Test: Patina Guitars PS-7 LPB R Lake Placid Blue Relic
von Franz Holtmann,
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(Bild: Dieter Stork)
Patina Guitars ist ein neues Label aus dem Hause Jet und Spira Guitars mit Sitz in Slowenien und das will seinem Namen gerecht werden. Instrumente mit Vintage-Flair, aber in moderner Auslegung, die nicht nur junge Spieler zu überzeugen vermögen, so das Versprechen. Das wollen wir jetzt natürlich genauer wissen.
Der Firmeninhaber von iMusic Network Toni Götz hat ein Näschen für Trends. Mit Maybach Guitars hat er auch eine eigene, allseits geachtete Flaggschiffmarke entwickelt. Nun erweitert iMusic Network mit Patina Guitars sein Vertriebsprogramm um eine kleine Reihe von klassisch angelehnten, aber keineswegs profan ausgestatteten Double Cutaway Electrics. Designed in Europa, gebaut in China.
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Angeknockt und heißgemacht
Bild: Dieter Stork
Bild: Dieter Stork
Auf den ersten Blick hin ein herkömmliches ST-Design, entpuppt sich die Patina PS-7 LPB R Relic bei näherer Hinsicht dann doch als eine Gitarre von zeitgemäßer Ausstattung mit höchst achtbarem Materialeinsatz:
Der klassisch gestaltete Korpus aus dem leichtgewichtigen Paulownia verfügt über die üblichen Konturen zur komfortablen Anlage plus einer weiteren Abgleichung im unteren Cutaway. Auch der Aufnahmebereich des über eine Neckplate aufgeschraubten Halses aus geröstetem Mahagoni (!) – schön gleichmäßig gemasert und matt griffig mit Nitrolack versiegelt – wurde spieltechnisch förderlich gestaltet. Der einteilige Hals, zu einem gängigen Modern C-Profil geformt, ist mit einem Griffbrett aus Palisander kombiniert, dessen Radius mit 13,75“ flacher als traditionell üblich ausfällt.
22 Bünde mittlerer Stärke aus Edelstahl erweisen sich als bemerkenswert sauber kantenglatt verarbeitet; Dots an den üblichen Stellen im Griffbrett und fluoreszierende Sidedots markieren die Lagen.
Die parallel herausgeführte Kopfplatte ist mit sauber laufenden 6-in-Reihe montierten Locking-Mechaniken ausgestattet. Zugang zum eingelegten Halsstab finden wir auch am Kopf über das mit Palisander gefütterte Schlüsselloch. Die Saiten, E- und H-Saite passieren einen Stringtree, werden über den schmalen Sattel aus Knochen mit 645-mm-Mensur hinüber zum Standard Tremolo am Body mit Einsteckarm und Alugussblock geführt. Dessen Saitenreiter sind nicht nur individuell beweglich, sondern erweisen sich dank versenkt angebrachter Madenschrauben bei angenehm glatter und vollkommen planer Oberfläche als löblich frei von jeglicher Verletzungsgefahr.
Elektrik: Bei den auf ein Pickguard mit Tortoise-Look geschraubten Pickups handelt es sich um speziell für diese Reihe entworfene Custom-Anfertigungen mit Alnico-Magneten in HSS-Konfiguration. Verwaltet werden die zwei Single Coils plus Humbucker ohne Kappe am Steg mit der traditionellen Schalt- und Regelmimik von 1x Volume, 2x Tone und 5-Wege-Schalter in der üblichen Positionierung, aber modern verschaltet: der untere Tone-Regler wirkt auf Mittel- und Steg-Pickup. Analog zur Vintage-Optik finden wir dahinter auf der Frontseite auch die Ausgangsbuchse.
Die Gitarre ist rundum und tadellos mit Nitrolack versiegelt, dem leicht sparkelig schimmernden Lake Placid Blue des Bodys wurde zurückhaltend und namensgerecht eine eher schon elegante Patina verschafft.
Mahagoni-Hals mit flachem Palisandergriffbrett und Edelstahlbundierung (Bild: Dieter Stork)
Ja und Amen?
Ja, wie schön. Noch so eine Double Cutaway Solidbody Electric mit Referenz an den guten alten Liebhaber von Cowboy-Musik Leo Fender. Tut das wirklich Not? Die PS-7 LPB R von Patina Guitars mischt sich selbstbewusst ein in eine große, nach Aufmerksamkeit heischende Konkurrenz sehr ähnlich aufgestellter Modellversionen. Da heißt es, sich etwas einfallen lassen, um Interesse beim geradezu überfütterten Publikum zu wecken.
Die formale Ausgestaltung dieses nicht ohne Grund beliebten ST-Konzepts mit fluffigen Korpuskonturen und kaum zu toppender Handhabung ist quasi gesetzt, aber immerhin lässt sich da am Hals-/Korpus-Übergang und im Cutaway unten zugunsten verbesserten Spielkomforts noch etwas Holz einsparen. Die Glamour-Lackierung in leuchtendem Lake Placid Blue mit eher charmanten Blessuren verfehlt ihre Wirkung wohl ebenfalls nicht.
Hervorzuheben ist bei der PS-7 LPB R aber besonders die außergewöhnliche Holzwahl mit Paulownia (Blauglockenbaum – leicht, schnellwachsend) und Mahagoni. Sowieso ist sie dank Paulownia-Korpus mit nur 3,0 kg angenehm leicht. Vor allem zu nennen, ja zu loben ist aber ihr sehr schön profilierter Hals aus geröstetem Mahagoni und dessen Palisandergriffbrett mit dem für einen Vintage-style ST-Typen eher ungewöhnlich flachen 13,75“-Radius.
