Think different

Cole Clark Fat Lady FL2EC-MMAH im Test

Bei Acoustics gibt es viele Standards bezüglich Material und Bauweise – dem Cole-Clark-Team aus Melbourne ist das herzlich egal.

Cole Clark Fat Lady
(Bild: Dieter Stork)

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Im Jahr 2001 traten die Herren Adam Cole und Bradley Clark an, ihre Vorstellungen vom Bau einer E-Akustik-Gitarre in die Tat umzusetzen. Mittlerweile hat die Firma 40 Mitarbeiter und erfreut sich stetig wachsender Beliebtheit. Die Vorführung von Lloyd Spiegel auf der Frankfurter Musikmesse hat dann auch mich angefixt, und eine Fat Lady wurde zum Test bestellt.

 

Huhn oder Ei

… was war zuerst da? Auf Cole-Clark-Gitarren übertragen heißt das, hier wird nicht eine Acoustic gebaut und dann ein Pickup installiert, nein – hier wurde ein Abnahme-System entwickelt und dann um dieses herum die ideale Gitarre gebaut. Eine Cole Clark ist eine E-Acoustic von Grund auf – sozusagen. Die Fat Lady ist komplett aus massiven Hölzern gefertigt. Dabei kam sowohl für die Decke, als auch für Boden, Zargen und Hals Australian grown African Mahogany zum Einsatz. Nur Steg und Griffbrett sind aus einem anderen Holz – Indischer Palisander.

Besonderheiten in der Konstruktion: Der Hals ist nicht an den fertigen Korpus angeleimt oder geschraubt wie üblich, die Fat Lady ist quasi konstruiert wie eine Flamenco-Gitarre – mit spanischem Halsfuß. Und innen, wo die Zargen mit Decke und Boden zusammentreffen, sind keine Riemchen vorhanden, die Korpusteile sind mit Kamm und Nut verbunden – weniger Gewicht, mehr Schwingung. Der bis zum Schallloch einteilig durchgehende Mahagonihals weist ein flaches C-Profil auf. Das Griffbrett beherbergt 20 optimal verrundete und polierte Bundstäbchen – und hier steckt auch ein bisschen Deutschland drin, denn Cole Clark ist stolzer Besitzer einer PLEK-Maschine. Man darf sich also auf eine ideale Saitenlage freuen.

Zur Orientierung dienen die quadratischen Snowflake-Einlagen und die kleinen Side-Dots. Die Saiten ruhen auf Stegeinlage und Sattel aus Black Tusq und überqueren dabei freischwingende 648 mm. Die Kopfplatte ist recht eigenwillig angeschäftet, hat eine rückseitige Volute zur Verstärkung und frontseitig eine mittige dicke Holzauflage mit Firmen-Logo. Sechs vergoldete geschlossene Grover-Mechaniken sind für gute Stimmung zuständig. Die gesamte Gitarre ist mit einem Matt-Finish versehen, und hat eine natürliche puristische Ausstrahlung, die einen nicht gleichgültig lässt.

Elementar: das Pickup-System. Hier haben sich die Tüftler aus Melbourne ein Drei-Wege-System ausgedacht, bei dem jeder Klanglieferant einen bestimmten Teil des Gesamt-Sounds beisteuert. Das hat überzeugende Vorteile, denn wenn – wie hier – das Mikro nur Presence beisteuert, erhöht sich auch nicht die Feedback-Gefahr wenn man es dazufährt. Bässe und Mitten kommen vom Piezo unter der Stegeinlage, hohe Mitte und Höhen (und somit die perkussiven Anteile) liefert der Decken-Tonabnehmer. Das Ganze lässt sich dann am Cockpit auf der Zarge nach Belieben mischen. Fader für Bass, Mitten und Höhen sind auch noch vorhanden. Klinkenausgang und Batteriefach sind – abgekoppelt vom Gurtpin – unten hinten auf der Zarge. Die Fat Lady kommt in einem schicken Koffer, in dem man u. a. auch noch ein aufklebbares Pickguard findet.

 

Natur pur

Ich spreche gemeinhin bei 21 mm Halsdicke am Sattel von einem schlanken Hals. Hier sind es 19 mm! Zusammen mit den phantastisch abgerichteten Bünden (PLEK) und dem runden Cutaway ergibt sich da eine perfekte Bespielbarkeit. E-Gitarristen welcome!

Der Klangcharakter der Fat Lady ist natürlich geprägt vom fast ausschließlich verwendeten Mahagoni. Der Sound kommt zwar frisch, schnell und quicklebendig daher, transportiert aber auch Wärme, Ausgewogenheit, Reife und eine sonore Gelassenheit. Da ist eine geschmackliche Grundsatzentscheidung gefragt. Wer die D-18- oder J-45-Klangwelt mag, ist hier richtig – steht man auf den klaren und harten Attack und Punch von Palisander, lässt man hier lieber die Finger weg. Man sollte sich aber auf keinen Fall gegen diese Cole Clark entscheiden, ohne sie über Anlage/Amp/Monitor gehört zu haben. Denn da hagelt es richtig Pluspunkte. Ich stöpsel ein, hab noch gar keinen Regler berührt und denke bloß: Boah, wattn Sound! So natürlich, so viel Luft – alle Wetter. Dreht man den Blend-Regler weiter Richtung „Face“ – also Decken-Tonabnehmer – erwacht das ganze Instrument förmlich zum Leben und du kannst den Tommy Emmanuel in dir rauslassen.

Und das Ganze ohne den geringsten Anstieg von Feedback-Gefahr. Das ist wirklich starker Tobak. Die Sound-Fader dienen mehr der Feinjustage und verbiegen auch in Vollauslenkung nicht den Sound – im Grunde stellt man seinen favorisierten Grundklang durch das Mischungsverhältnis der drei Klanglieferanten her. Strumming sowieso, aber auch mit den Fingerkuppen gespielte Pickings oder Bottleneck-Sachen kommen dermaßen lebendig, körperlich und dreidimensional zu Gehör, als wäre da schon ein Produzent am Werke gewesen.

Cole Clark Fat Lady (2)
(Bild: Dieter Stork)

 

Resümee

Klar, diese Cole-Clark-Gitarren polarisieren. Und das ist doch eigentlich eine gute Nachricht, denn Durchschnitts-Ware gibt es schon genug. Manche finden die Modelle aus Down Under hässlich, grob gebaut, teuer, was auch immer – aber eines ist unstrittig: die Bespielbarkeit ist tadellos, der unverstärkte Klang ist ausgezeichnet, und der Sound über PA ist überragend, und zwar ohne jegliche Bodentreter, Helferlein usw. Die Fat Lady legt hier einen ganz starken Auftritt hin – love it or leave it.

 

Plus

  • Design, Konstruktion
  • eigenständige Ausstrahlung
  • Verarbeitung, Werkseinstellung
  • Bespielbarkeit
  • A-Klang
  • E-Klang (mit Sternchen!)
  • Pickup-System

 

Cole Clark Fat Lady (3)

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