von Gotoh mit den typischen Butterbean-Stimmwirbeln – einfach schön.

Ich habe selten eine Gitarre gesehen, die so geschmacksicher und stimmig designed wurde. Da ist nicht der kleinste Fauxpas in Sicht. Die Materialien und das Verarbeitungsniveau sind ebenfalls untadelig. Wenn die „kleine Große“ jetzt auch noch klingt …

 

Praxis

Jumbo-formatige Acoustics liegen in der Regel gut auf dem Schoß, mit ihren stark taillierten Bodies. So ist das auch bei dieser Style 3. Die Linke fühlt sich sofort bestens aufgehoben auf der perfekten Hals/Griffbrett-Kombination.

Um die Katze gleich aus dem Sack zu lassen: Der Klang ist eindeutig ein Kind der Korpushölzer. Der Maple-Body bringt Klänge mit großer Klarheit, strahlenden, glasigen Höhen und großer Festigkeit hervor. Der Bassbereich ist – schon aufgrund des Jumbo-Formats – gut vertreten, bollert und wummert aber nicht, sondern besticht auch mit klarer, trockener Tightness. Rein intuitiv drängt es mich zu den Fingerpicks … und wirklich, da überzeugt der Klangcharakter der Larson zusammen mit der tollen Bespielbarkeit in besonderem Maße. Tonformung und Spieldynamik muss allerdings der Spieler selbst mitbringen, das kann ihm auch die beste Gitarre der Welt nicht abnehmen.

Der Hersteller verzichtet übrigens bewusst auf den Einbau eines serienmäßigen Pickups mit dem Hinweis, dass Player mit gehobenen Ansprüchen lieber ein Pickup-System ihrer eigenen Wahl einbauen (lassen). Klingt logisch.

 

Resümee

In diesem Modell des neu belebten Labels Larson schwingt einige vom Spirit der Steelstring-Pioniere Carl und August Larson mit. Alles wirkt so stimmig und zu Ende gedacht. Der markante Ahorn-Sound mag nicht jedermanns Sache sein, aber dafür gibt es ja andere Modelle. Diese Prairie State SJ ist eine absolut runde Sache – für Profis und andere Genießer.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Dear Sir/Madam, where is the Larson Bros. Prairie State SJ Style 3-ES made please?

    Thanks and regards
    Mark Muscat.

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    1. Hi Marc!
      The Guitar is made in the Czech Republic!

      Best regards!
      Stefan

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