Mit den überdies höchst akkurat gesetzten und kantenglatt verarbeiteten Edelstahlbünden geht das Spiel bei tief gelegten Saiten damit einfach besonders locker von der Hand. Bendings gleiten wie auf Schienen. Bestens!
Schon abseits vom Amp zeigt dieses Modell dann auch noch ein ungemein vitales Schwingverhalten mit luftigem Abrollen von Akkorden bei bester stimmlicher Transparenz und charakterstarker Klangfarbe. Ansprache, Intonation und Tonlänge können ebenfalls über das gesamte Register hinweg überzeugen. „Not bad at all!“
Wenden wir uns nun den elektrischen Optionen der PS-7 zu, die mit ihren Alnico-Pickups in moderner Humbucker/Singlecoil/Singlecoil-Konfiguration (modern, jawoll – gibt es erst seit den 70er Jahren 🙂 offenbar ein erweitertes Spektrum an Sounds abdecken will.
Die Pickups in Hals- und Mittelposition beeindrucken, klangfarblich effektiv differenziert durch ihre Einbauposition, mit kraftvoll direkter Tonumsetzung. Ein Singlecoil-Sound wie er im Buche steht: kehlig und saftig zugleich! Der Einspuler am Hals reagiert direkt und sensibel auf Anschlagsposition und -stärke.
Das erfreulich gute Dynamikverhalten spiegelt sich in der rhythmischen Clean-Arbeit mit ausgesprochen crispen Akkorden und glasigen Linien so gut, wie auch in anzerrenden Einstellungen. Dort überzeugen knapp gespielte Akkorde mit schön kernigem Crunch. Mehr noch aber bewährt sich dieses offen präsente Tonverhalten im offensiveren Overdrive-Modus. Der scharf akzentuierte Anriss bietet zusammen mit dem schnellen Tonreflex einfach alles, was man sich aus dieser Herzposition einer Strat an kehligem Growl und feurig raunendem Atem nur wünschen kann – erstaunlich!
Vintage-style Tremolo mit glatter Oberfläche (Bild: Dieter Stork)
Das gilt lediglich klangfarblich in ein höheres Register versetzt auch für den Mittel-Pickup, der ebenfalls mit den vorgenannten Vorzügen umsetzt, nicht ganz diesen Tiefgang erreicht, aber dafür mit mehr Leichtigkeit beste Dienste leistet und authentisches kalifornisches Sound-Ambiente vermittelt.
Dem Humbucker am Steg ist ebenfalls ein ausgewogenes und richtig ordentlich durchzeichnetes Klangbild zuzusprechen. Was Höhenausstattung und Präsenz angeht, kann er mit den Single Coils allerdings nicht ganz gleichziehen. Er ist aber mit seinen 18 kOhm auch nicht unbedingt auf Clean-Sounds hin gewickelt. Dennoch macht er auch dort noch einen ordentlichen Job, erweist sich aber in höheren Gain-Stufen des Amps mit markanter Ansprache und fest stehendem Ton mit obertonreichem Atem als deutlich effektiver.
Locking-Mechaniken (Bild: Dieter Stork)
Dann liegen in den Schaltpositionen 2 und 4 noch die zusammengeschalteten Pickups von Hals/Mitte, bzw. Steg/Mitte an, welche deutlich ausgekämmte Sounds anbieten. Das Klangrepertoire wird damit um spezielle Kehl-Sounds durchaus sinnvoll erweitert.
Mit dem gut eingestellten Tremolo lässt sich am Ende auch noch gut arbeiten. Dieser klassische Vertreter der bewährten 6-Punkt-Vibratoeinheit funktioniert nicht nur ordentlich, sondern punktet überdies auch noch mit handfreundlich glatter Oberfläche.
Resümee
Was will man machen? Immer wieder kommen uns Modellvarianten des inzwischen klassischen ST-Typen unter die Hände, die, obwohl formal natürlich wenig überraschend, dann doch einzelne Aspekte besonders fokussieren und damit einfach Freude bereiten. Die neue PS-7 LPB R von Patina Guitars ist so ein Instrument, das auch schon akustisch beeindruckend klingt. Alle Patina-Gitarren kommen mit leicht modernisiertem Paulownia-Body und das vorliegende Top-Modell verfügt darüber hinaus auch noch über einen Hals aus geröstetem Mahagoni.
Der spielt sich mit seiner Bundierung aus Edelstahl im flachen Griffbrett aus Palisander einfach ganz ausgezeichnet. Als bemerkenswert gut erweisen sich auch die Singlecoil-Pickups dieser Gitarre in Hals- und Mittelposition: kraftvoll, kehlig, präsenz- und durchsetzungsstark bieten sie einfach beste, authentisch offene Sound-Ästhetik. Der am Steg positionierte Humbucker ist auf höheren Output hin gewickelt und kommt in Zerre genommen besser weg als im Clean-Kanal.
Das ist durchaus vertretbar, und da von der Materialzusammenstellung (Paulownia-Korpus, gerösteter Mahagonihals mit Palisandergriffbrett), der hochwertigen Ausstattung (Edelstahlbünde, Locking-Mechaniken, stimmstabiles Tremolo, Strap Locks), bis hin zu sauberer Verarbeitung und spielbereitem Setup keine Fragen mehr offen bleiben, kann es nur heißen: Top-Gitarre mit bestem Preis-Leistungsverhältnis – Willkommen Patina Guitars!
Ich hoffe mal sehr, Fender hat diese Firma noch nicht auf ihrem Abmahn-Radar. 😉